Höhbeck

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Höhbeck
Höhbeck
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Höhbeck hervorgehoben

Koordinaten: 53° 4′ N, 11° 26′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Gartow
Höhe: 30 m ü. NHN
Fläche: 19,4 km2
Einwohner: 647 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29478
Vorwahl: 05846
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 010
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 21
29478 Höhbeck
Bürgermeister: Hans-Joachim Schenk (FWGH)
Lage der Gemeinde Höhbeck im Landkreis Lüchow-Dannenberg
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Über dieses Bild
Blick aus den Pevestorfer Elbwiesen auf die bewaldete Nordostseite des Höhbeck mit dem Sender Höhbeck, 2013

Höhbeck ist eine Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg im Osten Niedersachsens, die sich zum großen Teil auf der bis zu 76 Meter über Normalnull aufragenden Erhebung des Höhbeck befindet. Die Gemeinde liegt im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue direkt an der Elbe. Sie ist Teil der Samtgemeinde Gartow, die ihren Verwaltungssitz in dem Flecken Gartow hat.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgebend ist die Erhebung des Höhbeck, eine saaleglazial entstandene Stauchendmoräne, die als markante Platte aus pleistozänem Kies, Sand und Geschiebemergel mitten in der holozänen Elbtalniederung liegt. Aufgrund seiner naturräumlichen und biogeografischen Lage – im Übergang zwischen der atlantischen und der kontinentalen Region Mitteleuropas – weist der Höhbeck, dessen zur Elbe steil abfallende Hänge bewaldet sind, eine besonders große Artenvielfalt an Flora und Fauna auf. Mager- und Sandtrockenrasen bilden einen vielgestaltigen Kontrast mit Wäldern, Feldern und den gewässerreichen Niederungen der Elbe und des Elbe-Nebenflusses Seege.

Auf dem höchsten Punkt der Moräne befanden sich bis 2009 zwei über 324 bzw. 344 Meter hohe Richtfunktürme des Senders Höhbeck, die das Landschaftsbild prägten bzw. prägen. Im Jahre 2009 wurde der kleinere der beiden Sendemasten gesprengt.

Im Westen und Süden der Erhebung des Höhbeck befindet sich der rund drei Kilometer lange Laascher See, der als Altwasserarm der Elbe gilt. Im Süden liegt außerdem der Restorfer See. Die meisten Dörfer der Gemeinde Höhbeck liegen auf, beziehungsweise am Rand, der Anhöhe im hochwassersicheren Bereich.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsteile der Gemeinde sind:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erhebung des Höhbeck mit seiner Lage innerhalb der Elbtalaue war eine Siedlungskammer, die über 2000 Jahre, von der jüngeren Steinzeit bis zur frühen Eisenzeit, als Siedlungs- und Begräbnisplatz genutzt wurde. Dies ergaben Ausgrabungen des Niedersächsischen Landesmuseums auf dem Fundplatz Pevestorf in den 1960er Jahren. Anlass waren Zufallsfunde aus der Steinzeit beim Bau eines Wohnhauses in Pevestorf. Die Grabung führte zum Auffinden von Grundrissen von Häusern aus mehreren vorgeschichtlichen Zeitabschnitten, darunter ein Hallenhaus von 23 Meter Länge. Die Funde ließen Zusammenhänge zur Bernburger Kultur erkennen.

