One Night in Miami

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Film
OriginaltitelOne Night in Miami
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2020
Länge 110 Minuten
Stab
Regie Regina King
Drehbuch Kemp Powers
Produktion Jess Wu Calder, Keith Calder, Jody Klein
Musik Terence Blanchard
Kamera Tami Reiker
Schnitt Tariq Anwar
Besetzung

One Night in Miami ist ein Filmdrama um vier berühmte afroamerikanische Ikonen, mit dem Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Regina King ihr Debüt als Regisseurin eines Kinospielfilms gab. Der Film feierte seine Premiere am 7. September 2020 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig und wurde am 11. September in einer Drive-In-Gala-Vorstellung beim Toronto International Film Festival vorgestellt. Am 25. Dezember 2020 startete der Film in einzelnen US-Kinos, am 8. Januar 2021 dann landesweit in ausgewählten Kinos. Am 15. Januar 2021 wurde er in das Programm von Amazon Prime Video aufgenommen.

Der Film spielt am 25. Februar 1964, in jener Nacht, in der Cassius Clay im Alter von 22 Jahren die Weltmeisterschaft im Schwergewicht gewann, als er Sonny Liston in einem Titelkampf im Miami Beach Convention Center besiegte. Danach traf Clay sich mit Freunden: dem Bürgerrechtler Malcolm X, dem Musiker Sam Cooke und dem Footballspieler Jim Brown. Wie bereits in dem gleichnamigen Theaterstück von Kemp Powers aus dem Jahr 2013, auf dem der Film basiert, wurde auch der Film um fiktive Gespräche angereichert. Zudem werden in Rückblenden wichtige Ereignisse im Leben der vier schwarzen Sport-, Musik- und Politik-Legenden gezeigt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Cassius Clay im Miami Beach Convention Center Weltmeister wurde, verbringt er den Abend mit drei seiner engsten Freunde: Malcolm X, Sam Cooke und Jim Brown

In der Nacht zum 25. Februar 1964 wird der junge Cassius Clay im Miami Beach Convention Center neuer Schwergewichts-Box-Weltmeister durch einen unerwarteten Sieg über Sonny Liston. Clay verbringt den weiteren Abend im Hampton House Motel in Miamis afroamerikanischem Stadtteil Overtown und feiert hier mit Malcolm X, Sam Cooke und Jim Brown, die zu seinen engsten Freunden zählen. Die vier Ikonen und Wegbereiter der Black Power-Bewegung sprechen über ihre gemeinsame Verantwortung als Influencer und ihren Kampf für die Gleichberechtigung aller Afroamerikaner.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Vorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich bei One Night in Miami um das Regiedebüt der Oscar-Preisträgerin Regina King bei einem Kinofilm. Zuvor hatte King unter anderem bereits zwei Fernsehfilme und zahlreiche Serien-Folgen inszeniert, zum Beispiel für Being Mary Jane, Scandal und Insecure. Das Drehbuch von Kemp Powers basiert auf seinem gleichnamigen Einakter, der im Jahr 2013 im Rogue Machine Theatre in Los Angeles uraufgeführt wurde.[1][2] Powers wurde im selben Jahr für seine Arbeit mit dem Ted Schmitt Award ausgezeichnet. Das Stück erhielt zudem drei Auszeichnungen bei den Los Angeles Drama Critics Circle Awards, vier Auszeichnungen bei den NAACP Theatre Awards und wurde mit dem Los Angeles Weekly Theater Award ausgezeichnet. Die vier Männer, von der die Geschichte handelt, trafen sich damals tatsächlich, die Inhalte ihrer Gespräche hingegen sind nicht verbrieft, wodurch One Night in Miami diese Nacht reimaginiert.[3]

