Britisches Territorium im Indischen Ozean

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British Indian Ocean Territory

Britisches Territorium im Indischen Ozean

Flagge des Britischen Territoriums im Indischen Ozean
Wappen des Britischen Territoriums im Indischen Ozean
Flagge Wappen
Wahlspruch: In tutela nostra Limuria (Latein)
In unserer Obhut ist Lemuria
Amtssprache Englisch
Regierungssitz London
Staatsform Britisches Überseegebiet
Staatsoberhaupt Elisabeth II.
Regierungschef Kommissar: Colin Roberts
Fläche 60 km²
Einwohnerzahl ca. 3500 (nur Militär)
Währung US-Dollar (de facto)
Nationalhymne God Save the Queen
Zeitzone UTC+6
Internet-TLD .io
Telefonvorwahl +246
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Über dieses Bild
British indian ocean map.png

Das Britische Territorium im Indischen Ozean (engl.: British Indian Ocean Territory) ist ein Britisches Überseegebiet, das heute nur noch den Chagos-Archipel umfasst.

Geographie[Bearbeiten]

Ground-Based Electro-Optical Deep Space Surveillance System auf Diego Garcia

Der Archipel besteht aus sechs Atollen mit rund 60 größtenteils unbewohnten kleinen Inseln. Es liegt bei 6° 0′ S, 71° 30′ O-671.5Koordinaten: 6° 0′ S, 71° 30′ O. Die größte Insel ist Diego Garcia im gleichnamigen Atoll. Die übrigen Atolle sind die Große Chagosbank, der größte Atollkomplex der Erde (mit Nelsons Island, Danger Island und Three Brothers), Peros Banhos, die Salomoninseln, die Egmont-Inseln, sowie das Blenheim-Riff, das nur bei Niedrigwasserstand die Wasseroberfläche erreicht und keine Inseln aufweist.

Die Inseln erstrecken sich über ein Seegebiet von 54.400 Quadratkilometern. Alle Inseln zusammen haben eine Fläche von 60 Quadratkilometern.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Das zum Territorium gehörende Chagos Archipelago ist eines der am besten geschützten tropischen Inselsysteme. Die Inseln bieten Lebensraum für viele Arten, vor allem Seevögel. Die Inseln besitzen 10 Important Bird Areas (IBA), einschließlich das Barton Point Reserve in Diego Garcia, welches die weltweit größte Population von Rotfußtölpel (Sula sula) beheimatet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bewohner der Inseln, die Îlois oder Chagossianer, wurden ab 1966 zwangsumgesiedelt und leben seither in Mauritius sowie auf den Seychellen und in Großbritannien. Die Inseln sind heute unbewohnt bis auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia, den Großbritannien gemeinsam mit den USA betreibt.

Geschichte[Bearbeiten]

Verlassene Plantage auf Diego Garcia

Die Inselgruppe steht seit 1814 unter britischer Hoheit.

Nach der Unabhängigkeit von Mauritius 1965 wurden die Atolle Aldabra, Farquhar und Desroche von der Kronkolonie Seychellen abgespalten und gemeinsam mit dem Chagos-Archipel zum Britischen Territorium im Indischen Ozean erkoren. 1976, nach der Unabhängigkeit der Seychellen, wurden Aldabra, Farquhar und Desroche zurückgegeben, sodass einzig der Chagos-Archipel im Territorium verblieb.

1966 erwarb Großbritannien die in Privatbesitz befindlichen Kopra-Plantagen und verpachtete den gesamten Archipel für fünfzig Jahre an die USA; in der Folge wurden die etwa 1.200 Einwohner nach Mauritius und auf die Seychellen zwangsumgesiedelt. Die US-Amerikaner errichteten ab 1971 auf der größten Insel Diego Garcia einen Militärstützpunkt, der zum Sperrgebiet erklärt wurde.

Von den sechs Atollen des Archipels darf nur das Salomon-Atoll, das nördlichste auf 5,3 Grad südlicher Breite, besucht werden. Es besteht aus zehn kleinen Inseln, von denen Boddam mit 800 × 150 Meter die größte ist. Bis 1965 wohnten hier etwa 400 Einheimische.

