Hartmut Perschau

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Hartmut Perschau auf einem Plakat zur Bremer Bürgerschaftswahl 1999

Hartmut Perschau (Hartmut Jörg Heinz Perschau; * 28. März 1942 in Danzig) ist ein deutscher Offizier und Politiker (CDU), der Regierungsämter und Abgeordnetenmandate in den deutschen Ländern Hamburg, Sachsen-Anhalt und Bremen ausübte. Zudem war er von 1989 bis 1991 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Gymnasium durchlief Hartmut Perschau ab 1960 eine Laufbahn als Berufsoffizier in der Bundeswehr, u.a. wurde er in der Panzergrenadierbrigade 17 verwendet. Von 1966 bis 1968 diente er als Jugendoffizier für Öffentlichkeitsarbeit und politische Bildung. Zum Zeitpunkt seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand bekleidete er den Dienstgrad eines Majors.[1] Er wurde dann bis zum Oberst der Reserve befördert.

Politik in Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Perschau im Gespräch mit dem Mitglied des Europäischen Parlaments Christa Randzio-Plath (SPD)

1970 trat Hartmut Perschau der CDU bei und war von 1975 bis 1980 Landesgeschäftsführer der CDU Hamburg. Vom 17. April 1974 bis zum 2. Oktober 1989 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Dort war er von 1974 bis 1975 parlamentarischer Geschäftsführer, von 1976 bis 1980 stellvertretender Vorsitzender und von 1980 bis 1989 Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Von 1986 bis 1989 war er Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz.

Perschau wurde 1986, 1987 und 1991 von seiner Partei zum Bürgermeisterkandidaten bei den Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft aufgestellt, unterlag aber jeweils den Amtsinhabern der SPD Klaus von Dohnanyi (1986 und 1987) und Henning Voscherau (1991).

Politik im Europäischen Parlament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 25. Juli 1989 war Hartmut Perschau Mitglied des Europäischen Parlaments in dessen dritter Wahlperiode. Er legte sein Mandat am 10. Juli 1991 nieder, um in die Landesregierung von Sachsen-Anhalt einzutreten.

Politik in Sachsen-Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. Juli 1991 wurde Hartmut Perschau von Ministerpräsident Werner Münch (CDU) zum Minister des Innern in der neuen Regierung des Landes Sachsen-Anhalt ernannt. Nachdem Werner Münch im Zuge der „Gehälteraffäre“ am 28. November 1993 seinen Rücktritt erklärt hatte, schied Perschau am 15. Dezember 1993 mit dem Amtsantritt der Nachfolgeregierung unter Christoph Bergner (CDU) aus seinem Regierungsamt aus.

Von 1994 bis 1995 war Perschau 1. stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt und von 1991 bis 1995 Kreisvorsitzender der CDU im Altmarkkreis Salzwedel.

Politik in Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Bremischen Bürgerschaftswahl 1995 bildeten SPD und CDU eine Große Koalition mit Henning Scherf (SPD) als Bürgermeister und Präsident des Senats. Die Große Koalition wurde nach den Bürgerschaftswahlen 1999 und 2003 fortgeführt (Perschau trat bei diesen Wahlen jeweils als Spitzenkandidat der Bremer CDU an) und endete erst 2007 mit der Amtsübernahme der ersten rot-grünen Bremer Landesregierung unter Scherfs Nachfolger im Bürgermeisteramt Jens Böhrnsen (SPD).

Vom 4. Juli 1995 bis zum 8. Oktober 1997 fungierte Perschau als Senator für Wirtschaft, Mittelstand, Technologie und Europaangelegenheiten. Nach dem Rücktritt von Ulrich Nölle (CDU) übernahm Perschau am 17. September 1997 dessen bisherige Ämter als Bürgermeister und Senator für Finanzen.[2] Die ebenfalls von Nölle übernommene Funktion als Vorsitzender der Senatskommission für das Personalwesen endete am 31. Dezember 1999 mit der Gründung von Performa Nord als Eigenbetrieb des Landes Bremen für Personal-, Verwaltungs- und Servicedienstleistungen.[3]

Ab dem 4. Juli 2003 war Perschau Bürgermeister, Senator für Kultur und Senator für Wirtschaft und Häfen. Am 13. Juli 2004 schied er nach neun Jahren Regierungstätigkeit[4] in Bremen aus gesundheitlichen Gründen aus dem Senat aus und nahm ab dem 16. Juli 2004 sein Mandat als Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft wahr.

