Wohnwagen

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Ein Wohnwagen (auch: Caravan) ist ein Anhänger (fast immer ein Starrdeichselanhänger) für Kraftfahrzeuge, in dem sich eine Wohnungseinrichtung befindet. Wesentlicher Unterschied zu den Wohnmobilen (Reisemobilen) ist das Fehlen eines eigenen Antriebs. Anhängergespanne unterliegen in den meisten Ländern Geschwindigkeitsbeschränkungen (typisch 70 bis 100 km/h).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der ersten Wohnwagen, Ende 19. Jahrhundert.

Erste „touristische Reisewagen“ wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien gefertigt. Es waren bisweilen sehr luxuriös eingerichtete, zweiachsige und anfangs noch von Pferden gezogene Gefährte. Schon kurz nach Einführung des Automobils entstand hier im Jahre 1908 der erste “Caravan Club”. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es auf den britischen Inseln mehrere tausend Wohnwagen.[1] Das deutsche Pendant zum englischen „Reisewagen“ wurde von Arist Dethleffs (1908–1996) im Jahre 1931 erfunden. Der Peitschen- und Skistockvertreter nannte sein Gefährt „Wohnauto“ und erfüllte damit den Wunsch seiner Verlobten, der Malerin Fridel Edelmann, die sich, wie sie in einem Brief an ihren künftigen Ehemann schreibt, „so etwas Ähnliches wie einen Zigeunerwagen, in dem wir gemeinsam fahren und ich noch malen könnte“ vorstellte. „Wohnauto“ war ein irreführender Begriff, denn es handelte sich dabei um einen richtigen (Wohn-) Anhänger. Er wurde zu Ostern des folgenden Jahres fertiggestellt.

Dethleffs Wohnauto, Replik des ersten Caravans Deutschlands aus dem Jahre 1931

Das „Wohnauto“ wurde zu einer Art Hochzeitsgeschenk. Die Frischvermählten bereisten damit noch im selben Jahr die Republik und sorgten für Aufsehen, so dass schon bald zahlreiche Bestellungen bei dem Erfinder eingingen. Dethleffs verlegte sich kurze Zeit später auf die serielle Produktion seines mittlerweile modifizierten „Wohnautos“ und gründete das Unternehmen Dethleffs. Unter dem Markennamen werden bis heute Wohnmobile und Wohnwagen hergestellt.[2]

Zu einer Verbreitung der Wohnwagen kam es ab den 1950er Jahren. In der DDR entwickelte sich der Wohnwagen zu einem Statussymbol und verbreitete sich stark. Entsprechend den Möglichkeiten der verfügbaren Fahrzeuge handelte es sich um relativ kleine Einachser. In den 1950er Jahren wurden mangels Serienwagen verschiedene Einzelanfertigungen gebaut und besprochen [3] [4][5]

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnwagen gibt es in verschiedenen Grundversionen:

  • als Zeltklapp-Wohnwagen, der eigentlich ein aus einem Anhänger ausklappbares Zelt ist (Beispiel: Faltmeister, Klappfix, Rhön Universal),
  • als Teardrop-Anhänger in Tropfenform, auch als Motorradanhänger.
  • als Klapp-Wohnwagen, der immerhin feste Seitenwände hat, aber während der Fahrt die Benutzung des Innenspiegels im Zugfahrzeug ermöglicht und vor allem aerodynamische Vorteile hat (Beispiel: die Wagen der französischen Fa. Esterel),
  • als Wohnwagen mit Hubdach, der für die Dauer der Fahrt eine etwas geringere Höhe hat als im Wohnbetrieb (Beispiel: Eriba Touring-Serie von Hymer),
  • als klassische Wohnwagen, dessen Wände feststehen.

Die ersten drei Kategorien sind in nur sehr geringen Stückzahlen vertreten. Häufiger werden Hubdach-Wohnwagen angetroffen, welche von mehreren Herstellern angeboten werden. Der ganz überwiegende Anteil der Wohnwagen fällt aber in die letzte Gruppe der „klassischen“ Wohnwagen.

Bei den klassischen Wohnwagen wird mitunter zwischen

  • Mini-Wohnwagen,
  • Touring- oder Reisewohnwagen – die häufigste Variante – und
  • Groß- oder Luxus-Wohnwagen, die nur von entsprechend großen und kräftig motorisierten Zugfahrzeugen gezogen werden können,

unterschieden. Es gibt aber keine verbindliche Definition für diese Unterscheidungen; die Grenzen sind fließend.

Von Wohnwagen zu unterscheiden sind Mobilheime, die nur mit Hilfe von Traktoren oder auf Tiefladern von Lkw bewegt werden und sich für die Reise nicht eignen, da sie kein geeignetes Fahrgestell und keine Bremsen haben.

Aufbau und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufbau besteht oft aus einem Rahmen, der außen mit Aluminiumblech und innen mit einer Kunststoff- oder Holzverkleidung beplankt ist, während dazwischen mit Kunststoffschaum (oft Polystyrol oder Polyurethan) isoliert wird. Gewöhnliche Wandstärke ist 30 bis 40 mm, bei hochwertigen Modellen bis zu 50 mm. Der Rahmen besteht bei einigen wenigen Modellen aus Metall (Beispiel: Eriba Touring), in den meisten Fällen aus Holz. Einige wenige Wohnwagen haben eine Hülle aus Polyester, die leichter repariert werden kann und kaum verrottet. (Beispiele: QEK Junior, Intercamp / Berger Oase, Lander Graziella). Zunehmend werden in jüngster Zeit auch Fahrzeuge aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt. Die Gewichtsersparnis ist hierbei allerdings zweitrangig bzw. marginal, die Verwendung von GFK dient eher der besseren Haltbarkeit. Insbesondere Witterungseinflüsse wie Hagel werden z.B. durch ein GFK- Dach, zunehmend auch GFK- Wände, besser kompensiert. Auch die Bodenplatte wird zunehmend aus GFK-Materialien gefertigt, hierdurch wird das Problem der Verrottung von Holz im Aufbau von Wohnwagen durch eindringende Feuchtigkeit an Kanten, Leisten und Übergängen, welche sich über die Jahre Undichtigkeiten herausbilden können, ebenfalls angegangen.

Auch Reisewohnwagen werden – zumindest außerhalb der eigentlichen Urlaubszeit – mitunter als Wochenendunterkunft im sogenannten Dauercamping benutzt.

Typische Reisewohnwagen haben eine Aufbaulänge von bis zu 4,50 m und eine Breite von 2,10–2,30 m und bieten je nach Innenausstattung bis zu sechs Schlafplätze, wobei dann zwei Plätze meistens nur für Kinder zu benutzen sind, oftmals in Form von Etagenbetten. Üblich sind zwei bis vier Schlafplätze. Oft sind die Schlafplätze tagsüber umbaubar zu Sitzgruppen – je nach Größe zu sogenannten Gegensitzgruppen (man sitzt sich gegenüber) oder U-Sitzgruppen bzw. Hecksitzgruppen (man sitzt an drei Seiten um den Tisch herum). Große Luxuswohnwagen können bis zu 8 m lang und 2,50 m breit sein.

Immer häufiger am Markt zu finden sind Familien-Caravans, welche sogar über bis zu 7 Schlafplätze verfügen. Hierbei gibt es meist ein festes Doppelbett für die Eltern, 2–3 feststehende Etagenbetten für die Kinder, sowie eine zusätzliche Sitzgruppe, welche nochmals zum Doppelbett umgebaut werden kann.

