Helmand (Provinz)

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هلمند
Helmand
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Basisdaten
Staat Afghanistan
Hauptstadt Laschkar GahVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges
Fläche 58.584 km²
Einwohner 924.700 (2015)
Dichte 16 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 AF-HEL
Politik
Gouverneur Mirza Khan RahimiVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges
Distrikte in der Provinz Helmand (Stand 2005)
Distrikte in der Provinz Helmand (Stand 2005)

Koordinaten: 31° 35′ N, 64° 22′ O

Helmand (persisch هلمند), auch Hilmand oder Helmund, ist eine der 34 Provinzen Afghanistans.

Sie liegt im Süden, grenzt an Pakistan und gilt zurzeit als unruhig. Hauptstadt ist Laschkar Gah. Der derzeitige (2016) Gouverneur ist Mirza Khan Rahimi.[1] Die Provinz hat 924.700 Einwohner, von denen die überwältigende Mehrheit zur Gruppe der Paschtunen gehört[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmand war früher Teil der persischen Provinz Sistan, war bis 1940 Teil der afghanischen Provinz Kandahar und ist seit 1958 eine eigenständige Provinz (anfangs noch unter dem Namen Girischk nach der gleichnamigen Stadt). Am 30. April 1964 wurde sie in „Helmand“ umbenannt – nach dem Hilmend Rud, dem längsten Fluss Afghanistans. Der Grishk Damm am Hilmend wurde vor der sowjetischen Invasion Afghanistans von den USA gebaut.[3]. Er produziert Strom und war einer der Versuche, das Land zu modernisieren. 2005 versuchten 20 Taliban, ihn zu sprengen. Helmand ist nach dem Sturz der Taliban 2001 eine der Hochburgen des Widerstands gegen die Regierung Karzai und die NATO-Truppen vor Ort geworden. Ebenso hat die Schlafmohn-Produktion durch Drogenbarone stark zugenommen.

Von März 2007 an unternahmen NATO- und afghanische Truppen die Operation Achilles, um die in Helmand starken Taliban zu vertreiben. Am 2. Juli 2009 starteten mehr als 4000 US-Soldaten und 650 afghanischen Soldaten und Polizisten, die Operation Khanjar, die bis dato größte Militäraktion seit dem Einmarsch 2002. Nach Presseberichten ist es die größte Offensive von US-Marines seit dem Vietnamkrieg.[4]

2010 unternahmen NATO- und afghanische Truppen die Operation Muschtarak, die größte Offensive des Afghanistankrieges gegen die Taliban überhaupt.

Im Dezember 2015 bat der Vizegouverneur der Provinz um Unterstützung gegen den Vormarsch der Taliban.[5]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Provinz Helmand ist in folgende Distrikte gegliedert:

Distrikte der Helmand Provinz
Distrikt Hauptstadt Bevölkerung[6] Gebiet Anzahl der Dörfer und ethnische Gruppen
Baghran Baghran 129.947 3.124 km2 38 Dörfer. Paschtunisch.[7]
Chanaschin (Reg) Chanaschin 17.333 13.153 km2 Paschtunisch[8]
Dischu Dischu 29.005 9.485 km2 80 % Paschtunisch und 20 % Belutschisch[9][10]
Garmsir Garmsir 107.153 10.345 km2 112 Dörfer. Paschtunisch.[11]
Kajaki Kajaki 119.023 1.976 km2 220 Dörfer[12] 100 % Paschtunisch[13]
Laschkar Gah (Distrikt) Laschkar Gah 201.546 998 km2 160 Dörfer. Paschtunisch.[14]
Marjah Marjah 2.300 km2 95 % Paschtunisch, 5 % Tadschikisch und Hazara.[15]
Musa Qala Musa Qala 138.896 1,694 km2 Paschtunisch[16]
Nad Ali Nad Ali 235.590 4.564 km2 90 % Paschtunisch, 10 % Turkmenisch und

Hazara.[17]

Nahri Saraj Girischk 166.827 1,543 km2 97 Dörfer. Paschtunisch[18]
Nawa-i Baraksaji Nawa-i Baraksaji 300.000 4135 km2 350 Dörfer. Paschtunisch[19]
Nawzad Nawzad 108.258 4.135 km2 100 % Paschtunisch[20][21]
Sangin (Reg) Sangin 66.901 508 km2 99 % Paschtunisch, 1 % Hazara, Tadschikisch und Arabisch.[22]
Waschir Waschir 31.476 4.319 km2 Paschtunisch[23]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1953 erbaute Kajakai-Damm staut den Fluss Hilmend Rud, Aufnahme 2004

Helmand besteht vor allem aus Wüsten und fruchtbaren Flusstälern. Die Wirtschaft basiert auf etwa 75 % Ackerbau (Wassermelonen,…), 20 % Viehzucht und 5 % Dienstleistungen. Sie wurde in den letzten 15 Jahren vom illegalen Schlafmohnanbau überschattet.[24]

