Gebrüder Weiss

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Gebrüder Weiss GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1823
Sitz Lauterach, Österreich
Leitung Wolfram Senger-Weiss (CEO), Jürgen Bauer, Peter Kloiber, Lothar Thoma
Mitarbeiterzahl 7400 (März 2021)
Umsatz 1,77 Mrd. EUR (2020)
Branche Transport / Logistik / Spedition
Website www.gw-world.com
Stand: 10. Mai 2020

Firmensitz Lauterach

Gebrüder Weiss ist ein internationales Transport- und Logistikunternehmen mit Hauptsitz in Lauterach, Österreich. Insgesamt sind 7.400 Beschäftigte an 170 firmeneigenen Standorten in 35 Ländern für das Unternehmen tätig. 2020 betrug der Jahresumsatz 1,77 Milliarden Euro.

Unter dem Dach der Gebrüder Weiss Holding AG fasst das Unternehmen neben seinen Hauptgeschäftsbereichen Landtransporte, Luft- und Seefracht sowie Logistiklösungen auch eine Reihe von Tochterunternehmen zusammen – darunter u. a. die Logistikberatung x|vise, tectraxx (Branchenspezialist für High-Tech-Unternehmen), dicall (Kommunikationslösungen, Marktforschung, Training), Rail Cargo (Bahntransporte) und der Gebrüder Weiss Paketdienst, Mitgesellschafter des österreichischen DPD.

Geschichte der Gebrüder Weiss GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wurzeln von Gebrüder Weiss reichen über 500 Jahre zurück. Als Lindauer Boten haben Vorfahren der Eigentümerfamilie Senger-Weiss die Handelszentren Mailand und Lindau miteinander verbunden. Durch den Ausbau des alten Weges durch die Via Mala-Schlucht im Jahr 1474 wird der Lindauer – auch: Mailänder – Bote zur regelmäßigen Einrichtung. Seine Route führt von Lindau über Fussach und Chur und den 2100 Meter hoch gelegenen Splügenpass zum Comersee und weiter nach Mailand.[1]

Der Lindauer Bote war für Jahrhunderte eine der wesentlichen Institutionen auf der transalpinen Nord-Süd-Achse. Für den Transport von technischen Gütern, Geld, Seide oder Lebensmitteln griff der Bote auf verschiedene Verkehrsmittel zurück: Boote für den Boden- und den Comersee, Pferde für die flacheren Etappen und Maultiere für die bergigen Steige entlang der Via Mala. Auch Personen beförderte bzw. geleitete der Lindauer Bote über die Alpen. Zu den bekanntesten Passagieren gehörte Johann Wolfgang von Goethe. Der Dichter griff auf die Dienste des Boten auf dem Rückweg von seiner Italienreise im Jahre 1788 zurück.[1]

Sieben Jahre zuvor, im Jahre 1781, setzt der Lindauer Bote Johann Kasimir Weiss einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum heutigen Logistikunternehmen. Er wird Kompagnon seines Schwiegervaters Johann Schneider, der in Fussach am Ufer des Bodensees eine Faktorei betreibt. Die Handelsniederlassung war zentraler Punkt für Zwischenlagerungen und die Kontrolle der Botendienste, aber auch zunehmend für die Transportbelange der damals entstehenden Vorarlberger Textilindustrie – und damit eine Vorform eines modernen Logistikterminals, in der Warenströme entsprechend konsolidiert werden.[2]

Gründung der GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1822 der letzte Geschäftsführer der Faktorei aus der Familie Schneider ohne direkte Nachfahren stirbt, geht diese ab 1823 in den Alleinbesitz von Josef Weiss über. Gemeinsam mit seinen Halbbrüdern Leonhard und Johann Alois Karl Weiss führt er die Firma unter dem Namen Gebrüder Weiss fort. Am 1. Juli 1872 wird der Firmensitz von Fussach nach Bregenz verlegt.[2]

Bis 1914 gründet Gebrüder Weiss Filialen in der Donaumonarchie – in Wien, Triest und Görz – aber auch in Venedig und Genua, sowie im deutschen Lindau und in der Schweiz in Buchs, St. Margrethen und Romanshorn.

