Gustav Holst

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Gustav Theodore Holst (englisch Aussprache: [həʊlst]; * 21. September 1874 in Cheltenham; † 25. Mai 1934 in London), geboren als Gustavus Theodore von Holst, war ein englischer Komponist.

Gustav Holst (um 1921).
In diesem Haus in Barnes (London) lebte Holst Anfang des 20. Jahrhunderts.
Brunnen zu Ehren Holsts mit Statue im Geburtsort Cheltenham.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Holst wurde am 21. September 1874 als Sohn von Adolph von Holst (geb. 5. Februar 1846, gest. 17. August 1901) und seiner Ehefrau Clara von Holst, geb. Lediard (geb. 13. April 1841, gest. 12. Februar 1882) geboren. Adolph von Holst aus einer deutsch-baltischen sowie lettisch-schwedischen Familie. Mütterlicherseits war die Familie vorwiegend britischer – weit entfernt auch spanischer – Herkunft.

Gustav Holsts jüngerer Bruder Emil Gottfried von Holst (später Ernest Cossart); geb. 24. September 1876; gest. 21. Januar 1951) arbeitete später als Schauspieler. Nach Clara von Holsts Tod im Jahr 1882 heiratete Adolph von Holst im Jahr 1885 seine Musikschülerin Mary Thorley Stone. Im gleichen Jahr wurde Gustav Holst in die Cheltenham Grammar School geschickt.

Holst strebte zunächst eine Karriere als Pianist an; im Alter von siebzehn Jahren musste er diese Pläne infolge einer Nervenentzündung des Armes aufgeben. Er studierte Komposition (bei Charles Villiers Stanford) und Posaune am Royal College of Music in London. Während seines Studiums lernte Gustav Holst im Jahr 1896 den Komponisten und Dirigenten Ralph Vaughan Williams kennen. Beide Männer verband eine lebenslange Freundschaft; sie legten sich gegenseitig noch während der Kompositionsphase ihre aktuellen Werke vor und gaben sich gegenseitig Verbesserungsvorschläge.

Wenig später lernte Gustav Holst die junge Sopranistin Isobel Harrison kennen. Beide wurde ein Paar und heirateten im Jahr 1901. Im Jahr 1907 kam Tochter Imogen Holst (geb. 12. April 1907; gest. 9, März 1984) zur Welt. Sie wurde ebenfalls Komponistin und Dirigentin und setze sich nach Gustav Holsts Tod für das Werk ihres Vaters ein.

Zwischen 1898 und 1903 arbeitete Holst in verschiedenen Orchestern als Posaunist. Holst war an einigen Institutionen als Musiklehrer beschäftigt und wurde schließlich musikalischer Direktor an der St Paul’s Mädchenschule in Brook Green, Hammersmith,[1] wo ihm nach seinem Tod Herbert Howells nachfolgte. Zwischen 1919 und 1923 lehrte Holst Komposition am Royal College of Music und der Universität in Reading.

In der ersten Hälfte des Jahres 1911 betreute Holst die Vorbereitungen zur Wiederaufführung von Henry Purcells Oper The Fairy-Queen. Zuvor war der Musiker J. S. Shedlock von der Purcell Society beauftragt worden, das Werk zu rekonstruieren. Als das Projekt bereits kurz vor der Drucklegung stand, fand Shedlock das Manuskript von The Fairy-Queen zufällig in der Bibliothek der Royal Academy of Music. Ab November 1910 erstellten Studentinnen des Morley College unter Holsts Leitung aus 1.500 Seiten Notentext eine Notenausgabe für die Aufführung. Diese fand am 10. Juni 1911 in der Royal Victoria Hall mit einer Einführung durch Ralph Vaughan Williams und unter der Leitung von Isidore Schwiller statt und fand ein positives Echo in der Presse.

Inspiriert von seinem Interesse fur Astrologie komponierte Holst von 1914 bis 1916 die siebensätzige Orchestersuite Die Planeten, in denen er die damals bekannten sieben Planeten des Sonnensystems (außer der Erde) charakterisierte. Eine erste private Aufführung erfolgte am 29. September 1918 in der Londoner Queen’s Hall unter Dirigent Adrian Boult.

Für den Film The Bells von 1931 wurde Holst mit der Komposition der Filmmusik beauftragt; zusätzlich hatte er einen Statistenauftritt in einer Szene in einer Menschenmenge. Holsts Enthusiasmus für seinen Auftrag, als einerseits nach Vollendung der Filmmusik die Produzenten den Film kürzten und Holst um entsprechende Änderungen an der Musik baten und andererseits bei einer Testvorführung des Films die Musik auf Grund schlechter Qualität der Lautsprecher bei weitem nicht so klang wie Holst es beabsichtigt hatte. Sowohl der Film als auch Holsts Musik zum Film gelten inzwischen als verschollen.