Vor der slawischen Siedlung bestand in dem Ort eine elbgermanische Siedlung, zu der eine kleine Kultstätte gehört. Während der dortigen Grabungen, die 2005 bis 2010 durchgeführt wurden, trat unterhalb der slawischen Kulturschicht auf dem Höhbeck, der relativ dicht besiedelt war, eine kreisrunde Ansammlung von Keramik und Steinen, wohl Findlinge meist aus Granit, zu Tage, die einen Meter tief in den Boden ragte. Zudem fand man an der Stätte, die sich in die Kaiserzeit datieren ließ, Brandlehm und das Geweih eines 18-Enders; die Grubensohle war mit Scherben ausgelegt, darauf war ein Geweih eines Rothirsches deponiert worden. Die Geweihstangen eines zweiten, kleineren Geweihs, eines 6-Enders, ragten nach Norden. Am Grubenrand waren Steine und Klötze etwa im Umfang des Hirschschädels angeordnet. Zwischen den beiden Geweihstangen fand man Brandlehm, auf der Brandstelle lag ein großer Stein von etwa 100 kg Gewicht. Der Rest der Grube war mit kindskopfgroßen Steinen verfüllt, den oberen Rand bildeten Scherben aus zerschlagenen Gefäßen. Diese insgesamt 1607 Scherben ließen sich 14 Gefäßen zuordnen, davon 12 Vorratsgefäße, die allesamt zerscherbt worden waren. Ein Gefäße im unteren Bereich enthielt die Asche von Vorräten, die Größe der Gefäße schwankt zwischen 25 und 40 cm Höhe und 30 bis 50 cm Bauchdurchmesser. Hinzu kamen 13 Bruchstücke von 10 Mahlsteinen; deren Unvollständigkeit deutet darauf hin, dass sie nicht extra zerschlagen worden waren. Außerdem fand sich der bisher einzige vollständig erhaltene Lehmblock aus dieser Zeit; er weist eine Länge von 91 cm auf und diente wohl als Feuerbock. Die Fundstelle ließ sich anhand der Keramik in die Zeit um Christi Geburt datieren. Die Siedlungsgruben in der Nähe konnten gleichfalls in das frühe 1. Jahrhundert datiert werden. Die dazugehörige Siedlung mit ihren Brandöfen umfasste eine Fläche von mindestens vier Hektar, während die darüber vorfindliche slawische Siedlung nur 0,7 Hektar maß. Die Geweihdeponierung befand sich am Rand der Siedlung und blickte auf die Elbe. Weitere Funde aus der zugehörigen Siedlung, wie schwarzglänzende Feinkeramik und Situlenformen weisen ebenso wie die Keramik auf eine Verbindung zur Jastorf-Kultur hin. Der zerschlagene Trinkbecher könnte auf ein Trankopfer hinweisen.[2]

Befestigungsanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwedenschanze

Auf der Erhebung des Höhbeck sind zwei historische Befestigungsanlagen bekannt, bei denen es sich um Burgwälle handelte, die an strategisch günstiger Stelle errichtet wurden. Es handelt sich um die Vietzer Schanze, die als das 811 in den Fränkischen Annalen überlieferte Kastell Höhbeck (castellum hohbuoki) der Franken angesehen wird. Eine weitere Wallanlage auf dem Höhbeck ist die Schwedenschanze.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Johannis in Restorf

Die Gemeinde Höhbeck wurde im Rahmen der Gemeindegebietsreform am 1. Juli 1972 aus den vier bis dahin selbstständigen Gemeinden Brünkendorf, Pevestorf, Restorf und Vietze neu gebildet.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Höhbeck gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[4][5]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Höhbeck setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen.

  • FWGH: 4 Sitze
  • SPD: 2 Sitze (+1)
  • GRÜNE: 2 Sitze (+1)
  • UWG: 1 Sitz
  • GLW: 0 Sitze (−1)

(Stand: Kommunalwahlen 2016)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Hans-Joachim Schenk wurde im November 2016 wiedergewählt. Stellvertreter sind Johann Purwing (SPD) und Matthias Gallei (Grüne).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Höhbeck stehen alle Baudenkmale der Gemeinde Höhbeck. Das Heimatmuseum in Vietze zeigt Archäologie, Schifffahrt und Sonderausstellung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Pevestorf ist seit 1936 die Firma Voelkel ansässig (2017: rund 200 Mitarbeiter)[6], die hauptsächlich Fruchtsäfte produziert.

Im Ortsteil Vietze befindet sich am Reitweg 8 des Gartower Reitwegenetzes die „Reitsportanlage Vietze“ (gesamt 124 km Länge).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die B 493 LüchowSchnackenburg führt südlich an der Gemeinde vorbei.
  • Etwa zwei Kilometer nördlich des Ortsteiles Pevestorf befindet sich an der Elbe eine Fährstelle mit Verbindung zum brandenburgischen Lenzen (Elbe).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Höhbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. Jens Schneeweiß: Hirschkult bei den Germanen? Die Deponierung von Hirschgeweih und Feuerbock aus Vietze an der Elbe, in: Festschrift Willroth. Göttinger Schriften 33 (2013) 177–190.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 231.
  4. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. ( PDF (Memento vom 25. Juli 2011 im Internet Archive); 87 kB)
  5. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. ( PDF (Memento vom 25. Juli 2011 im Internet Archive); 200 kB)
  6. Pevestorf war einst „Vorort von Berlin“ und hat nun eine Saftmosterei. In: Elbe-Jeetzel-Zeitung, 5. September 2017.