Jörg Baberowski

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Jörg Baberowski auf der Leipziger Buchmesse 2012

Jörg Baberowski (* 24. März 1961 in Radolfzell am Bodensee) ist ein deutscher Historiker. Er ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Nach dem Abitur am Campe-Gymnasium Holzminden studierte Baberowski von 1982 bis 1988 in Göttingen Geschichte und Philosophie, unter anderem bei dem Osteuropa-Historiker Manfred Hildermeier. Russisch brachte sich Baberowski im Selbststudium bei. Thema seiner Magisterarbeit war „Politische Justiz im ausgehenden Zarenreich“.

Ab 1989 war Baberowski wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Osteuropäische Geschichte der Goethe-Universität in Frankfurt. Dort wurde er im Winter 1993 mit einer von Dietrich Beyrau und Manfred Hildermeier betreuten Arbeit über Autokratie und Justiz im Zarenreich promoviert. Zum Wintersemester 1993 wechselte er an das Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen, wo er sich im Juli 2000 mit der Arbeit Auf der Suche nach Eindeutigkeit (Buchtitel: Der Feind ist überall. Stalinismus im Kaukasus) habilitierte. Darüber hinaus absolvierte er diverse Forschungsaufenthalte und betrieb Archivstudien, unter anderem in Aserbaidschan, Finnland und Russland.

Im April 2001 übernahm Jörg Baberowski vertretungsweise einen Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Leipzig. Seit Oktober 2002 ist er Lehrstuhlinhaber für Geschichte Osteuropas am Institut für Geschichtswissenschaften (IfG) der Humboldt-Universität zu Berlin, dessen Leitung er von 2004 bis Februar 2006 als Geschäftsführender Direktor innehatte.

Für seine 2012 erschienene Studie Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt über die Bedeutung Stalins im stalinistischen Terrorsystem erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie „Sachbuch/Essayistik“.[1] Der Historiker versteht seine Stalin-Studie ausdrücklich als eine Gegenschrift zu seinem Werk Der rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus. In der Schrift von 2003 hat er in Anlehnung an Zygmunt Bauman die Bedeutung der Homogenitäts-Ideologie in den Mittelpunkt gestellt. In der Stalin-Biografie von 2012 unterstreicht er hingegen die Bedeutung von physischer Gewalt für die stalinistische Herrschaftspraxis.[2] Das Buch wurde vielfach besprochen und kontrovers diskutiert, z. B. von den Autoren einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift Osteuropa.[3]

Baberowski hat sich in mehreren Beiträgen zur Flüchtlingskrise in Europa 2015 geäußert. Dabei kritisierte er die Politik Angela Merkels und eine einseitige Fokussierung auf die Willkommenskultur der deutschen Zivilgesellschaft. Er forderte eine restriktivere Asylpolitik.[4]

Schriften[Bearbeiten]

Audio (1/2 Jahr online)[Bearbeiten]

  • Zwischentöne. Gespräch im Deutschlandfunk vom 6. Januar 2013.
  • Radiofeuilleton – Im Gespräch. Gespräch im Deutschlandradio Kultur vom 15. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Humboldt-Universität Pressemitteilung, Jörg Baberowski erhält Preis der Leipziger Buchmesse.
  2. Peter Voß fragt Jörg Baberowski: Verstehen wir Russland?, Sendung auf 3sat vom 28. April 2014. Siehe insbesondere das Gespräch ab Minute 24:05 bis Minute 29:50.
  3. Osteuropa, 62. Jahrgang, Heft 4, April 2012. Inhaltsverzeichnis hier (PDF; 41 kB). Insgesamt enthält dieses Heft acht Rezensionen seiner Stalin-Biografie, von denen sieben sich grundsätzlich kritisch äußern.
  4. Jörg Baberowski: Ungesteuerte Einwanderung: Europa ist gar keine Wertegemeinschaft. In: FAZ.Net, 14. September 2015 (online). Simon Strauss: Jörg Baberowski über Gewalt „Natürlich kann auch ein Analphabet einen Asylgrund haben“ In: FAZ.Net, 20. September 2015 (online). Jörg Baberowski: Der externe Standpunkt. Deutschland verwandelt sich in eine Tugend-Republik. In: Neue Zürcher Zeitung vom 27. September 2015.
  5. Rezension etwa Harald Welzer, Alltag des Vernichters, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 11. März 2012, Seite 59. Welzer nennt das Buch ein "Schlüsselwerk über die Rolle, die Gewalt als soziale Praxis im 20. Jahrhundert gespielt hat"