Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale

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Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale
Logo der Partei für Soziale Gerechtigkeit (PSG)
Partei­vorsitzender Ulrich Rippert
Stell­vertretender Vorsitzender Christoph Vandreier
Gründung 1938 Vierte Internationale
1953 Entstehung des IKVI
1971 Bund Sozialistischer Arbeiter
1997 PSG
Haupt­sitz Berlin
Jugend­organisation IYSSE
Zeitung World Socialist Web Site
Aus­richtung Trotzkismus
Sitze im Bundestag keine
Staatliche Zuschüsse keine
Mitglieder­zahl 300
Website www.gleichheit.de

Die Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale (Kurzbezeichnung PSG) ist eine deutsche trotzkistische Kleinpartei, wobei sie sich in der Kontinuität zu Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Iljitsch Lenin, Leo Trotzki und Rosa Luxemburg u. a. sieht. Sie wurde 1997 als Nachfolgepartei des 1971 gegründeten Bundes Sozialistischer Arbeiter gegründet. Ihr „erklärtes Ziel es ist, die internationale Arbeiterschaft zu vereinigen und eine Umgestaltung der Gesellschaft nach den Grundsätzen sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit durchzusetzen. Sie versteht sich als Gegner von Kapitalismus, Militarismus und Nationalismus“.[1]

Inhaltliches Profil[Bearbeiten]

Die Partei ist die deutsche Sektion des Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI), als solche sieht sie sich als Teil der Weltpartei der sozialistischen Revolution die 1938 von Leo Trotzki gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Ihre Geschichte ist die des Internationales Komitee der Vierten Internationale die 1953 aus der Spaltung vom Pablismus hervor ging. Das IKVI beansprucht für sich die Vierte Internationale zu sein, da für sie alle anderen trotzkistischen Gruppierungen theoretisch mit den Ideen von Marx bis Trotzki gebrochen haben oder gar ihre organisatorische Selbstständigkeit aufgegeben haben. Die PSG wurde im Frühjahr 1997 als Nachfolgeorganisation des 1971 entstandenen Bund Sozialistischer Arbeiter (BSA) gegründet. Welcher wiederum aus einer seit 1965/66 bestehenden Fraktion um die Internationale Arbeiterkorrespondenz entstand.[2] Als Trotzkisten verstehen sie sich als marxistische Opposition zum Stalinismus. Auf Trotzki berufend verurteilen sie dessen Bemühen „eine national isolierte sozialistische Gesellschaft aufzubauen“ als „Versuch einer reaktionären Utopie nachzujagen“. Woraus für sie auch die umfangreichen Verbrechen und Tragödien der sowjetischen Innen- wie Außenpolitik resultieren. Umfassend aufgearbeitet und dargelegt haben sie ihre Sicht der Geschichte in ihren Historischen Grundlagen.[3]

Perspektive[Bearbeiten]

Die Partei orientiert sich am Marxismus im ursprünglichen Sinne. Ziel ist der Aufbau einer politischen Massenbewegung der Arbeiterklasse, die um die Macht kämpfen, eine Arbeiterregierung bilden, und die Gesellschaft auf einer demokratischen, egalitären und rationalen Basis reorganisieren wird. Damit grenzt sich die PSG ab von den politischen System im Realsozialismus (die PSG spricht ausschließlich von Stalinismus) in der Sowjetunion, DDR und Volksrepublik China, wo die Arbeiter machtlos waren und die herrschende Staats- bzw. Parteibürokratie den Marxismus pervertierte. Die PSG sieht die Ursache im Scheitern der Sowjetunion und der Ostblockstaaten in der Entmachtung der Arbeiter- und Soldatenräte und dem damit verbunden Aufbau einer bürokratischen Diktatur von Parteifunktionären sowie in dem Abrücken von der Idee der Weltrevolution, die sowohl Marx und Engels als auch Lenin und Trotzki verfolgt hatten, durch Josef Stalin, der stattdessen die Idee des Sozialismus in einem Land entwickelte.

Programm[Bearbeiten]

Die PSG hat auf ihrem Parteitag 2010 ihre politischen Grundsätze und ihre historischen Grundlagen verabschiedet, zusammen zeigen diese beiden Dokumente ihr theoretisches und programmatisches Fundament auf. Zusätzlich verabschiedete sie auf ihrem Parteitag 2012 mehrere Resolutionen zu aktuellen Themen. So zur „Krise der Europäischen Union“, zur „Wiederkehr des Klassenkampfes“, zur „Verteidigung von Günter Grass und der Rückkehr des deutschen Militarismus“ und zur „Verteidigung Leo Trotzki“, insbesondere zur Historiker Kontroverse um die Trotzki Biografie von Robert Service. Infolge der Ukraine-Krise und der weiteren Eskalation der Kämpfe im Nahen Osten verabschiedete die PSG eine Sonderresolution zur „Rückkehr des deutschen Imperialismus“ und bestätigte diese auf ihrem ordentlichen Parteitag 2014. Seit dem steht der „Der Kampf gegen Krieg“ im Mittelpunkt ihrer Arbeit.[4] Auch zur ihren Wahlteilnahmen veröffentlichten sie jeweils eine Wahlerklärungen und verbanden dabei ihre theoretische Analyse der aktuellen politischen Lage mit konkreten Forderungen zu einem Übergangsprogramm.