1921 übernimmt Ferdinand Weiss mit nur 23 Jahren die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Trotz Weltwirtschaftskrise erfolgt ein stetiger Aufbau, auch mit der Gründung von Niederlassungen in Hamburg und Wels.[2]

Expansion in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1950 kommt es zur Expansionsphase in Österreich: Neue Niederlassungen in Innsbruck, Graz und Linz werden eröffnet. Als Ferdinand Weiss nach 43 Jahren Alleinverantwortung überraschend stirbt, übernehmen 1968 seine Tochter Heidegunde (Heidi) und ihr Ehemann Paul Senger die Führung des Unternehmens.[2]

Der Paketdienst APS Austria Paket System (heute: DPD Austria) wird 1988 gemeinsam mit zwei österreichischen Partnern, Lagermax und Schachinger, gegründet und in kurzer Zeit zum Marktführer im B2B-Bereich in Österreich.[3]

Globale Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs expandierte Gebrüder Weiss 1989 in die benachbarten Mittel- und Osteuropäischen Länder, beginnend mit den Nachbarländern. Es entstehen zunächst Niederlassungen in Ungarn, Tschechien, Slowakei, Kroatien und Serbien. Es folgen sämtliche weitere Länder bis zur Schwarzmeerküste. Auch Bosnien und Nordmazedonien werden Teile des Netzwerks.[4]

Mit Jahresanfang 2009 übernimmt Gebrüder Weiss die Land- und Logistikgeschäfte von Hellmann Worldwide in Tschechien.[5]

Im Geschäftsjahr 2011 erwirtschaftet das Unternehmen zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Umsatz von über 1 Milliarde Euro.[6]

2012 geht Gebrüder Weiss einen entscheidenden Schritt auf der historischen Seidenstraße und gründet in Tiflis, Georgien, ein modernes Logistikterminal. Weitere Gründungen in Kasachstan, Armenien, Usbekistan, Russland und der Türkei folgen. In Deutschland übernimmt Gebrüder Weiss die Spedition Diehl in Baden-Württemberg vollständig.[7]

Im Jahr 2014 bezieht Gebrüder Weiss am Firmenhauptsitz in Lauterach, Vorarlberg, seine neue Konzernzentrale.[8] In China gründet das Unternehmen mit der Jilin International Transport Corporation (JIT) ein Joint Venture mit Schwerpunkt Automobillogistik.[9]

Im Bereich Home Delivery festigt Gebrüder Weiss 2015 seine Stellung als Marktführer für Endkundenzustellung (B2C) in Österreich und baut seine Services in mehreren Ländern Osteuropas aus.[10]

Gebrüder Weiss gründet 2017 eine eigene Landesorganisation in den USA mit Standorten in Chicago, New York, Atlanta, Boston, Dallas und Los Angeles.[11] Neue Filialen in China stärken das ostasiatische Netzwerk.

Fortsetzung des Wachstumkurses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 kann Gebrüder Weiss alle Dienstleistungen aufrechterhalten. Das digitale Kundenportal myGW wird in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Tschechien, Slowakei und Ungarn gelauncht.[12] Gebrüder Weiss vollzieht den Markteintritt in Südkorea, Australien und Neuseeland.[13] Mit der Akquisition von Ipsen Logistics[14] erweitert Gebrüder Weiss sein Air & Sea-Standortnetz in Deutschland und übernimmt Standorte in Polen und Malaysia.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebrüder Weiss wurde vielfach prämiert. Ein Auszug der wichtigsten Auszeichnungen:

