Zernien

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Zernien führt kein Wappen
Zernien
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zernien hervorgehoben
Koordinaten: 53° 4′ N, 10° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Elbtalaue
Höhe: 100 m ü. NHN
Fläche: 51,56 km2
Einwohner: 1622 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29499
Vorwahl: 05863
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 027
Gemeindegliederung: 18 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lipser Moor 12
29499 Zernien
Webpräsenz: www.zernien.de
Bürgermeister: Heinz Schulz (UWG)
Lage der Gemeinde Zernien im Landkreis Lüchow-Dannenberg
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Über dieses Bild

Zernien ist eine Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zernien liegt zwischen Berlin (200 km) und Hamburg (100 km) im Naturpark Elbhöhen-Wendland (siehe auch: Drawehn) und ist Teil der Samtgemeinde Elbtalaue. Die höchste Erhebung in der Gemeinde (und im ganzen Drawehn sowie im Landkreis) ist der Hohe Mechtin mit 142 m etwa drei Kilometer südöstlich des Gemeindezentrums.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zernien grenzt an die Gemeinden Waddeweitz im Süden, Küsten im Südsüdosten, Jameln im Südosten, Karwitz im Osten und Göhrde im Nordosten sowie im Norden an das gemeindefreie Gebiet Göhrde des gleichen Landkreises. Im Westen grenzt Zernien an den Landkreis Uelzen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Zernien besteht seit der Gemeindegebietsreform von 1972 aus den nachfolgend aufgelisteten achtzehn Ortsteilen. Zusätzlich existiert der Wohnplatz Neu-Bellahn.

Vor 1972 gehörten Bellahn, Neu-Bellahn, Keddien und Spranz zur Gemeinde Fließau und Klöterhörn zu Breese an der Göhrde. Die Gemeinde Reddien mit dem Ortsteil Glieneitz wurde 1972 aus dem Landkreis Uelzen in den Landkreis Lüchow-Dannenberg eingegliedert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkkirche zu Riebrau

Im Lüneburger Lehnsregister wurde der Ort im Jahr 1360 erstmals unter dem Namen Schernyn urkundlich erwähnt.[2] Im Jahr 1534 wurde die Kirche in Riebrau das erste Mal schriftlich erwähnt. Die Bewohner des Dorfes waren aus dem fürstlichen Jagdgebiet Göhrde zwangsweise umgesiedelt worden. Zuerst war die Kapelle aus dem untergegangenen Dorf Lutze wiederaufgebaut worden. 1655 wurde die während des Dreißigjährigen Krieges abgebrannte Kirche mit einem neuen Pfarrhaus wieder aufgebaut. Das heutige Pfarrhaus wurde 1734 gebaut und ist das älteste Vierständerhaus im Landkreis Lüchow-Dannenberg.[3] Im Jahr 1763 wurde die bereits dritte Kirche in Riebrau errichtet.[4]

Für Gülden wird 1534 eine Kapelle erwähnt. Seitdem ist die Kirche mit der Pfarrstelle in Riebrau durchgehend gemeinsam besetzt.[5]

Bis in die 1920er Jahre bestand Zernien aus lediglich drei Hofstellen (an der heutigen Bundesstraße gelegen). Die zentralen Dörfer des Westteils des ehemaligen Kreises Dannenberg waren die Orte Gülden (zwei Kilometer südlich) und in begrenztem Umfang Riebrau (zwei Kilometer nördlich). Das ist unter anderem daran zu erkennen, dass sich noch heute viele Einrichtungen in den beiden genannten heutigen Ortsteilen Zerniens befinden (Kirchen in Gülden und Riebrau; Schützenverein und Freiwillige Feuerwehr in Gülden).

