Ben Carson

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Ben Carson (2015)

Benjamin Solomon „Ben“ Carson (* 18. September 1951 in Detroit, Michigan) ist ein US-amerikanischer pensionierter Neurochirurg, Autor und konservativer politischer Kommentator. Bekannt wurde er durch Trennungsoperationen siamesischer Zwillinge.[1] Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 bewarb er sich um die Nominierung durch die Republikaner.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ben Carson stammt aus einem Ghetto Detroits. Als er acht war, ließen sich seine Eltern scheiden. Fortan erzog seine Mutter Sonya Carson, die lange an Depressionen litt, ihn und seinen Bruder allein. Carson war anfangs ein schwacher Schüler, der von anderen als Dummerchen bezeichnet wurde. Seine Mutter, die selbst nur drei Jahre die Schule besucht hatte, schickte ihn wöchentlich in die Bibliothek. Seine schulischen Leistungen verbesserten sich und rückblickend bekannte der bekennende Siebenten-Tags-Adventist, dass Gott und die Liebe der Mutter ihm Halt und Antrieb im Leben gaben.[2] Ben Carson lebt mit seiner Frau Candy Carson, seinen drei Söhnen und seiner Mutter zusammen.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carson absolvierte 1973 ein Psychologie-Studium an der Yale University und wechselte anschließend[3] in ein Studium an der medizinischen Fakultät der University of Michigan, das er 1977 beendete. Im Anschluss daran nahm er am Johns Hopkins Hospital an einem Ausbildungsprogramm als Assistenzarzt in der Neurochirurgie teil. 1984 wurde er zum Chefarzt der Neurochirurgie an der Johns-Hopkins-Klinik gewählt. Damit war er der jüngste Chefarzt in den USA. Im Jahr 2013 beendete er seine medizinische Karriere.

Bekannt ist Ben Carson insbesondere für seine Trennungsoperationen an siamesischen Zwillingen.

Am 19. Juni 2008 wurde Ben Carson im Weißen Haus durch Präsident George W. Bush die Presidential Medal of Freedom verliehen.

Seine erste Trennung siamesischer Zwillinge nahm Carson 1987 im Johns Hopkins Hospital vor. Benjamin und Patrick Binder aus Ulm waren am Kopf zusammengewachsen (Kraniopagus) und überlebten die Operation, waren danach jedoch geistig behindert.[2]

Die nächste Trennungsoperation nahm er 1994 im südafrikanischen Pretoria an den neun Monate alten Mädchen Mahlatse und Nthabiseng Makwaeba vor. Nthabiseng starb wenige Stunden nach der zwanzigstündigen Operation an Herzversagen, Mahlatse starb einen Tag später an Nierenversagen. Wie sich herausstellte, lebten die ebenfalls am Kopf zusammengewachsenen Zwillinge symbiotisch, hatten jedoch aufgrund ihres Gesundheitszustandes ohne die Operation keine gemeinsame Überlebenschance.[4]

Im selben Krankenhaus in Pretoria leitete er 1997 die Trennungsoperation der sambischen Brüder Joseph und Luka Banda. Die elf Monate alten Kinder waren die ersten Kraniopagus-Zwillinge mit gegensätzlicher Blickrichtung, die die Operation ohne geistige Behinderung überlebten.[5]

Carson gehörte 2003 dem Team an, das in Singapur die 29 Jahre alten iranischen Zwillinge Ladan und Laleh Bijani trennen sollte. Die Operation galt bei den bereits erwachsenen Patienten als risikoreich, letztlich starben beide Schwestern während der über 50 Stunden langen Operation an Blutverlust.

