Fairchild C-119

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Fairchild C-119 Flying Boxcar
C-119(021001-O-9999G-016).jpg
Fairchild C-119B „Flying Boxcar“
Typ: Transportflugzeug
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller:

Fairchild Aircraft

Erstflug: November 1947
Produktionszeit: 1947 bis 1955
Stückzahl: 1.183
C-119 beim Einsatz über Korea im November 1952

Die Fairchild C-119 war ein zweimotoriges Militärtransportflugzeug der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Hersteller war die Fairchild Aircraft Ltd. Entwickelt wurde sie aus der Fairchild C-82 Packet. Deren Spitzname Flying Boxcar („fliegender Güterwaggon“) – der dann auch für die C-119 übernommen wurde – leitet sich vom Laderaum her, der die Abmessungen eines Eisenbahn-Güterwaggons aufwies. Zwischen 1947 und 1955 wurden 1.183 Flugzeuge in verschiedenen Varianten hergestellt.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug wurde intensiv während des Korea-Krieges eingesetzt. Außer von der US Air Force wurde die C-119 auch von Kanada, Belgien, Italien und Indien genutzt. Weil die US Air Force, insbesondere das Strategic Air Command, ab Beginn der 1950er Jahre einen Großteil der Produktionskapazitäten von Pratt & Whitney für sich beanspruchte, stellte man ab der C-119F auf Wright R-3350 Triebwerke um. Teilweise wurden auch ein zusätzliches Strahltriebwerk des Typs Westinghouse J34 auf der Rumpfoberseite oder zwei General Electric J85-GE-17 unter den Tragflächen angebaut, um die Kurzstarteigenschaften weiter zu verbessern.

Fast alle Hilfsantriebe waren elektrisch – statt wie häufiger üblich hydraulisch – ausgeführt. Im Frachtraum befand sich eine Schiene, die den Frachtabwurf vereinfachte. Der Flugingenieur konnte mit Hilfe eines kleinen Oszilloskops die Funktion jeder einzelnen Zündkerze – immerhin je Motor 56 Stück (28 Zylinder mit Doppelzündung) – überwachen. Wegen der geringen Höchstgeschwindigkeit von 243 Knoten (450 km/h) witzelten die Besatzungen gerne, dass statt der Borduhr ein Kalender hätte eingebaut werden sollen.

Auch eine weitere, modifizierte militärische Version der C-119 war geplant. Die XC-120 hatte ein auswechselbares hinteres Rumpfteil. Somit konnte die Maschine je nach Verwendung und Mission ein entsprechendes Modul aufnehmen. Es wurde lediglich ein flugtaugliches Exemplar 1950 der US Air Force übergeben.

Am 27. Juni 1958 fingen zwei sowjetische MiG-17-Kampfflugzeuge südlich von Jerewan eine C-119 ab, deren Besatzung unverletzt gefangengenommen werden konnte, obwohl das Flugzeug abstürzte und ausbrannte. Die Besatzung wurde am 7. Juli US-Vertretern übergeben.

Im Rahmen des „Projekt Gunship III“ wurden ab 1967 etliche C-119 in zum Teil schwer bewaffnete Gunships mit der Bezeichnung AC-119 umgebaut und im Vietnamkrieg eingesetzt.

Die C-119 wurde auch in der Neuauflage des Kinofilms Der Flug des Phoenix von 2004 eingesetzt.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

XC-119A
Prototyp der Serienversion der XC-82B, später C-119A. Umbau zu Testflugzeug EC-119A.
C-119B
Serienversion mit P&W R-4360-20 (2424 kW Startleistung), 55 wurden gebaut.
C-119C
C-119B mit P&W R-4360-20W (2610 kW Startleistung), die Vorderkanten der Seitenleitwerke verlängert, 303 wurden gebaut.
YC-119D
Vorschlag einer Version mit abnehmbarem Transportbehälter, später als XC-128A bezeichnet. Die Version wurde nicht gebaut.
YC-119E
C-119D mit R-3350-Motoren, später als XC-128B bezeichnet. Die Version wurde nicht gebaut.
YC-119F
Umbau einer C-119C und Ausrüstung mit Wright-R-3350-85 (2610 kW Startleistung), beide Seitenleitwerke nach unten verlängert (wurde später auch bei C Modellen nachgerüstet)
C-119F
Serienversion der YC-119F, das Fahrwerk wird nun hydraulischen ein- und ausgefahren, 256 wurden gebaut.
C-119G
C-119F mit anderen Propellern (Aeroproducts), 480 wurden gebaut.
AC-119G Shadow
Umbau von 26 C-119G zu Gunships.
YC-119H
Umbau einer C-119C mit verlängerten Flügeln und modifiziertem Heckleitwerk.
C-119J
Ausrüstung von 62 C-119F/G mit anderem Rumpfheck.
EC-119J
Umbau von C-119J für die Satellitenverfolgung.
MC-119J
Bezeichnung für C-119J, die als Ambulanzflugzeuge ausgerüstet werden konnten.
YC-119K
Umbau einer C-119G mit zwei Turbojet-Strahltriebwerken General Electric J85 in Gondeln unter den Tragflächen.
C-119K
Umbau von fünf C-119G analog der YC-119K.
AC-119K Stinger
Umbau von 26 C-119K zu Gunships.
C-119L
22 modifizierte C-119Gs.
XC-120 Packplane
R4Q-1 des U.S. Marine Corps 1950.
Umbau einer C-119B mit abnehmbarem Transportbehälter.
C-128
ursprüngliche Bezeichnung der YC-119D und YC-119E.
R4Q-1
Bezeichnung der United States Navy für die C-119C, 39 wurden gebaut.
R4Q-2
Bezeichnung der United States Navy für die C-119F (ab 1962 wieder C-119F), 58 wurden gebaut.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abnahme der C-119 durch die USAF:[1]

Im Rahmen des Mutual Defense Aid Program (MDAP) wurden 141 C-119 gebaut. Die C-119 F wurde 1952 in 15 und 1953 in 56 Exemplaren bei Kaiser gebaut, der Rest bei Fairchild.

Version 1948 1949 1950 1951 1952 1953 1954 1955 SUMME
C-119 1               1
C-119B   45 9           54
C-119C     89 98 79 37     303
C-119F         113 79     192
C-119G           127 186 83 396
YC-119H         1       1
R4Q-1       23 8       31
R4Q-2           58     58
C-119F MDAP         29 24     53
C-119G MDAP         4 47 16 21 88
SUMME 1 45 98 121 234 372 202 104 1.177

In Korea gingen 19 C-119 verloren, davon 11 im Einsatz. Lediglich 2 davon wurden durch Feindeinwirkung zerstört, der Rest durch Flugunfälle.[2]

Militärische Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

United States Air Force
United States Marine Corps
United States Navy

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 10. August 1955 stießen bei Edelweiler, Deutschland, während einer Fallschirmjägerübung zwei US-amerikanische Fairchild C-119G (Kennzeichen 53-3222, 53-7841) zusammen. Beim Absturz in einem Kornfeld bzw. Waldgebiet bei Edelweiler kamen alle 66 an Bord beider Maschinen befindlichen US-Soldaten ums Leben.[3][4]
  • Am 26. Juni 1963 wurde eine Fairchild C-119G der Belgischen Luftstreitkräfte (Kennzeichen BAF CP 45) über dem militärischen Übungsgebiet Sennelager von britischen Mörsergranaten getroffen. Neun Fallschirmjäger konnten noch aus der abgeschossenen Maschine abspringen, bevor diese bei Detmold abstürzte. Alle anderen 33 Fallschirmjäger und die 5 Crewmitglieder wurden getötet.[5]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Besatzung: 5
  • Zuladung: bis zu 62 Soldaten, 35 Tragen oder 4.500 kg Fracht
  • Länge: 26,35 m
  • Spannweite: 33,30 m
  • Höhe: 8.10 m
  • Flügelfläche: 134,43 m²
  • Leermasse: 18.144 kg
  • Maximale Startmasse: 30.350 kg
  • Triebwerke: 2 × Sternmotor Pratt & Whitney R-4360-20W mit je 3.549 PS (2.610 kW) Startleistung
  • Höchstgeschwindigkeit: 450 km/h (243 kts)
  • Reichweite: 2.832 km (1.529 NM)
  • Dienstgipfelhöhe: 7.286 m (23.900 ft)
  • Steigrate: 308 m/min (1.010 ft/min)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: C-119 Flying Boxcar – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistical Digest of the USAF 1948, S. 16; 1949, S. 164 f.; 1951, S. 158; 1952, S. 158; 1953, S. 185 f.; 1954, S. 70 f.; 1955, S. 80 f.
  2. Statistical Digest of the USAF 1953, S. 53 ff.
  3. Unfallbericht C-119 53-3222, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 15. August 2016.
  4. Unfallbericht C-119 53-7841, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 15. August 2016.
  5. Unfallbericht C-119 BAF CP 45, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. Dezember 2017.