St. Peter (Ergolding)

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Außenansicht der Kirche St. Peter

Die römisch-katholische Kirche St. Peter (auch: Peterskirche) in Ergolding in Niederbayern im Bistum Regensburg ist eine im Kern spätgotische Anlage mit neugotischer Ausstattung. Die Kirche ist das größte Gotteshaus der Pfarrei Mariä Heimsuchung in Ergolding, weswegen hier die Hauptgottesdienste stattfinden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 9. Jahrhundert ist in Ergolding eine Grundherrschaft des Bischofs von Regensburg nachgewiesen. Dem damaligen Königsgut wurde 914 unter der Herrschaft des Königs Konrad I. eine Kapelle gestiftet, die möglicherweise später in den Vorgängerbau der Peterskirche umgewandelt wurde. Im 11. Jahrhundert wurde Ergolding durch Grenzziehung in zwei verschiedene Diözesen aufgeteilt. So entstanden die beiden Pfarrkirchen, die Peterskirche für das Bistum Regensburg und die Frauenkirche (Mariä Heimsuchung) für das Bistum Freising. Als 1157 die Bistumsgrenze an die Isar verlegt wurde, wurde die Peterskirche zur alleinigen Pfarrkirche erhoben. Dieser Zustand währte mindestens bis mindestens 1665. Die Pfarrrechte wurden wohl erst im Zuge der Barockisierung der Frauenkirche im 18. Jahrhundert auf diese übertragen.[1][2]

Das heutige, spätgotische Kirchengebäude ist ein Werk der Landshuter Bauhütte aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, ein genaues Baujahr ist nicht bekannt. Der Turm wurde allerdings vom Vorgängerbau übernommen. Die ursprüngliche gotische Ausstattung wurde später barockisiert. Auch wurde im 18. Jahrhundert eine Welsche Haube auf den Turm aufgesetzt. Im 19. Jahrhundert erhielt das Gotteshaus seine jetzige neugotische Ausstattung und der Turm sein neugotisches Pyramidendach. Bei einer Renovierung in den 1950er-Jahren wurden der Seitenaltar und die Kreuzwegtafeln entfernt, da die neugotische Ausstattung nicht als schützenswert angesehen wurde. Bei der folgenden Renovierung 1986 wurde der vor der Zerstörung bewahrte Kreuzweg wieder aufgehängt; außerdem erhielt der Hochaltar seine ursprüngliche Farbgebung zurück und es wurden eine Eingangshalle und eine Sakristei angebaut.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine spätgotische Saalkirche mit nicht eingezogenem Chor. Die Innenmaße betragen 32 Meter in der Länge und knapp zwölf Meter in der Breite. Das Langhaus umfasst vier Joche, der Chor schließt in sieben Seiten des Zwölfecks. Das Äußere wird durch Strebewerk mit insgesamt 15 Pfeilern und einen umlaufenden Dachfries gegliedert. Der quadratische, fünfgeschossige Turm ist südseitig am hinteren Ende des Kirchenschiffes angebaut. Die unregelmäßige Geschossgliederung erfolgt durch Spitzbogenblenden und angedeutete Gesimse. Der Turm verfügt über einen Achteckaufsatz mit Spitzhelm. Rund um die Kirche liegt der größte Friedhof der Marktgemeinde Ergolding.[2]

Innenraum und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum mit seinem gotischen Rippengewölbe wirkt aufgrund der großflächigen Spitzbogenfenster mit aufwändigem Maßwerk ungewöhnlich hell. Die neugotische Ausstattung stammt aus dem Jahr 1887. Dominierend wirkt der dreistufige Hochaltar mit seinen zahlreichen Heiligenfiguren, die stilecht aus Lindenholz gefertigt sind. Mittig oberhalb des von zahlreichen kleineren Figuren flankierten Tabernakels ist die Schlüsselübergabe an Petrus, den Kirchenpatron, dargestellt. Seitlich dieser Szene finden sich beinahe lebensgroße Figuren des Heiligen Paulus und des Bistumsheiligen Wolfgang. Auf der obersten Stufe befindet sich zentral und leicht erhöht eine Figur von Gott Vater mit Zepter und Weltkugel als Insignien, flankiert von den Heiligen Leonhard, Franz Xaver, Margarethe und Katharina. Die beiden letztgenannten Figuren stammen aus der Entstehungszeit der Kirche und waren Teil der ursprünglichen Ausstattung.[2]

Außerdem verfügt die Kirche über mehrere, zum Teil gut restaurierte Fresken aus dem 16. Jahrhundert. Das dreieckförmige Wandfresko im ersten Nordjoch zwischen Chor und Langhaus zeigt von unten nach oben eine zwanzigköpfige Stiftergruppe, Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, die Auferstehung Jesu Christi sowie Gott Vater und den Heiligen Geist. An der Westwand südlich des Haupteingangs befinden sich zwei Fresken mit Darstellung der Heiligen Drei Könige und der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, die laut Inschrift auf 1576 zu datieren sind. Bei der Kirchenrenovierung 1986 wurde außerdem ein Fresko des Heiligen Christopherus mit dem Jesuskind am Aufgang zur Empore freigelegt. Das erste Südjoch zwischen Chor und Langhaus schmückt ein gotisches Kruzifix mit überlebensgroßem Korpus. Auch die Schnitzfiguren „Maria mit dem Kind“ (um 1460) und „Christus erteilt den Segen“ (um 1500) stammen noch von der ursprünglichen, gotischen Ausstattung. Die erstgenannte Madonnenfigur auf einem Bronzesockel wurde von Karl Reidel in einen Rosenkranz mit Halbedelsteinen gefasst. Von dem Landshuter Bildhauer stammen auch der moderne Steinaltar und der Ambo aus Gussbronze.[1][2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Peter (Ergolding) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pfarrei Ergolding: St. Peter. Abgerufen am 10. Januar 2016.
  2. a b c d e Gillmeier, Joseph: Ergoldinger Kirchen - Ein Führer. S. 6-21.

Koordinaten: 48° 34′ 39″ N, 12° 10′ 23″ O