Im September 2004 leitete er im Johns-Hopkins-Hospital die Trennungsoperation von Lea und Tabea Block aus Lemgo. Tabea starb bei der 30-stündigen Operation,[1][2] ihre Schwester war zeitweilig fast blind,[6] kann jedoch ein eingeschränkt normales Leben führen.[7]

Neben seiner Arbeit als Neurochirurg veröffentlichte Ben Carson sechs Bücher bei der internationalen christlichen Mediengruppe Zondervan, die zum amerikanischen Verlag HarperCollins gehört. Mitte 2013 gab er seine Arbeit als Neurochirurg auf[8]; seitdem ist er als Redner und Kommentator für konservative Gruppen und Medien wie Fox News aufgetreten.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

US-Präsidentschaftskandidatur 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ben Carson am 26. Februar 2015 auf der Conservative Political Action Conference (CPAC)
August 2015: Carson gibt Autogramme auf einer Wahlkampfreise

Ende Juli 2014 kündigte Ben Carson an als Kandidat der Republikanischen Partei zu den US-Präsidentschaftswahlen 2016 antreten zu werden.[9]

Ben Carson vertritt äußerst kontroverse Positionen. So bestreitet er den wissenschaftlichen Konsens (Klimatologie), dass die gestiegene Konzentration der vom Menschen in die Erdatmosphäre freigesetzten Treibhausgase mit hoher Wahrscheinlichkeit die wichtigste Ursache der Globalen Erwärmung ist.[10] Weiterhin ist Ben Carson für die Abschaffung von Medicare, einem Sozialversicherungs-Programm, das die Krankenversicherung für 49 Millionen US-Senioren gewährleistet.[11] Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der heterosexuellen Ehe lehnt er ab und verglich in diesem Zusammenhang Homosexuelle mit Pädophilen.[12] Im Oktober 2015 erregte er Aufsehen durch seine Behauptung, strenge Waffenkontrollgesetze hätten den Holocaust begünstigt.[13] Im November behauptete er, die ägyptischen Pyramiden seien keine Pharaonengräber, sondern die biblischen Kornspeicher, die Josef angelegt habe.[14]

Trotz (oder wegen) seiner extremen Positionen und bedingt durch die Stimmung an der republikanischen Parteibasis, die derzeit politische Quereinsteiger gegenüber erfahrenen Amtsträgern bevorzugt, gelang es Carson, ab Anfang September 2015 in parteiinternen Umfragen fast konstant den zweiten Platz einzunehmen. Er überholte damit prominente Republikaner wie Jeb Bush, Chris Christie oder Rand Paul. Vor Carson rangierte in Umfragen während des Spätsommers 2015 lediglich der milliardenschwere Immobilienunternehmer Donald Trump, der vor allem durch seine Medienpräsenz und sein Auftreten gegen das politische Establishment stark an Zustimmung gewann.[15][16] In einer gemeinsamen Umfrage des TV-Senders CBS News und der The New York Times lag Carson Ende Oktober sogar vier Prozentpunkte vor Trump. Andere Umfragen aus derselben Woche ergaben jedoch einen teils deutlich zweistelligen Vorsprung für den Unternehmer.[17] Anfang November gelang es Carson erstmals, in der Umfrageaggregation der Website RealClearPolitics an Trump vorbei knapp auf den ersten Platz der republikanischen Bewerber zu ziehen. Wenige Tage später verdrängte Trump ihn wieder knapp von der Spitzenposition.[18] Nach bei der Huffington Post veröffentlichten Umfragen erreichte Carson bis Mitte November aggregiert rund 20 Prozent der befragten republikanischen Wähler. Damit nimmt er nach Trump (28 Prozent) den zweiten Platz ein. Alle anderen der insgesamt 15 Kandidaten lagen um mindestens sieben Prozentpunkte hinter Carson zurück.[19]

Im Vorfeld der dritten Fernsehdebatte der Republikaner Ende Oktober drohte Carson mit seinem Fernbleiben, sollte das Format nicht auf eine Dauer von zwei statt der geplanten drei Stunden beschränkt werden. Zuvor war die zweite (dreistündige) Debatte als zu langatmig in die öffentliche Kritik geraten. Die Initiative zur Androhung eines Boykotts ging von Donald Trump aus, der dem Sender CNBC vorwarf, durch eine längere Sendedauer mehr Werbeeinnahmen generieren zu wollen. Auf Trumps Nachfrage schloss sich Carson der Boykottdrohung an. CNBC gab anschließend dem Druck der beiden in Umfragen führenden Bewerber nach.[20] Carson war über mehrere Monate der erfolgreichste Fundraiser der republikanischen Kandidaten.

