Franz Ruppert

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Franz Ruppert (2015)

Franz Ruppert (* 28. Mai 1957 in Langensallach) ist ein deutscher Psychotraumatologe, der seit 2000 die wissenschaftlich nicht anerkannte Identitätsorientierte Psychotraumatherapie (IoPT) entwickelt.

Seit Herbst 2020 verbreitete er Falschinformationen und Verschwörungstheorien, die Corona-Pandemie würde von der WHO[1] und Bill Gates[2] aufgebauscht, um finanziellen Interessen zu dienen. Quarantänevorschriften verglich er mit der Schutzhaft.[2]

Ruppert ist Professor für Psychologie an der Katholischen Stiftungshochschule München und als psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis in München tätig.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Gabrieli-Gymnasium in Eichstätt im Jahr 1976 studierte Ruppert bis 1982 Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Promotion zum Dr. phil. erfolgte 1985 an der Technischen Universität München bei Carl Graf Hoyos am Lehrstuhl für Psychologie. 1992 wurde Ruppert zum Professor für Psychologie an die Katholische Stiftungshochschule München berufen, an der er bis heute psychologische Vorlesungen hält und Seminare für Sozial- und Kindheitspädagogen anbietet. 1999 erhielt Ruppert die staatliche Approbation als psychologischer Psychotherapeut.

Rupperts Methode ist wissenschaftlich nicht durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie anerkannt und wird anderes als andere psychotherapeutische Verfahren nicht von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert. Es gibt keine wissenschaftliche Evaluation oder Rezeption der Methode und alle Veröffentlichungen dazu stammen von Ruppert selbst. Bei seiner „Anliegenmethode“ soll der Klient sein Anliegen aufstellen. Dadurch sollen innere Abspaltungen von Ich-Anteilen sichtbar werden, die durch ein Trauma entstanden sind sowie deren Reintegration gefördert werden.[3] Seine Methode soll dabei helfen, Identifikationen aufzulösen, sich von Zuschreibungen anderer frei zu machen und zur Förderung einer früh unterbrochenen gesunden Identitätsentwicklung beitragen.[4] Diese Therapieform ist sowohl für Gruppen- als auch für Einzelsettings geeignet. Über Supervision ist nichts bekannt.

Seine Methode basiert auf der Ego-State-Therapie (1980) unter Weglassung der täternahen Ich-Anteile.[5] Jedoch gerade die offenkundigen sowie die verborgenen Täterintrojekte sind es, die Therapeuten Schwierigkeiten bereiten, da sie die herausforderndsten Momente, Tage oder Wochen für einen Therapeuten verursachen. Täteranteile können furchterregend, destruktiv, machtvoll, kontrollierend, ekelerregend und/oder gefährlich für sich und andere sein. Sie tragen die gefährlichsten und aversivsten Verhaltensweisen und Gefühle in sich. Sie haben das Überleben des Klienten abgesichert. Sie sind jedoch auch dafür verantwortlich, dass der Therapeut selbst wieder eine Therapie braucht, dass Patienten aus der Behandlung geschmissen werden, in der Behandlung missbraucht werden oder den Therapieprozess bremsen. Täternahe Anteile treten in der Behandlung z. B. als sogenannte „Borderline-Wut“ auf. Diese Anteile verstümmeln sich selbst während oder nach der Sitzung und sie terrorisieren/misshandeln andere Ich-Anteile.[6]

Beruflicher Werdegang und wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals im Gruppensetting arbeitete er bei der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie als Leiter für System- und Organisationsaufstellungen.[7] Ab 1999 orientierte sich Ruppert in seiner Aufstellungspraxis an einem bindungs- und traumazentrierten Theorieansatz.[8] Weitere Forschungsschwerpunkte sind frühkindliche und pränatale Formen des Psychotraumas und ihre Folgen auf die Persönlichkeitsentwicklung und Psychosomatik.