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Uelzen–Dannenberg im Jahr 1924 änderte sich das, da ca. 500 Meter nördlich der drei Höfe ein Bahnhof errichtet wurde, um die umliegenden Dörfer zu bedienen. In der Folgezeit siedelten sich daraufhin mehrere holzverarbeitende Betriebe an. Aus diesem Grund verfügt die Ortschaft, im Gegensatz zu allen anderen Orten des Landkreises (mit der Ausnahme Neu Tramms), fast ausschließlich über Architektur aus den Jahren nach 1924. Heute wohnen in der Ortschaft Zernien, deren Weichbild sich bis auf das Gebiet der Gemarkung Braasche erstreckt, knapp 50 % der Gemeindebevölkerung.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Zernien gehört zum Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und hat in Riebrau und Gülden eine Kirche. Die Kirchengemeinde hat eine gemeinsame Pfarrstelle mit Breselenz.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Braasche, Breese an der Göhrde, Fließau, Gülden, Middefeitz, Mützingen, Prepow, Reddien (bis dahin im Landkreis Uelzen), Redemoißel, Riebrau, Sellien und Timmeitz eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Zernien gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[8][9]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Zernien setzt sich aus elf Ratsfrauen und -herren zusammen und hat seit der Kommunalwahl 2006 folgende Sitzverteilung:

  • SPD – 5 Sitze
  • CDU – Sitze
  • Bürgerliste – 2 Sitze
  • Grüne Liste Wendland – 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister der Gemeinde Zernien ist seit 1991 Heinz Schulz von der SPD (wiedergewählt am 21. November 2006).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Zernien stehen die Baudenkmale der Gemeinde.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche zu Riebrau aus dem Jahr 1763 ist eine Fachwerkkirche im barocken Stil mit einem gedrungenen Turm. Im Inneren der Kirche zeigt sich die würdige und eindrucksvolle Gestaltung: Die Holzdecke, in der Mitte mit flacher Tonne, wird von sechs Säulen getragen. Der barocke Kanzelaltar ist seit 1961 getrennt. Im Altaraufsatz sind Johannes und Maria unter dem Kreuz zu sehen. Die Grabsteine des Bauleiters Heinrich Isenbart und seiner Frau befinden sich an der Außenwand des Chores.[10] Die Kirche wurde bis 2001 innen und außen gründlich renoviert, wobei der ursprüngliche Zustand weitgehend wiederhergestellt wurde.[11]

Die Fachwerkkirche in Gülden ist 1786 innerhalb eines Jahres erbaut worden. Der Kanzelaltar ist noch aus der Bauzeit.[12] Die Kirche ist im Innenraum schlicht gestaltet.[13]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zernien befindet sich ein 18-Loch Golfplatz (OT Braasche), ein beheiztes Waldschwimmbad und zwei Tennisplätze. Der Sportverein SV Zernien hat insgesamt fünf Abteilungen.

Im Ortsteil Gülden befinden sich zwei Reiterhöfe. Der Ferienreithof Güldenhof veranstaltet jährlich um Pfingsten herum die Güldenhof-Distanz, eine etablierte Veranstaltung im Distanzreitsport. Es werden Rittlängen von 29–111 km sowie ein Mehrtagesritt angeboten. Die Strecke verläuft auf mehreren Runden durch den Naturpark Elbhöhen-Wendland und durch den Staatsforst Göhrde.

In Zernien ist das Rotary Motorsport Team beheimatet. Es betreibt Motorsport, unter anderem mit Wankelmotoren.

Auf der Sportanlage des SV Zernien findet alljährlich am ersten Juliwochenende das große Kleinfeldturnier Zernien[14] statt, das auf runden Feldern ausgetragen wird. Seit der Erstaustragung im Jahr 2011 konnte das Teilnehmerfeld stetig erweitert werden, sodass sich die Sportveranstaltung mit mittlerweile 96 Mannschaften über zwei Turniertage den Status als größtes Hobbyfußballturnier Deutschlands erarbeitet hat. Den Turnierauftakt am ersten Freitag im Juli bildet traditionell das Bumper Ball Turnier, gefolgt vom klassischen Kleinfeldturnier am Samstag. Das Konzept mit viel Sport, Spaß und Party lockt jedes Jahr auch zahlreiche Teams aus dem gesamten Bundesgebiet sowie mit Oliver Pocher im Jahre 2017 und Mario Basler 2018 auch nationale Prominenz.[15] Beide Turnierveranstaltungen werden mit einer großen öffentlichen Feier abgeschlossen, die sich jedes Jahr über einen wachsenden Zuspruch erfreuen.[16]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelhandel und produzierendes Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zernien befinden sich mehrere Geschäfte zur Deckung des täglichen Bedarfes. In den Ortsteilen Gülden und Fließau existieren zwei Brennereigenossenschaften. Die Gemeinde verfügt über mehrere Handwerksbetriebe sowie über Einrichtungen des holzverarbeitenden Gewerbes. Im Ortsteil Gülden ist die Firma Winterhoff Maschinenbau ansässig. Mit ca. 60 Arbeitsplätzen ist sie in dieser Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Schwerpunkt des Unternehmens ist im Bereich Lohnfräsarbeiten und CNC-Zerspanung angesiedelt.

