Schevenhütte

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Koordinaten: 50° 46′ 10″ N, 6° 19′ 31″ O

Schevenhütte
Höhe: 189 m ü. NHN
Einwohner: 788 (2006)
Postleitzahl: 52224
Vorwahl: 02409
Katholische Kirche St. Josef

Katholische Kirche St. Josef

Schevenhütte ist seit 1972 östlichster Ortsteil von Stolberg (Rhld.) in der Städteregion Aachen und gehörte vorher zur Gemeinde Gressenich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Wehebachtalsperre

Schevenhütte liegt im Übergangsgebiet von Vennvorland bzw. Eifelvorland und Rureifel. Es erstreckt sich in nordsüdlicher Ausrichtung im Tal des Wehebachs, der den Ort nach ihrem Austritt aus der nahegelegenen Wehebachtalsperre von Süden nach Norden durchfließt. Mit Ausnahme des Ortsausgangs im Westen in Richtung Gressenich ist der Ort ganz von Wald umgeben. Ein weiterer Nachbarort ist Hamich im Norden. Im Süden hat die Wehebachtalsperre die früher wirtschaftlich wichtige Verbindung in die Eifel gekappt (nächster Ort war Großhau in der Gemeinde Hürtgenwald). Im Osten erstreckt sich der Hürtgenwald. Der nächste Ort an der L 12 ist Gürzenich. Im Süden liegt der kleine Ortsteil Joaswerk, weiter südlich mitten im Wald die Häusergruppe Bend.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schevenhüttes Geschichte ist durch die Eisenverarbeitung in Eifel und Voreifel geprägt. Ihre Anfänge in Schevenhütte reichen weit zurück: Neben Ausgrabungen zweier Schutzanlagen aus der Eisenzeit und der karolingischen Zeit (8./10. Jahrhundert) wurden kurz vor Fertigstellung der Wehebachtalsperre mindestens sieben Schmelzöfen aus römischer Zeit im Tal der Wehe identifiziert. Römische Keramikreste sind kein Zeugnis für eine Besiedlung des Ortes, sondern können auch von Durchreisenden stammen. Einen Hinweis auf frühe Eisenherstellung bietet der benachbarte Rennweg (von Rennofen).

Mit der Eisenverarbeitung hängt auch die Ersterwähnung des Ortes zusammen. Schevenhütte wird zum ersten Mal urkundlich als Name einer Eisenhütte in einem Schreiben vom 28. Oktober 1525 erwähnt, das zusammen mit den ersten Wehrmeisterei-Rechnungen erhalten ist und in dem der Jülicher Herzog Johann III von Kleve-Jülich-Berg (1490–1539) seinen Amtmann in Düren, den Wehrmeister, auffordert, den Reitmeister Kerstgen Joaes („wonhafftich uff scheyver Hutte“) bei dem Gießen von Geschützkugeln durch die Bereitstellung u. a. von Holzkohle zu unterstützen. 1571 und 1596 sind als Erbauungsjahre von Häusern des Ortes bekannt. Auf der Seutterus-Karte heißt der Ort „Scheven“, im 17. Jh. abwechselnd „Hütten“ und „Scheivenhütte“, das in der Mitte des 18. Jh.s von der heutigen Form „Schevenhütte“ abgelöst wird.

Als der Auftrag des Herzogs erteilt wurde, betrieben die Eifeler Reitmeister schon fast zwei Jahrhunderte Eisengewinnung mittels Hochöfen und Reitwerken, denn in Schevenhütte waren die Voraussetzungen für Eisenerzeugung mittels Reitwerken gut. Doch der Raubbau an den Wäldern mit der daraus resultierender Verknappung des Energieträgers Holzkohle und erhöhte Transportkosten, die Übernahme des Rheinlandes durch Preußen 1815 mit dem dadurch bedingten Verlust von Absatzmärkten und nicht zuletzt der Einsatz von Koks statt Holzkohle als Reduktionsmittel führten im 19. Jh. auch in Schevenhütte zum Niedergang der Reitwerke. Von der Eisenverarbeitung künden heute noch Straßennamen wie „Im Hammer“, „Joaswerk“ oder „Hüttensiefen“.

Bis 1794 gehörte Schevenhütte zum Jülicher Amt Wehrmeisterei, danach mit Elle, Rott und Gracht zur Mairie Heistern im Kanton Eschweiler im Département de la Roer.

