Dahlen (Sachsen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dahlen
Dahlen (Sachsen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Dahlen hervorgehoben
Koordinaten: 51° 22′ N, 13° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Nordsachsen
Höhe: 158 m ü. NHN
Fläche: 71,87 km2
Einwohner: 4270 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 59 Einwohner je km2
Postleitzahl: 04774
Vorwahl: 034361
Kfz-Kennzeichen: TDO, DZ, EB, OZ, TG, TO
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 060
Stadtgliederung: 10 Ortsteile bzw. Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 4
04774 Dahlen
Webpräsenz: www.heidestadt-dahlen.de
Bürgermeister: Matthias Löwe (WHD)
Lage der Stadt Dahlen im Landkreis Nordsachsen
Arzberg Bad Düben Beilrode Belgern-Schildau Cavertitz Dahlen Delitzsch Doberschütz Dommitzsch Dreiheide Eilenburg Elsnig Großtreben-Zwethau Jesewitz Krostitz Laußig Liebschützberg Löbnitz Mockrehna Mockrehna Mügeln Naundorf Wiedemar Oschatz Rackwitz Belgern-Schildau Schkeuditz Schönwölkau Mügeln Taucha Torgau Trossin Wermsdorf Wiedemar Torgau Zschepplin WiedemarKarte
Über dieses Bild

Dahlen ist eine Stadt in Sachsen im Landkreis Nordsachsen. Bekannt ist Dahlen als Sackhupperstadt.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist das Tor zur Dahlener Heide.

Die größeren Nachbarorte sind die Gemeinde Wermsdorf (11 km) und die Städte Oschatz (12 km), Wurzen (19 km) und Torgau (20 km).

Die Bundesstraße 6 führt bei Neuböhla durch den Süden des Gemeindegebietes, weitere Anbindungen bestehen über die drei Staatsstraßen.

Auch die Bahnstrecke Leipzig–Dresden führt seit 16. September 1838 durch das Gemeindegebiet (Bahnhof Dahlen).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtteile der Stadt Dahlen
Stadtteil Einwohner
Dahlen 2.653
Großböhla, Kleinböhla, Neuböhla 431
Schmannewitz 596
Ochsensaal 187
Börln, Bortewitz, Schwarzer Kater, Radegast 630
Dahlen gesamt 4.497

Einwohnerzahlen am 31. Januar 2012

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dahlen wird im Jahr 1188 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort ist slawischen Ursprungs, das altsorbische Wort Dol'ane bedeutet Bewohner einer Niederung, eines Tales.[2] Seit dem Jahr 1228 besitzt Dahlen das Stadtrecht und war ein Lehen des Bischofs von Naumburg. Das Wappen der Stadt leitet sich von diesem Bistum ab.

In Dahlen wurden 1601–1622 Hexenverfolgungen durchgeführt: Drei Personen gerieten in Hexenprozesse, zwei wurden hingerichtet.[3]

Der Preußenkönig Friedrich II. unterschrieb am 21. Februar 1763 im Dahlener Schloss den Friedensvertrag des Hubertusburger Friedens nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges.[4]

Rathaus Dahlen am Marktplatz

1878 wurde der bis dahin gleichnamige Ort in der Rheinprovinz bei Mönchengladbach auf kaiserlichen Erlass in Rheindahlen umbenannt, da es im Norddeutschen Postbezirk häufig zur Verwechslung mit der sächsischen Gemeinde kam.

Zu DDR-Zeiten wurde bei Dahlen ein Ferienlager errichtet, das auch als GST-Wehrlager genutzt wurde.[5]

Die DDR plante ab 1980 in Schwarzer Kater bei Börln, unweit von Dahlen, den Bau eines Atomkraftwerks. Zu Baumaßnahmen kam es nicht, und die Planungen wurden nach der Wende im Frühjahr 1990 verworfen.

Seit 1. März 1994 besteht die Gemeinde Dahlen in der jetzigen Form.

Ein geplanter Zusammenschluss von Dahlen mit der Gemeinde Wermsdorf und der Stadt Mutzschen aus dem ehemaligen Muldentalkreis zur Stadt Hubertusburg wurde in einer Bürgerbefragung am 18. November 2007 von 82 % der teilgenommenen Dahlener abgelehnt.

Sackhupperstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sackhupper

Die genaue Herkunft der Bezeichnung „Sackhupperstadt“ ist nicht endgültig geklärt. Möglich ist eine Verbindung zu folgender Legende: Die Sorben der Gegend hätten eines Tages geplant, den Kaiser Heinrich bei einem Ausflug in die Dahlener Heide aufzulauern und zu töten. Ein Dahlener Junge habe dies belauscht und den Kaiser warnen wollen, sei jedoch von den Sorben entdeckt und in einen Sack gesteckt worden. Des Nachts, als seine Bewacher schliefen, sei ihm dann die Flucht geglückt, indem er im Sack zum Kaiser gehüpft sei. Seit 1870 hat dann ein Fuhrwerksbesitzer jährlich ein Kinderfest veranstaltet, zu dem traditionsgemäß auch ein Sackhuppen gehörte und auf dem Marktplatz von Dahlen wurde schließlich eine Sackhüpfer-Statue von der LPG aufgestellt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[6]
Wahlbeteiligung: 49,7 % (2009: 49,4 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,6 %
14,8 %
15,6 %
12,1 %
9,4 %
6,4 %
WHD
UBG
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+8,1 %p
-10,0 %p
-7,0 %p
+2,0 %p
+0,4 %p
+6,4 %p
WHD
UBG

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 14 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Wählergemeinschaft Heidestadt Dahlen (WHD): 6 Sitze
  • Freie Wählergemeinschaft (FWG): 2 Sitze
  • Unabhängige Bürgergemeinschaft (UBG): 2 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze
  • CDU: 1 Sitz
  • SPD: 1 Sitz

Partnerstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1999 unterhält Dahlen eine Städtepartnerschaft mit Cessy in Frankreich.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatmuseum Dahlen
  • Bauernmuseum Schmannewitz
  • Stadtkirche Unser Lieben Frauen in Dahlen
  • Stadtpark Dahlen
Reste des Schlosses Dahlen im Jahr 2011
  • Das spätbarocke Schloss Dahlen, das der kursächsische Staatsminister Heinrich Graf von Bünau in der Zeit von 1744 bis 1751 erbauen ließ, brannte am 20. März 1973 vollständig aus. Es gehörte bis zur Enteignung (Bodenreform) 1945 der Familie Sahrer von Sahr-Schönberg. Zu DDR-Zeiten diente das Schloss als Treffpunkt der Dahlener, zum Schützenfest, zum Tennis oder als Jugendclub. Es wurde bis heute nicht wieder aufgebaut. Im September 2011 war jedoch das Bauwerk soweit gesichert, dass es von Besuchern für Konzerte und andere Aufführungen wieder besucht werden kann. Bis 2013 soll neben dem Dach auch das Friedenszimmer wiederhergestellt werden, in dem Friedrich II. von Preußen die Akte zum Hubertusburger Frieden unterschrieb, der den Siebenjährigen Krieg beendete.[7]
  • Schloss Großböhla mit Schlosspark, Spätbarock, zeitweise im Besitz von Friedrich von Krosigk
  • Dorfkirche Ochsensaal aus dem 12. Jahrhundert (Romanik)
  • Barockkirche Schmannewitz, in den Jahren 1731/32 nach den Plänen von George Bähr erbaut
  • Schloss Börln, entstanden im Spätbarock auf den Resten einer Wasserburg, daneben das Gutspächterhaus und die Dorfkirche.
  • Das Rathaus Dahlen ist ein denkmalgeschütztes Objekt. Der an der Nordseite des Marktplatzes situierte ortsbildprägende Bau wurde 1888 in zeittypischen historistischen Formen errichtet. Der mit Treppengiebeln geschmückte Backsteinbau weist einen achteckigen Dachreiter mit Laterne auf.[8]
  • Skulptur Sackhupper auf dem Dahlener Markt
  • Königlich-sächsischer Meilenstein (Stationsstein) von 1859 am Bahnhof

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christiaan-Barnard-Klinik in Schmannewitz
Rehabilitationsklinik Dahlener Heide in Schmannewitz

Im Ortsteil Schmannewitz wurden Ende der 1990er Jahre zwei Rehabilitations-Kliniken errichtet: Die Christiaan-Barnard-Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, onkologische und psychosomatische Erkrankungen hat die RHM Klinik- und Altenheimbetriebe als Träger, die Rehabilitationsklinik Dahlener Heide für Orthopädie sowie Psychosomatik und Psychotherapie gehört zu den Dengg Kliniken.

Die Gemeinde setzt weiterhin auf den Tourismus, hervorzuheben sind die Reiterhöfe und Reitwege.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Verbindung zu Dahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Bähr (1666–1738), Baumeister des Barock, war am Bau der Kirche in Schmannewitz beteiligt
  • Heinrich Graf von Bünau (1697–1762), Staatsmann und Historiker, Rittergutsbesitzer in Dahlen
  • Albert Fraustadt (1808–1883), evangelischer Pfarrer und Autor in Börln
  • Friedrich Wilhelm Hauffe (1845–1915), Politiker, Stadtgutsbesitzer in Dahlen, MdR, MdL (Königreich Sachsen)
  • Oskar Röder (1862–1954), von 1886 bis 1888 Tierarzt in Dahlen
  • Hellmut Körner (1904–1966), NSDAP-Reichstagsmitglied und Landesbauernführer Sachsens, seit 1936 Erbhofbesitzer in Dahlen
  • Wilhelm Rühle (1906–1993), Orgelbau- und Tischlermeister, baute 1977 die Orgel in der Kirche in Schmannewitz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Dahlen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 27. Heft: Amtshauptmannschaft Oschatz (I. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1905, S. 77.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S.52
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 554f
  4. Der Friede von Hubertusburg, Freundeskreis Schloss Hubertusburg
  5. Facebook-Eintrag
  6. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  7. Das Spukschloss in Sachsen in: FAZ vom 19. September 2011, Seite 28
  8. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II. Deutscher Kunstverlag 1998, S. 173.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dahlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Dahlen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen