Heinz Lieven

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Heinz Lieven (* 18. April 1928 in Blankenese; † 27. September 2021 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler. Bekanntheit erlangte er u. a. als Opa Brendel in der Kinder- und Jugendserie Neues vom Süderhof. In seiner Karriere wirkte er in vielen Bühneninszenierungen und in mehr als 80 Film- und Fernsehproduktionen mit.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lieven wurde 1928 als Sohn des Arztes Wilhelm Lieven und seiner Frau Mary Lieven, geb. Nather, geboren, die sich 1919, aus Riga kommend, in Hamburg niedergelassen hatten.[1] Bei Helmuth Gmelin und Bernhard Minetti begann er 1948 in Hamburg und Berlin seine Ausbildung als Schauspieler. Er begann seine Bühnenlaufbahn in den 1950er Jahren am Hamburger Theater im Zimmer. Danach tourte er mit der „Morgenstern Bühne“ und anderen Tourneetheatern durch Deutschland. In den 1960er Jahren war er unter anderem in Karlsruhe, Bruchsal, Baden-Baden, Flensburg und Schleswig engagiert und wirkte in Film- und Fernsehproduktionen von Rolf Hädrich (Graf Öderland), Helmut Käutner und Peter Beauvais mit.

1971 holte ihn Boleslaw Barlog an das Schillertheater nach Berlin, wo er bis 1978 spielte. Später spielte er auch am Theater der Freien Volksbühne u. a. unter Kurt Hübner. In dieser Zeit entstanden weitere Filme, u. a. Bauern Bonzen Bomben in der Regie von Egon Monk, Ein Kapitel für sich in der Regie von Eberhard Fechner sowie Reifezeit, Grabbes letzter Sommer und Ordnung von Sohrab Shahid Saless.

1978 siedelte Lieven nach Bremen über, um am dortigen Niederdeutschen Theater als Regisseur zu wirken. Bereits 1981 zog es ihn in seine Heimatstadt Hamburg zurück, in der er seither lebte, ab 1995 wieder im Stadtteil Blankenese. Er spielte in den folgenden Jahren u. a. am Altonaer Theater, am Theater Lübeck und am damals noch existierenden „Piccolo Theater“ im Hamburger Schanzenviertel.

In den 1980er Jahren trat Lieven außerdem am Nationaltheater Mannheim in Germania – Tod in Berlin von Heiner Müller und im König Ubu am Staatstheater Stuttgart auf, beide in der Regie von Johann Kresnik. Daneben spielte er u. a. in Die Pawlaks von Wolfgang Staudte, Der Landarzt und W. P. Anders von Christian Quadflieg, Das Dorf von Claudia Laatz und Marleneken von Karin Brandauer mit.

1990 wirkte er in dem aktuellen zeitkritischen Film Wer zu spät kommt – Das Politbüro erlebt die deutsche Revolution von Jürgen Flimm mit, es folgten in den 1990er Jahren u. a. Frauen morden leichter, Wut im Bauch, Meine beste Feindin, Doppelter Einsatz und Die Helden. Außerdem war Lieven in verschiedenen Fernsehserien zu sehen, u. a. in Adelheid und ihre Mörder, Eine Frau wird gejagt von Vadim Glowna, Großstadtrevier, OP ruft Dr. Bruckner sowie verschiedenen Folgen von Tatort. Bei Kindern beliebt war er als der Opa in Neues vom Süderhof.

Ab Mitte der 1990er Jahre spielte Lieven am Altonaer Theater. Die Rolle des Lehrers Bömmel in dem Stück Die Feuerzangenbowle, das dort jährlich seit 1997 aufgeführt wird, gehörte seitdem zu seinen erfolgreichsten Rollen. Daneben spielte er an den Hamburger Kammerspielen, bei Gerda Gmelin und auf Kampnagel.

Ab 2000 spielte Lieven neben verschiedenen Rollen am Altonaer Theater zuletzt den Patriarchen in Nathan der Weise am Ernst Deutsch Theater. Im Fernsehen war er unter anderem in der Fernsehserie Notruf Hafenkante sowie in Frauengeschichten, Broti und Pacek und den Kinoproduktionen Doppelspiel, in der Regie von Claus–Michael Rohne und Dream, Dream, Dream in der Regie von Anne Klix zu sehen. Neben Theater- und Fernsehproduktionen gab Lieven Lesungen „von Ringelnatz bis Rilke“ und fuhr als Entertainer und Schauspiellehrer auf Kreuzfahrtschiffen wie der Deutschland.

Heinz Lieven gab mit dem Film Gruppenbild mit Dame von Aleksandar Petrović 1977 sein internationales Filmdebüt. Im Oktober 2010 drehte Heinz Lieven mit Sean Penn und Frances McDormand in den Vereinigten Staaten den Kinofilm Cheyenne – This Must Be the Place von Paolo Sorrentino, der 2011 im Wettbewerb der 64. Internationalen Filmfestspiele von Cannes uraufgeführt wurde.[2] Er spielte den fiktiven KZ-Aufseher Alois Lange, der nach dem Krieg in die USA geflüchtet war.[3] Im Sommer 2014 wirkte Heinz Lieven in Atom Egoyans Film Remember an der Seite von Christopher Plummer und Bruno Ganz in der Rolle eines demenzkranken SS-Mannes mit.[4][5]

Zuletzt war Lieven, bereits über 90-jährig, im Jahr 2020 in der Folge Schlaflos der ZDF-Krimiserie Solo für Weiss als ehemaliger NS-Jurist Walter von Wenzel zu sehen. Lieven starb im September 2021 im Alter von 93 Jahren in Hamburg.[6]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lieven war seit 1966 mit der Maskenbildnerin Hertha Lieven, geb. Gobrecht verheiratet. Er hatte zwei Söhne, Alexander Lieven (* 1959), ehemaliger stellvertretender Präsident der Casino-Gesellschaft in Berlin von 1786, und Claudius Lieven (* 1968), ehemaliges Mitglied der Hamburger Bürgerschaft.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1999: Dagmar Scharsich: Salve! (Rhode) – Regie: Barbara Plensat (Kriminalhörspiel – NDR)
  • 2013: Karl-Walter Wichtigmann: TKKG Folge 184 Die ewige Finsternis (TKKG-Hörspiel bei Sony Music)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel über den Schauspieler Heinz Lieven im Hamburger Magazin „Klönschnack“ (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive)
  2. Bericht auf Welt Kompakt zum Kinostart von Cheyenne – This Must Be The Place
  3. Bericht auf Welt Online über die Dreharbeiten von Heinz Lieven mit Sean Penn@1@2Vorlage:Toter Link/www.welt.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Bericht im Hollywood Reporter über die anstehenden Dreharbeiten von Heinz Lieven in Kanada
  5. Movie Pilot über neue Filme mit alten Männern
  6. Schauspieler Heinz Lieven ist tot. In: t-online.de, 4. Oktober 2021. Abgerufen am 4. Oktober 2021.