Borbecker Nachrichten

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Borbecker Nachrichten

Beschreibung deutsche Wochenzeitung
Verlag Funke Mediengruppe
Erstausgabe 1949
Erscheinungsweise wöchentlich (freitags)
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2017)
2655 Exemplare

Die Wochenzeitung Borbecker Nachrichten aus dem Essener Stadtteil Borbeck ist im Frühjahr 1949 erstmals erschienen und gehört heute zur Funke-Mediengruppe.[1] Bei der Zeitung handelt es sich um eines der seltenen deutschen Exemplare einer lokalen Wochenzeitung, die nicht als kostenloses Anzeigenblatt verschenkt, sondern verkauft wird. Die verkaufte Auflage beträgt 2655 Exemplare, ein Minus von 81,9 Prozent seit 1998.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Borbecker Nachrichten (kurz: BN) wurden 1949 gegründet. Ihr Verleger Wilhelm Wimmer hatte in den 1920er Jahren beim Borbecker Lokal-Anzeiger als Redakteur gearbeitet. Als er die britische Lizenz für die BN erhielt, bauten er und seine Söhne Walter und Franz-Josef eine vollständig lokale Wochenzeitung auf, nach einem Vorbild, das der Kriegsgefangene Walter Wimmer in England kennengelernt hatte. 1953 übernahmen die beiden Söhne das Blatt vom Vater, 1959 kauften die beiden zudem die im Essener Stadtteil Werden erscheinenden Werdener Nachrichten.[3]

Trotz der lokalen Konkurrenz der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) entwickelten sich die BN zur zeitweise auflagenstärksten lokalen Wochenzeitung in Deutschland.[4] Noch Anfang 1998 erreichte das Blatt eine verkaufte Auflage von 15.210 Exemplaren.[5] Über alle Parteigrenzen hinweg wurde Walter Wimmer die Borbecker Persönlichkeit, die im kommunalen Konfliktfall um Rat gefragt wurde. In seiner Zeit als Redakteur und Herausgeber setzte sich Walter Wimmer immer engagiert für die Belange des Essener Stadtteils ein und scheute sich nie, Missstände beim Namen zu nennen. Anpassung an Behörden war ihm fremd. Stets hat er die Belange der sozial schwächeren Menschen verfolgt.[6]

Der publizistische Erfolg weckte das Interesse der WAZ-Mediengruppe. Nachdem der Verlag bereits 1986 Franz-Josef Wimmers Anteile der Borbecker Nachrichten erworben hatte,[7] verschärfte er Ende der 1990er Jahre den Wettbewerb durch Gründung von Lokalausgaben der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und eines Anzeigenblattes, um die beiden Blätter Borbecker Nachrichten und Werdener Nachrichten komplett übernehmen zu können.[8] Im Jahr 2000 gab Walter Wimmer nach und verkaufte beide Zeitungen an die WAZ.[9] Dies geschah zwar angeblich aus Altersgründen,[10] Wimmer war jedoch zuvor von der WAZ durch deren aggressive Expansionspolitik mürbe gemacht worden: Er bezeichnete das Verhalten der Aufkäufer in der Wochenzeitung Die Zeit als nackte Gewalt.[11]

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Borbecker Nachrichten gehören zu den deutschen Zeitungen mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 81,9 Prozent gesunken.[12] Sie beträgt gegenwärtig 2655 Exemplare.[13] Das entspricht einem Rückgang von 12.030 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 68,5 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[14]


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur zu den Borbecker Nachrichten im HBZ-Verbundkatalog: online.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeskartellamt, 6. Beschlussabteilung: Beschluss im Fusionskontrollverfahren B 6 – 98/13, Erwerb von Programmzeitschriften der Axel Springer SE durch die Funke Mediengruppe, 25. April 2014, S. 16, hier online.
  2. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  3. Roland Kirbach: Feindliche Truppen. Der WAZ-Konzern will die letzte eigenständige Zeitung im Ruhrgebiet schlucken. In: Die Zeit, 25. Juni 1998, hier online (1. November 2014).
  4. Kirbach: Feindliche Truppen.
  5. IVW I/1998, online, (3. November 2014).
  6. Wolfgang Sykorra: Walter Wimmer: Herausgeber der Borbecker und Werdener Nachrichten. In: Lothar Böning (Hrsg.): Von der Penne in die Welt. Borbecker Porträts. Essen 2013, S. 42–47.
  7. Michael Koester: Medien: Borbecker Nachrichten wird 60. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Ausgabe Essen, 4. April 2009, hier online (3. November 2014).
  8. Kirbach: Feindliche Truppen.
  9. Tankred Stachelhaus: Mitten ins Herz der Leser. Die Werdener Nachrichten feiern 150. Geburtstag. In: Neue Ruhr Zeitung, 1. September 2000, online unter [1] (31. Oktober 2014).
  10. Stichwort Borbecker Nachrichten Wilhelm Wimmer GmbH & Co KG. In: Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): medienatlas, Stand: August 2014, online (31. Oktober 2014).
  11. Roland Kirbach: Kleinkarierte WAZmänner. Der Verband der Lokalpresse protestiert gegen Zensur durch den westdeutschen Zeitungsriesen. In: Die Zeit, 16. Juli 1998, hier online(1. November 2014).
  12. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  13. laut IVW, drittes Quartal 2017, wöchentlich (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  14. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)