Bereits am 23. Mai 2005 übernahm Perschau wieder eine herausgehobene Funktion in der Bremer Landespolitik und wurde als Nachfolger von Jörg Kastendiek zum Vorsitzenden der CDU-Bürgerschaftsfraktion gewählt. Nach der Bürgerschaftswahl 2007 übernahm Perschau kurzzeitig erneut den Fraktionsvorsitz und gab ihn am 2. Juli 2007 an den CDU-Spitzenkandidaten Thomas Röwekamp ab, der gemäß Artikel 108 der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen erst aus dem Senat ausscheiden musste, um sein Bürgerschaftsmandat wahrnehmen zu können.

Im Mai 2007 machte Perschau während des Bürgerschaftswahlkampfes in Zusammenarbeit mit der Bild-Zeitung das Privatleben der ehemaligen RAF-Angehörigen Susanne Albrecht zum Politikum.[5] Unterstützung erhielt er dabei von seinem CDU-Parteifreund Wolfgang Bosbach. Vertreter von SPD und Bündnis 90/Grünen sprachen von „populistischer Schaumschlägerei in der Öffentlichkeit“ und einer „besonders widerlichen Form des Wahlkampfs“.[6]

Von 2000 bis 2010 war Hartmut Perschau stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Bremen. Zum 31. Dezember 2009 legte er sein Bürgerschaftsmandat nieder und zog sich aus der aktiven Landespolitik zurück.[7][8]

Bundesversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Perschau nahm 1979, 1984 und 1989 auf Vorschlag der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, 1994 auf Vorschlag der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt sowie 1999 und 2004 auf Vorschlag der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft als Mitglied der Bundesversammlung an den Wahlen des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland teil.[9]

Mitglied des Bundesrates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartmut Perschau gehörte dem Bundesrat als Mitglied der Landesregierung von Sachsen-Anhalt vom 11. Juli 1991 bis zum 15. Dezember 1993 als stellvertretendes Mitglied an. Als Mitglied des Bremer Senats war er vom 4. Juli 1995 bis zum 17. September 1997 stellvertretendes Mitglied und vom 17. September 1997 bis zum 13. Juli 2004 ordentliches Mitglied des Bundesrates.

Familienstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perschau ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hartmut Perschau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhard Schreiner: Namen und Daten aus sechs Jahrzehnten Parteiarbeit. Die Vorsitzenden und Geschäftsführer der CDU-Landes-, Bezirks- und Kreisverbände seit 1945 (neue Länder ab 1990). Konrad-Adenauer-Stiftung, Wissenschaftliche Dienste, Archiv für Christlich-Demokratische Politik, 2012, S. 462, abgerufen am 4. September 2016 (PDF; 1,6 MB).
  2. Bremen: Perschau wird neuer Bürgermeister. In: Die Welt. 16. September 1997, abgerufen am 4. September 2016.
  3. Gesetz über den Eigenbetrieb Performa Nord – Personal, Finanzen, Organisation, Management – Eigenbetrieb des Landes Bremen (BremPerformaG). In: Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen Nr. 51/1999. Senatskanzlei Bremen (Rathaus), 30. Dezember 1999, S. 309-312, abgerufen am 4. September 2016 (PDF; 265 kB).
  4. Senate ab 1945. Freie Hansestadt Bremen, Pressestelle des Senats, S. 18–22, abgerufen am 4. September 2016 (PDF; 876 kB).
  5. Bremen: CDU entrüstet sich über Ex-RAF-Terroristin als Lehrerin. In: Spiegel Online. 30. April 2007, abgerufen am 4. September 2016.
  6. „Behördliches Versagen“ oder „Schaumschlägerei“? In: tagesschau.de-Archiv. 2. Mai 2007, abgerufen am 4. September 2016.
  7. CDU-Abgeordneter Perschau gibt alle Ämter ab. Weser-Kurier digital (archivierte Fassung), 8. Dezember 2009, archiviert vom Original am 16. Dezember 2009, abgerufen am 7. Januar 2014.
  8. Handbuch der Bremischen Bürgerschaft. Personalien 17. Wahlperiode. Bremische Bürgerschaft, S. 93, abgerufen am 4. September 2016 (PDF; 4,7 MB).
  9. Dokumentation: Die Bundesversammlungen 1949 bis 2010. Eine Dokumentation aus Anlass der Wahl des Bundespräsidenten am 18. März 2012. Deutscher Bundestag, abgerufen am 4. September 2016 (PDF; 5,3 MB).