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Gemeinde ist der Tourismus ein wichtiger Erwerbszweig. Über Betriebe des Beherbergungsgewerbes (v. a. Ferienwohnungen) hinaus gibt es weitere Einrichtungen der touristischen Infrastruktur. In Zernien gibt es eine Arzt- und eine Zahnarztpraxis.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die B 191 UelzenDannenberg führt durch die Gemeinde und den Hauptort selbst und bietet deshalb eine gute Verkehrsanbindung an die Stadt Dannenberg sowie an das Mittelzentrum Uelzen.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durch den Ort führende Bahnstrecke Uelzen–Dannenberg ist stillgelegt, der Bahnhof Zernien privatisiert. Auf den verbliebenen Gleisen in der Umgebung des Bahnhofs ist ein Draisinen-Projekt geplant, um Touristen anzuziehen.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zernien befindet sich der 1953 gebaute, 258 Meter hohe Turm des Senders Dannenberg (NDR). Er war einer der letzten Sender in Niedersachsen, der noch analoges Fernsehen ausstrahlte. Erst im März 2007 wurde auf DVB-T umgestellt.

Rund 1200 Meter östlich des Ortsteiles Prepow steht auf dem Pampower Berg (132,2 m ü. NN)[17] ein von der Deutschen Bundespost gebauter Fernmeldeturm. Das intern Funkübertragungsstelle Zernien 1 genannte Bauwerk ist 108 m hoch und war während der Teilung Deutschlands Teil der Richtfunkverbindungen nach West-Berlin.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es eine Grundschule und eine Kindertagesstätte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Puffahrt, Lars-Oliver Schulz: 650 Jahre Zernien 1360–2010. Gemeinde Zernien, 2013 (735 S. m. zahlr. Abb.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zernien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2017 (Hilfe dazu).
  2. Zernien. Gemeinde Zernien, abgerufen am 13. März 2017.
  3. Beschreibung der Kirche zu Riebrau, abgerufen am 18. November 2012.
  4. EJZ: Fachwerkkirche in Riebrau strahlt wieder backsteinrot, abgerufen am 18. November 2012.
  5. EJZ: 1360 zum ersten Mal erwähnt,abgerufen am 18. November 2012.
  6. Eintrag der Kirchengemeinden Breselenz und Zerneien auf der Webseite des Kirchenkreises Lüchow Dannenberg, abgerufen am 18. November 2012
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 231.
  8. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. ( PDF (Memento des Originals vom 25. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nls.niedersachsen.de; 87 KB)
  9. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. ( PDF (Memento des Originals vom 25. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundeswahlleiter.de; 200 KB)
  10. Ernst-Günther Behn: Das Hannoversche Wendland – Kirchen und Kapellen. S. 140.
  11. EJZ: Fachwerkkirche in Riebrau strahlt wieder backsteinrot, abgerufen am 18. November 2012.
  12. Ernst-Günther Behn: Das Hannoversche Wendland – Kirchen und Kapellen. S. 66.
  13. EJZ: Originalglas eingebaut, abgerufen am 19. November.
  14. Kleinfeldturnier Zernien
  15. Rahmenprogramm – Kleinfeldturnier Zernien. Abgerufen am 27. März 2018.
  16. Party – Kleinfeldturnier Zernien. Abgerufen am 27. März 2018.
  17. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)