  • Auszeichnung WU-Manager des Jahres für Heidi und Paul Senger-Weiss (2003)[16]
  • Österreichischer Staatspreis für den umweltfreundlichen Ganzzug OCC (2008)[17]
  • GRI-Qualitätssiegel für den ersten Nachhaltigkeitsbericht eines Logistikunternehmens (2010)[18]
  • Vier Sonderbriefmarken erinnern an den historischen Kurierdienst „Mailänder Bote“ und damit an die Frühgeschichte von Gebrüder Weiss (2014)[19]
  • Deutscher Preis für Onlinekommunikation für die Spiele-App "Logistics Expert (2015)[20]
  • Aufnahme von Heidi Senger-Weiss in die „Logistics Hall of Fame“ (2015)[21]
  • Great Place to Work Sonderpreis als bester Arbeitgeber für Lehrlinge in Österreich (2015)[22]
  • Red Dot Award für das Gebrüder Weiss Jahrbuch (2018)[23]
  • HERMES.Verkehrs.Logistik.Preis in der Kategroei Supply Chain Management für das Konzept Transport Security Standard (2019)[24]
  • Best of Content Marketing (BCM) Grand Prix & Gold für das Gebrüder Weiss Kundenmagazin ATLAS (2019)[25]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Kritik gelangte das Unternehmen in Salzburg im Jahr 2019. Für Ausbaupläne soll das Moorgebiet, das namensgebend für den Stadtteil Schallmoos ist, trockengelegt und gerodet werden. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2020 parallel zu noch anhängigen Gerichtsverfahren.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gebrüder Weiss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lindauer Bote. lindau.fandom.com, abgerufen am 6. August 2021.
  2. a b c d Paul Senger-Weiss, Heidi Senger-Weiss: Das WeissBuch. 2010, ISBN 978-3-85033-467-9.
  3. DPD • Schachinger Logistik. In: Schachinger Logistik. Abgerufen am 6. August 2021.
  4. Geschichte. 8. Juli 2021, abgerufen am 6. August 2021.
  5. VerkehrsRundschau: Hellmann gibt Tschechiengeschäft ab. Abgerufen am 6. August 2021 (deutsch).
  6. Eine Milliarde: Gebrüder Weiss erzielt Rekordumsatz. Abgerufen am 6. August 2021.
  7. ahaller: Gebrüder Weiss übernimmt Spedition Diehl. 12. April 2012, abgerufen am 6. August 2021.
  8. Edith Schlocker: Bühne mit freier Rundumsicht. 4. Oktober 2014, abgerufen am 6. August 2021.
  9. Marcus Williams2014-09-03T08:50:24+01:00: Gebrüder Weiss teams up with Jilin International Transport in China. Abgerufen am 6. August 2021 (englisch).
  10. VerkehrsRundschau: Gebrüder Weiss baut Home-Delivery-Geschäft aus. Abgerufen am 6. August 2021 (deutsch).
  11. Gebrüder Weiss erobert Neue Welt, auf vn.at
  12. Hans-Joachim Schlobach: MYGW - Neues Kundenportal von Gebrüder Weiss. 15. Oktober 2020, abgerufen am 6. August 2021 (deutsch).
  13. Gebrüder Weiss jetzt auch in Down Under. 31. Mai 2021, abgerufen am 6. August 2021.
  14. Login - DVZ. Abgerufen am 6. August 2021.
  15. Redaktion: Wachstum, Weitblick und wunderbare Nischen. Abgerufen am 6. August 2021.
  16. WU-Manager 2003: Heidegunde und Paul Senger-Weiss. Abgerufen am 6. August 2021.
  17. Österreichischer Staatspreis für Gebrüder Weiss. Abgerufen am 6. August 2021.
  18. Gebrüder Weiss: Nachhaltige Berichterstattung basiert auf Transparenz. Abgerufen am 6. August 2021.
  19. Sonderbriefmarken (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.industrieweb.at
  20. Auszeichnung für Spiele-App: Logistics Expert (Memento vom 15. Februar 2016 im Internet Archive)
  21. Logistics Hall of Fame: Erste Frau aufgenommen (26. November 2015)
  22. Markus Jaklitsch: Gebrüder Weiss ist Top-Arbeitgeber. 20. Mai 2015, abgerufen am 6. August 2021 (deutsch).
  23. Red Dot Design Award: Gebrüder Weiss Annual Report 2017. Abgerufen am 6. August 2021.
  24. Hermes Preisträger 2019. Abgerufen am 6. August 2021.
  25. Gebrüder Weiss gewinnt erneut den BCM Award. In: Österreichische Verkehrszeitung. 6. Juli 2020, abgerufen am 6. August 2021 (deutsch).
  26. Moorbiotop in Stadt Salzburg für Spedition gerodet im Standard vom 13. Februar 2020, abgerufen am 13. Februar 2020.

Koordinaten: 47° 28′ 6,9″ N, 9° 43′ 38″ O