Im Zentrum der Wahlerklärungen der PSG steht eine Kritik der Gewerkschaften, der Sozialdemokratie, der Partei Die Linke und der marxistisch-leninistischen bzw. stalinistischen und maoistischen Organisationen bzw. Parteien wie der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands und der Deutschen Kommunistischen Partei.[5] Diese laut der PSG auf den Nationalstaat bezogenen Organisationen hätten mit der Globalisierung und der Krise des Kapitalismus jede Möglichkeit verloren, die Rechte und Interessen der Arbeiterklasse zu verteidigen. Weil sie die kapitalistische Ordnung selbst nicht in Frage stellten, gingen sie mit der zunehmenden Krise nach rechts.

Die PSG spricht sich in den Wahlerklärungen demgegenüber für eine internationale und unabhängige Bewegung der Arbeiter aus, die eine sozialistische Zielsetzung haben müsse. Die Interessen der Menschen sollen nach Meinung der PSG höher stehen als die Profitinteressen einer schmalen Elite. Bei der Erklärung zu den hessischen Landtagswahlen 2008 forderte die Partei beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen von monatlich 1.500 Euro und ein Höchsteinkommen von monatlich 20.000 Euro. Jeder weitere Euro solle zu 100 % versteuert werden.

Im Gegensatz zu anderen trotzkistischen Parteien lehnte sie beim Bundestagswahlkampf 2005 die Unterstützung des Wahlbündnisses von WASG und Linkspartei.PDS ab.[6] Die WASG bezeichnete sie dabei schon 2004 auf der World Socialist Web Site als „bürokratisches Manöver“, das dazu diene, Illusionen in die alten Bürokratien zu schüren und zu verhindern, dass sich Arbeiter einer wirklichen Alternative zuwendeten.[7]

Vom Berliner Verfassungsschutz wurde die PSG 2005 als linksextremistisch eingestuft.[6]

Der an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrende Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski wird von der Partei für Soziale Gleichheit stark kritisiert (siehe z. B. den „offenen Brief“ in Bezug auf die Einschätzung des Wirkens Trotzkis).[8] Zu der im Internet und an der Humboldt-Universität ausgetragenen Auseinandersetzung nahm das Forum Geisteswissenschaften der Humboldt-Universität Stellung.[9]

Struktur[Bearbeiten]

Der Sitz der Partei ist in Berlin. Die internationale Dachorganisation der PSG stellt das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) dar.[10] Die PSG arbeite eng mit ihren Schwesterparteien, den Socialist Equality Parties (SEP): Großbritannien, den USA, Sri Lanka, Kanada und Australien und mit Gruppen in Frankreich, Indien und Pakistan zusammen.

Die International Youth and Students for Social Equality sind ihre Jugend- und Studentenorganisation.

Publikationen[Bearbeiten]

Die PSG gibt die Zweimonatszeitschrift gleichheit zu aktuellen politischen und kulturellen Themen heraus, die außer auf Parteiveranstaltungen und im Abo-Versand auch in 44 Buchläden und Zeitungskiosken zum Verkauf ausliegt.[11] Die PSG stellt die deutsche Redaktion der World Socialist Web Site. Zusätzlich verfügt die Partei mit dem Mehring Verlag (früher: Arbeiterpresse) über den größten trotzkistischen Buchverlag im deutschsprachigen Raum und gibt neben Übersetzungen der Werke Trotzkis ins Deutsche, Schriften von David North und eigene Bücher heraus. Einen Schwerpunkt bildet die Literatur zur Geschichte der Arbeiterbewegung, im Besonderen die der Opposition gegen den Stalinismus.

Teilnahme an Wahlen[Bearbeiten]

Die PSG beteiligte sich an den Bundestagswahlen 1998, 2005, 2009 und 2013 (bei dieser erhielt sie 4564 Zweitstimmen und damit 0,0 %[12]) sowie an den Europawahlen 2004, 2009 und 2014 (9852 Stimmen → 0,0 %). Auf Landesebene trat die PSG bei den Landtagswahlen in Hessen 2003, 2008 und 2013 sowie den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus 2006 und 2011 (bei dieser, ihrem bis dato aufwendigsten Wahlkampf, erhielt sie 1690 Stimmen allein in Berlin) an.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bpb.de/politik/wahlen/wer-steht-zur-wahl/bundestag-2013/165531/psg
  2. http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2009/390/pdf/Historie_Trotzkismus.pdf Die Entwicklung trotzkistischer Organisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Frank Nitzsche. S. 69
  3. http://www.wsws.org/de/media/documents/legacy/de/hd11-j14.pdf HISTORISCHE GRUNDLAGEN DER PARTEI FÜR SOZIALE GLEICHHEIT
  4. http://www.gleichheit.de/resolutionen/ Resolutionen der PSG
  5. PSG: Wahlerklärung 2013
  6. a b Senatsverwaltung für Inneres: Verfassungsschutzbericht 2005 (PDF; 3,4 MB). Berlin, S. 104f.
  7. World Socialist Web Site: „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ – ein bürokratisches Manöver, 16. Juni 2004
  8. Offener Brief 2014
  9. Öffentliche Stellungnahme des Forums Geisteswissenschaften der HU Berlin
  10. World Socialist Web Site: Wer ist das IKVI?
  11. http://www.wsws.org/de/articles/2013/07/06/wahl-j06.html
  12. Endgültiges Ergebnis der Bundestagswahl 2013, wahlrecht.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Historische Grundlagen der Partei für Soziale Gleichheit, Mehring Verlag, 2010, ISBN 978-3-88634-108-5[1]
  • Grundsatzerklärung der Partei für Soziale Gleichheit[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. http://www.wsws.org/de/media/documents/legacy/de/hd11-j14.pdf
  2. http://www.gleichheit.de/resolutionen/grundsatzerklaerung/