Während der Kämpfe um Schevenhütte getöteter US-Soldat

1815 kam Schevenhütte mit den Rheinlanden zu Preußen und wurde der Gemeinde Gressenich zugeschlagen, bei der es blieb, bis es zusammen mit diesem 1972 nach Stolberg eingemeindet wurde. Nur 1845 bis 1850 bildete Schevenhütte mit Vicht eine Spezialgemeinde. Von 1816 bis 2009 gehörte der Ort zum Kreis Aachen, seitdem zur Städteregion Aachen; mit dem Regierungsbezirk Aachen gelangte er 1972 zum Regierungsbezirk Köln.

1882 hat Schevenhütte 380 Einwohner.

Am 12. September 1944 eröffnete der schnelle Vorstoß der US-Amerikaner bis Schevenhütte den sogenannten „Stolberg-Korridor“.

1991 hat Schevenhütte 795 Einwohner, 2006: 788.

Erste Postleitzahl war 5181 Schevenhütte (über Eschweiler), nach der Eingemeindung 5190, seit 1993 52224 Stolberg(-Schevenhütte); eine Karte hierzu siehe hier.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sägewerke und Schiefergewinnung konnten in der Mitte des 19. Jh.s den Niedergang der Eisenindustrie auffangen. Schon früh machten ein Freibad (mittlerweile stillgelegt), eine Minigolfanlage (stillgelegt), Tischtennisplatten, Rundwanderwege, ein Kahnweiher (aus einem Mühlenteich entstanden) und ein Reitzentrum Schevenhütte zum Ausflugs- oder gar Ferienort. Noch heute lebt der Ort vorwiegend von Gastronomie und Fremdenverkehr.

Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schevenhütte befindet sich eine städtische Tageseinrichtung für Kinder und das Seniorenheim Senibus Curandis.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1664 bis 1666 ließ der Wehrmeister Theodor Leers eine Kapelle errichten, die der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht wurde. 1699 löst sich Schevenhütte von seiner Mutterpfarre in Lendersdorf. Erster Pfarrer wird Johann Peter Schmitz. 1888/1889 wird aus Schevenhütter Tonschiefer die heutige dreischiffige, neugotische Pfarrkirche St. Josef errichtet. Sehenswert ist auch die aus dem Vorgängerbau übernommene Orgel von 1853 aus der Werkstatt der Geschwister Kalscheuer aus Nörvenich.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schevenhütte liegt an der Landesstraße 12, die von Kornelimünster über Gressenich nach Niederzier führt. Die Bundesautobahn 44 ist über Aachen-Brand und Alsdorf-Hoengen erreichbar. Die Bundesautobahn 4 ist über Eschweiler-Ost bzw. Weisweiler erreichbar.

Schevenhütte wird von den AVV-Buslinien 1 (Lintert – Aachen Bushof – Schevenhütte), 42 (Schevenhütte – Stolberg; nur einmal täglich) und 261 (Langerwehe – Schevenhütte) bedient.

Die nächstgelegenen beiden Bahnhöfe sind Langerwehe und Eschweiler-Nothberg.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schevenhütter Carnevalsgesellschaft von 1882 e. V. (Ältester Karnevalsverein in Stolberg)
  • Miniaturgolfclub Stolberg-Schevenhütte
  • Angelsportverein Wehebachtal Schevenhütte
  • Ballspiel-Club Schevenhütte
  • Freiwillige Feuerwehr Stolberg Löschgruppe Schevenhütte (Teil d. 5. Zuges)
  • „Stief drop“ - Kegelclub der Herren
  • Heimat- und Verkehrsverein e. V.
  • Boule-Freunde Schevenhütte
  • BIS (Bürgerinitiative Schevenhütte)
  • DPSG Pfadfinder - Stamm Wehebachthaler e. V.
  • Maigesellschaft Schevenhütte

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schevenhüttes Attraktion ist die Wehebachtalsperre südlich des Ortes. Bei ihr liegt eine eisenzeitliche Fliehburg. In Schevenhütte sind etliche alte Häuser aus dem örtlichen Schiefer erhalten. Wehebachabwärts liegt kurz vor der Stadtgrenze die alte Bleimühle.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • René Sauer und Agi Sauer: Crasciniaci • Genealogie Gemeinde Gressenich – Ortsfamilienbuch der Stolberger Stadtteile Gressenich, Mausbach, Schevenhütte, Werth und Vicht. Selbstverlag Reiner L. Sauer, Eschweiler 2011, ISBN 978-3-00-033938-7.
  • René Sauer, Agi Sauer und Willi Hamacher: Schevenhütter – Eine genealogische Zusammenstellung. Selbstverlag Reiner L. Sauer, Singapur 1996.
  • Dieter Mätschke: Stolberger Wanderungen. (=Im Naturpark Nordeifel. Bd. 2). Meyer & Meyer Verlag, Aachen 1991, ISBN 3-89124-105-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]