Einen Rückschlag in seinem Wahlkampf erlitt Carson im November 2015, da sich herausstellte, dass er kein umfassendes Stipendium von West Point bekommen hatte, wie er in seinen Biografien behauptete.[21] Bis Jahresende 2015 fiel Carson in Umfragen hinter Donald Trump, Ted Cruz und Marco Rubio auf den vierten Platz für die republikanische Spitzenkandidatur zurück. Gleichzeitig trennte er sich von mehreren seiner extrem erfolgreichen Fundraiser und Wahlkampfmanager, wobei die Gründe zunächst unklar blieben.[22]

Nachdem Mitte Januar 2016 bei einem Verkehrsunfall ein Wahlkampfhelfer Carsons ums Leben kam sowie drei weitere schwer verletzt wurden, setzte er seinen aktiven Wahlkampf für einige Tage aus Respekt gegenüber den Hinterbliebenen aus.[23]

Ende Februar deutete Carson in einem Interview an, dass er sich von seinen Fundraisern getrennt hatte, weil der Verdacht bestand, dass diese die Kampagne so gestaltet hatten, dass von ihnen selbst gegründete Unternehmen oder solche, an denen Familienmitglieder beteiligt waren, besonders profitierten.[24] Carsons Team hatte massiv Wahlkampfspenden eingeworben, diese aber weit überproportional wieder für die Spendenwerbung ausgegeben. Dabei setzten die Manager besonders auf teure Methoden wie Direct Mailing und Telemarketing und beauftragten Unternehmen, an denen sie selbst oder Familienmitglieder beteiligt waren.„Wir hatten Leute, die anscheinend die Finanzen nicht verstanden,“ sagte Carson im Februar bei CNN „Oder vielleicht taten sie es mit Absicht.“

Damit räumte er die schon seit Monaten von Medien diskutierte Möglichkeit ein, dass Carsons Wahlkampagne als Betrugsmasche angelegt war.[24]

Er beendete seine Wahlkampfkampagne am 5. März 2016.[25][26]

