Britisches Territorium im Indischen Ozean
| Britisches Territorium im Indischen Ozean | |||||
| British Indian Ocean Territory | |||||
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| Wahlspruch: In tutela nostra Limuria (Latein) In unserer Obhut ist Lemuria | |||||
| Amtssprache | Englisch | ||||
| Regierungssitz | London | ||||
| Staats- und Regierungsform | Britisches Überseegebiet | ||||
| Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef | König Charles III. | ||||
| Fläche | 63,17 km² | ||||
| Einwohnerzahl | ca. 3500 (Nur Personal und Militär) | ||||
| Währung | de jure: Pfund Sterling (GBP) | ||||
| Errichtung | 8. November 1965 | ||||
| Nationalhymne | God Save the King | ||||
| Zeitzone | UTC+6 | ||||
| ISO 3166 | IO, IOT, 086 | ||||
| Internet-TLD | .io | ||||
| Telefonvorwahl | +246 | ||||
| Gemeinsamer Postcode: BB9D 1ZZ | |||||
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Das Britische Territorium im Indischen Ozean (englisch: British Indian Ocean Territory) ist ein britisches Überseegebiet. Am 22. Mai 2025 wurde ein Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und Mauritius unterzeichnet, das die Übergabe an Mauritius regelt. Dieser Prozess wurde auf Druck von US-Präsident Trump vom Vereinigten Königreich am 11. April 2026 pausiert.[1]
Geographie
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Der Archipel besteht aus sieben Atollen mit rund 60 größtenteils unbewohnten kleinen Inseln. Er liegt bei 6° 0′ S, 71° 30′ O. Die größte Insel ist Diego Garcia im gleichnamigen Atoll. Die übrigen Atolle sind die Great Chagos Bank, der größte Atollkomplex der Erde (mit Nelsons Island, Danger Island, Eagle Islands und Three Brothers), Peros Banhos, die Salomon Islands, die Egmont Islands sowie ferner das Blenheim Reef und die Speakers Bank, die nur bei Niedrigwasserstand die Wasseroberfläche erreichen und keine Inseln aufweisen.
Die Inseln verteilen sich über ein Seegebiet von 54.400 Quadratkilometern. Alle Inseln zusammen haben eine Fläche von etwa 60 Quadratkilometern.
Flora und Fauna
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der zum Territorium gehörende Chagos-Archipel ist eines der am besten geschützten tropischen Inselsysteme. Die Inseln bieten Lebensraum für viele Arten, vor allem Seevögel. Die Inseln besitzen zehn Important Bird Areas (IBA), einschließlich des Barton Point Nature Reserve auf Diego Garcia, welches die weltweit größte Population von Rotfußtölpeln (Sula sula) beheimatet.
Bevölkerung
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Die Bewohner der Inseln, die Îlois oder Chagossianer, wurden ab 1966 zwangsumgesiedelt und leben seither auf Mauritius sowie auf den Seychellen und im Vereinigten Königreich. Die Inseln sind heute bis auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia – den das Vereinigte Königreich gemeinsam mit den Vereinigten Staaten betreibt – unbewohnt.
Geschichte
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Die Inselgruppe steht seit 1814 unter britischer Hoheit.[3]
Die britische Regierung trennte am 8. November 1965 den Chagos-Archipel von der Kronkolonie Mauritius – die drei Jahre später in die Unabhängigkeit entlassen wurde – sowie die Atolle Aldabra, Farquhar und Desroches von der Kronkolonie Seychellen. Aus diesen vier Inselgruppen bildete sie am 8. November 1965 eine eigene Verwaltungseinheit, das Britische Territorium im Indischen Ozean. Hintergrund war, dass das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten die Inseln militärisch nutzen wollten und sie deshalb der Selbstverwaltung Mauritius’ bzw. der Seychellen entzogen und stattdessen der direkten britischen Kontrolle unterstellt werden sollten. Der Gouverneur der Seychellen übernahm in Personalunion das Amt des Bevollmächtigten für das BIOT. Das Territorium wurde von Victoria – der Hauptstadt der Seychellen – aus verwaltet.[4] Die Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete daraufhin am 16. Dezember 1965 eine Resolution (Resolution 2066 (XX)), in der das Vereinigte Königreich aufgefordert wurde, die territoriale Integrität von Mauritius zu bewahren und dieses einschließlich Chagos in die Unabhängigkeit zu entlassen.[5]
1966 erwarb das Vereinigte Königreich die in Privatbesitz befindlichen Kopra-Plantagen und verpachtete den gesamten Archipel für fünfzig Jahre an die Vereinigten Staaten; in der Folge wurden die etwa 1.200 Einwohner nach Mauritius und auf die Seychellen zwangsumgesiedelt. Die US-Amerikaner errichteten ab 1971 auf der größten Insel Diego Garcia einen Militärstützpunkt, der zum Sperrgebiet erklärt wurde.
Nach der Unabhängigkeit der Seychellen 1976 wurden Aldabra, Farquhar und Desroches zurückgegeben, sodass einzig der Chagos-Archipel im Territorium verblieb.
Von den sieben Atollen des Archipels dürfen nur die im Norden auf 5,3 Grad südlicher Breite gelegenen Salomon Islands besucht werden. Dieses Atoll besteht aus elf kleinen Inseln, von denen Boddam mit 2200 × 500 Metern die größte ist. Bis 1965 wohnten hier etwa 400 Einheimische.
Die ehemaligen Inselbewohner kämpfen seit 1998 juristisch um das Recht auf Rückkehr. Vor britischen Gerichten gab es widersprüchliche Entscheidungen, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärte sich für nicht zuständig. Bis heute konnten die Îlois nicht zurückkehren.
Der Pachtvertrag mit den Vereinigten Staaten über den Chagos-Archipel wurde 2016 bis einschließlich 2036 verlängert. Die britische Regierung vertritt die Meinung, dass eine Rückkehr der Bewohner und ihrer Nachfahren erst möglich sei, wenn keine Notwendigkeit für die weitere militärische Nutzung spricht.[6]
Mauritius erhebt bis heute Gebietsansprüche auf das gesamte Territorium. Am 23. Juni 2017 entschied die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit 94 zu 15 Stimmen, den Fall dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag vorzulegen.[7] Wie am 25. Februar 2019 bekannt wurde, entschied dieser in einem völkerrechtlich nicht bindenden Gutachten, dass die britische Herrschaft illegal und der rechtmäßige Verwalter Mauritius sei. Laut dem Präsidenten des Gerichts, Abdulqawi Ahmed Yusuf, sei es die Pflicht des Vereinigten Königreichs, sich so schnell wie möglich von der Insel zurückzuziehen.[8]
Am 22. Mai 2019 forderte die UN-Vollversammlung das Vereinigte Königreich in der Resolution 73/295 auf, die Kontrolle binnen sechs Monaten an Mauritius abzutreten.[9] 116 Staaten stimmten für die Resolution und sechs dagegen. Dagegen stimmten neben dem Vereinigten Königreich die Vereinigten Staaten, Ungarn, Israel, Australien und die Malediven. 56 Staaten enthielten sich, darunter Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Portugal, Polen und Rumänien. Andere europäische Staaten wie Österreich, die Schweiz, Irland, Spanien, Schweden und Griechenland stimmten dafür. Die Abstimmung wurde vielfach als schwere diplomatische Niederlage des Vereinigten Königreichs bewertet.[10] Die Frist verstrich im November 2019, ohne dass es zu einer Rückgabe kam.[11] Am 25. Januar 2021 sprach der Internationale Seegerichtshof die Chagos-Inseln Mauritius zu und bestätigte damit die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs vom Februar 2019.[12]
Am 25. August 2021 beschloss der Weltpostverein auf Betreiben von Mauritius, künftig Briefmarken mit dem Aufdruck British Indian Ocean Territory von Chagos nicht mehr zu akzeptieren. Chagos solle stattdessen Briefmarken von Mauritius verwenden.[13]
Am 3. November 2022 gab der britische Außenminister James Cleverly bekannt, dass das Vereinigte Königreich und Mauritius beschlossen haben, Verhandlungen über die Souveränität über das Britische Territorium im Indischen Ozean aufzunehmen und dabei die internationalen Rechtsverfahren zu berücksichtigen. Zudem einigten sich beide Staaten darauf, den weiteren Betrieb der gemeinsamen Militärbasis des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten auf Diego Garcia zu gewährleisten.[14]
Am 3. Oktober 2024 gaben die Premierminister des Vereinigten Königreichs, Keir Starmer, und von Mauritius, Pravind Jugnauth, bekannt, dass man sich geeinigt habe, die Souveränität über die Inseln an Mauritius zu übergeben und damit das Überseegebiet aufzulösen.[15] Allerdings soll Diego Garcia mit seinen Militärbasen für mindestens 99 Jahre weiter vom Vereinigten Königreich genutzt und verwaltet werden dürfen. Die ehemaligen Einwohner erhalten eine finanzielle Kompensation und eine Rückkehrmöglichkeit auf alle Inseln mit Ausnahme von Diego Garcia. Zudem wurde eine jährliche Zahlung an Mauritius vereinbart.[16][17] Der neu gewählte Premierminister von Mauritius Navin Ramgoolam lehnte das vorgeschlagene Abkommen jedoch ab und forderte die Wiederaufnahme der Gespräche im Dezember 2024.[18]
Politik und Regierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Territorium wird von einem Kommissar (Commissioner) und einem Verwalter (Administrator) im Außenministerium des Vereinigten Königreichs in London verwaltet. Da die Bevölkerung nur aus Militär des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten besteht, gibt es weder Wahlen noch eine Zivilverwaltung auf den Inseln.
Kommissare für das Britische Territorium im Indischen Ozean
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Name | Amtszeit | |
|---|---|---|
| Beginn | Ende | |
| Julian Asquith, 2. Earl of Oxford and Asquith | 1965 | 1967 |
| Hugh Norman-Walker | 1967 | 1969 |
| Bruce Greatbatch | 1969 | 1973 |
| Colin Allan | 1973 | 1976 |
| Norman Aspin | 1976 | 1976 |
| Philip Mansfield | 1976 | 1979 |
| John Adam Robson | 1979 | 1982 |
| Nigel Wenban-Smith | 1982 | 1985 |
| William Marsden | 1985 | 1988 |
| Richard Edis | 1988 | 1991 |
| Thomas Harris | 1991 | 1994 |
| David Ross MacLennan | 1994 | 1996 |
| Bruce Dinwiddy | 1996 | 1998 |
| Christopher Edward John Wilton | 1998 | 1998 |
| auch Kommissare für das Britische Antarktis-Territorium | ||
| Charles John Branford White | 1998 | 2001 |
| Alan Huckle | 2001 | 2004 |
| Anthony Campbell Crombie | 2004 | 2006 |
| Leigh Turner | 2006 | 2008 |
| Colin Roberts | 2008 | 2012 |
| Peter Hayes | 2012 | 2016 |
| John Kittmer | 2016 | 2017 |
| Ben Merrick | 2017 | 2021 |
| Paul Candler | 2021 | 2024 |
| Nishi Dholakia (kommissarisch) | 2024 | |
Wirtschaft
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Das nach Landfläche größte Atoll Diego Garcia ist bis 2036[19] an die Vereinigten Staaten verpachtet, die es ausschließlich militärisch beziehungsweise geheimdienstlich nutzen. Da fast nur US-Militär stationiert ist, wird der US-Dollar als Währung verwendet. Briefmarken werden dennoch in britischen Pfund ausgegeben.
Obwohl das Territorium praktisch nur aus einem Militärstützpunkt besteht, erschien es in der offiziellen Handelsbilanz von Osttimor 2008 und 2009[20] als neuntgrößtes Ziel von osttimoresischen Ausfuhren. 2009 exportierte der südostasiatische Staat 249,6 Tonnen Kaffee im Wert von 142.320 US-Dollar in das Britische Territorium im Indischen Ozean.[21]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Scott: Limuria. The Lesser Dependencies of Mauritius. Oxford University Press, London 1961 (englisch).
- David Vine: Island of Shame. The Secret History of the U.S. Military Base on Diego Garcia. Princeton University Press, Princeton/Oxford 2009, ISBN 978-1-4008-2997-2 (englisch).
