Midsommar (2019)

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Filmdaten
Deutscher TitelMidsommar
OriginaltitelMidsommar
ProduktionslandUSA, Schweden
OriginalspracheEnglisch, Schwedisch
Erscheinungsjahr2019
LängeKinofassung: 147 Minuten
Director’s Cut: 171 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieAri Aster
DrehbuchAri Aster
ProduktionPatrik Andersson,
Lars Knudsen
MusikBobby Krlic
KameraPawel Pogorzelski
SchnittLucian Johnston
Besetzung
Synchronisation

Midsommar ist ein Mystery-Horror-Drama von Ari Aster, das am 3. Juli 2019 in die US-amerikanischen Kinos und am 26. September 2019 in die deutschen Kinos kam.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die junge Doktorandin Dani ist völlig verzweifelt, nachdem ihre Schwester Terri, die an einer bipolaren Störung litt, bei einem erweiterten Suizid sich selbst und ihre Eltern getötet hat. Auch die Beziehung mit ihrem Freund und Kommilitonen Christian bröckelt, da er sich von Danis Problemen überfordert fühlt. Er plant eine gemeinsame Reise mit seinen Freunden, dem Anthropologen Josh und seinem Kumpel Mark. Sie wollen nach Schweden, um dort in einer abgelegenen ländlichen Gemeinde an den Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende teilzunehmen, zu der sie ihr Freund Pelle eingeladen hat, der dort aufgewachsen ist. Impulsiv beschließt Dani mitzufahren. Da sie glaubt, kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen, sieht sie keine bessere Möglichkeit, sich zu entspannen und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Nachdem sie unterwegs Magic Mushrooms konsumiert haben, erreichen sie die abgelegene Siedlung Hårga in der Provinz Hälsingland, wo die Neuankömmlinge von den weiß gekleideten, ausgelassenen Dorfbewohnern lächelnd begrüßt werden. Einer von Pelles Verwandten hat ebenfalls Freunde eingeladen, ein junges Paar aus England namens Connie und Simon. Josh arbeitet an einer Dissertation über europäische Mittsommerrituale, die hier gefeierte Tradition ist ihm bislang jedoch unbekannt. Die Ältesten der Gemeinde geben ihm bereitwillig Auskunft über diese eigentümliche, heidnische Tradition.[2][3][4]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmtitel und Stab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwedischer midsommar (Gemälde von Anders Zorn 1897)

Der Film kann als skandinavischer Folk-Horror rund um einen heidnischen Kult beschrieben werden.[4][5] Das Hauptelement der Handlung und damit maßgeblich für den Titel ist der Midsommar, die schwedische Bezeichnung für das Mittsommerfest. Während dieser Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende werden nicht nur in den skandinavischen Ländern, sondern auch im Baltikum besondere Bräuche zelebriert.

Regie bei dem Mystery-Horror-Drama führte Ari Aster. Produziert wurde der Film wie auch bereits Asters Regiedebüt Hereditary von A24.[4] Weitere Produzenten sind Lars Knudsen und B Reel.[3] Im März 2019 äußerte Aster im Interview mit Vulture, dass Midsommar nicht mit Hereditary vergleichbar sei: „Er ist weniger ein Horrorfilm, aber er bewegt sich immer noch in denselben Gefilden. Er ist sehr makaber. Aber die Leute sollten nicht erwarten, Hereditary zu sehen.“[5] Wie bei Hereditary beginnt Aster die Geschichte mit einem tragischen Todesfall in der Familie.[6] Mehr und mehr würden die Figuren in Midsommar im Laufe des Films zu Karikaturen degradiert, wenn die jungen Amerikaner in eine Situation stolpern, die sich ihrer Kontrolle entzieht, und in eine Welt, die diese Schwäche unbedingt ausnutzen möchte, so Eric Kohn in IndieWire. Wie bei Hereditary komme es auch in Midsommar zu einem Showdown wie in einer Oper, bei dem sich alle zu einer schrecklichen Auflösung zusammenfänden, so Kohn.[7]