Übliche Ausstattung (außer bei sehr kleinen Wohnwagen) ist heutzutage ein Küchenblock mit einem zwei- oder dreiflammigen Gaskocher, einem Kühlschrank (ca. 70–90 l) und einer kleinen Spüle. Die meisten Kühlschränke sind Absorberkühlschränke, die mit 230 Volt Wechselspannung, mit 12 Volt Gleichspannung oder mit Flüssiggas (Propan- bzw. Butangas) betrieben werden können, weil sie über elektrische Heizpatronen sowie einen Gasbrenner verfügen. Diese Geräte arbeiten völlig geräuschlos und brauchen recht lange, bis die gewünschte Kühltemperatur erreicht ist. Eher im Reisemobilbereich vertreten sind die Kompressorkühlschränke, welche über einen Kühlkompressor verfügen. Ihr Vorteil ist die weitaus bessere Kühlleistung. Nachteilig sind hier allerdings die Notwendigkeit eines Stromanschlusses (Gasbetrieb nicht möglich) sowie ein nicht geräuschloser Betrieb. Marktführer bei den Caravankühlschränken ist die Firma Dometic (ehemals Electrolux).

Im Gasflaschenkasten (früher Deichselkasten) können bei kleineren Wohnwagen zwei 5-kg-, bei größeren bis zu zwei 11-kg-Gasflaschen untergebracht werden.

Die Wasserversorgung erfolgt aus entnehmbaren Kanistern oder fest eingebauten Tanks mit einer Kapazität von 10 bis 70 l, das Abwasser wird (im Gegensatz zu Reisemobilen) meistens nicht in einem Tank gesammelt, sondern fließt in einen untergestellten Eimer, Kanister oder – besser – einen geschlossenen Abwasserbehälter (verschiedene Bauarten, in manchen Ländern Vorschrift). Auf luxuriösen Campingplätzen können Frisch- und Abwasser fest angeschlossen werden, sehr selten auch Gas. Vom Vorratsbehälter zum Wasserhahn muss das Wasser gepumpt werden, weil es kein Gefälle zum Wasserhahn hin gibt. Das geschieht mit einer 12-Volt-Pumpe, weshalb für den 230-Volt-Betrieb ein Gleichspannungs-Netzteil notwendig ist. Die Wasserhähne haben einen Kontakt, der beim Drehen oder Anheben des Hahnes die Pumpe beim Öffnen automatisch einschaltet. Früher gab es separate Fußschalter, welche man zur Wasserentnahme betätigen musste.

Immer häufiger gefragt werden auch elektrische Kleinboiler zur Heißwasserbereitung (z. B. Truma-Therme mit 5 l Inhalt). Sie versorgen nicht nur eine optionale Dusche im Bad, sondern bieten auch mehr Komfort z. B. beim Geschirrspülen im Caravan. Z. T. sind an die Warmluftanlage der Gasheizung angeschlossen, welche somit auch das Frischwasser im Boiler erwärmen soll. Allerdings hat die Heizungswarmluft eine Temperatur, die deutlich unter des gewünschten Warmwassertemperatur liegt. Eher im Reisemobilbereich vertreten sind Gasboiler mit 10–14 l Kapazität.

Häufig anzutreffen ist eine Nasszelle mit Waschbecken, meist auch mit Kassettentoilette. Hier ist die Firma Thetford führend. Hilfreich ist eine sogenannte Serviceklappe, über die der Abwassertank mit den Fäkalien (Schwarzwassertank) von außen entsorgt und auch Frischwasser nachgefüllt werden kann. Eine Duscheinrichtung gibt es in gut ausgestatteten Wohnwagen, mindestens aber haben neue Modelle eine Duschtasse als Nasszellenboden, so dass Wasserspritzer nicht den Wagenboden aufweichen können.

Fast alle Wohnwagen haben eine Gasheizung, wobei im deutschsprachigen Raum die Firma Truma führend ist. Für Wintercamping benötigt man eine Warmluft-Verteilanlage, damit eine gleichmäßige Temperatur herrscht. Ebenfalls sind sogenannte Winterrückenlehnen notwendig; dies sind Abstandhalter zwischen den Polstern der Sitzgruppen und den Außenwänden, um diesen Bereich zu hinterlüften, damit Schwitzwasserbildung vermieden wird. Besonders für Wintercamping ausgerüstete Wohnwagen haben teilweise auch eine Fußbodenheizung, manchmal auch Heizungen mit Warmwasserkreislauf.

Beim Wintercamping ist der Wohnwagen starken Temperaturschwankungen ausgesetzt: Beim Wohnen angenehme 18–20 °C, beim Fahren (dabei muss eine Gasheizung abgeschaltet sein, wenn die Gasanlage nicht für den Betrieb während der Fahrt zugelassen ist) sinkt die Temperatur auf die Außentemperatur ab – vielleicht auf minus 20 °C. Bei Ankunft wird dann gleich wieder aufgeheizt.

Hilfreich für das Wintercamping ist eine automatische, druckgesteuerte Umschaltung auf eine Reservegasflasche, damit die Heizung nicht mitten in der Nacht wegen Gasmangels ausgeht.

Die Fahrgestelle der meisten Wohnwagen stammen von den Herstellern AL-KO, BPW Bergische Achsen oder Knott GmbH. Die Modelle sind mittels Auflaufbremse gebremst. Bremst der Zugwagen, schiebt der Wohnwagen von hinten. Durch den Druck der Deichsel auf die Kugelstange der Anhängerkupplung wird die Bremseanlage des Wohnwagens betätigt. Die Bremsen sind übrigens immer Trommelbremsen. Durch ein starkes Anschrägen der Backenbetätigung wird zum einen ein Servo-Effekt erreicht, zum anderen ein problemloses Rückwärtsfahren dadurch ermöglicht, dass beim Rückwärtsrollen nur eine ganz geringe, vernachlässigbare Bremswirkung entsteht. Ältere Wohnwagen hatten bis ca. in die 1970er Jahre noch eine von Hand einzulegende Rückfahr-Sperre an der Deichsel, die den Auflaufbremsmechanismus zum Rückwärtsfahren außer Kraft setzte.

Die meisten Camper verwenden ein Vorzelt oder Sonnendach vor dem Wohnwagen. Dadurch wird die Nutzfläche stark vergrößert. Das Vorzelt wird als Windfang bzw. Wetterschutz, zum Abstellen von Gegenständen und insbesondere zum Trocknen von Kleidung verwendet, da es im Innenraum an Platz mangelt (z. B. um nasse Kleidung zu trocknen). Beim Dauercamping stehen im Vorzelt oft ganze Küchen- und Wohnzimmereinrichtungen; dann wird oftmals vermieden, im Wohnwagen selbst zu kochen, um Kochgerüche aus dem Schlafbereich herauszuhalten.

Die neuesten Modelle werden u. a. auf dem jährlichen Caravan Salon in Düsseldorf, der f.re.e. in München und der CMT in Stuttgart vorgestellt.

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Führerschein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Anhänger mit mehr als 750 kg zulässiger Gesamtmasse, unter die so gut wie alle Wohnwagen fallen, muss nach EU-Recht bei der Überschreitung von Grenzwerten (z. B. Gesamtmasse von Fahrzeug und Anhänger gemeinsam größer als 3,5 t) ein zusätzlicher Anhängerführerschein (Klasse BE) erworben werden, es sei denn, die Berechtigung ist bereits nach ehemaligem nationalen Recht erteilt worden. Mit dem Besuch eines aus theoretischen und praktischen Elementen bestehenden Fahrschulkurses ohne Prüfung kann die Schlüsselzahl 96 zur Führerscheinklasse B erworben werden, die zum Fahren von Gespann-Kombinationen bis 4,25 t Gesamtmasse berechtigt.

Fahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Regelfall sind seitliche Zusatzspiegel am Zugfahrzeug erforderlich, um die erforderliche Sicht nach hinten zu gewährleisten.