- Jörg Kronauer: „Ah, jetzt, ja, eine Insel!“ ... London weigert sich, schon weil die USA dort einen großen Militärstützpunkt eingerichtet haben. Konkret, 9, September 2019, S. 21–23
- Philippe Sands: Die letzte Kolonie – Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Indischen Ozean. Übersetzt von Thomas Bertram. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-10-397146-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- British Indian Ocean Territory (BIOT) (englisch)
- Christoph Neidhart: Die Insel der Schande. In: Tages-Anzeiger, 7. September 2010.
- CIA World Factbook: Britisches Territorium im Indischen Ozean (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Großbritannien setzt Rückgabe-Plan für Chagos-Inseln wegen US-Kritik aus. 11. April 2026, abgerufen am 11. April 2026.
- ↑ Flags of the World: Chagossians (British Indian Ocean Territory), abgerufen am 28. Dezember 2018.
- ↑ Vytautas Blaise Bandjunis. Diego Garcia. Creation of the Indian Ocean base. Writer’s Showcase, San Jose 2001, ISBN 0-595-14406-3, S. 6.
- ↑ U.S. Department of State, Bureau of Intelligence and Research (Hrsg.): Commonwealth of Nations. 1968, S. 15–16, Eintrag British Indian Ocean Territory.
- ↑ Request for an advisory opinion of the International Court of Justice on the legal consequences of the separation of the Chagos Archipelago from Mauritius in 1965. Vereinte Nationen, 15. Juni 2017, abgerufen am 25. Februar 2019 (englisch).
- ↑ Der amerikanisch-britische Stützpunkt Diego Garcia verstößt gegen das Völkerrecht heise.de, vom 26. Februar 2019
- ↑ U.N. Asks International Court to Weigh In on Britain-Mauritius Dispute - New York Times
- ↑ Chagos-Archipel: Großbritannien soll Inselparadies räumen. In: Spiegel Online. 25. Februar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 25. Februar 2019]).
- ↑ UN-Vollversammlung fordert London zur Übergabe der Chagos-Inseln an Mauritius auf. welt.de, 22. Mai 2019, abgerufen am 22. Mai 2019.
- ↑ Owen Bowcott, Julian Borger: UK suffers crushing defeat in UN vote on Chagos Islands. 22. Mai 2019, abgerufen am 22. Mai 2019 (englisch).
- ↑ Chagos Islands dispute: UK misses deadline to return control. BBC, 22. November 2019, abgerufen am selben Tage. (englisch).
- ↑ Michael Vosatka: Seegerichtshof spricht Chagos-Inseln samt US-Basis „Diego Garcia“ Mauritius zu. In: derstandard.at. 29. Januar 2021, abgerufen am 31. Januar 2021.
- ↑ British stamps banned from Chagos Islands in Indian Ocean. BBC News, 25. August 2021, abgerufen am 25. August 2021 (englisch).
- ↑ Patrick Wintour: UK agrees to negotiate with Mauritius over handover of Chagos Islands. 3. November 2022, abgerufen am 3. November 2022 (englisch).
- ↑ Andrew Harding: UK will give sovereignty of Chagos Islands to Mauritius. BBC, 3. Oktober 2024, abgerufen am 3. Oktober 2024 (englisch).
- ↑ https://www.tagesschau.de/ausland/asien/chagos-archipel-mauritius-102.html
- ↑ https://www.gov.uk/government/news/joint-statement-between-uk-and-mauritius-3-october-2024
- ↑ Blow for Starmer as Mauritius PM rejects Chagos deal and demands talks reopen. In: The Independent. 17. Dezember 2024 (englisch).
- ↑ Mark E. Rosen: Is Diego Garcia at Risk of Slipping from Washington’s Grasp? In: The National Interest. 19. September 2017, abgerufen am 4. März 2018 (englisch).
- ↑ External Trade Statistics – Annual Report 2008. (PDF; 774 kB) Table 5: Exports by Major Trading Partners (2008). Direcção Nacional de Estatística Timor-Leste, S. 19, abgerufen am 14. Mai 2017 (englisch).
- ↑ External Trade Statistics – Annual Report 2009. (PDF; 1,37 MB) Table 7: Coffee Exports by Country of Destination (2009). Direcção Nacional de Estatística Timor-Leste, S. 22, abgerufen am 14. Mai 2017 (englisch).