Oscarpreisträger Jordan Peele, Regisseur von Get Out und Wir, der Asters Film vorab sehen durfte, war voll des Lobes: „Ich habe Aster geschrieben, dass er den wohl idyllischsten Horrorfilm aller Zeiten geschaffen hat. Es gibt ein paar Filme, mit denen man Midsommar vergleichen kann, aber trotzdem ist dieser Film einzigartig. Sowas hat es noch nicht gegeben und alles nach Midsommar muss mit diesem Film verglichen werden.“ Midsommar löse The Wicker Man als den besten Film über Heidenvölker ab, so Peele weiter, und besonders im letzten Akt habe es einige der schrecklichsten und verstörendsten Bilder gegeben, die er jemals in einem Film gesehen habe.[8][9]

Besetzung, Dreharbeiten und Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 2018 wurde die Besetzung mit Will Poulter, Florence Pugh und Jack Reynor bekannt.[2] Pugh und Reynor sind in den Rollen von Dani und Christian zu sehen, die in Schweden Urlaub machen.[10][11] In weiteren Rollen sind Vilhem Blomgren, William Jackson Harper, Ellora Torchia und Archie Madekwe zu sehen.[2]

Die Dreharbeiten wurden ebenfalls im Juli 2018 in ungarischen Budapest begonnen. Mitte Oktober 2018 wurden die Dreharbeiten beendet.[12][13] Wie bei Hereditary arbeitete Aster wieder mit dem polnischen Kameramann Pawel Pogorzelski zusammen.

Die Filmmusik komponierte Bobby Krlic aka The Haxan Cloak. Das Soundtrack-Album war zwei Tage nach dem US-Kinostart des Films veröffentlicht worden.[14][15]

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Short-Teaser Ende Februar 2019[16] wurde Anfang März 2019 ein erster Trailer vorgestellt.[17] Am 11. Juni 2019 folgte ein erster deutscher Trailer.[18]

Nach Previews in New York und Los Angeles Mitte Juni 2019[19] kam der Film am 3. Juli 2019 in die US-Kinos.[20] Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 26. September 2019.[21]

Am 17. August 2019 feierte im Lincoln Center in New York ein verlängerter Director’s Cut des Films Premiere, der am 30. August 2019 in ausgewählten Kinos in den USA startet.[22] Die erweiterte Fassung hat eine Laufzeit von 171 Minuten.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 16 Jahren freigegeben.

Kritiken und Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang 83 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,5 der möglichen 10 Punkte.[23]

John DeFore von The Hollywood Reporter findet, Ari Asters Vorstellung von dieser schwedischen Gemeinschaft und ihren Volksweisen profitiere von der Liebe zum Detail und sei in den Kulturen der realen Welt verwurzelt. Piktogramme an den Wänden erinnerten Außenstehende an Tarot- oder mexikanische Loteria-Karten, in denen ihr Schicksal festgelegt wird. Danis Albtraum beschreibt DeFore als eine kubrickianische Vision, wobei die verzierte Decke, unter der sie sich zusammenkauert, wie eine Hommage an den Teppich in The Shining erinnere.[6]

Eric Kohn von IndieWire bemerkt die vielen Details im Film, wie ein einheimisches Runenalphabet, das die Wände der puppenhausartigen Siedlung ziert. Solche visuellen Raffinessen lösten zusammen mit der akrobatische Kameraführung und einer absorbierenden Klanglandschaft einen betörenden Zauber aus. Der Film erinnert Kohn an The Wicker Man von Robin Hardy, eine Entjungferung in Midsommar lasse Ken Russells The Devil zahm erscheinen.[7]

Andrew Barker von Variety schreibt, ein großer Verdienst sollte dem Komponisten Bobby Krlic gelten, dessen erfinderische, überaus selbstbewusste Filmmusik einen Großteil der emotionalen Härte liefere, die das Drehbuch vernachlässige, und den oft unebenen Film trage. So sei es auch das Zusammenspiel von Florence Pughs Performance und Krlics plötzlich donnernder Musik, die im Mittelpunkt stehe, wenn Midsommar letztlich in einem wilden, halluzinatorischen Finale seinen Höhepunkt erreiche und Danis bislang unterdrückte Trauer, Wut und Sehnsucht nach Mitgefühl endlich ein Ventil finde. Eine Schande sei, dass es so lange dauere, diese in den Mittelpunkt zu rücken, so Barker.[24]

