Qaraghandy (Gebiet)

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Gebiet Qaraghandy
Қарағанды облысы
Карагандинская область
Wappen
Wappen
Staat: KasachstanKasachstan Kasachstan
Verwaltungssitz: Qaraghandy
Äkim (Gouverneur): Jerlan Qoschanow
 
Größte Städte: Qaraghandy
Temirtau
Schesqasghan
 
Fläche: 427.982 km²
Einwohner: 1.385.037 (2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 3 Einwohner je km²
 
Postleitzahl: 100000
Telefonvorwahl: +7 (721)
Kfz-Kennzeichen: 09, M, K
ISO 3166-2: KZ-KAR
Webpräsenz:
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Das Gebiet Qaraghandy (kasachisch Қарағанды облысы/Qaraghandy oblysy, russisch Карагандинская область/Karagandinskaja Oblast) ist die größte administrative Verwaltungseinheit Kasachstans und liegt im Zentrum des Landes. Die Hauptstadt des Gebiets ist die Stadt Qaraghandy (russisch Karaganda).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet Qaraghandy deckt sich geografisch im Wesentlichen mit der Kasachischen Schwelle (Saryarka). Nur im Süden erstreckt sich das Plateau der Hungersteppe (Betpak-Dala) und im Süd-Westen die Wüste Mujunkum. Während die nördlichen Rayone (kasach. Ауданы/Audany) des Gebiets in der Steppenzone liegen, nimmt die Halbwüste den größten Teil in der Mitte ein, Süden und Südwesten gehören schon zum Wüstenreich. Das Gebiet Qaraghandy grenzt im Norden an die Gebiete Qostanai, Aqmola und Pawlodar; im Osten an das Gebiet Ostkasachstan; im Süden an die Gebiete Almaty, Schambyl, Südkasachstan und Qysylorda und im Westen an das Gebiet Aqtöbe.

Zu den höchsten Bergmassiven des Gebiets gehören Karkaraly, Kysyltas und Ulutau. Der höchste Berg ist Aksorantau im Karkaraly-Massiv der Kasachischen Schwelle mit knapp 1566 m. Die längsten Flüsse sind Sarysu (800 km) und Nura (978 km), dazu kommen Scherubai-Nura, Kara-Kengir, Kulskutpes und Tokrau. Im Allgemeinen ist dieses Gebiet aber ziemlich karg und trocken. Bei fast allen Flüssen handelt es sich um die abflusslosen Steppenflüsse, die im Hochsommer häufig austrocknen, ähnlich den australischen Creeks. Nur der Fluss Nura führt ganzjährig Wasser. Auf dem Territorium des Gebietes von Qaraghandy gibt es zwei große Seen, den Balchaschsee und den Tengizsee. Der Balchasch zählt mit durchschnittlich 18.000 km² Fläche zu den größten Seen der Welt. 1973 wurde der Irtysch-Qaraghandy-Kanal in Betrieb genommen, den jährlich eine Wassermenge von 600 Millionen Kubikmetern passiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der frühgeschichtlichen Zeit existierten auf dem Territorium des Gebiets zahlreiche Khanate der Nomaden, es gilt als die Urdomäne der Kasachen. Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit wurde das Gebiet Descht-i-Kiptschak – Kiptschakensteppe genannt.

Im 19. Jahrhundert kam dieses Territorium an das Russische Reich, das hier einige Festungen wie Karkaralinsk und Ulutawskij gründete. Am Ende des Jahrhunderts wurde unweit des Flusses Nura Steinkohle von bester Qualität gefunden und seitdem ist das Becken von Qaraghandy zum weltweit bedeutenden Steinkohlevorkommen aufgestiegen.

Das Gebiet Qaraghandy wurde am 10. März 1932 geschaffen, dessen Zentrum war aber zunächst Petropawlowsk. Im Jahre 1936 wurde die Hauptstadt nach Qaraghandy verlegt. In dieser Zeit bestanden auf dem Territorium des Gebiets zahlreiche Lager des Gulag mit dem Verwaltungszentrum in Dolinka, in denen Millionen von Menschen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten, darunter einige prominente Dissidenten wie Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew.