Die Regisseurin erklärte: „Dieser Film ist ein Liebesbrief an die Erfahrungen des schwarzen Mannes in Amerika. […] Wie die jüngsten Morde an George Floyd und Breonna Taylor gezeigt haben, ist unser Kampf um Gleichberechtigung leider noch lange nicht vorbei. Wir brauchen einander mehr denn je, unsere Stimmen sind zu einer vereint, unmöglich zu ignorieren und laut genug, um endlich gehört zu werden.“[4]

Powers beschreibt One Night in Miami als eine Momentaufnahme eines entscheidenden Moments in der afroamerikanischen Geschichte mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gesellschaft im Allgemeinen. Die Geschichte sei zwar kompromisslos schwarz, aber auch universell. Er glaube nicht, dass man schwarz sein muss, um zu verstehen, was diese Männer durchgemacht haben, und hierfür auch kein Mann sein müsse. Er hofft, dass der Film jungen Menschen, die heute für die Gleichstellung kämpfen, einen Einblick in die Anfänge der Bewegung gewährt: "In gewisser Weise habe ich das für mein 19-jähriges Ich geschrieben", so Powers.[5]

Besetzung, Synchronisation und Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Cassius Clay Eli Goree Tobias Schmidt
Sam Cooke Leslie Odom Jr. Tobias Müller
Drew Brown Lawrence Gilliard Jr. Olaf Reichmann
Emily Carlton Emily Bridges Natascha Geisler
Ferdie Pacheco Chris Game Tobias Lelle
Jess Rand Hunter Burke Frank Schaff
Jim Brown Aldis Hodge Torben Liebrecht

Die Hauptrolle von Cassius Clay, der sich später Muhammad Ali nannte und als dreimaliger Boxweltmeister im Juni 2016 starb, wurde mit Eli Goree besetzt. Aldis Hodge spielt den mit ihm befreundeten Jim Brown, der von 1957 bis 1966 in der National Football League spielte, bevor er eine zweite Karriere als Schauspieler startete. Leslie Odom Jr. verkörpert den Sänger und Songschreiber Sam Cooke, der als einer der „Väter“ des Soul gilt und 1964 erschossen wurde. Kingsley Ben-Adir ist in der Rolle des Bürgerrechtlers Malcolm X zu sehen, der im Februar 1965 Opfer eines Attentats wurde. In weiteren Rollen sind Michael Imperioli als Angelo Dundee, Jerome A. Wilson als Elijah Muhammad und Lance Reddick in der Rolle von Brother Kareem zu sehen. Nicolette Robinson spielt Sams Ehefrau Barbara. Jeremy Pope hat in einem Rückblick einen Cameo-Auftritt als Soulsänger Jackie Wilson.[6]

Die Dreharbeiten wurden im Januar 2020 in New Orleans begonnen und fanden des Weiteren in der Hotelanlage „Hampton“ in Thibodaux in Louisiana statt.[7][8]

Filmmusik und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik komponierte Terence Blanchard, der mit einer jazzigen Klavierpartitur arbeitete. Schauspieler Odom Jr. schrieb gemeinsam mit Sam Ashworth das im Abspann zu hörende Lied Speak Now und singt dieses auch.[9][6] Das Soundtrack-Album wurde am 15. Januar 2021 veröffentlicht.[10][11] Speak Now wurde am 4. Januar 2021 vorab bei YouTube veröffentlicht.

Die Premiere des Films erfolgte am 7. September 2020 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig.[12] Im Rahmen der dortigen Filmfestspiele wurde Blanchard mit dem Campari Passion for Film Award ausgezeichnet. Am 11. September 2020 wurde One Night in Miami beim Toronto International Film Festival gezeigt.[13][14] Ende September, Anfang Oktober 2020 wurde er beim Zurich Film Festival vorgestellt[15], Mitte Oktober 2020 beim London Film Festival, beim AFI Fest und beim Mill Valley Film Festival, bei letzterem als Centerpiece.[16][17][18] Amazon Studios hat sich die weltweiten Distributionsrechte gesichert.[19] Am 8. Januar 2021 kam der Film in den USA landesweit in ausgewählte Kinos und wurde am 15. Januar 2021 in das Programm von Amazon Prime Video aufgenommen.[17]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang 98 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erreichte hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 8,2 der möglichen 10 Punkte.[20] Bereits bei den Venedig-Kritikern stieß der Film auf ein ausgesprochen positives Echo.[21] Im IndieWire Critics Poll 2020 landete One Night in Miami unter den Erstlingsfilmen auf dem 4. Platz.[22]

