Bewahrung der Schöpfung

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Bewahrung der Schöpfung ist ein religiös orientiertes Motto, das seit den 1980er Jahren in die Zielvorstellungen zahlreicher christlicher Friedens- und Umwelt-Initiativen Eingang gefunden hat.[1] Auslöser war der Konziliare Prozess, der auf der VI. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Vancouver (Kanada) 1983 seinen Anfang nahm.[2] Das Wort Bewahrung erinnert an die Verantwortung des Menschen für seine Umwelt, während der Begriff Schöpfung neben seinem metaphysischen Inhalt auch den Gedanken einer gemeinsamen, christlich geprägten Welt der Menschheit und aller Lebewesen ausdrückt.

Das Motto kennzeichnet unter anderem folgende Initiativen:

Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Sicht solcher Christen, die das Motto „Bewahrung der Schöpfung“ unterstützen, beruht es auf dem Glauben, dass unsere Welt und all ihr Leben als Schöpfungswerk Gottes heilig sei. Sie vertreten die folgende Argumentation: Weil alle Formen des Lebens in Beziehung zueinander und zu Gott stünden, müsse diese Schöpfung bewahrt werden. Die Schöpfung und ihr Schutz bzw. der schonende Umgang mit der Welt und ihrem Leben, ist ein uraltes, aus der jüdischen Zivilisation und Kultur stammendes Anliegen (siehe unten). Die christliche Religion, eine der Mission, der Kultobjekte[3] und des Glaubens,[4] legt im konziliaren Prozess das Augenmerk darauf, die Welt so, wie sie von Gott vollendet erschaffen wurde, zu erhalten, auch für spätere Generationen. Hierbei ist allerdings nicht klar, in welchem Zustand die Schöpfung erhalten werden soll und aus wessen Perspektive betrachtend geurteilt wird.[5][6][7] Bei diesem Motto wird aber nicht klar, ob damit die Perspektiven der westlichen, christlich geprägten Zivilisationen mit Globalisierung, der Klimaänderung[8] und dem Atomzeitalter[9] maßgeblich sind, oder ob die Schöpfung in einem Zustand der Postindustrialisierung, in einem naturnäheren, mystischen Zustand, vergleichbar dem dunklen Mittelalter (siehe Aufblühen der Mittelalterfeste, Wallfahrten in Europa) oder anders unter globaler christlicher Hoheit, der Weltmission[10] erhalten werden soll.

Diese Interpretation der Bibel ist keineswegs universell; viele christliche Kirchen, gerade auch außerhalb Deutschlands, sehen es nicht als Aufgabe der Kirchen, sich beim Umweltschutz zu betätigen.[11]

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Judentum gibt es die Vorstellung der Tikkun olam (hebräisch für Verbesserung der Welt oder Reparieren der Welt), was sich aber traditionell auf soziale Fragen bezieht. In neuerer Zeit wird dies zum Teil auch im Sinne von Umweltschutz und Wiederaufforstung verstanden; z. B.[12] Dies ist vergleichbar mit dem Motto Bewahrung der Schöpfung, ist jedoch mehr als nur bloßes Motto. Das Judentum als eine Religion der Zeit[13] und der Tat[14] versteht sich als von Gott aufgerufen, die Schöpfung zu vollenden und auch zu heilen.[15][16] Der Tanach enthält älteste Schriften, die Tora vertritt von alters her Gebote, die als Umweltschutz und gegen Raubbau interpretiert werden können; zum Neujahrsfest der Bäume werden Bäume gepflanzt. Der jüdische Festkalender ist erheblich durch den natürlichen landwirtschaftlichen Jahreslauf bestimmt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ökumenische Initiative für eine gerechte, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtete Welt.
  2. Ökumenische Versammlungen
  3. „bei sich einen besonderen Priesterstand schufen, an die biblischen Vorschriften über die jüdischen Priester anknüpften,“ Felix Makower in: Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III; Knesebeck, München, 1999, S. 233 ff.
  4. Eberhard Jüngel: Gott als Geheimnis der Welt. 6. Aufl. Tübingen 1992, 238.
  5. Bewahrung der Schöpfung sind Kernanliegen unserer Politik CDU.de
  6. „Im Fachbereich Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung ist die Umweltarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart angesiedelt.“ Diözese Rottenburg-Stuttgart (Memento des Originals vom 27. Juni 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.drs.de
  7. Bewahrung der Schöpfung - Landscaritas-Verband Bayern
  8. „Bewahrung der Schöpfung - Einer der Grundsätze der Evangelischen Jugend ist es, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Gott hat uns nur eine Erde gegeben und es ist unsere Aufgabe, damit sorgsam umzugehen und sie auch für zukünftige Generationen zu erhalten.“ Evangelische Jugend (Memento des Originals vom 26. Juni 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ejbo.de
  9. „Vorwärts mit Atomenergie zur ‚Bewahrung der Schöpfung‘, wie die Union verkündet?“ Billig, sauber, tödlich Tagesspiegel.de vom 30. Juni 2008
  10. „Weltweit treten die Kirchen für eine andere Globalisierung ein. Sie unterstützen Projekte und Menschen in der Missionsarbeit, die für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintreten.“ Weltmission. Die andere Globalisierung. Mit der CredoCard zum Segen werden (Memento vom 12. Februar 2010 im Internet Archive)
  11. Moyers of America Citizens Class: Religion & the Environment
  12. „Das Judentum ist nicht nur ethisch, sondern die Ethik macht sein Prinzip, sein Wesen aus.“ Leo Baeck, zitiert nach: Walter Homolka: Tradition und Erneuerung. Die Reformbewegung und ihre Dynamik als größte religiöse Strömung des Judentums. Herder Korrespondenz 11, 2007. Online-Version
  13. „(...) Wenn man andere Religionen als Beziehung zwischen Mensch und Gott charakterisieren kann, so gilt für das Judentum, daß man es als eine Beziehung des Menschen zu der Tora und Gott sehen muß. Der Jude steht nie allein vor dem Antlitz Gottes; die Tora ist immer bei ihm. (...) Die Tora ist nicht die Weisheit, sondern das Schicksal Israels, nicht unsere Literatur, sondern unser Wesen. (...)“ Abraham Joshua Heschel: Gott sucht den Menschen - Eine Philosophie des Judentums. In der Reihe: Information Judentum, Band 2, Hrsg. von Zehuda Aschkenasy, Ernst Ludwig Ehrlich und Heinz Kremers, Neukirchener Verlag, 1992, S. 129.
  14. Max Wiener in: Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III; Knesebeck, München, 1999, S. 465; Stichwort: Nächstenliebe
  15. Gesetz und Umwelt: Tikun Olam - die Heiligung der Welt von Erich Fromm.
  16. Ethik und Monotheismus: Tikun Olam - Die Errettung der Welt von David Gall / haGalil onLine 18-01-2000

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]