Die ehemaligen Inselbewohner kämpfen bis heute vor britischen Gerichten um ihr Recht auf Rückkehr. 1998 erhoben die Îlois vor einem britischen Gericht eine Klage auf Entschädigung und das Recht auf Rückkehr. Im Jahr 2000 erklärte der High Court of Justice die Deportationen für illegal und gestand den Deportierten das Recht auf Rückkehr zu, was aber folgenlos blieb. Im Jahr 2004 erließ Königin Elisabeth II. namens der Regierung eine Order-in-Council, die die Chagossianer aus ihrer Heimat verbannt. Im Mai 2006 erklärte das High Court of Justice diese Order-in-Council aus dem Jahr 2004 aber für rechtswidrig. Dies wiederum wurde von der Regierung angefochten und an den Court of Appeal verwiesen. Im Mai 2007 entschied der Court of Appeal zugunsten der Îlois. Die britische Regierung legte gegen das Urteil wiederum Berufung ein.[1] Am 22. Oktober 2008 gab das House of Lords der britischen Regierung recht und verbot die Rückkehr der Einwohner auf die Insel.[2] Dagegen wurde Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erhoben.[3] Ende 2012 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass er keine Jurisdiktion über die Sache der Chagossianer habe.[4] Anfang 2013 haben die Chagossianer Klage beim UN-Tribunal in Den Haag gegen das Vereinigte Königreich eingereicht.[5]

Im April 2006 konnte eine Gruppe von 100 Chagossianern auf Kosten des British Foreign Office den Chagos-Archipel besuchen.[6]

Im April 2012 wurde eine internationale Petition an die Vereinigten Staaten eingereicht, um das Weiße Haus darum zu bitten, den Fall der Chagossianer zu überprüfen. Eine offizielle Antwort wurde auf der Petitionsseite des Weißen Hauses veröffentlicht. Darin wird die Zuständigkeit für den Fall der Chagossianer an das Vereinigte Königreich verwiesen.[7]

Politik und Regierung[Bearbeiten]

Das Territorium wird von einem Kommissar (Commissioner) und einem Verwalter (Administrator) im Außenministerium des Vereinigten Königreiches in London verwaltet. Da die Bevölkerung nur aus Militär des Vereinigten Königreiches und der USA besteht, gibt es keine Wahlen und keine Zivilverwaltung auf den Inseln.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kantine auf Diego Garcia

Das größte Atoll Diego Garcia ist bis 2016 an die USA verpachtet, die es ausschließlich militärisch beziehungsweise geheimdienstlich nutzen. Da fast nur US-Militär stationiert ist, ist der US-Dollar die Währung. Briefmarken werden dennoch in Britischen Pfund ausgegeben.

Obwohl das Territorium praktisch nur aus einem Militärstützpunkt besteht, erscheint es in der offiziellen Handelsbilanz von Osttimor seit 2008[8] als neuntgrößtes Ziel von osttimoresischen Ausfuhren. 2009 exportierte der südostasiatische Staat 250 Tonnen Kaffee im Wert von 142.000 US-Dollar in das Britische Territorium im Indischen Ozean.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Times Online article on history and struggle for justice (englisch)
  2. International Herald Tribune: Britain blocks return home for Indian Ocean islanders, 22. Oktober 2008 (englisch)
  3. taz.de: Vertrieben aus dem Paradies
  4. European court says it has ‘no jurisdiction’ on Chagos case
  5. Britain faces UN tribunal over Chagos Islands marine reserve
  6. BBC News: In pictures: Chagossians' visit
  7. The U.S. Government Must Redress Wrongs Against the Chagossians. Whitehouse.gov. Abgerufen am 4. April 2012.
  8. Nationales Statistisches Amt Osttimor, Jahresbericht über den Außenhandel 2008 (PDF-Datei; 630 kB)
  9. Nationales Statistisches Amt Osttimor, Jahresbericht über den Außenhandel 2009 (PDF-Datei; 1,4 MB)

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Scott: Limuria: the lesser dependencies of Mauritius; London [u.a.] : Oxford Univ. Press, 1961 XII, 308 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Britisches Territorium im Indischen Ozean – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien