Flurlingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Flurlingen
Wappen von Flurlingen
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Andelfingenw
BFS-Nr.: 0029i1f3f4
Postleitzahl: 8247
UN/LOCODE: CH FLJ
Koordinaten: 689329 / 282151Koordinaten: 47° 41′ 2″ N, 8° 37′ 42″ O; CH1903: 689329 / 282151
Höhe: 413 m ü. M.
Höhenbereich: 382–575 m ü. M.[1]
Fläche: 2,42 km²[2]
Einwohner: 1552 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 641 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
17,4 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Gilbert Bernath (parteilos)
Website: www.flurlingen.ch
Cholfirst von Neuhausen am Rheinfall aus gesehen mit Rhein und Flurlingen

Cholfirst von Neuhausen am Rheinfall
aus gesehen mit Rhein und Flurlingen

Lage der Gemeinde
HusemerseeDeutschlandDeutschlandDeutschlandDeutschlandKanton SchaffhausenKanton SchaffhausenKanton ThurgauKanton SchaffhausenBezirk BülachBezirk WinterthurAdlikon bei AndelfingenAndelfingen ZHBenken ZHBerg am IrchelBuch am IrchelDachsenDorf ZHFeuerthalenFlaachFlurlingenHenggartHumlikonKleinandelfingenLaufen-UhwiesenMarthalenOssingenRheinau ZHStammheimThalheim an der ThurTrüllikonTruttikonVolkenKarte von Flurlingen
Über dieses Bild
w

Flurlingen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Andelfingen des Kantons Zürich in der Schweiz. Ihr Mundartname: Fluerlinge[5].

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung

In Blau über goldenem Dreiberg drei silberne Rebmesser mit silbernen Zwingen und goldenen Griffen, das erste mit der Klinge nach links, die beiden anderen nach rechts gewandt

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Neuhausen am Rheinfall über den Rhein auf Flurlingen

Die Gemeinde Flurlingen liegt zwischen Rhein und Westhang des Cholfirsts. Von der Gemeindefläche dienen 18,3 % der Landwirtschaft, 55,8 % ist mit Wald bedeckt, 4,2 % ist Verkehrsfläche und 17,9 % Siedlungsgebiet, 3,8 % sind Gewässer. Auf dem Cholfirst befindet sich bei 8°38'50" östliche Länge und 47°40'53" nördliche Breite ein Sendeturm in Stahlfachwerkbauweise mit einer für den Publikumsverkehr geöffneten Aussichtsplattform.

Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1950

.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1637 1708 1850 1900 1910 1950 1960 1970 2000 2005
Einwohner 170 329 400 902 1023 951 1049 935 1248 1375

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepräsident ist der parteilose Gilbert Bernath. Die Exekutive besteht aus vier Mitgliedern, wobei alle Amtsinhaber parteilos sind. (Stand Mai 2020)

Bei den Nationalratswahlen 2019 erreichten die SVP 25,13 %, die SP 16,66 %, die FDP 15,36 %, die Grünen 15,26 %, die glp 14,53 %, die CVP 5,02 %, die BDP 2,12 %, die EVP 2,02 % und die AL 1,2 % der Wählerstimmen.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf eine erste Besiedlung Flurlingens weisen Gräberfunde aus dem frühmittelalterlichen 7. Jahrhundert, die seit 1926 bis 1996 immer wieder zutage kamen. Nach Rettungsgrabungen 1992 und 1996 dokumentierte die Zürcher Kantonsarchäologie an der Gründenstrasse ein Gräberfeld von 47 Gräbern mit 50 Bestattungen, was auf eine ursprüngliche Belegung von 100 Gräbern schliessen liess. Bei den allermeisten Bestatteten fand man Beigaben: Messer, Speerspitzen, Schwerter, Gürtelschnallen, Ohr-, Arm- und Fingerringe, Glasperlen-Schmuckketten. Dass reiche Grabinventare fehlen, weist auf eine einfache Bevölkerung hin. Zahlreiche pathologische Befunde an den Skeletten sind Indizien für eine körperlich schwer arbeitende Volksgruppe.[7] Sechs besser gestellte Männer waren nahe dem Weg bestattet und mit reicheren Beigaben wie Sax und einmal mit Spatha versehen, ein Knabe mit einem Messer, das in einer mit bronzenen Nieten beschlagenen Lederscheide steckte.

Flurlingen wurde im Jahr 876 erstmals urkundlich erwähnt. Im August 876 übergab der Abt des Klosters Rheinau den Ort Flurlingen an den Klettgauer Grafen Gozbert, der später seinen Besitz in Laufen, Mörlen und Flurlingen 892 wieder dem Kloster schenkte. Im 10. Jahrhundert gelangte die ganze Mark samt der Pfarrkirche in Laufen an den Bischof von Konstanz, der in Flurlingen eine Grundherrschaft mit niederer Gerichtsbarkeit über „Erb und Eigen“ und Verhängung von Bussen bis zu neun Schilling einrichtete. Dieses „Uhwieser Amt“ bestand bis 1798. Die Vogtei mit der mittleren Gerichtsbarkeit war mit dem Schloss Laufen verbunden und gelangte mit diesem 1544 an Zürich. Das hohe Gericht in Flurlingen gehörte seit je zur Grafschaft Kyburg und ging mit dieser 1424 bzw. 1452 an Zürich über.

In der Helvetik bildete Flurlingen eine eigene Munizipalität, ebenso waren unter der Mediationsverfassung Flurlingen, Dachsen und Uhwiesen selbständige Gemeinden. Mit der Restauration im Jahre 1814 wurden alle drei Orte vereinigt. Unter der Kantonsverfassung von 1831 löste sich Dachsen los, so dass nur noch Uhwiesen und Flurlingen zusammen eine politische Gemeinde bildeten. Im Jahre 1841 schied Flurlingen aus diesem Verband aus und wurde wieder eine selbständige Gemeinde.[8]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist durch zwei Rheinbrücken mit der rechten Rheinuferseite verbunden. Seit 1860 durch eine Strassenbrücke nach Schaffhausen, seit 1921 durch einen Steg nach Neuhausen. Zusätzlich liegt die Rheinbrücke der A4 und der Flurlingertunnel auf Gemeindegebiet.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer Mitte Januar wird Hilari, ein fasnachtähnlicher Brauch gefeiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 7). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1938. DNB 365803030.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Flurlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Heinz Gallmann: Zürichdeutsches Wörterbuch. 1. Auflage. Neue Zürcher Zeitung, 2009, ISBN 978-3-03823-555-2, S. 668.
  6. Wahlen 2019. Abgerufen am 25. Mai 2020.
  7. Christian Bader, Jürg Leckebusch, Fridolin Mächler, Christoph Renold, Roman Szostek, Renata Windler, Antoinette Rast-Eicher: Ein Gräberfeld des 7. Jahrhunderts in Flurlingen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 16. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 2002, ISBN 3-905681-00-5, S. 47–120.
  8. Darstellung der Geschichte auf der Internetpräsenz der Gemeinde Flurlingen