In seinen Büchern beschreibt Ruppert angebliche universell geltende Charakteristika traumatischer Prozesse und deren Konsequenzen für die menschliche Psyche. So komme er zu einer generellen Traumatheorie, welche die Grundlage seiner praktischen Arbeit bilde. Trauma, so seine Definition, entstehe immer dann, wenn die menschliche Psyche traumatische Lebenserfahrungen nicht integrieren könne, sondern abspalten müsse, um sie aus dem Bewusstsein fernzuhalten.[9]

Schließlich prägte Ruppert den Begriff der Traumabiografie, der zum Ausdruck bringen soll, dass seiner Auffassung nach viele Menschen nicht nur an den Folgen einer einmaligen Traumatisierung leiden, sondern ihr ganzes Leben von den Auswirkungen ihrer frühen Psychotraumata bestimmt werde, in der Regel ohne dass ihnen das überhaupt bewusst sei. Wo die Mehrheit der Gesellschaft mit den Folgen ihrer individuellen Psychotraumata lebe, bildeten sich über Generationen hinweg ganze traumatisierte und ihrerseits wiederum traumatisierende Gesellschaften (Ruppert 2018). Seine Therapiemethode richte sich daher an die breite Masse der von Täter-Opfer-Dynamiken betroffenen Menschen. Der Weg heraus aus diesen Dynamiken führe über den Kontakt mit unseren frühen Traumaerfahrungen und unterdrückten Gefühlen, um endlich mit dem zum Scheitern verurteilten Versuch unseres Unterbewusstseins aufhören zu können, mit den Überlebensmustern von gestern die Probleme im Heute zu lösen (Ruppert 2019).

Therapie bedeutet laut Ruppert Selbsterkenntnis und Selbstintegration.[10] Er sagt, dass auch körperliche Erkrankungen Psychotraumafolgen seien. Die Einnahme von Medikamenten sei häufig nur eine Symptomunterdrückung oder -verschiebung und ersetze keine Psychotraumatherapie. Oft sei eine tiefgreifende Heilung nur möglich, wenn die psychotraumatischen Ursachen nicht im Verborgenen blieben.[11] Ruppert sagt, alle körperlichen und psychischen Krankheiten entstünden durch „emotionale Verletzungen“. Er bestreitet die Existenz von ADHS. Das Syndrom sei vielmehr eine „Erfindung der Pharmaindustrie“, um mehr Medikamente verkaufen zu können. Krankheiten wie Krebs oder Diabetes bezeichnet er als „Konstruktion der Schulmedizin“.[1]

Er geht davon aus, dass die frühe Fremdbetreuung in Kindergärten bei Kindern zu massiven Traumatisierungen führe und eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung und lebenslanges Leid entstehe. Eine Traumatisierung könne auch schon vor der Geburt entstehen, wenn eine Mutter über Abtreibung nachdenke. Die Existenz ungewollter Schwangerschaften leugnet er, auch bei einer Vergewaltigung könne man im Falle einer Schwangerschaft davon ausgehen, dass es vonseiten der Frau „eine gewisse Akzeptanz für die Befruchtung“ gegeben haben müsse.

Als Psychotherapeut bietet er Vorträge, Weiterbildungen und Seminare zu der von ihm begründeten IoPT an. Seit 2012 veranstaltet Ruppert alle zwei Jahre einen Kongress zur Weiterentwicklung seiner Methode und ihrer Anwendung in der Praxis. Seit 2016 schreibt Ruppert auch über gesellschaftliche Fragestellungen.[12]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Systemische Gesellschaft betont in ihrer Potsdamer Erklärung[13] die Wichtigkeit einer tragfähigen und verantwortlichen therapeutischen Beziehung. Grundlegende Prämissen systemischer Therapie werden bei Bert Hellinger und Therapeuten mit ähnlichem Welt- und Menschenbild nicht eingehalten, darunter

  • die Vernachlässigung von Auftragsklärung und Anliegenorientierung
  • die Ansage an den Klienten, potentiell demütigende Unterwerfungsrituale durchzuführen, sowie der Glaube, das Verneigen würde eine Heilung bewirken
  • die Verknüpfung der Interventionen mit heute ungewöhnlichen Formen des Menschenbildes (etwa in Bezug auf Genderfragen, Binationalität u. a.)
  • der Glaube über eine Wahrheit („Ordnungen der Seele“) verfügen zu können, an der eine Person mehr teilhaftig sei als eine andere. Dies impliziert, dass keine partnerschaftliche Kooperationsbeziehung angestrebt wird.[14]

Ruppert erklärt psychische Störungen mit seiner eigenen Erfahrung und nicht mit Erkenntnissen, die auf einer Auswertung dieser seiner Erfahrung mit wissenschaftlichen Verfahren beruhen.[15]

Die Kleinkindpädagogin und Autorin Susanne Mierau bezeichnete Rupperts Aussagen als misogyn, sie entsprächen nicht dem aktuellen Forschungsstand.

