Bernd Althusmann

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Bernd Althusmann (2016)

Bernd Althusmann (Aussprache: [alt'huːsman][1]; * 3. Dezember 1966[2] in Oldenburg, Niedersachsen) ist ein deutscher Politiker (CDU) und niedersächsischer Landtagsabgeordneter. Er ist seit dem 26. November 2016 Landesvorsitzender der CDU Niedersachsen und war deren Spitzenkandidat für die Wahl zum 18. Niedersächsischen Landtag. Vom 27. April 2010 bis zum 19. Februar 2013 war er niedersächsischer Kultusminister. Seit dem 22. November 2017 ist er Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung und stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Weil II.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Althusmann ist der Sohn eines Pastors und einer Krankenschwester und lebt seit 1976 im Landkreis Lüneburg. Nach dem Abitur 1986 am Gymnasium Herderschule Lüneburg schlug er bis 1994 eine Offizierslaufbahn bei der Panzertruppe der Bundeswehr ein, während der er ein Studium der Pädagogik mit Schwerpunkt Personalwesen an der Bundeswehruniversität Hamburg mit dem Abschluss Diplom-Pädagoge absolvierte. Anschließend studierte er an der Fachhochschule für Berufstätige in Lahr, die zu den AKAD-Privathochschulen gehört, das Fach Betriebswirtschaft mit dem Abschluss eines Diplom-Betriebswirtes (FH). 2007 wurde er an der Universität Potsdam mit der Note „ritepromoviert; sein Thema war Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung : Folgen für die Personalentwicklung.

Von Dezember 2013 bis Juni 2016 war er Leiter der Auslandsvertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung Namibia und Angola. [3] Nach seiner Rückkehr leitete er zunächst das Büro Hannover der TOPOS Personalberatung GmbH.[4]

Er ist Hauptmann der Reserve der Bundeswehr.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernd Althusmann am 28. Februar 2018 im Plenum des Niedersächsischen Landtages

Von 1994 bis 2009 war Bernd Althusmann Mitglied des Niedersächsischen Landtages und zuletzt parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Weiterhin war er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Lüneburg.

Am 16. Juni 2009 wurde Althusmann Staatssekretär des Niedersächsischen Kultusministeriums; er legte dafür sein Abgeordnetenmandat nieder.[5] Für ihn rückte Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann in den Landtag nach. Im April 2010 folgte Althusmann ihr im Amt des Kultusministers im Kabinett McAllister nach. Im Jahr 2011 war Althusmann Vorsitzender der Kultusministerkonferenz.[6] Nach der verlorenen Landtagswahl 2013 schied er im Februar 2013 aus dem Ministeramt aus; seine Nachfolgerin ist Frauke Heiligenstadt (SPD).

Bei der Landtagswahl 2013 unterlag Althusmann als Direktkandidat im Wahlkreis Lüneburg der SPD-Kandidatin Andrea Schröder-Ehlers. Aufgrund der zahlreichen andernorts errungenen Direktmandate der CDU zog Althusmann trotz seiner Aufstellung auf Listenplatz 4 auch nicht über die Landesliste seiner Partei in den Landtag ein. Durch seinen Umzug nach Namibia verlor er überdies seine Wählbarkeit, sodass er nach dem plötzlichen Tode des Abgeordneten Norbert Böhlke auch nicht mehr als Nachrücker infrage kam.

Am 17. September 2016 nominierte eine gemeinsame Sitzung von CDU-Landesvorstand und -Landtagsfraktion Althusmann als Landesvorsitzenden und Spitzenkandidat der CDU für die Wahl zum 18. Niedersächsischen Landtag.[7] Der Landesparteitag der CDU Niedersachsen wählte ihn hiernach am 26. November 2016 in Hameln zum Landesvorsitzenden und bestätigte einstimmig seine Wahl zum Spitzenkandidaten.[8] In dieser Funktion gelang es ihm bei der vorgezogenen Neuwahl am 15. Oktober 2017 jedoch nicht, mehr Stimmen auf die CDU zu vereinigen als der amtierende Ministerpräsident Stephan Weil auf die SPD. Althusmann errang im Wahlkreis Seevetal ein Direktmandat.[9] Landesweit erhielt seine CDU jedoch lediglich 33,6 Prozent der Stimmen; das war ihr schlechtestes Ergebnis in Niedersachsen seit fast 60 Jahren.[10] Althusmann ließ sich am 17. Oktober 2017 zunächst zum Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion wählen, nahm Koalitionsverhandlungen mit der SPD auf.

Am 16. November 2017 wurde er als Minister für Wirtschaft und Digitales in einer Großen Koalition unter Ministerpräsident Weil nominiert (Kabinett Weil II), ein Amt, das er seit 22. November 2017 innehat.[11]

Mandate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Althusmann sitzt seit Dezember 2017 für das Land Niedersachsen im Aufsichtsrat der Volkswagen AG[12] und im Aufsichtsrat der Niedersachsen Ports, dem Betreiber der landeseigenen Häfen in Niedersachsen.[13]

Plagiatsvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2011 wurde berichtet, dass Althusmann in seiner Dissertation an etlichen Stellen inhaltlich oder wörtlich Texte aus anderen wissenschaftlichen Werken übernommen haben soll, ohne dies entsprechend zu kennzeichnen.[14] Eine Analyse der Doktorarbeit, so Die Zeit, habe ergeben, dass die untersuchten Hauptkapitel eine „großflächig angelegte Kollage von Zitaten“ seien. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete es hierbei als „besonders pikant“, dass eine der wichtigsten Aufgaben von Althusmann als Präsidenten der Kultusministerkonferenz „die Sicherung der ‚Qualitätsstandards in Schule und Hochschule‘“ sei. Althusmann räumte daraufhin „handwerkliche Fehler“ ein, schloss aber politische Konsequenzen aus.[15]

Eine fünfköpfige Untersuchungskommission der Universität Potsdam unter dem Vorsitz des Juraprofessors Tobias Lettl überprüfte den Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens.[16] Am 1. Dezember 2011 stellte sie ihre Untersuchung ein und teilte mit, die Plagiatsvorwürfe hätten sich nicht erhärtet,[17] die Arbeit enthalte aber „Mängel von erheblichem Gewicht“ (Zitat Lettl), die nicht guter wissenschaftlicher Praxis entsprechen.[18]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Althusmann hat zwei Kinder aus seiner ersten Ehe sowie ein Kind mit seiner zweiten Ehefrau.[19]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bernd Althusmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ausgesprochen schwierig? Der Name Althusmann. NDR.de, Nachrichten Niedersachsen, 30. September 2017.
  2. Gabriele Andretta (Hrsg.), Referat für Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Protokoll: Landtag Niedersachsen. Handbuch des Niedersächsischen Landtages der 18. Wahlperiode. 2017 bis 2022, 1. Auflage, Hannover: Niedersächsischer Landtag, 2018, S. 5f.
  3. Kontakt, Auslandsbüro Namibia und Angola, Konrad-Adenauer-Stiftung
  4. TOPOS Personalberatung GmbH. In: www.topos-consult.de. Abgerufen am 17. September 2016.
  5. Dr. Bernd Althusmann neuer Staatssekretär im Kultusministerium, Pressemitteilung des Niedersächsischen Kultusministeriums vom 9. Juni 2009.
  6. Kultusminister Althusmann wird 2011 Präsident der Kultusministerkonferenz, Pressemitteilung des Niedersächsischen Kultusministeriums vom 9. Dezember 2010.
  7. Landtagswahl 2018 Althusmann wird CDU-Spitzenkandidat. In: Spiegel Online, 17. September 2016 (Agentur-Meldungen).
  8. Bernd Althusmann führt CDU in Niedersachsen als Spitzenkandidat zur Landtagswahl. In: CDU in Niedersachsen, 26. November 2016.
  9. n-tv Nachrichtenfernsehen: SPD luchst CDU über 20 Direktmandate ab. In: n-tv.de. (n-tv.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  10. Schwierige Koalitionssuche in Niedersachsen hat begonnen. In: https://www.merkur.de. 16. Oktober 2017 (merkur.de [abgerufen am 17. Oktober 2017]).
  11. [Lebenslauf Minister Dr. Bernd Althusmann. Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung], mw.niedersachsen.de
  12. Niedersachsen entsendet Althusmann in den VW-Aufsichtsrat. welt.de vom 12. Dezember 2017
  13. Minister Dr. Bernd Althusmann nimmt Aufsichtsratsmandat der Niedersachsen Ports GmbH & Co.KG (NPorts) wahr, stk.niedersachsen.de vom 7. Dezember 2017
  14. Martin Spiewak: Bernd Althusmann: Trübe Quellen. In: Die Zeit, 6. Juli 2011.
  15. Plagiatsvorwürfe gegen Kultusminister. Doktorarbeit: Althusmann soll abgeschrieben haben. In: Süddeutsche Zeitung, 6. Juli 2011.
  16. Schlampige Doktorarbeit: Uni startet Plagiatsverfahren gegen Althusmann. In: Spiegel Online, 27. Juli 2011.
  17. Althusmann darf Doktortitel behalten. In: Süddeutsche Zeitung, 1. November 2011.
  18. Unsauber gearbeitet, aber nicht getäuscht. In: Süddeutsche Zeitung, 1. Dezember 2011.
  19. Althusmann zum dritten Mal Vater geworden (Memento des Originals vom 20. Januar 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/nachrichten.t-online.de, Meldung von dapd-nrd vom 11. Oktober 2010