Verbindung vom Wohnwagen zum Auto, Modell mit Schlingerdämpfer

Bei Verwendung eines Wohnwagens mit einem Pkw ist immer die zulässige Anhängelast des Pkw zu beachten, ggf. auch die zulässige Gesamtmasse des Gespanns (siehe Zulassungsbescheinigung Teil I unter O.1/O.2; Ziffern 28/29 im alten deutschen Fahrzeugschein). Dabei zählt die tatsächliche Masse des Anhängers ohne Stützlast, nicht seine zulässige Gesamtmasse. Für die Verbesserung der Fahrstabilität gibt es zusätzliche Hilfen wie Anti-Schlinger-Kupplungen, die von AL-KO, Winterhoff und Westfalia angeboten werden.

In den meisten europäischen Staate gilt für Wohnwagen – wie für andere Anhänger auch – eine Geschwindigkeitsbegrenzung. In Deutschland auf 80 km/h, unter bestimmten Voraussetzungen[6] ist eine Ausnahmegenehmigung für 100 km/möglich. Diese sind:

  • Das Zugfahrzeug muss mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgerüstet sein.
  • Für Zugfahrzeuge, die kein PKW sind, darf die zulässige Gesamtmasse des Zugfahrzeuges nicht mehr als 3,5 t betragen.
  • Der Wohnwagen muss hydraulische Stoßdämpfer haben.
  • Die zulässige Gesamtmasse des Wohnwagens darf maximal 80 % der Leermasse des Zugfahrzeugs betragen; 100 %, wenn der Anhänger über eine Stabilisierungseinrichtung gemäß ISO 11555-1 der Fassung vom 1. Juli 2003 oder mit einer anderen technischen Einrichtungen, zu denen ein Gutachten (ABE oder Betriebserlaubnis) vorliegt, das einen sicheren Betrieb der Kombination bis 120 km/h bestätigt, ausgestattet ist oder das Zugfahrzeug mit einem speziellen elektronischen, fahrdynamischen Stabilitäts-System für Anhängerbetrieb ausgestattet ist, über das eine Bestätigung des Herstellers vorliegt und das in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist.
  • Die Reifen des Caravans müssen entsprechend Herstellungsdatum (DOT-Nummer) jünger als 6 Jahre sein und mindestens der Geschwindigkeitskategorie L (= 120 km/h) entsprechen.
  • Die Stützlast der Kombination ist an der größtmöglichen Stützlast des Zugfahrzeugs oder des Anhängers zu orientieren, wobei als Obergrenze der jeweils kleinere Wert gilt.

Die aktuelle Tempo-100-Verordnung für Caravan-Kombinationen ermöglicht es rund 80 Prozent der Caravan-Besitzer, auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen (Zeichen 331.1) 100  km/h zu fahren. Die in einer früheren Fassung der Verordnung enthaltene Bindung an eine bestimmte Gespann-Kombination ist entfallen. Der Fahrer ist für die Einhaltung der Voraussetzungen verantwortlich.

Die Freigabe für 100 km/h gilt nur im Geltungsbereich der deutschen StVO. Soweit im Ausland höhere Geschwindigkeiten zugelassen sind (Frankreich), ist die nach Bauart festgelegte Höchstgeschwindigkeit des Wohnwagens zu beachten.

Neben der verfügbaren Antriebsleistung des Zugfahrzeuges muss auch die gesamte Fahrphysik stimmen. Luftkräfte wirken mit dem Quadrat der Geschwindigkeit auf den Wohnwagen-Aufbau. Die Betriebserlaubnis eines Wohnwagens begrenzt die maximale Geschwindigkeit in aller Regel auf 100 km/h, was im Falle eines Unfalls bei höheren Geschwindigkeiten zum Verlust der Versicherungsleistung führen kann.

Hinweise zu den Verkehrsbestimmungen für Gespanne in den einzelnen Urlaubsländern finden sich in Autoatlanten, Reise- und Campingführern sowie über die Webportale der Automobilklubs.

