Hans-Christoph Berndt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hans-Christoph Berndt (* 1956 in Bernau) ist ein rechtsextremistischer[1] deutscher Politiker (AfD). Er ist von Beruf Zahnarzt, war langjähriger Personalratsvorsitzender der Medizinischen Fakultät der Berliner Charité und gründete 2015 den rechtsextremistischen Verein Zukunft Heimat in seinem Wohnort Golßen. Seit Oktober 2020 ist er Fraktionsvorsitzender der AfD im brandenburgischen Landtag und in dieser Eigenschaft auch Oppositionsführer im Landtag.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berndt wuchs in Ost-Berlin im Prenzlauer Berg auf und machte 1975 Abitur.[2] Anschließend besuchte er für ein Jahr den Altsprachenkurs Schöneiche des Priesterseminars Erfurt. Von 1976 bis 1977 war er als Mechaniker tätig. Zwei Jahre später begann er ein Studium der Zahnmedizin. Nach seinem Studienabschluss im Jahr 1984 absolvierte er bis 1989 eine Facharztausbildung als Fachzahnarzt für Pathobiochemie.[3] Später promovierte er über den Transport von Dopamin im Gehirn von Ratten.[4]

Er arbeitete seit Mitte der 1980er Jahre als Labormediziner an der Berliner Charité und war dort etwa zehn Jahre lang Vorsitzender des Personalrats der Medizinischen Fakultät.[4] Nachdem seine Tätigkeit als Sprecher eines rechtsextremen Vereins bekannt geworden war, distanzierte sich die Klinik und gab bekannt: „Die Charité spricht sich für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft aus. Als Universitätsklinikum mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 77 Nationen steht sie für soziale Verantwortung, Hilfsbereitschaft und Toleranz“.[2] 2016 kandidierte er nicht erneut für den Vorsitz, gehörte dem Personalrat aber weiterhin als einfaches Mitglied an.

Berndt wohnt in Golßen-Sagritz im Landkreis Dahme-Spreewald. Er ist verheiratet und römisch-katholisch.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partei und Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2018 trat Berndt in die AfD ein. Bei der Wahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Brandenburg wurde er im Januar 2019 knapp hinter Andreas Kalbitz auf Platz 2 der Landesliste gewählt.[5] Er ist seit 2019 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Golßen. Bei der Landtagswahl im September 2019 gewann er mit 28,9 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis 28 (Dahme-Spreewald III) und zog als direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag von Brandenburg ein.[6] Als gleichzeitiges Mitglied des Landtages und der Stadtverordnetensammlung übt er ein Doppelmandat aus.

Am 27. Oktober 2020 wurde er als Nachfolger von Andreas Kalbitz zum Fraktionsvorsitzenden der brandenburgischen AfD-Landtagsfraktion gewählt.[7]

Obwohl er die Erfurter Resolution nie unterschrieben hat und darum formal nicht zum engeren Kreis der Flügel-Mitglieder gezählt wurde, wird er innerparteilich zu den Anhängern der völkisch-nationalistischen Gruppierung Der Flügel gerechnet, die sich im Frühjahr 2020 proforma auflöste und zu deren Führungspersönlichkeiten auch sein Vorgänger Andreas Kalbitz gehörte.[8]

Verein Zukunft Heimat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berndt ist Mitgründer und einer der beiden Vorsitzenden des 2015 gegründeten flüchtlingsfeindlichen Vereins Zukunft Heimat, der rassistische Demonstrationen in Cottbus und Umgebung organisiert.[4] Die „neonationalsozialistisch[9] geprägte Gruppierung aus Golßen mit etwa 100 Mitgliedern wird vom Verfassungsschutz Brandenburg als „erwiesen rechtsextremistisch“ eingestuft.[9]

Netzwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berndt gilt als Netzwerker und hat Verbindungen zu diversen Organisationen der Neuen Rechten wie Ein Prozent für unser Land, dem Institut für Staatspolitik und dem rechtsextremen Magazin Compact von Jürgen Elsässer, die alle vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Er trat mehrfach als Redner bei Pegida-Demonstrationen in Dresden auf.[8]

Kontroverse Äußerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Demonstration im Januar 2016 äußerte Berndt die Aussage: „Welche Frau kann sich noch ungezwungen bewegen, wenn auch nur in der Ferne eine Gruppe dunkelhaariger, junger Männer auftaucht oder auftauchen könnte?“[10][11]

Anfang Mai 2020, einige Wochen nach dem Beginn der COVID-19-Pandemie in Deutschland, fragte Berndt öffentlich auf einer Demonstration, ob „überhaupt jemand an Corona gestorben ist“.[12] Er hat das Tragen von Mund-Nasen-Schutz zur Ansteckungsverhütung als „Symbol der Unterdrückung“ abgelehnt.[8] Am 30. Oktober 2020 äußerte er während einer Sondersitzung im Landtag Brandenburg, er „glaube auch nicht an Corona“, und bezeichnete sich als „Corona-Ketzer“.[13] Auch im Dezember 2020, als die Zahl der Neuinfektionen in Brandenburg, deutschlandweit und weltweit dramatisch angestiegen war, behauptete er weiter, es gäbe keine Übersterblichkeit.[14]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Untersuchungen zum posthypoxischen Dopamintransport im Rattenstriatum. Berlin 1990 (Dissertation an der Humboldt-Universität).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Severin Weiland, DER SPIEGEL: Neuer AfD-Fraktionschef in Brandenburg: Rechtsextremist folgt auf Rechtsextremisten - DER SPIEGEL - Politik. Abgerufen am 18. Dezember 2020.
  2. a b Claudia Fuchs: Rassismus-Vorwürfe. Charité-Leitung distanziert sich von Mitarbeiter. In: Berliner Zeitung. 8. Juli 2016, abgerufen am 29. September 2019.
  3. Redaktion des Landtages Brandenburg: Landtag Brandenburg. Abgerufen am 7. September 2020.
  4. a b c Ulrich Wangemann: Wie „Zukunft Heimat“ nach Cottbus fand. In: Märkische Allgemeine. 27. Februar 2018, abgerufen am 29. September 2019.
  5. Andreas Fritsche: Liste der strammen Rechten. In: Neues Deutschland, 7. Januar 2019, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  6. Landtagswahl im Land Brandenburg am 01.09.2019. Erststimmenergebnisse nach Wahlkreisen (Endgültiges Ergebnis). Der Landeswahlleiter für Brandenburg, September 2019, abgerufen am 29. September 2019.
  7. Anja Haufe: Hans-Christoph Berndt zu neuem AfD-Fraktionschef gewählt. rbb, 27. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.
  8. a b c André Hatting: Der neue Fraktionschef ist genauso rechts wie der alte. In: Deutschlandfunk Kultur, 27. Oktober 2020, abgerufen am 28. Oktober 2020 (Gespräch mit Christoph Richter).
  9. a b (PDF) Pressemitteilung Verfassungsschutz Brandenburg (Ministerium des Inneren und für Kommunales Brandenburg), 7. September 2020 (Memento vom 1. November 2020 im Internet Archive)
  10. Berliner Zeitung: Berlin-Wedding: Charité-Leitung distanziert sich wegen Rassismus-Vorwürfen von Mitarbeiter. Abgerufen am 7. September 2020 (deutsch).
  11. Rassismus-Vorwürfe gegen Personalrat. rbb, Juni 2017, abgerufen am 7. September 2020.
  12. Wie Rechtspopulisten die Corona-Krise für sich nutzen. Abgerufen am 7. September 2020.
  13. Schlagabtausch im Landtag zu neuen Corona-Maßnahmen. Abgerufen am 31. Oktober 2020.
  14. FAZ.net 18. Dezember 2020: Krisengebiet Brandenburg