Nach dem Krieg gewann das Gebiet weiter an Bedeutung. 1973 wurde der südlich des Beckens von Qaraghandy gelegene Teil des Gebietes dem neugebildeten Gebiet Schesqasghan angeschlossen. 1992 wurde ein Rayon des Gebietes Aqmola an Qaraghandy gegeben. 1997 kam das Gebiet Schesqasghan wieder an Qaraghandy.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnische Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volksgruppe VZ 1989[2] VZ 1999[3] VZ 2009[4]
Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  %
Kasachen 449.837 25,77 % 529.478 37,55 % 622.265 46,40 %
Russen 817.900 46,86 % 614.416 43,57 % 529.961 39,51 %
Ukrainer 128.547 7,36 % 78.755 5,58 % 49.969 3,73 %
Deutsche 159.208 9,12 % 57.229 4,06 % 32.787 2,44 %
Tataren 52.769 3,02 % 39.313 2,79 % 32.730 2,44 %
Weißrussen 35.731 2,05 % 21.579 1,53 % 13.370 1,00 %
Koreaner 14.672 0,84 % 14.097 1,00 % 13.354 1,00 %
Tschetschenen 5997 0,34 % 4660 0,33 % 5099 0,38 %
Aserbaidschaner 4787 0,27 % 3667 0,26 % 4122 0,31 %
Polen 7239 0,41 % 5572 0,40 % 3982 0,30 %
Andere 68.761 3,94 % 41.452 2,94 % 38.667 2,88 %
Gesamt 1.745.448 100 % 1.410.218 100 % 1.341.207 100 %

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung des Gebietes Qaraghandy betrug zum 1. Januar 2016 rund 1,39 Millionen Einwohner, wodurch es in Kasachstan an vierter Stelle, gemessen an der Einwohnerzahl, lag. Den höchsten Bevölkerungsstand erreichte das Gebiet bei der sowjetischen Volkszählung 1989, bei der für die Oblast Karaganda in ihren heutigen Grenzen eine Bevölkerung von knapp 1,85 Millionen Einwohnern gemessen wurde. Nachdem Kasachstan seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärte, verzeichnete das Gebiet Qaraghandy einen Bevölkerungseinbruch. So nahm die Zahl der Einwohner innerhalb von zehn Jahren um mehr als 400.000 Menschen ab, was einem Rückgang von fast 25 Prozent entspricht. Einen Rückgang der Bevölkerung hatte in den 1990er Jahren ganz Kasachstan zu verzeichnen, vor allem aber in den nördlichen Gebieten des Landes war der Bevölkerungsverlust größer als in anderen Landesteilen.

Jahr Einwohner
1970 1.552.056
1979 1.715.502
1989 1 848.157
1999 1.410.218
2003 1.333.656
2004 1.330.927
2005 1.331.702
2006 1.334.438
2007 1.339.368
Jahr Einwohner
2008 1.342.081
2009 1.341.207
2010 1.346.810
2011 1.352.178
2012 1.357.878
2013 1.362.743
2014 1.369.667
2015 1.378.298
2016 1.385.037

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet ist in 9 Kreise (kasach. Ауданы/Audany) und 7 kreisfreie (munizipale, sich selbstverwaltende) Städte gegliedert. Der Munizipalität der Stadt Schesqasghan untersteht auch die Stadt Sätbajew. Insgesamt gibt es im Gebiet Qaraghandy elf Städte und 38 Siedlungen mit 1.000 bis 10.000 Einwohnern (manchmal auch etwas mehr). Die größten sind: Agadyr, Aqtau, Aqtas, Atassu, Schachan und Schairem. Die ländliche Region ist auf der untersten Ebene in 168 Aul-Kreise unterteilt.

Qaraghandy (Gebiet) (Qaraghandy)
Abai
Abai
Balqasch
Balqasch
Priosersk
Priosersk
Qaraghandy
Qaraghandy
Qaraschal
Qaraschal
Qarqaraly
Qarqaraly
Saran
Saran
Sätbajew
Sätbajew
Schachtinsk
Schachtinsk
Schesqasghan
Schesqasghan
Temirtau
Temirtau
Audany Fläche [km²] Einwohner Verwaltungssitz
Abai 65.000 55.157 Abai
Aqtoghai 52.000 17.836 Aqtoghai
Buqar-Schyrau 14.576 62.259 Botaqara
Nura 46.326 24.032 Kijewka
Ossakarow 12.694 32.444 Ossakarowka
Qarqaraly 53.600 37.799 Qarqaraly
Schangaarqa 67.000 33.479 Atassu
Schet 65.694 43.751 Aqsu-Ajuly
Ulytau 121.694 13.556 Ulytau
Einwohner Stand 2016; Quelle (rus.)
Kreisfreie Stadt Fläche [km²] Einwohner
Balqasch 230 78.693
Priosersk 13.252
Qaraghandy 498 498.055
Qaraschal 12.662 18.913
Saran 174 52.105
Sätbajew 69.887
Schachtinsk 200 57.447
Schesqasghan 86 90.688
Temirtau 302 185.536
Einwohner Stand 2016; Quelle (rus.)

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Agglomeration um die Stadt Qaraghandy war früher eines der bedeutendsten Industriegebiete der Sowjetunion. Noch ist Qaraghandy der zweitwichtigste Industriestandpunkt in Kasachstan nach Almaty. Vor allem die riesigen Kohlevorkommen von Karabass haben ihm diesen Status gesichert. In Schesqasghan und Balqasch gibt es große Werke zur Verhüttung von Buntmetallen, hauptsächlich von Kupfer, und in der Gegend um Temirtau und Qaraschal wird Eisen abgebaut. In diesen Städten existieren auch Werke zur Weiterverarbeitung der Metalle, so die 2004 errichtete Goldschmiede mit Schmuckfabrik in Balqasch oder das Kupferdrahtwerk in Schesqasghan. Die anderen Industriezweige sind Maschinenbau in Qaraghandy, chemische Industrie in Temirtau sowie Nahrungsmittelindustrie in fast allen größeren Städten.

In den weiten Steppen- und Halbwüstengebieten ist Viehzucht, besonders Schafzucht stark entwickelt. Im Norden werden auch Rinder und Schweine gehalten und Weizen angebaut. Um die Städte herum betreibt man überall Gemüseanbau; vor allem von Kartoffeln. Es kommen vereinzelt kleine Sonnenblumenplantagen und Obstgärten vor.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Gouverneure (kasachisch Әкім, Äkim) des Gebietes Qaraghandy seit 1992:

Nr. Name Amtszeit (Beginn) Amtszeit (Ende)
1 Pjotr Nefjodow 1992 1997
2 Mäschit Jessenbajew Juli 1997 Oktober 1999
3 Kamaltun Muchamedschanow Oktober 1999 19. Januar 2006
4 Nurlan Nyghmatulin 19. Januar 2006 19. November 2009
5 Serik Achmetow 19. November 2009 Januar 2012
6 Äbilghasy Qusaiynow 20. Januar 2012 28. Januar 2013
7 Bauyrschan Äbdischew 29. Januar 2013 20. Juni 2014
8 Nurmuchambet Äbdibekow 20. Juni 2014 14. März 2017
9 Jerlan Qoschanow 14. März 2017 amtierend

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gebiet Qaraghandy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. stat.gov.kz:Численность населения Республики Казахстан по полу в разрезе областей, городов, районов, районных центров и поселков на 1 января 2016 года (russisch).
  2. pop-stat.mashke.org: Ethnic composition: 1989 census (data for regions), abgerufen am 24. Juni 2017 (russisch).
  3. pop-stat.mashke.org: Ethnic composition: 1999 census (data for regions), abgerufen am 24. Juni 2017 (russisch).
  4. pop-stat.mashke.org: Ethnic composition: 2009 census, abgerufen am 24. Juni 2017 (russisch).

Koordinaten: 48° N, 71° O