Parken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regelungen zum Parken von Wohnwagen sind in der EU nicht einheitlich.[7] In Deutschland dürfen Wohnwagen ebenso wie andere Anhänger von Kraftfahrzeugen am Straßenrand sowie auf öffentlichen Parkplätzen ohne angehängtes Zugfahrzeug nicht länger als zwei Wochen geparkt werden. Dies gilt nicht auf besonders gekennzeichneten Parkplätzen.[8] Entgegen weit verbreiteter Ansicht wird durch Verschieben des Wohnwagens um wenige Meter oder kurzzeitiges Entfernen und Wiederabstellen eine längere Parkdauer nicht legalisiert. Stattdessen wird lediglich den Ordnungsbehörden der Nachweis des Parkverstoßes erschwert. Damit die zweiwöchige Höchstparkdauer von neuem beginnt, muss der Parkvorgang wirksam unterbrochen werden. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt ist hierfür jedoch auch ein 30-minütiges Umherfahren nicht ausreichend.[9]

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Fahrphysik, Geschwindigkeit, Stabilität, Eigenheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufschaukeln des Wohnwagens kann zu Unfällen führen

Ein Wohnwagengespann sicher und zügig zu fahren, erfordert zumeist eine erhebliche Umstellung der Fahrgewohnheiten. Schon die größere Breite eines Gespannes mit den Spiegelverlängerungen und das Abbiegen an engen Ecken erfordert Eingewöhnung.

Der Antriebsstrang eines Pkw wird im Wohnwagenbetrieb erheblich belastet. Besonders Antriebe, die bei niedriger Drehzahl nur ein geringes maximales Drehmoment erreichen, belasten Kupplung oder Drehmomentwandler gerade beim Anfahren wegen der erforderlichen erhöhten Drehzahlen sehr. Oft ist es bei knapp bemessener Leistung auch nicht möglich, bei 80 bis 100 km/h die Geschwindigkeit – vor allem bei Gegenwind oder leichten Steigungen – im höchsten Gang zu halten. Es muss heruntergeschaltet werden und gegebenenfalls wird auch der fließende Verkehr behindert.

Generell sind daher für den Gespannbetrieb Motoren, die ein hohes Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen anbieten und über ausreichend Leistung verfügen, vorteilhaft. Das sind vor allem moderne Diesel- und Ottomotoren mit Aufladung und Direkteinspritzung oder großvolumige sechs- oder Mehrzylindermotoren, die ihr maximales Drehmoment schon bei relativ geringen Drehzahlen um 1500 1/min und darunter erreichen und über einen größeren Bereich halten können.

Auch für Gespanne gilt, dass ein Mitschwimmen im fließenden Verkehr die wirtschaftlichste und sicherste Fahrweise ist. Häufig ist das für Urlaubsreisen der Lkw-Verkehr auf der rechten Spur der Autobahn. So wird Überholen und Überholtwerden auf ein Mindestmaß reduziert. Die 100-km/h-Zulassung für Gespanne ist eine probate Möglichkeit, sich dem Dilemma „Gesetzestreue versus übliche Fahrgepflogenheiten der Lkw“ zu entziehen.

Das Kühlsystem des Zugfahrzeugs wird durch den Gespannbetrieb höher belastet. Die Bremsen eines Pkw werden, trotz Auflaufbremse des Wohnwagens, im Gespannbetrieb erheblich höher strapaziert. Kritische Fälle sind vor allem lange Passabfahrten im Gebirge, bei denen auch heutzutage noch Brems-Fading einsetzen kann: das merkliche Nachlassen der Bremsleistung infolge Überhitzung.

Auch die Aerodynamik eines Wohnwagengespannes birgt einige Besonderheiten. Gespannfahrer, insbesondere mit knapper Motorisierung, könnten in die Versuchung kommen, sich an Lastwagen „anzuhängen“ und ihnen in deren Windschatten in einem geringen Abstand zu folgen – sich „ansaugen“ zu lassen. Damit wird der erforderliche und aus guten Gründen vorgeschriebene Sicherheitsabstand erheblich unterschritten, mit möglichen fatalen Folgen.