Auch Jan Künemund zeigt sich im Spiegel von Florence Pugh begeistert: „Den Weg in die grelle Folklore-Hölle nimmt Midsommar vom Schwarz der New Yorker Nächte und der emotionalen Verdunkelung seiner Heldin Dani (Florence Pugh in einer tollen On-Edge-Performance) aus. […] Brillant montiert Ari Aster in seinem New Yorker Prolog dysfunktionale Beziehungen und emotionale Verkümmerungen, bevor sein Film für zwei Stunden in seinem Hauptsetting Platz nimmt.“ Aster erweise sich dabei als cleverer Baumeister von Genre-Gerüsten, die weniger auf Überraschungseffekte abzielten, als vielmehr aus einer interessanten Desorientiertheit seiner Figuren heraus ins erwartbare Horrorszenario kippten. „Das wiederum zelebriert der Film im hellsten Tageslicht (Kamera, wie schon in Hereditary: Pawel Pogorzelski), statt genrekonform durch düstere Innenräume zu hetzen, in denen das Böse immer zu spät in den Blick gerät. Virtuos schütteln Aster und sein Szenenbildner Henrik Svensson zudem nordische Sagen und Mythen durcheinander, bis sie sich jeder völkerkundlichen Plausibilität entziehen, aber trotzdem den Eindruck eines geschlossenen Systems erwecken.“[25]

Thomas Groh hebt in seiner Kritik für den Tagesspiegel u. a. den Soundtrack hervor: „Aster erzählt erst schwelend, dann in brachialer Orchestrierung sämtlicher filmischer Sinne. Und bleibt dabei sonderbar geradlinig und verquer zugleich, wenn er dem Affektangebot jeden positiven Bezugspunkt gründlich austreibt: Während der Film sich ins glutheiße Furiosum deliriert, markiert Bobby Krlics kongenialer Soundtrack ein pastorales Erlösungsidyll. Empathie, Empathieverlust, aggressiver Regress, melodramatischer Exzess: Man weiß in diesem taghell-düsteren Spektakel nicht, wohin mit dem eigenen Gefühlshaushalt. […] Vielleicht allegorisiert Midsommar tatsächlich die geschlechterpolitischen Anspannungen unserer Gegenwart: Wenn die Jungs nicht endlich lernen, wie man liebt, wird es böse enden.“[26]

Die Filmkritikerin Antje Wessels schreibt, insbesondere durch die nur sehr gemächlich angezogene Spannungsschraube, konfrontiere einen Midsommar auch mit der Thematik „Tradition, respektive das blinde Vertrauen in dieselbe“ und sei so auch eine Geschichte über die Ausführung blinden Gehorsams, worin letztlich der echte Horror liege. Klassische Jump-Scares gebe es in Midsommar so gut wie keine, was aber nicht bedeute, dass der Film aufgrund besonders prägend inszenierter Szenen nicht doch im Gedächtnis bleibe: „Ari Aster und sein Kameramann komponieren auch diesmal wieder faszinierende Bilder des Schreckens, von irritierend perfekt durchkomponierten Essenstafeln aus der Vogelperspektive bis hin zu zweckentfremdeten Säugetieren. […] Midsommar ist derart vollgepackt mit Symbolik und Subtext, dass ein einziges Anschauen ohnehin nicht ausreicht, um all das auf einmal zu dechiffrieren.“ Wessels resümiert, Midsommar sei nach Hereditary das zweite Horror-Meisterwerk des Regisseurs, und der Film sei kein Genre-Fast-Food, sondern ein Film, auf dessen einzigartige Atmosphäre man sich einlassen müsse.[27]

Die weltweiten Einnahmen des Films aus Kinovorführungen belaufen sich bislang auf rund 36 Millionen US-Dollar.[28]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Christian Gundlach im Auftrag der Eurosync GmbH, Berlin.