Leslie Odom Jr. spielt im Film Sam Cooke

So schreibt Owen Gleiberman von Variety, Regina King habe One Night in Miami in einen echten Film verwandelt und ihn mit visuellem Selbstvertrauen und lebendigem emotionalem Flair inszeniert, was ihm Authentizität verleihe. Dass sich diese vier Männer in einem Motelzimmer entspannen, Verstand und Ideen zusammenbringen und ihre zugrunde liegenden Rivalitäten herausarbeiten, fühle sich nie wie eine Erfindung an, und die vier Schauspieler Eli Goree, Kingsley Ben-Adir, Aldis Hodge und Leslie Odom Jr. seien sensationell in ihren jeweiligen Rollen: „Alle vier graben sich in die Psyche dieser Legenden ein, in ihre Manierismen, Widersprüche und Verwundbarkeiten.“ Über das am Ende gespielte Stück A Change Is Gonna Come von Sam Cooke sagt Gleiberman, dieses sei für unseren gegenwärtigen Moment genauso eindringlich relevant geblieben wie für die 1960er Jahre.[23]

Sofia Glasl vom Filmdienst erklärt, es gehe King nicht um historische Präzision, die Brisanz speise sich jedoch durchaus aus dem historischen Blick des Films, so dem Wissen, dass wenige Monate später der Civil Rights Act verabschiedet werden wird und sowohl Sam Cooke als auch Malcolm X ein Jahr später nicht mehr am Leben sein werden, wodurch der erst 1966 geprägte Begriff der Black Power hier schon in der Luft liege. One Night in Miami wende sich nie von den vier Männern als Individuen ab, und so gelinge es King gemeinsam mit ihren vier brillanten Darstellern, tief in die Psyche und die Gefühlswelt der Männer einzutauchen, so Glasl. Ben-Adir schaffe es in der Rolle des Malcolm X kraftvoll, die innere Zerrissenheit hinter dem überzeugten Ego des Anführers zu erkunden. und Odom Jr. schillerte in der Rolle des Sängers Sam Cooke.[24]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alliance of Women Film Journalists Awards 2020

Chicago Film Critics Association Awards 2020

Gotham Awards 2021

Hamptons Internationale Film Festival 2020

  • Auszeichnung mit dem Victor Rabinowitz & Joanne Grant Award for Social Justice[29]

San Francisco International Film Festival 2020

  • Auszeichnung mit dem Special Award in der Kategorie Ensemble Performance (Kingsley Ben-Adir, Eli Goree, Aldis Hodge und Leslie Odom Jr.)[30]

Sunset Circle Awards 2020

  • Nominierung als Bester Nebendarsteller (Leslie Odom Jr.)[31]

