Glutamate

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Glutamate
Magnesium-L-glutamate.svg
Magnesium-L-Diglutamat
Mononatrium-L-Glutamat.svg
Mononatrium-L-Glutamat
Calcium diglutamate.svg
Calcium-L-Diglutamat
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Monokalium-L-Glutamat

Als Glutamate werden die Ester und Salze der Glutaminsäure bezeichnet. Bekannt sind vor allem Salze der L-Glutaminsäure durch ihren Einsatz als Geschmacksverstärker in Lebensmitteln. Das einfache Natriumsalz wird Mononatriumglutamat (E 621) genannt und ist das am meisten verwendete. Ebenfalls zugelassen sind Monokaliumglutamat (E 622), Calciumdiglutamat (E 623), Monoammoniumglutamat (E 624), Magnesiumdiglutamat (E 625).[1] Glutamate sind als Zusatzstoffe durch die Zusatzstoffzulassungsverordnung für die meisten Lebensmittel bis zu einer Höchstmenge von 10 g/kg (berechnet als Glutaminsäure) zugelassen.[2]

Verwendung als Geschmacksverstärker[Bearbeiten]

Glutaminsäure wurde erstmals 1866 vom deutschen Chemiker Heinrich Ritthausen aus Weizengluten isoliert.[3] 1908 entdeckte der japanische Forscher Kikunae Ikeda dessen Bedeutung für die Geschmacksqualität. Er untersuchte die Ursache für den besonderen Wohlgeschmack von Käse, Fleisch und Tomaten, der aber nicht durch die vier bekannten Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig und bitter abgedeckt wird. Dabei konnte er aus dem in Japan in der Küche verwendeten Seetang Kombu Glutamat extrahieren, und nachweisen, dass Glutamat für den speziellen Umami-Geschmack verantwortlich ist. Zusammen mit dem Industriellen Saburôsuke Suzuki gründete er zur Vermarktung seiner Entdeckung später das Unternehmen Ajinomoto. Heute wird Mononatriumglutamat vor allem in Südost-Asien biotechnologisch (Fermentation) mit Hilfe des Bakteriums Corynebacterium glutamicum hergestellt (1,7 Mio. Tonnen pro Jahr).

Die Aminosäure L-Glutaminsäure findet sich natürlicherweise in fast allen proteinhaltigen Lebensmitteln. Bei normaler Mischkost liegt die tägliche Glutamataufnahme daher bei 8–12 g. Für gesunde Menschen ist die Verwendung von L-Glutamaten unbedenklich und steht in keinem Widerspruch zu einer gesundheitsbewussten Ernährung.[4] Eine glutamatreiche Ernährung hat keinen Einfluss auf die cerebrale L-Glutamatkonzentration, auch die Wirkung auf den Blutglutamatspiegel entspricht den normalen physiologischen Schwankungsbreiten.[5]

In den 1940er Jahren verabreichte man aufgrund einer Modeströmung Hunderten Kindern über Monate zur angeblichen geistigen Leistungssteigerung bis zu 40 g L-Glutamate pro Tag. Trotz dieser hohen Dosierung wurden weder leistungssteigernde noch toxische Effekte beschrieben.[5]

Gesundheitliche Bewertungen[Bearbeiten]

Bei Überempfindlichkeit wird vermutet, dass Mononatriumglutamat (MNG) der Auslöser des Chinarestaurant-Syndroms ist. Zwar kann man noch nicht ausschließen, dass es Personen gibt, die auf MNG empfindlich reagieren, doch konnte es 1987 in einer Doppelblindstudie des Joint Expert Committee on Food Additives der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Personen, die angaben, am sogenannten Chinarestaurant-Syndrom zu leiden, nicht als dessen Ursache festgestellt werden.[5][6]

Wissenschaftliche Studien mit Menschen haben bislang keine unmittelbare Schädlichkeit des Glutamats nachgewiesen. Die DFG-Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln (SKLM) hat im April 2005 in einer Stellungnahme vermelden lassen, dass bei Verwendung der üblichen Mengen an Glutamat in Lebensmitteln neurotoxische Wirkungen nicht zu befürchten seien.[7]

Kritiker wie der Heidelberger Neurowissenschaftler Konrad Beyreuther oder der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung sehen Glutamate bei vorhandenen neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Multipler Sklerose als kritisch an.[8] Jedoch wurde ein Zusammenhang exogen aufgenommenen Glutamats mit diesen chronischen Erkrankungen nicht erwiesen und gilt als unwahrscheinlich.[9] Für den Kieler Kinderarzt Michael Hermanussen ist Glutamat ein Stoff, der gefräßig macht, da er im Gehirn die Appetitregulation beeinflusst.[10] Eine aussagekräftige Studie über Übergewicht und die Rolle von Glutamat liegt aber noch nicht vor.[11] Seit 2010 wird eine Wechselwirkung zwischen Glutamat und Prostatakrebs vermutet. Demnach führe übermäßiger Verzehr von Glutamat zu einem vermehrten Absterben von Prostatazellen und infolgedessen zu einer Steigerung der Prostatazellenneuproduktion, wodurch Glutamat möglicherweise zumindest das Wachstum eines bereits bestehenden Prostata-Tumors beschleunigen könne.[12]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ZZulV: Anlage 4 (zu § 5 Abs. 1 und § 7): Begrenzt zugelassene Zusatzstoffe
  2. Anlage 4 der ZZULV, E 620 ff.
  3. Addison Ault: The Monosodium Glutamate Story: The Commercial Production of MSG and Other Amino Acid (PDF; 191 kB) In: Journal of Chemical Education Vol. 81 Nr. 3, März 2004, S. 347–355
  4. Die Mär vom ungesunden Teufelszeug Glutamat, Die Welt, 9. November 2011
  5. a b c Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE-aktuell 08/2003 vom 10. Juni 2003 Ist der Geschmacksverstärker Glutamat gesundheitsschädlich?
  6. Walker, R. und Lupien, JR. (2000): The safety evaluation of monosodium glutamate. In: J Nutr. 130(4S Suppl); 1049S–52S; PMID 10736380; PDF (freier Volltextzugriff, engl.)
  7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: DGEInfo 10/2005 – Forschung, Klinik und Praxis - Glutamat – keine neuen Empfehlungen notwendig
  8. Kathi Dittrich: Glutamat: Harmlos oder Nervengift? UGB-Forum 2/04, S. 100–101.
  9. G. Eisenbrand: Stellungnahme zur potentiellen Beteiligung einer oralen Glutamat-Aufnahme an chronischen neurodegenerativen Erkrankungen (PDF; 143 kB). In: DFG - Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln. Seite 11
  10. Hans-Ulrich Grimm: Die Ernährungslüge: Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt. Knaur, Januar 2011, ISBN 978-3-426-78393-1.
  11. Geschmacksverstärker Glutamat: harmlos oder ungesund?, Dr. Martina Melzer in Apothekenschau vom 29. Juli 2010, aktualisiert am 20. April 2011
  12. Glutamat als Tumormotor? Ärzte Zeitung online, Artikel vom 3. Januar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]