Die seit 1999 über 5 Jahre andauernde Dürre ließ viele traditionelle Brunnen (Karez) austrocknen.[24] Etwa 45 % der Bevölkerung benötigen dringend Trinkwasser. Außerdem werden elektrischer Strom, Schulen und Kliniken benötigt. Neben der Sicherung dieses Grundbedarfs ist die Reparatur der Kajakai-Talsperre und der Bewässerungssysteme vorrangig.[25]

Helmand hat einen Flugplatz südlich von Laschkar Gah (31° 33′ 33″ N, 64° 21′ 51″ O).[26]

Schlafmohnanbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anbau von Schlafmohn wuchs von 1979 bis 1999 um das Fünfzehnfache. 1999 wurde in der Provinz Helmand auf etwa 44.500 Hektar Schlafmohn angebaut. Weil die Talibanregierung im Juli 2000 den Anbau verbot, gab es 2001 keinen Anbau. Nach dem Sturz der Talibanregierung Ende 2001 wurde 2002 wieder auf 29.950 ha angebaut.[27] Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen und Verbrechen (UNODC) nennt für 2006 eine Anbaufläche von 69.324 ha, die sich 2007 um fast 50 % auf 102.770 ha erhöhte. Das sind mehr als die Hälfte der gesamten Anbaufläche von 193.000 ha in Afghanistan. Pro Hektar wurden 42,5 kg Schlafmohn geerntet. Mit dem Schlafmohnanbau (5.200 US $ pro ha) wird etwa das Zehnfache im Vergleich zum Weizenanbau (546 US $ pro ha) verdient.[28][29]

Die Taliban haben inzwischen die Verordnung ihres Anführers Mohammed Omar aufgehoben, der im Juli 2000 den Anbau von Schlafmohn als Sünde verbot. Eine UNODC-Erhebung bei fast 3000 Bauern in 1500 Dörfern kommt zu dem Ergebnis, dass weiterhin 38 % der Bauern Schlafmohn deswegen nicht anbauen, weil sie damit gegen den Islam verstoßen würden, 28 %, weil es illegal sei, und 18 %, weil sie die Schura respektieren würden.[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Helmand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Helmand Provincial Profile (PDF-Datei), 29. Oktober 2007, auf Website des Ministry of Rural Rehabilitation and Development
  • Joachim Hoelzgen: Hölle Helmand – Artikel über den Opiumanbau in Helmand bei Spiegel.de, 26. September 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Provincial Governors. In: Afghanistan Online. 20. Dezember 2015, abgerufen am 8. Januar 2016.
  2. Afghanistan. In: citypopulation.de. Abgerufen am 8. Januar 2016.
  3. Maulawi Hassan is basically an unknown in any reference I looked through. Difficult to say he is another Abu Musab al-Zarqawi.. 29. März 2009. Abgerufen am 24. November 2009.
  4. Tagesschau, 2. Juli 2009, Überraschungsangriff im Morgengrauen (Memento vom 3. Juli 2009 im Internet Archive)
  5. Taliban in der Provinz Helmand auf dem Vormarsch
  6. Hillmand Province. In: Government of Afghanistan and United Nations Development Programme (UNDP). Ministry of Rural Rehabilitation and Development. Abgerufen am 27. Dezember 2012.
  7. Baghran District
  8. Khanishin District
  9. http://www.aims.org.af/afg/dist_profiles/unhcr_district_profiles/southern/helmand/dishu.pdf
  10. Disho District
  11. Garmser District
  12. Kajaki District
  13. http://www.aims.org.af/afg/dist_profiles/unhcr_district_profiles/southern/helmand/kajaki.pdf
  14. Bost District (Re-elected)
  15. Marja District
  16. Mousa Qala District
  17. Nad Ali District
  18. Nahri Saraj District
  19. Nawa District (Re-elected)
  20. http://www.aims.org.af/afg/dist_profiles/unhcr_district_profiles/southern/helmand/naw_zad.pdf
  21. Nawa District (Re-elected)
  22. Sangin District
  23. Baghran District
  24. a b Regional Rural Economic Regeneration Strategies (RRERS) 31. Oktober 2006: Helmand Province (PDF, 76 KB)
  25. Ministry of Rural Rehabilitation and Development 2006: What are the most urgent development projects in Helmand?
  26. Afghanistan Ministry of Transport and Civil Aviation: Lashkar Gah Airport, abgerufen am 22. Mai 2009
  27. grminternational.com 2004: Alternative Livelihoods in Afghanistan (PDF, 430 KB) Tabelle auf Seite 34
  28. a b UNODC Afghanistan Opium Survey 2007 Executive Summary (PDF, 2.0 MB)
  29. Radio Free Europe October 10, 2007: Poor Helmand Farmers Find Themselves In Eye Of Drug Storm