Toronto International Film Festival 2020

  • Grolsch People’s Choice Award first runner-up (Regina King)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kemp Powers: One Night in Miami. Oberon Modern Plays, Oberon Books, London, Oktober 2016, ISBN 978-178682058-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David C. Nichols: Review: Imagining the history that was made 'One Night in Miami...' In: Los Angeles Times, 11. Juni 2013.
  2. Brooke Robichaux: 'One Night in Miami' filming in LaPlace. In: lobservateur.com, 13. November 2019.
  3. https://www.filmdienst.de/film/details/615864/one-night-in-miami#kritik
  4. Reginas Kings Film über Cassius Clay in Venedig. In: nau.ch, 7. September 2020.
  5. https://urbanbridgez.com/2021/01/13/ub-film-spotlight-preview-one-night-in-miami-available-friday/
  6. a b David Rooney: 'One Night in Miami': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 7. September 2020.
  7. Etan Vlessing: Regina King Makes Feature Directorial Debut With 'One Night in Miami'. In: The Hollywood Reporter, 7. Januar 2020.
  8. https://www.projectcasting.com/casting-calls-acting-auditions/one-night-in-miami-casting/
  9. Terence Blanchard Scoring Regina King’s 'One Night in Miami'. In: filmmusicreporter.com, 23. August 2020.
  10. One Night in Miami... In: soundtrack.net. Abgerufen am 5. Januar 2021.
  11. 'One Night in Miami…' Soundtrack Album Details. In: filmmusicreporter.com, 7. Dezember 2020.
  12. Michael Rosser: Venice adds Regina King’s 'One Night In Miami', Pedro Almodóvar short 'The Human Voice'. In: screendaily.com, 3. August 2020.
  13. One Night in Miami. In: tiff.net. Abgerufen am 25. August 2020.
  14. Here are all the movies set for the Toronto Film Festival’s first hybrid virtual edition. In: Los Angeles Times, 30. Juli 2020.
  15. ZFF bestätigt zwölf weitere Gala-Premieren. In: zff.com, 4. September 2020.
  16. BFI London Film Festival 2020 calendar. In: bfi.org.uk. Abgerufen am 6. Oktober 2020. (PDF; 69 KB)
  17. a b Erik Anderson: AFI FEST adds ‘One Night in Miami…’ as additional Centerpiece drive-in screening. In: awardswatch.com, 9. Oktober 2020.
  18. Erik Anderson: 43rd Mill Valley Film Festival (MVFF) full lineup announced; tributes to Viola Davis, Judi Dench, Sophia Loren, Kate Winslet. In: awardswatch.com, 26. September 2020.
  19. Anthony D'Alessandro: Amazon Picks Up Regina King’s Feature Directorial Debut 'One Night In Miami' About Young Cassius Clay. In: deadline.com, 30. Juli 2020.
  20. One Night in Miami. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 12. Januar 2021.
  21. Our 2020 Venice Film Festival Movie Scorecard. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 10. September 2020.
  22. Eric Kohn und Christian Blauvelt: 2020 Critics Poll: The Best Films and Performances According to Over 200 Critics From Around the World. In: indiewire.com, 14. Dezember 2020.
  23. Owen Gleiberman: 'One Night in Miami' Review: A Quartet of African-American Legends Talk the Night Away in Regina King’s Captivating Directorial Debut. In: Variety, 7. September 2020.
  24. https://www.filmdienst.de/film/details/615864/one-night-in-miami#kritik
  25. Clayton Davis: Chloé Zhao and ‘Nomadland’ Lead Nominations From Alliance of Women Film Journalists (EXCLUSIVE) In: Variety am 30. Dezember 2020, abgerufen am 1. Januar 2021.
  26. Clayton Davis: 'Nomadland' Triumphs at Alliance of Women Film Journalists Awards. In: Variety, 4. Januar 2021.
  27. Chloé Zhao’s Nomadland leads Chicago Film Critics Association 2020 Award nominations In: chicagofilmcritics.org am 18. Dezember 2020, abgerufen am 28. Dezember 2020.
  28. https://www.indiewire.com/2021/01/gotham-awards-2020-live-stream-watch-online-1234608294/
  29. Bruce Haring: Hamptons Int’l Film Festival Honors 'This Is Not A Burial, It’s A Resurrection' At 28th Event. In: deadline.com, 11. Oktober 2020.
  30. Erik Anderson: SFFILM Awards Night to honor One Night in Miami‘s Kingsley Ben-Adir, Eli Goree, Leslie Odom Jr, Aldis Hodge and Glenn Close. In: awardswatch.com, 20. November 2020.
  31. Sasha Stone: Introducing the Sunset Circle Award Nominees for 2020 In: awardsdaily.com am 24. November 2020, abgerufen am 16. Dezember 2020.