Verbreitung von Verschwörungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruppert verbreitet seine Meinungen unter anderem auf den verschwörungsideologisch orientierten Websites KenFM und Rubikon,[16] darunter auch Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie. Er behauptet, die Pandemie sei „von langer Hand vorbereitet und ein Testfall für das Umsetzen weiterer Pandemien“. Er schreibt von einem „globalisierten Impfwahn“ als „gemeinsamem Suizid auf Raten“.[17]

Die Leitung der Katholischen Stiftungshochschule München distanzierte sich öffentlich von den Äußerungen Rupperts zur Corona-Pandemie.[18]

Ein geplanter Auftritt Rupperts an der Volkshochschule Kolbermoor innerhalb einer Vortragsreihe mit dem Titel Nachdenken über Corona wurde von Stadträten kritisiert, die vor der Verbreitung von Verschwörungstheorien warnten. Der Bayerische Volkshochschulverband distanzierte sich in einer Erklärung von der „unwissenschaftlichen“ Veranstaltungsreihe.[19]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruppert lebt seit 1976 in München. Seit 1998 ist er mit der Frauenrechtlerin Juliane von Krause verheiratet.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher

  • Verwirrte Seelen. Die Wahrheit heilt den Wahn. Kösel Verlag, München 2002, ISBN 978-3-466-30600-8.
  • Trauma, Bindung und Familienstellen. Seelische Verletzungen verstehen und heilen. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-608-89045-7.
  • Seelische Spaltung und innere Heilung. Traumatische Erfahrungen integrieren. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-89206-2.
  • Symbiose und Autonomie. 5. Auflage. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-608-89215-4.
  • Trauma, Angst und Liebe. Unterwegs zu gesunder Eigenständigkeit. Wie Aufstellungen dabei helfen. Kösel Verlag, München 2012, ISBN 978-3-466-30966-5.
  • Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft? Wie Täter-Opfer-Dynamiken unser Leben bestimmen und wie wir uns daraus befreien. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-608-96270-3.
  • Liebe, Lust und Trauma: Auf dem Weg zur gesunden sexuellen Identität. Kösel Verlag, München 2019, ISBN 978-3-466-34743-8.

Als Herausgeber

  • Frühes Trauma. Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-608-89150-8.
  • Mit Harald Banzhaf (Hrsg.): Mein Körper, mein Trauma, mein Ich. Kösel Verlag, München 2017, ISBN 978-3-466-34644-8.