Während eines USA-Aufenthaltes wurde bei Gustav Holst ein Ulcus am Zwölffingerdarm diagnostiziert. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide. Gustav Holst starb am 25. Januar 1934 nach einer Operation in England an einem Herzanfall. Seine Asche wurde bei der Kathedrale von Chichester in Sussex beigesetzt. Zu Holsts Ehren wurde in seiner Geburtsstadt Cheltenham ein Brunnen mit einer Holst-Statue errichtet. In seinem Geburtshaus in der 4 Clarence Road wurde ein Museum eingerichtet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Holst, der als Komponist der Spätromantik zugerechnet wird, erlangte vor allem durch seine siebensätzige Orchestersuite The Planets (Die Planeten, 1914–1916) große Popularität. Hieraus hat sich der Satz über den Kriegsgott Mars sogar zu einem eigenständigen Hit entwickelt.[1] Diese Musik wurde zur Fundgrube vieler amerikanischer Filmkomponisten wie Danny Elfman, Elliot Goldenthal, Shirley Walker, Hans Zimmer und John Williams. Andere Orchesterwerke − wie beispielsweise die an der Musik des Barocks orientierte St Paul’s Suite − haben keine vergleichbare Bekanntheit erreicht.[1] Seine Oper Savitri wurde in den 1970er Jahren von Graham Vick an der Scottish Opera inszeniert.

Holsts Musik hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die jüngere Generation britischer Komponisten.[1] Seit 1961 ist er Namensgeber für den Holst Peak, einen Berg auf der Alexander-I.-Insel in der Antarktis.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opern/Bühnenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Idea (ca. 1896)
  • Savitri (1916)
  • The Perfect Fool (1918–1922/1923)
  • At the Boar’s Head (1924/1925)
  • The Tale of the Wandering Scholar (1929)

Orchesterwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • First suite in E
  • The Mystic Trumpeter op. 18 (1904)
  • A Somerset Rhapsody (1907)
  • Fugal Concerto für Flöte, Oboe und Streichorchester op. 40/2 (1923)
  • Chorsymphonie op. 41 für Sopran, Chor und Orchester (1923/24)
  • Doppelkonzert für 2 Violinen und Orchester op. 49 (1929)
  • St Paul’s Suite (1913, mit dem Finale als Neuarrangement des 4. Satzes der Second Suite):
    • Jig
    • Ostinato
    • Intermezzo
    • Finale (The Dargason)
  • The Planets (1914)
    • Mars, the Bringer of War
    • Venus, the Bringer of Peace
    • Mercury, the Winged Messenger
    • Jupiter, the Bringer of Jollity
    • Saturn, the Bringer of Old Age
    • Uranus, the Magician
    • Neptune, the Mystic
  • Lyric Movement (1933)

Für Blasorchester/Military-Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Three Folk Tunes (March on Three Folk Tunes), H106A (1905)
  • First Suite for Military Band in E op. 28/1 (1909)
    • Chaconne
    • Intermezzo
    • March
  • Second Suite for Military Band in F op. 28/2 (1911)
    • March: Morris Dance, Swansea Town, Claudy Banks
    • Song Without Words “I’ll Love My Love”
    • Song of the Blacksmith
    • Fantasia on the “Dargason”
  • The Praise of King Olaf for Choir and Military Band (1910–11)
  • A Moorside Suite (1928)
    • Scherzo
    • Nocturne
    • March
  • Fugue à la Gigue (Johann Sebastian Bach (BWV 577), arr. Holst) (1928)
  • Hammersmith Prelude and Scherzo, op. 52 (1930)
    • Prelude
    • Scherzo

Vokalwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Choral Hymns from the Rig Veda (1908–1912)
  • The Hymn of Jesus für Chor und Orchester (1917)
  • Chor-Ballett The Golden Goose (1926)
  • Chor-Ballett The Morning of the Year (1927)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Imogen Holst: Holst. Faber & Faber, London 1974
  • Michael Short: Gustav Holst – The Man and his Music, Circaidy Gregory Press (first published by Oxford University Press), 1990, Neuauflage 2014, ISBN 978-1-906451-82-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gustav Holst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eckhardt van den Hoogen: ABC der klassischen Musik. Die großen Komponisten und ihre Werke. Eichborn, Frankfurt am Main 2002, Lemma Holst, Gustav.