Rolle im Wahlkampf für Donald Trump[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März 2016, wenige Tage nach seinem Ausscheiden, gab Carson seine Unterstützung für Donald Trump im weiteren Wahlkampf bekannt. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärte Trump zudem, Carson sollte seinem Wahlkampfteam als Berater in den Bereichen Gesundheits- und Bildungspolitik angehören.[27] Anfang Mai, nachdem alle übrigen Bewerber ihre Kandidatur aufgaben und Trump de facto als republikanischer Präsidentschaftskandidat feststand, übernahm Carson die Leitung bei der nach Suche nach einem geeigneten Bewerber für das Amt des Vizepräsidenten. Da Trump ankündigte, einen Kandidaten mit politischer Erfahrung vorzuziehen, gilt Carson selbst nicht als Anwärter auf diesen Posten. Trump deutete jedoch an, der pensionierte Arzt könne eine Rolle in einer möglichen Trump-Administration spielen.[28]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 wurde Carsons bisheriges Leben mit Cuba Gooding junior in der Hauptrolle verfilmt. Der Film „Begnadete Hände – Die Ben Carson Story“ lehnt sich an seine Biografie an.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ben Carson: Begnadete Hände. 4. Auflage, Gerth-Medien, Aßlar 1999, ISBN 3-89437-628-7
  • Ben Carson, Cecil Murphey: Nimm dir Großes vor. Advent-Verlag, Lüneburg 1996, ISBN 3-8150-1267-8
  • Benjamin S. Carson: The Big Picture. Zondervan Publishing Co., Grand Rapids 2000, ISBN 0-310-23834-X
  • Benjamin S. Carson: Take The Risk. Zondervan Publishing Co., Grand Rapids 2008, ISBN 0-310-25973-8
  • Ben Carson: Das Ziel heißt Leben! SCM Hänssler, Holzgerlingen 2008, ISBN 978-3-7751-4907-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ben Carson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSonja Kastilan: Begnadete Hände. In: Die Welt. 20. September 2004, abgerufen am 4. November 2012.
  2. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBenjamin Carson: Der Mann, der Lea und Tabea trennte. In: Stern.de. 22. September 2004, abgerufen am 4. November 2012.
  3. http://www.achievement.org/autodoc/page/car1bio-1
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJonathan Bor: Joined twins shared more than artery to brain. In: The Baltimore Sun. 30. Juni 1994, abgerufen am 4. November 2012 (englisch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatClaudia Dreifus: A conversation with: Benjamin S. Carson; A Pioneer at a Frontier: The Brain of a Child. In: The New York Times. 4. Januar 2000, abgerufen am 4. November 2012 (englisch).
  6. Thomas Wolff: Dr. Risiko. In: Frankfurter Rundschau. 16, 65. Jahrgang, 20. Januar 2009, S. 48 (fr-online.de).
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFamilie Block: Tabea & Lea. Abgerufen am 4. November 2012.
  8. Aaron Blake: Ben Carson announces retirement, feeds presidential speculation. In: Washington Post, 16. März 2013. Abgerufen am 13. November 2015. 
  9. Ben Carson on Running for President: 'It Is a Step Closer', Newsmax, 28. Juli 2014
  10. Tomas Monzon: Gov. Jerry Brown sends climate change report to presidential candidate Ben Carson. In: UPI. 12. September 2015, abgerufen am 5. März 2016.
  11. Kyle Cheney, Jason Millman: Dr. Ben Carson's prescription: Abolish Medicare. In: Politico. 22. Oktober 2015, abgerufen am 5. März 2016.
  12. Breanna Edwards: Carson: 'I apologize' for gay remark. In: Politico. 29. März 2013, abgerufen am 5. März 2016.
  13. Andreas Ross: Präsidentenbewerber in Amerika: „Hätten Juden Waffen gehabt, hätte es den Holocaust so nicht gegeben“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online. 9. Oktober 2015, abgerufen am 5. März 2016.
  14. Nathan McDermott, Andrew Kaczynski: Ben Carson: Egyptian Pyramids Built For Grain Storage, Not By Aliens Or As Tombs. In: BuzzFeed. 5. November 2015, abgerufen am 5. März 2016 (englisch).
  15. Republican presidential nomination, Real Clear Politics, Aktuelle Umfragen (englisch)
  16. Poll: Donald Trump and Ben Carson increase lead over Jeb Bush, CBS-News, 19. Oktober 2015 (englisch)
  17. Umfragewerte im US-Vorwahlkampf: Ben Carson überholt Trump. In: Spiegel Online. (Online [abgerufen am 27. Oktober 2015]).
  18. 2016 Republican Presidential Nomination. In: RealClearPolitics, abgerufen am 4. November 2015 (englisch). Siehe auch Philip Bump: Donald Trump Led the Polls for 107 Straight Days. Until Today. In: The Washington Post, 4. November 2015 (englisch).
  19. 2016 National Republican Primary, HuffPost Politics, 14. November 2015 (englisch)
  20. Ben Kamisar, Bradford Richardson: Trump, Carson threaten to boycott next GOP debate. In: The Hill. 15. Oktober 2015, abgerufen am 5. März 2016 (englisch).
  21. Chris Cillizza: Ben Carson didn’t get a ‘full scholarship’ from West Point. That’s a big problem for his campaign. In: Washington Post. 6. November 2015, abgerufen am 5. März 2016.
  22. David A. Graham: The Carson Campaign's Year-End Collapse. In: The Atlantic. 31. Dezember 2015, abgerufen am 5. März 2016 (englisch).
  23. Shaquille Brewster: Ben Carson to Resume Campaign After Volunteer's Death. In: NBC News Online. 20. Januar 2016, abgerufen am 5. März 2016 (englisch).
  24. a b David A. Graham: Does Ben Carson Suspect His Campaign Was a Scam? In: The Atlantic. 24. Februar 2016, abgerufen am 5. März 2016 (englisch).
  25. US-Vorwahlkampf der Republikaner: Ben Carson gibt auf. In: n-tv. 5. März 2016, abgerufen am 5. März 2016.n-tv.de
  26. Axel Postinett: Ben Carson gibt auf. In: Handelsblatt. 5. März 2016, abgerufen am 5. März 2016.
  27. Carson spricht sich für Trump aus, zeit.de, 11. März 2015
  28. Donald Trump: Ben Carson May Help Pick VP, USNews, 4. Mai 2016 (englisch)