Lendersdorf

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Koordinaten: 50° 46′ 5″ N, 6° 28′ 43″ O

Lendersdorf
Stadt Düren
Wappen von Lendersdorf
Höhe: 141 m
Fläche: 4,27 km²
Einwohner: 3663 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 858 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52355
Vorwahl: 02421
Karte

Lage von Lendersdorf in Düren

Die Pfarrkirche

Lendersdorf ist ein Stadtteil der Stadt Düren im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.

Lendersdorf gehört zum Bezirk Lendersdorf-Berzbuir-Kufferath der Stadt Düren.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lendersdorf liegt im südlichen Stadtgebiet im Rurtal und grenzt an die Stadtteile Niederau, Krauthausen, Rölsdorf und Berzbuir. Mitten durch Lendersdorf fließen die Rur und der Lendersdorfer Mühlenteich.

Feuerwehrhaus Lendersdorf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird Lendersdorf im Jahre 1005, als der spätere Kaiser Heinrich II. dem Aachener Adalbertstift Güter in Lendersdorf vermachte. 1246 verpfändete Kaiser Friedrich II. die reichsunmittelbare Stadt Düren mit Lendersdorf an die Jülicher Herzöge. Lendersdorf war Sitz eines der vier Gerichte um Düren.

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts wurde in Lendersdorf eine Eisenhütte gegründet.[2] In der Zeit der Industrialisierung war Lendersdorf Ausgangspunkt für eine der bedeutendsten Stahlhütten Europas. In ihr wurden fast alle Schienen für das deutsche Eisenbahnnetz gegossen. Um 1820 erwarben die Brüder Eberhard Hoesch (1790–1852) und Wilhelm Hoesch (1791–1831) die Hütte und fassten diese mit ihren bisherigen Werken in Zweifall, Schevenhütte und Schneidhausen zu Gebr. Eberhard & Wilhelm Hoesch, später Eberhard Hoesch & Söhne zusammen. Im Jahre 1871 verlagerte Leopold Hoesch (1820–1899), Sohn von Wilhelm Hoesch, seine Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen von Lendersdorf nach Dortmund und gründete dort den Hoesch-Konzern. Die Hütte in Lendersdorf wurde zunächst noch von Eberhards Sohn, Gustav Hoesch, weitergeführt und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschlossen. Verschiedene Hammerwerke, z. B. der Eberhardshammer, die am Lendersdorfer Teich, einem künstlich angelegten Wasserlauf, lagen, verarbeiteten das Metall aus der Hütte weiter.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neugliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 wurden die Gemeinden Berzbuir-Kufferath und Lendersdorf-Krauthausen zur neuen Gemeinde Lendersdorf zusammengeschlossen.[3] Die Gemeinde Lendersdorf gehörte bis zum 31. Dezember 1971 zum Amt Birgel, welches seinen Sitz aber in Rölsdorf hatte (heute Bürgerhaus in der Monschauer Straße). Seit dem 1. Januar 1972 gehört die vormalige Gemeinde Lendersdorf zur Stadt Düren.[4]

Thuirs Mühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ehemaligen Getreidemühle im Süden des Ortes (Schneidhausener Weg 15) wurden ab Frühjahr 1941 etwa 50 Juden aus den städtischen Randbezirken und dem südlichen und östlichen Kreisgebiet, z. B. Gey, Maubach, Gürzenich, Kreuzau und Drove zusammengefasst. Die Männer mussten Pflasterarbeiten in der Lendersdorfer Hütte ausführen. 1942 wurden die Juden zum Bahnhof Düren geführt und von dort mit der Eisenbahn in die Konzentrationslager deportiert.

Deutlich zu sehen ist auf dieser Zeichnung von Renier Roidkin die Ausdehnung der Kirche in Lendersdorf vor den Ausbauten des 19. Jahrhunderts, der Turm sitzt noch über dem letzten Joch.

Feuerwehrhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lendersdorfer Feuerwehrhaus wurde 1942 errichtet, in den 1950er-Jahren wurde der Turm erhöht. Später wurde eine moderne Garage angefügt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: St. Michael

Die Pfarrkirche St. Michael wird urkundlich zuerst im Jahre 1222 erwähnt. Ab 1348 gehörte die Pfarrei Lendersdorf zum Nideggener Stift. Zu dieser Pfarrei gehörten auch Kufferath und Berzbuir. Seit 1720 zieht von Lendersdorf aus jährlich die „Grand procession d'Allemagne“, eine mehrtägige Fußwallfahrt nach Saint-Hubert in den Ardennen. Neben dem Hl. Michael ist der Hl. Hubert der zweite Pfarrpatron.

