Liebstöckel

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Liebstöckel
Liebstöckel (Levisticum officinale), Illustration

Liebstöckel (Levisticum officinale), Illustration

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Levisticum
Art: Liebstöckel
Wissenschaftlicher Name
Levisticum officinale
W.D.J.Koch

Liebstöckel (Levisticum officinale), auch Maggikraut oder Lus(t)stock, in der Steiermark auch Nusskraut, ist eine Pflanzenart der Gattung Levisticum aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae, veraltet Umbelliferae). Die Bezeichnung „Liebstöckel“ entstand durch volksetymologische Wortbildung aus dem lateinischen „levisticum“. Die Bezeichnung „Maggikraut“ entstand aufgrund der Geschmacksähnlichkeit der Maggi-Würze mit Liebstöckel; Maggi-Würze enthält jedoch keinen Liebstöckel.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blütenstand von oben

Liebstöckel ist eine winterharte, ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 1 bis 2,5 m erreichen kann. Die ganze Pflanze riecht aromatisch. Der verzweigte Stängel ist intensiv grün. Es wird ein Rhizom als Überdauerungsorgan gebildet, das einen Durchmesser von 4 bis 5 cm aufweist. Besonders die unteren Laubblätter sind lang gestielt. Die Blattspreite ist zwei- bis dreifach gefiedert. Das Endblättchen ist breit dreieckig bis eiförmig, 4 bis 11 cm lang und 2 bis 7 cm breit. Die gestielten Fiederblättchen sind zwei- bis dreilappig mit wenigen Zähnen.

Der doppeldoldige Blütenstand weist einen Durchmesser von 12 cm auf, besitzt sieben bis elf Hüllblätter mit weißen Rändern und enthält 12 bis 20 Döldchen. Die Döldchen besitzen acht bis elf Hüllchen und enthalten viele Blüten. Die gelblichen bis hellgrünen Blüten sind unscheinbar. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

Die braune Frucht ist 5 bis 7 mm lang und 3 bis 4 mm breit. Die Früchte reifen zwischen August und September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Levisticum officinale wurde 1824 von Wilhelm Daniel Joseph Koch in Novorum Actorum Academiae Caesareae Leopoldinae-Carolinae Naturae Curiosorum, 12(1), 101, f. 41 erstbeschrieben. Synonyme für Levisticum officinale W.D.J.Koch sind: Ligusticum levisticum L., Angelica levisticum All., Levisticum levisticum Karsten, Hipposelinum levisticum (L.) Britton & Rose, Angelica paludapifolia Lam., Levisticum paludapifolium (Lam.) Asch., Levisticum officinale Rchb., L. officinale var. vel subsp. cultum Thellung, Selinum levisticum (L.) E.H.L.Krause, Levisticum vulgare Hill, Levisticum vulgare Reichb.[2]

Herkunft und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liebstöckel stammt wahrscheinlich aus dem Nahen oder Mittleren Osten, eventuell aus Persien. Von dort kam es über das Mittelmeergebiet ins restliche Europa. Wild findet es sich nur in warmen Gebieten. Da es aber in Gemüse- und Kräutergärten angebaut wurde und wird, kann es auch in kälteren Regionen Europas stellenweise verwildert auftreten.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Küchenkraut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frischen Liebstöckelblätter finden Verwendung als Gewürz, z.B. für Suppe, Eierspeise, Eierschwammerl (Pfifferlinge) oder andere Pilzgerichte. Der Geschmack erinnert an den von Sellerie, ist aber schärfer und bitterer. Feingehackte Blätter können zum Würzen von Suppen, Salaten, Obatztem und Eintopfgerichten verwendet werden.

Die getrockneten Samen können bei der Zubereitung von Eintöpfen, Braten als Würze verwendet werden. Auch sind die Früchte als aromatisierende Komponente für Käsegerichte, Brot und Gebäck zu verwenden.

Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liebstöckel in Form der Wurzeldroge (Levistici radix)

Als pharmazeutische Droge dienen:

  • Die getrockneten Liebstöckelfrüchte (Levistici fructus). Sie werden volkstümlich bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen sowie im Haushalt als Gewürz verwendet.
  • Das in den Sommermonaten bis in den Herbst hinein etwa handhoch abgeschnittene, getrocknete Kraut (Levistici herba). Es wird im Haushalt als Gewürz eingesetzt.
  • Der ganze oder geschnittene, getrocknete Wurzelstock und die Wurzeln (Levistici radix). Er enthält ätherisches Öl mit bis zu 70 % Alkylphthaliden. Man setzt die Droge zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten und zur Vorbeugung gegen Nierengrieß ein.

Da die in der Droge enthaltenen Furocumarine nicht wasserlöslich sind, ist bei Teezubereitungen nicht mit phototoxischen Nebenwirkungen zu rechnen.

Schon Dioskurides beschreibt Samen und Wurzel von „ligystikón“ („ligusticum“ bei Columella und Plinius) als erwärmend, verdauungsfördernd, diuretisch und emmenagog, auch gegen den Biss wilder Tiere. Allerdings ist die Zuordnung zu unserem Levisticum fraglich. Liebstöckel war ein beliebtes Heilmittel in Mittelalter und Barock. Hildegard von Bingen lobt ihn u.a. bei Halskrankheiten, Lonicerus als diaphoretisch, diuretisch, verdauungsfördernd und magenerwärmend, Matthiolus als emmenagog, stein- und windtreibend. Weinmann nennt ihn ein Antidot, Diuretikum, Diaphoretikum und Wundmittel, besonders bei Magenerkältung, Engbrüstigkeit und als Emmenagogum. Hufeland nutzte ihn oft bei Hydrops. Leclerc nennt ihn ein Karminativum und Diuretikum. Nach Schulz wird er auch bei chronischen Katarrhen und Menostase gebraucht. In Schweiz und Elsaß trinke man bei Halsweh Milch durch die Pflanzenstengel. Auch fördere er bei Rindern das Kalben.[3] In der Volksheilkunde wird Liebstöckel auch bei Menstruationsstörungen und als schleimlösendes Mittel eingesetzt. In der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin wird Liebstöckel u.a. bei Mittelohrentzündung gegeben.

Andere Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wässrige Extrakte von Liebstöckel zeigen unter UV-Bestrahlung mit Licht der Wellenlänge 365 nm eine blaue Fluoreszenz, die durch Umbelliferon, ein Cumarinderivat ausgelöst wird.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.
  • Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2053-4.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur – Kultur und Verwendung. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band II. Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 1746–1752 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938).

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag bei Tropicos, abgerufen am 21. Juli 2012.
  2. Gerhard Madaus: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel. Abteilung 1: Heilpflanzen. 3 Bände. G. Thieme, Leipzig 1938.
  3. Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band II. Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 1746–1752 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938).
  4. P. Drosky et al. Die optischen Aufheller Fraxin und Aesculin ChiuZ 2014, 48, S. 450-459

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Liebstöckel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Liebstöckel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen