Neom

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Neom (arabisch نيوم) ist ein geplantes Mega-Projekt, das den modernsten Technologiepark der Welt und eine komplett neue Stadt schaffen will. Initiiert wurde dieses Projekt, das am 24. Oktober 2017 in Riad erstmals vorgestellt wurde, durch die saudi-arabische Königsfamilie. „Neom“ ist ein Kofferwort, verschmolzen aus „neo“ (griechisch: neu) und „m“ für „mostaqbal“ (arabisch: Zukunft).[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Technologiepark soll in einem 26.500 Quadratkilometern großen Gebiet entstehen, das zum Großteil in Saudi-Arabien liegt. Dafür sind Investitionen in Höhe von bis zu 500 Milliarden US-Dollar vorgesehen, für die Saudi-Arabien garantiert.[2] Ein Großteil des Geldes soll vom saudischen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) finanziert werden. Zur Finanzierung beitragen soll der Börsengang von Saudi Aramco.[3] Ein Ziel des Projekts ist es, ausländisches Kapital und Investoren in das Königreich zu holen.[4] Gefördert werden sollen neue Ökonomiebereiche, um die saudische Wirtschaft für die Zukunft auf eine breitere Grundlage zu stellen, darunter Biotechnologie, Energie und Wasser sowie die mediale Entwicklung.[5]

Neom soll seine eigenen Gesetze und Steuersätze bekommen.[6] Abweichend von den einschränkenden Vorschriften für Frauen im übrigen Land dürfen sie sich hier ohne männliche Begleitung bewegen und können auf das Tragen der Abaya verzichten.[7]

Im Nordwesten des Landes wurde eine Fläche am Roten Meer ausgewählt, die an Ägypten und Jordanien angrenzt. Vorgesehen ist die Querung über die Straße von Tiran mit einer Brücke zwischen den Inseln Tiran und Sanafir, die lange Zeit zwischen Saudi-Arabien und Ägypten umstritten waren. Mit der Brücke entstünde eine Landverbindung von Nordafrika auf die Arabische Halbinsel und damit nach Vorderasien unter Umgehung Israels.[8]

Für sein Projekt Neom gibt Kronprinz Mohammed bin Salman zum Teil radikale Vorgaben. Alle Dienstleistungen und Standardprozesse sollen „zu 100 Prozent automatisiert“ sein und „von Robotern ausgeführt“ werden.

Neom soll seinen Energiebedarf ausschließlich aus Wind- und Sonnenkraft speisen. Das Projekt hat zum Ziel, die Wirtschaft Saudi-Arabiens unabhängiger vom Öl zu machen. Es ist Teil des Wirtschaftsumbauvorhabens „Vision 2030“. 2025 soll der erste Bauabschnitt fertiggestellt sein. Geleitet wird das Projekt von dem deutschen Manager Klaus Kleinfeld als Vorstandschef der Projektgesellschaft.[9][10]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur bezeichnete Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik das Projekt als „Versuch, Saudi-Arabien in Bezug auf Modernität und wirtschaftliche Entwicklung international in die ‚Pole Position‘ zu rücken“. Ein „neues Silicon Valley“ solle entstehen. Das Ausmaß des Projekts sei gigantisch.[11]

Die Journalistin und Nahostexpertin Gudrun Harrer meint, dass man es trotz „PR-Maschinerie“ und wenig konkreten Angaben nicht als bloßen Werbegag abtun könne, wenn der Kronprinz des streng salafistischen Königreichs erkläre, „auf einen moderaten Islam setzen zu wollen“.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. What does Saudi Arabia’s mega project ‚NEOM‘ actually stand for? In: al-Arabiya. 24. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017 (englisch).
  2. Sven Clausen: 500 Milliarden Dollar für Neom: Ex-Siemens-Chef Kleinfeld soll Saudi-Arabiens Megacity bauen. In: Spiegel Online. 24. Oktober 2017, abgerufen am 24. Oktober 2017.
  3. Gabriel Knupfer: Neom: Saudi-Arabien plant die Stadt der Zukunft. In: Handelszeitung. 26. Oktober 2017, abgerufen am 1. November 2017.
  4. Saudi-Arabien plant Megastadt, größer als Steiermark plus Kärnten. In: Der Standard. 24. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017.
  5. Saudi-Arabien plant Megastadt. In: Sächsische Zeitung. 24. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017.
  6. NEOM. Abgerufen am 24. Oktober 2017.
  7. „Sophia“: Saudi Arabien bürgert Roboter ein. In: Der Standard. 27. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017.
  8. Ex-Siemens-Chef soll für Saudi-Arabien futuristische Megastadt planen. In: sueddeutsche.de. 24. Oktober 2017, abgerufen am 25. Oktober 2017.
  9. Saudi-Arabien will für 500 Milliarden eine Megastadt bauen. In: faz.net. 24. Oktober 2017, abgerufen am 30. Oktober 2017.
  10. Peter Brors, Thomas Jahn: Klaus Kleinfelds arabisches Märchen. In: handelsblatt.com. 25. Oktober 2017, abgerufen am 30. Oktober 2017 (Artikelbeginn frei abrufbar).
  11. Ein Zeichen an den Westen – für 500 Milliarden Dollar, Sebastian Sons im Gespräch mit Dieter Kassel. In: Deutschlandfunk Kultur. 26. Oktober 2017, abgerufen am 28. Oktober 2017.
  12. Gudrun Harrer: Saudi-Arabien zwischen Megalomanie und Reform. In: Der Standard. 28. Oktober 2017, abgerufen am 30. Oktober 2017 (Analyse).