Ausgewählte Beiträge und Artikel

  • Trauma und symbiotische Verstrickung – von der Familien- zur Traumaaufstellung. In: Zeitschrift für Psychotraumatologie, Psychotherapiewissenschaft, Psychologische Medizin. Heft 4/2009.
  • Das Aufstellen des Anliegensatzes. Entwicklungsschritte und methodische Betrachtungen. In: Kirsten Nazarkiewicz, Kerstin Kuschik (Hrsg.): Handbuch Qualität in der Aufstellungsleitung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-40467-6, S. 327–355.
  • The Effects of Maternal Trauma on Children’s Psychological Health. In: John Wilks (Hrsg.): An Integrative Approach to Treating Babies and Children. Singing Dragon, London 2017, ISBN 978-1-84819-219-5, S. 45–57.
  • Identität, Spaltung und Verlust der Ganzheit. In: Peter Bourguin, Kirsten Nazarkiewicz (Hrsg.): Trauma und Begegnung. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, ISBN 978-3-525-40512-3, S. 39–50.
  • Heilung und Prävention früher Traumata. In: Inés Brock (Hrsg.): Wie die Geburtserfahrung unser Leben prägt. Psychosozial-Verlag, Gießen 2018, ISBN 978-3-8379-2718-4, S. 127–139.
  • Mein Beruf als Trauma-Überlebensstrategie und Weg zu mir selbst. In: Stephanie Hartung (Hrsg.): Trauma in der Arbeitswelt. Springer Gabler, Berlin 2019, ISBN 978-3-662-58621-1, S. 197–214, doi:10.1007/978-3-662-58622-8_9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorträge (Videos)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Franz Ruppert: Der Master-Plan. In: Rubikon. Abgerufen am 6. Dezember 2021.
  2. a b Prof. Franz Ruppert – Was plant Bill Gates so Alles? Archiviert vom Original am 16. Oktober 2020; abgerufen am 6. Dezember 2021.
  3. [https://www.gesunde-autonomie.de/de/zur-methode Der aktuelle Stand der Methode.} Verein zur Förderung einer gesunden Autonomieentwicklung von Menschen e.V. – München (VFGAM e.V.), abgerufen am 6. Dezember 2021.
  4. Vgl. Michael Paul Gollmer: Der Einfluss von Traumafolgen und frühkindlicher Bindung auf Identitätsfindungsprozesse. Campus Naturalis, Berlin 2016, S. 32 f., 37.
  5. Jochen Peichl: Die inneren Trauma-Landschaften: Borderline – Ego-State – Täter-Introjekt. S. 247, 2. Auflage, Schattauer Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7945-2935-3 (Leseprobe Kap. 13.3 Das Introjekt und das Modell der Strukturalen Analyse sozialen Verhaltens, PDF, 7 Seiten, 232 kB).
  6. Vortrag von Joanne Twombly (Boston, USA) auf dem Täterintrojekte-Kongress 2011: Offenkundige und verborgene Täteranteile: ihre Anwesenheit, ihre Reinszenierung und ihre Auflösung in der Behandlung von Kindesmisshandlungs-Opfern. Veranstalter: Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie und Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  7. Theoretisch hat er sich damit befasst in: Berufliche Beziehungswelten. Das Aufstellen von Arbeitsbeziehungen in Theorie und Praxis. Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 3-89670-428-1.
  8. Vgl. Birgit Assel: Von der Familienaufstellung zur Traumaaufstellung. In: Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen (Hrsg.): Praxis für Systemaufstellungen. 2009 (PDF).
  9. Vgl. Michael Paul Gollmer: Von der Traumatheorie zur Traumatherapie. In: Der Einfluss von Traumafolgen und frühkindlicher Bindung auf Identitätsfindungsprozesse. Campus Naturalis, Berlin 2016, S. 27 ff.
  10. Vgl. Vivian Broughton: Zurück in mein Ich. Das kleine Handbuch zur Traumaheilung. Kösel, München 2016.
  11. Vgl. Harald Banzhaf: Trauma als Schlüssel zum Verständnis körperlichen Leidens. In: Mein Körper, mein Trauma, mein Ich. Kösel, München 2017, S. 136 ff.
  12. So vor allem mit der Veröffentlichung seines Buches Wer bin Ich in einer traumatisierten Gesellschaft? (2018).
  13. Potsdamer Erklärung zur Systemischen Aufstellungsarbeit. PDF, abgerufen am 4. November 2021.
  14. Potsdamer Erklärung zur systemischen Aufstellungsarbeit. In: Systemische-Gesellschaft.de. Abgerufen am 4. November 2021.
  15. Klaus Weber: Die Ordnungen der Seele als Ausdruck einer totalitären Psychologie. Zum Buch „Verwirrte Segen“ von Franz Ruppert, S. 4.
  16. Anne Dittmann: Rechte Ideologie auf Instagram: Sie treffen Mütter da, wo es ihnen weh tut. In: Welt.de. 17. September 2020, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  17. Der CDU-Kandidat und die „Querdenker“: Maaßen in Bildband über Corona-Maßnahmengegner. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 9. Juni 2021, abgerufen am 6. Dezember 2021.
  18. Positionierung der Hochschulleitung und Erweiterten Hochschulleitung der KSH München. In: ksh-muenchen.de. Katholische Stiftungshochschule München, archiviert vom Original; abgerufen am 6. Dezember 2021.
  19. Streit um Verschwörungstheoretiker-Vortrag in der VHS Kolbermoor. In: br.de. Bayerischer Rundfunk, 5. November 2020, archiviert vom Original am 30. April 2021; abgerufen am 6. Dezember 2021.