Antoniuskapelle Lendersdorf
St-Joseph-Kapelle in Lendersdorf

Es handelt sich um eine dreischiffige Hallenkirche, erbaut um 1500 aus Bruchsteinen mit dreiseitig schießendem Chor und zwei ursprünglichen Jochen. Die Seitenschiffe des alten Langhauses haben Giebel und Satteldächer, die Chorwand schmücken schlanke Strebepfeiler. An einem Giebel der Südseite und oben am Ende des Chorschlusses sind zwei Köpfe eines spätromanischen Taufbeckens aus Blaustein eingelassen. Im Innern hat das Hochschiff Kreuzgewölbe mit Schienenrippen. Von den Seitenschiffen ist das südliche etwas breiter als das nördliche, das mit einem Netzgewölbe überdeckt ist. Im südlichen Seitenschiff befinden sich drei verschiedene in Stein gehauene Wappen. Ein roter Wappenschild mit einem von links aufragenden, abgewinkelten Arm, dessen Hand zwischen Daumen und Zeigefinger einen Ring hält. Ein gelber Wappenschild mit zwei roten, gekreuzten Schlüsseln, deren Bart oben nach außen zeigt. Und das Wappen[5] der Familie Thummermuth (Dommermoet):[6] Weißer Schild mit einem schwarzen, waagerechten Balken in der Mitte, oben zwei und unten ein schwarzes Antoniuskreuz (T).[7] Als Stützen der Seitenwände dienen Rundpfeiler mit einfach profilierten Kämpfern. Der Chor ist eingewölbt wie das Langhaus und besitzt kräftige Runddienste mit Kelchkapitellen. Als 1843 ein Teil des Turmes einstürzte, wurde der Bau nach Westen hin um zwei Joche und den neuen Turm in Ziegelsteinbauweise erweitert. Dem Turm wurden 1889 auf der Nordseite eine Taufkapelle und auf der Westseite eine weitere Kapelle angegliedert.[8][9]

St.-Antonius-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der St.-Antonius-Kapelle handelt es sich um einen barocken, achteckigen Bau von 1650, der 1904 renoviert wurde. Eine erneute Renovierung erfolgte in den Jahren 1999–2009. Ursprünglich war sie nicht blau gestrichen, diese Farbgebung erfolgte erst bei der ersten Renovierung.

St.-Joseph-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle wurde 1882 von Maria Josepha Brandenburg geb. Stollenwerk (1826–1884) gestiftet. Eine Renovierung erfolgte 2006. Das Innere ist weitestgehend original erhalten. Zur Ausstattung gehören ein neugotischer Schnitzaltar und eine neugotische Holzbank. Eine Besonderheit ist die ebenfalls original erhaltene, bemalte Holzdecke.

Baudenkmäler in Lendersdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Bedburhof

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schule, Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lendersdorf gibt es die katholische Grundschule St. Michael und drei Kindergärten.

Krankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: St. Augustinus-Krankenhaus

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Lendersdorf

Am 6. Oktober 1908 wurde die Straßenbahnstrecke Düren – Rölsdorf – Lendersdorf der Dürener Kreisbahn (DKB) eröffnet, welche in Lendersdorf die Haltestellen Hammerstraße und Lendersdorf Ort bedient hat. Am 20. Juli 1912 wurde die Ringbahn der DKB für den Güterverkehr eröffnet, welche die links der Rur liegende Strecke von Rölsdorf nach Lendersdorf mitbenutzte. In Lendersdorf gab es neben den Straßenbahnhaltestellen einen Güterbahnhof. Der Straßenbahnverkehr wurde ab 1954 von Bussen übernommen, der Güterverkehr endete 1970.

Rechts der Rur entlang führt die Bahnstrecke Düren–Heimbach. Im Ort befinden sich der Bahnhof Lendersdorf und der Haltepunkt Renkerstraße/Krankenhaus. Mehrere Buslinien der Dürener Kreisbahn durchfahren den Ort auf dem Weg in die Eifel.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerwehrmuseum Lendersdorf
  • Das Dürener Karnevalsmuseum im befindet sich in einem Nebengebäude des St.-Augustinus-Krankenhauses. Bis zum Jahre 2006 war das Museum in der Rentei am Rathaus Niederzier. Der Platz in Niederzier war zu klein.
  • Das Feuerwehrmuseum wurde im Erdgeschoss des neuen Südflügels eingerichtet.

Siehe auch: Liste der Museen im Kreis Düren

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Juni 2012 hat der Stadtrat von Düren den Abschluss eines Partnerschaftsvertrages zwischen dem Stadtteil Lendersdorf und der Gemeinde Lechbruck am See im Ostallgäu beschlossen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Stadt Düren, auf www.dueren.de (abgerufen am 23. August 2016)
  2. Lendersdorfer Hütte – Detaillierte Beschreibung auf "Rheinische Industriekultur"
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 98.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 306.
  5. Anton Fahne: Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter. Band 1, 1848, S. 34 (google books [abgerufen am 21. Dezember 2015]).
  6. Lothar Müller-Westphal: Wappen und Genealogien Dürener Familien. In: Dürener Geschichtsverein (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des Dürener Landes. Band 20, Düren 1989, S. 244–246, Dommermoet, ISSN 0343-2971
  7. Heimat Blätter, Beilage der Dürener Zeitung v. 20. Februar 1925, Nr. 6 Wer fragt? – Wer antwortet? Rölsdorfer Burg / Wappen der Familie Thummermuth
  8. Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, hrsg. von Paul Clemen, 9.Band: Paul Hartmann, Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren, Pädagogischer Verlag Schwann Düsseldorf, 1910. Nachdruck 1981.
  9. Friedrich Milz: Lendersdorf, Geschichte in Wort und Bild, Düren, im April 1981.