Darsteller Synchronsprecher Rolle
Jack Reynor Henning Nöhren Christian
Florence Pugh Julia Kaufmann Dani
William Jackson Harper Tobias Schmidt Josh
Will Poulter Konrad Bösherz Mark
Anders Beckman Michael Noack Arne
Ellora Torchia Marie-Isabel Walke Connie
Hampus Hallberg Leonhard Mahlich Ingemar
Vilhelm Blomgren Florian Hoffmann Pelle
Archie Madekwe Ricardo Richter Simon
Gunnel Fred Isabella Grothe Siv

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Midsommar. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 193177/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c Chris Evangelista: 'Hereditary' Director Ari Aster’s New Horror Movie Coming Next Summer From A24. In: slashfilm.com, 24. Oktober 2018.
  3. a b Mike Fleming Jr: A24 Pacts For 'Hereditary' Helmer Ari Aster’s Next Horror Film. In: deadline.com, 8. Mai 2018.
  4. a b c Chris Evangelista: Jack Reynor, Will Poulter and Florence Pugh Join New A24 Horror Film From 'Hereditary' Director Ari Aster. In: slashfilm.com, 30. Juli 2018.
  5. a b Rachel Handler: Midsommar Will Be ‘a Wizard of Oz for Perverts,’ Says Director Ari Aster. In: Vulture, 22. März 2019.
  6. a b John DeFore: 'Midsommar': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 18. Juni 2019.
  7. a b Eric Kohn: 'Midsommar' Review: 'Hereditary' Director’s Latest Horror Epic Is Actually a Perverse Breakup Movie. In: indiewire.com, 18. Juni 2019.
  8. Horrorfilm „Midsommar“ ist 140 Minuten lang und sei „einzigartig und verstörend“. In: outnow.ch. Abgerufen am 7. Juni 2019.
  9. Clark Collis: Jordan Peele chats with Ari Aster about his 'atrociously disturbing' horror film Midsommar in new Fangoria. In: Entertainment Weekly, 6. Juni 2019.
  10. Adam Chitwood: First Poster for 'Hereditary' Director Ari Aster’s New Film 'Midsommar' Is Bright and Colorful. In: collider.com, 28. Februar 2019.
  11. Marshall Shaffer: Interview: Jack Reynor on His Reverse Hero’s Journey in Midsommar. In: slantmagazine.com, 2. Juli 2019.
  12. Michael Allen: Ari Aster's Midsommar Titled a Scandinavian Horror Feature: First Trailer. In: 28dayslateranalysis.com, 5. März 2019.
  13. Charles Barfield: Florence Pugh, Jack Reynor, Will Poulter & More Set To Star In 'Hereditary' Director’s New Horror Film. In: theplaylist.net, 30. Juli 2018.
  14. B. Alan Orange: Midsommar Soundtrack Will Be Released Two Days After the Film Comes Out. In: movieweb.com, 19. Juni 2019.
  15. Film Music Reporter: ‘Midsommar’ Soundtrack Album Announced. In: filmmusicreporter.com. 19. Juni 2019, abgerufen am 10. Oktober 2019 (englisch).
  16. Matt St. Clair: A24 Films Provides Short Tease for 'Midsommar' from 'Hereditary' Director Ari Aster. In: awardscircuit.com, 26. Februar 2019.
  17. Anna Tingley: Watch the First Trailer for 'Midsommar', New Horror Film From 'Hereditary' Director Ari Aster. In: Variety, 5. März 2019.
  18. „Midsommar“ von Ari Aster: Erster deutscher Trailer veröffentlicht. In: filmpluskritik.com, 12. Juni 2019.
  19. Matt Donnelly: 'Midsommar' Traumatizes Early Audiences (But in a Good Way). In: Variety, 18. Juni 2019.
  20. https://www.boxofficemojo.com/schedule/?view=&release=&date=2019-07-05&showweeks=4&p=.htm
  21. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 11. April 2019.
  22. ‘Midsommar’ Director’s Cut: A24 Announces Surprise Unrated Theatrical Release auf indiewire.com (abgerufen am 27. August 2019)
  23. Midsommar. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 10. August 2019.
  24. Andrew Barker: Film Review: 'Midsommar'. In: Variety, 19. Juni 2019.
  25. Jan Künemund: Horrorfilm “Midsommar”: In dieser Hölle scheint die Sonne. In: Spiegel Online. 25. September 2019 (spiegel.de [abgerufen am 25. September 2019]).
  26. Thomas Groh: Schöner Tod unter gleißender Sonne. In: Der Tagesspiegel. 25. September 2019, abgerufen am 25. September 2019.
  27. https://wessels-filmkritik.com/2019/09/17/midsommar/
  28. https://www.boxofficemojo.com/movies/?id=ariastorhorror.htm