Die aerodynamischen Wechselwirkungen bestehen auch beim Überholen und beim Überholtwerden: Es gibt einen Bereich des seitlichen „Ansaugens“ und „Wegdrückens“ im schnellen Wechsel; besonders bei großen und schnell vorbeifahrenden Fahrzeugen (z. B. Kleintransportern und Bussen). Auf diese Effekte sind mache Gespannfahrer nicht gefasst und verreißen die Lenkung bei Korrekturversuchen.

Gespannfahren erfordert in besonderem Maße Vorausschau und Umsicht. Auch sind sich viele andere Verkehrsteilnehmer der besonderen Bedingungen eines Wohnwagengespannes nicht bewusst. Es dauert länger, bis der Fahrer sich über die Seitenspiegel einen Überblick über die Verkehrssituation verschaffen kann. Das Gespann beschleunigt weniger; Überholvorgänge ziehen sich in die Länge.

Ein Wohnwagengespann neigt zu Schwingungen. Unebenheiten der Fahrbahn werden deutlicher wahrgenommen als im Solobetrieb (Nicken). Bei höheren Geschwindigkeiten neigen Gespanne zum seitlichen Pendeln, insbesondere bei ungeschickter Beladung (Hecklastigkeit). Bremsen bringt gefährlich werdendes Pendeln aus dem Takt.

Gängige Maßnahmen zur Sicherung der Fahrstabilität eines Gespanns sind:

  • Ausrüsten des Gespannes mit einer Stabilisierungseinrichtung - dann auf fettfreien Kupplungskopf achten
  • Ausrüsten des Zugfahrzeuges mit stärkeren Federn oder Niveauausgleichsautomatik, intakte Stoßdämpfer, ausreichender Reifendruck
  • Ausnutzen der zulässigen Stützlast mittels Stützlastwaage
  • Auf seitenwindgefährliche Situationen einstellen (Überholen von Lkw, Brücken, Tallagen)
  • die maximale Geschwindigkeit keinesfalls überschreiten
  • Schwere Objekte im Kofferraum des Zugwagens transportieren
  • Die zulässige Achslast nicht überschreiten
  • Vermeiden, dass nur der Anhänger ausgelastet wird und das Zugfahrzeug im Leergewicht fährt. Auch den Zugwagen auslasten.
  • Alles Schwere im Wohnwagen möglichst tief und möglichst nahe an der Achse verstauen oder verzurren
  • Keine schweren Gegenstände in die Oberfächer
  • Keine Überladung von Zugfahrzeug und Wohnwagen
  • Satellitenantenne flach abklappen

Marken, Hersteller und Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zulassungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stand 1. Januar 2014 waren [10] in Deutschland 588.125 Wohnwagen zugelassen, was einer Zuwachsrate von 1,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Eine höhere Zuwachsrate im Freizeitfahrzeugbereich verzeichnen nur Wohnmobile, die eine Zuwachsrate von 4,4 % bei einem Bestand von 369.087 zum Stichtag 1. Januar 2014 ausweisen.

Spezielle Elemente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DIN VDE 0100-721 (VDE 0100-721):2010-02Errichten von Niederspannungsanlagen -Teil 7-721: Anforderungen für Betriebsstätten Räume und Anlagen besonderer Art -Elektrische Anlagen von Caravans und Motorcaravans - (IEC 60364-7-721:2007, modifiziert); Deutsche Übernahme HD 60364-7-721:2009, VDE-Verlag, Berlin

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wohnwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wohnwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Wohnwagen (englischsprachig)
  2. Dethleffs 1931 bis 2006. Geschichte des Unternehmens.
  3. Für die kommende Camping-Saison. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1957, S. 467-468.
  4. Camping-Anhänger für leichte PKW. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1958, S. 153-154.
  5. Für Reise und Camping. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1959, S.210
  6. 9. Ausnahmeverordnung zur StVO
  7. Artikel zur Parksituiation in der EU, Die Welt, abgerufen am 14. März 2016.
  8. § 12 Absatz 3b StVO
  9. OLG Frankfurt, Az: 12 Ws B 563/92 Owig
  10. Jahresbericht CIVD 2014/2015