Flugplatz Lüneburg

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Flugplatz Lüneburg
Flugplatz Lüneburg (Niedersachsen)
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Kenndaten
ICAO-Code EDHG
Koordinaten
53° 14′ 57″ N, 10° 27′ 52″ OKoordinaten: 53° 14′ 57″ N, 10° 27′ 52″ O
49 m (161 ft) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 3 km östlich von Lüneburg
Straße Bundesautobahn 39
Bundesstraße 4
Bundesstraße 209
Bundesstraße 216
Nahverkehr Buslinie 5010
Basisdaten
Betreiber Luftsportverein Lüneburg e.V.
Start- und Landebahn
07/25 560 m × 30 m Gras

Der Flugplatz Lüneburg ist ein östlich des Stadtkerns gelegener Sonderlandeplatz. Er ist für Motorflugzeuge, Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Segelflugzeuge bis zu einem Maximalgewicht von 2000 kg zugelassen. Hubschrauber sind bis zu einem Gewicht von 5700 kg zugelassen. Vom Flugplatz aus können Ballonfahrten unternommen werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher war der heutige Sonderlandeplatz ein Fliegerhorst der Luftwaffe der Wehrmacht.

Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1938 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit[1]
April 1938 April 1939 II./KG 257 (II. Gruppe des Kampfgeschwaders 257)
Mai 1939 August 1939 Stab, II./KG 26
Oktober 1939 Oktober 1939 I./KG 4
Oktober 1939 Januar 1940 I./KG 1
Oktober 1939 November 1939 II./KG 1
Januar 1940 April 1940 III./KG 4
Februar 1940 August 1940 Kampfgruppe 100
April 1940 April 1940 I./KG 40
Juni 1940 Juni 1940 I./KG 26
Januar 1941 Juli 1941 II./KG 40
November 1941 April 1943 7./NJG 3 (7. Staffel des Nachtjagdgeschwaders 3)
Februar 1944 April 1944 III./JG 54 (III. Gruppe des Jagdgeschwaders 54)
November 1944 November 1944 Teile der III./NJG 5
April 1945 April 1945 III./JG 1

Am 18. April 1944 wurde der Fliegerhorst Lüneburg bei einem Luftangriff auf Lüneburg von etwa dreißig Flugzeugen bombardiert und erheblich beschädigt, er blieb jedoch einsatzbereit.[2] Nach der Eroberung durch die Alliierten, die diesen Militärflugplatz zunächst als Airfield B.156 bezeichneten, im Frühjahr 1945, nutzte die British Air Force of Occupation den später als RAF Lüneburg bezeichneten Flugplatz noch einige Zeit weiter. Hier lag 1945 unter anderem das No. 39 (Recon) Wing (Aufklärungsgeschwader) der RCAF und zwischen Dezember 1947 und April 1949 die No. 652 Squadron mit ihren Auster Beobachtungsflugzeugen; die Staffel wurde später zur Army transferiert.

Die Genehmigung zum Betrieb des Landeplatzes erfolgte auf Antrag der Stadt Lüneburg und des Luftsportvereins Lüneburg e.V. (LVL) mit der endgültigen Genehmigung im Juli 1998 durch die damalige Bezirksregierung Weser-Ems. Der heute etwa 20 Hektar große Landeplatz ist Eigentum der Stadt und wurde dem Luftsportverein bis 2015 entgeltfrei überlassen.

Am 5. Januar 2012 berichtete die Landeszeitung Lüneburg über eine mögliche Schließung des Flugplatzes durch den Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge zugunsten der Schaffung neuer Gewerbeflächen.[3] Der Luftsportverein als Betreiber des Platzes hat daraufhin eine Unterschriftenaktion gestartet, um den Flugplatz zu erhalten.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz Lüneburg steht schon seit einigen Jahren in der Diskussion. Dieser einzige in einem Stadtgebiet liegende Sonderlandeplatz in Niedersachsen befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Wohngebieten Ebensberg, Neu-Hagen, Alt-Hagen und Kaltenmoor und wird von Gewerbegebieten (Bilmer Berg und Hafen) umschlossen. Bei Starts und Landungen in/von westlicher Richtung müssen die Flugzeuge unweigerlich Wohnhäuser, Kleingärten, stark frequentierte Gewerbeflächen und Straßen überqueren. Dies führt zu Lärmbeeinträchtigung in diesen Gebieten und zu einer erhöhten Gefahr bei Abstürzen.

Anwohner der Stadtteile Kaltenmoor, Alt- und Neu-Hagen hatten im Januar 2009 einen Verein gegen die Flugplatzerweiterung gegründet, die „Bürgerinitiative Lüneburg gegen Fluglärm“.[4][5] Bereits kurz nach der Gründung umfasste der Verein mehr als 100 Mitglieder.

Zielsetzung für die Bürgerinitiative ist, jegliche Erhöhung von Startzahlen oder einen Ausbau des Sonderlandeplatzes zu verhindern. Die Bürgerinitiative fordert, dass der Flugplatz aufgehoben und an einen geeigneteren konfliktarmen Standort verlegt wird.

Unfälle und Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den vergangenen Jahren ereigneten sich mehrere Flugunfälle auf dem Flugplatz oder in unmittelbarer Nähe:

  • 14. September 2002: Absturz einer Cessna in die Straße „Stadtkoppel“, ca. 100 m von der Rudolf-Steiner-Schule entfernt und in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet
  • 26. Juni 2004: Missglückte Notlandung einer Cessna 172 am Meisterweg, drei Personen an Bord[6]
  • 15. Januar 2005: Pilot verfehlt auf dem Lüneburger Flugplatz die Landebahn, viersitzige Maschine überschlägt sich, zwei Verletzte[7][8]
  • 29. Juni 2008: Missglückte Notlandung eines Ultraleichtflugzeugs im Tiergartenkamp, zwei Personen an Bord[9]
  • 31. März 2009: Absturz eines einsitzigen Ultraleichtflugzeugs wenige Meter vor der Ostumgehung (B4/B209) auf dem Fluggelände[10]
  • 22. Mai 2011: Anlässlich eines Flugplatzfestes Überschlag einer Maschine bei Landung, Notlandung einer Maschine nach Motorausfall, dabei Gefährdung von Zuschauern des Flugplatzfestes[11]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landeplatz wird vom Luftsportverein Lüneburg e.V. (LVL) mit seinen mehr als 100 Mitgliedern genutzt. Der Luftsportverein zahlt 15.000 € Jahresmiete für die Nutzung an die Stadt. Ferner dient er als Standort für eines der zwei Flugzeuge des niedersächsischen Feuerwehr-Flugdienstes.[12] In der Sommersaison (März bis Oktober) ist der Flugplatz am Wochenende von 9 bis 19 Uhr (Ortszeit) mit einem Flugleiter besetzt. Zu anderen Zeiten muss der Anflug beim Flugplatzbetreiber angemeldet werden. Platzrunden zur Schulung für Motorflugzeuge sind nicht statthaft, jedoch wird die Ausbildung für einen Ultraleicht-Pilotenschein am Platz angeboten. Die Segelflugausbildung unterliegt keinerlei Einschränkungen.

Im Weiteren dienen Teile des Flugplatzes als Ausgleichsfläche für den Bau des Audimax, im Februar/März wurden Schutzflächen für die Haubenlerche aufbereitet.

Flugbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugbetrieb ist während folgender Zeiten erlaubt:

  • Werktags: 7 bis 22 Uhr
  • Sonn- und feiertags: 7 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr
  • Landungen dürfen auch später erfolgen.

Beschränkungen der Zahl der Flugbewegungen von Motorflugzeugen bis 2 t Flugmasse:

  • Montag–Freitag: 80 Flugbewegungen = 40 Starts und 40 Landungen
  • Samstag: 50 Flugbewegungen = 25 Starts und 25 Landungen
  • Sonntag: 40 Flugbewegungen = 20 Starts und 20 Landungen

Grundsätzlich gibt es keine Beschränkung für das Feuerwehrflugzeug und für den Segelflugbetrieb.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flugplatz Lüneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 412–413, abgerufen am 29. August 2014.
  2. Helmut C. Pless: Lüneburg 45, S. 47. Lüneburg 1982.
  3. jj: Militär schrumpft, Gewerbe wächst. Oberbürgermeister Mädge spricht über neue Ansiedlungsflächen in der Kaserne, Hafen-Pläne und Image-Gewinn der Stadt. Landeszeitung Lüneburg, 5. Januar 2012, abgerufen am 22. Februar 2012.
  4. Bürger gründen Initiative gegen neuen Flugplatz. In: Hamburger Abendblatt. 29. Januar 2009.
  5. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.landeszeitung.de120 Bürger kommen zu Info-Abend der Bürgerinitiative „Lüneburg gegen Fluglärm“. In: Landeszeitung für die Lüneburger Heide. 27. März 2009.
  6. Bruchlandung auf der Pferdekoppel – alle leben. In: Hamburger Abendblatt. 28. Juni 2004.
  7. Zwei Verletzte bei Bruchlandung. In: Hamburger Abendblatt. 17. Januar 2005.
  8. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.landeszeitung.deZwei Verletzte nach Bruchlandung. In: Landeszeitung Lüneburg. 17. Januar 2005.
  9. Notlandung. Ultraleichtflugzeug stürzt auf Acker. (Memento vom 20. Juli 2012 im Webarchiv archive.is). In: Hamburger Abendblatt. 1. Juli 2008.
  10. Pilot landet neben der Ostumgehung. In: Hamburger Abendblatt. 1. April 2009.
  11. Flugplatzfest 2011 Lüneburg. Presseartikel, Landeszeitung Lüneburg, 28. Mai 2011.
  12. Flugplatz Lüneburg. Auf: niedersachsen.de (Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auf die Anfrage des Abgeordneten Enno Hagenah (GRÜNE) vom 14. September 2009).