Haimpfarrich

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Haimpfarrich
Stadt Roth
Koordinaten: 49° 12′ 44″ N, 11° 10′ 15″ O
Höhe: 359 m ü. NHN
Einwohner: 42 (2. Jan. 2018)[1]
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 91154
Vorwahlen: 09171, 09174
Haimpfarrich 2007 von Süden (links hinter Schleusenvorhafen)
Haimpfarrich 2007 von Süden
(links hinter Schleusenvorhafen)

Haimpfarrich ist ein Ortsteil der Kreisstadt Roth im Landkreis Roth in Mittelfranken, (Bayern).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt sieben Kilometer südöstlich von Roth im Tal der Kleinen Roth, einem rechten Nebenfluss der Roth. Unmittelbar östlich des Ortes verläuft seit 1988 der Main-Donau-Kanal. Die Schleuse Eckersmühlen liegt 500 m südöstlich; die 1,3 km breite Talsperre des Rothsees und das Naturschutzgebiet Nordwestufer der Rothsee-Hauptsperre befinden sich 600 m östlich von Haimpfarrich. Im Nordwesten grenzt das Waldgebiet „Leonhartsholz“ an. Das Flurgebiet „Schwärz“ liegt jenseits des Main-Donau-Kanals.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Haimpfarrich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der südlichen, 382 m hohen Anhöhe stand die in Holzbauweise errichtete Burg Haimpfarich, von der aus das Tal gut überblickt und kontrolliert werden konnte. Im Tal entstanden die Mühle und eine weitere kleine Ansiedlung, die unter Nummer D-5-6733-0040 als Bodendenkmal qualifiziert ist. Ein sonderlich stabiler Festungsbau war dort wegen des herrschenden Rohstoffmangels nicht möglich. Es gibt in dem Gebiet, das zur Sandachse Franken gehört, weder anstehenden Burgsandstein noch nennenswerte Lehmvorkommen. Die Burg wurde vom aufstrebenden Roth bereits im 13. Jahrhundert eingenommen und wieder geschleift. 1413 wurde der ruinöse Burgstall von Cunrath Groß, Abt zu Mönchaurach und der Witwe des Eberhard Groß an einen gewissen Hager verkauft.[3] Ein Wiederaufbau erfolgte wohl nicht mehr, jedoch konnten sich die Hager in dem Gebiet etablieren. Hierauf weist der Ortsname Hagershof in dem 11 km nördlich gelegenen, fruchtbaren Tal des Hembaches hin. Heute ist sie vollständig abgegangen und mit den Schleusenanlagen überbaut.

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haimpfarrich entstand im 12. Jahrhundert an dem damals wichtigen Handelsweg von Allersberg nach Georgensgmünd, der dem Lauf der Kleinen Roth und des Wallersbaches folgte und Roth südlich umging.[1] Im Urbar für das burggräfliche Amt Roth, das ca. 1360 aufgestellt wurde, wird der Ort als „Heimpferreich“ erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit hatte das Amt nur einen Anspruch von „zwei Hühnern von zwei Äckern“. 1380 hatten 3 Häuser jeweils zwei Fastnachtshennen und zwei von diesen Häusern zusätzlich 3 bzw. 6 Reuthheller zu entrichten. Im Urbar des nunmehr markgräflichen Amtes Roth, das 1434 aufgestellt wurde, bestand der Ort aus 3 Hofstätten. Im 16-Punkte-Bericht des Jahres 1608 sind für den Ort 8 Haushalte verzeichnet: 3 Anwesen unterstanden dem Kastenamt Roth, 1 Anwesen dem Gotteshaus Roth, 4 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Spitalamt Hl. Geist: 1, Landesalmosenamt: 3).[4]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Haimpfarrich 8 Haushalte. Das Hochgericht südlich der Roth übte das pfalz-bayerische Pflegamt Hilpoltstein aus und nördlich der Roth das brandenburg-ansbachische Oberamt Roth. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Roth inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: 4 Anwesen dem Kastenamt Roth und 4 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Spitalamt Hl. Geist: 1, Landesalmosenamt: 3). Neben den Haushalten gab es noch das Hirtenhaus, das ein kommunales Gebäude war.[5] Auch im Jahr 1800 hatte sich an diesen Verhältnissen nichts geändert.[6]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Haimpfarrich dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Eckersmühlen zugeordnet. Es gehörte auch der 1811 gegründeten Ruralgemeinde Eckersmühlen an.[7]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Haimpfarrich am 1. Mai 1978 zusammen mit Eckersmühlen nach Roth eingemeindet.

Während der Bauarbeiten des Main-Donau-Kanales und des Rothsees wurde der Mühlbach verlegt und die Mühle stillgelegt.

Der Ort verfügt heute über eine eigene Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr sowie eine Dorfwirtschaft mit Biergarten. In Vorderhaimpfarrich ist eine Baufirma ansässig, in Haimpfarrich ein Holzwerk und ein Werkzeugmaschinen-Vertrieb. Einmal im Jahr, jeweils im Juli, rückt Haimpfarrich in das Licht der Öffentlichkeit, wenn die Challenge Roth stattfindet. Start und Schwimmstrecke sind nur einen Kilometer entfernt, die Radstrecke und der Marathonlauf der Großveranstaltung führen unmittelbar am Ort vorbei und ziehen unzählige Zuschauer an.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002013 002018
Einwohner 46 42 47 38 45 48 49 46 45 52 44 41 42
Häuser[8] 9 7 9 8 9 9 10 13
Quelle [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind in die Dreieinigkeitskirche (Eckersmühlen) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession nördlich der Roth waren ursprünglich nach Allerheiligen (Allersberg) gepfarrt, die Einwohner südlich der Roth nach St. Walburga (Heuberg), das zu einer Filiale der Pfarrei Hilpoltstein wurde. Heute sind alle Katholiken nach St. Johann Baptist (Hilpoltstein) gepfarrt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Gemeindeverbindungsstraße führt zur Staatsstraße 2220 bzw. die Staatsstraße 2225 kreuzend nach Heuberg. Landwirtschaftliche Verkehrswege führen nach Eckersmühlen und nach Weiherhaus.

Der ÖPNV bedient Haimpfarrich mit der Linie 680.2, ein Linienbedarftaxi, das vorher telefonisch angefordert werden muss und wochentags, tagsüber stündlich eine Fahrt von und nach Roth ermöglicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c www.stadt-roth.de
  2. Haimpfarrich im BayernAtlas
  3. Burgstall Haimpfarrich. Hiernach wurde der Ort 1413 erstmals namentlich erwähnt.
  4. F. Eigler, S. 171.
  5. F. Eigler, S. 395.
  6. J. K. Bundschuh, Bd. 2, Sp. 473.
  7. F. Eigler, S. 470f.
  8. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  9. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 35 (Digitalisat).
  10. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 215 (Digitalisat).
  11. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1089, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  12. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1255, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  13. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1191 (Digitalisat).
  14. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1263 (Digitalisat).
  15. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1301 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1124 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 823 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 179 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 349 (Digitalisat).