Mariä Himmelfahrt (Oberglaim)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Außenansicht der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Südwesten
Hochaltar
Barocker Kanzelkorb

Die römisch-katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Oberglaim, einem Ortsteil der Marktgemeinde Ergolding im niederbayerischen Landkreis Landshut, ist eine barocke Saalkirche, die in den Jahren 1694 bis 1697 anstelle eines Vorgängerbaus nach den Plänen des Pfeffenhausener Maurermeister Hans Widtmann errichtet wurde. Dieser erbaute knapp zwanzig Jahre später auch die nahegelegene Wallfahrtskirche Heiligenbrunn. Die Kirchweihe erfolgte am 8. September 1696, dem Festtag Mariä Geburt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach Osten ausgerichtete Kirche umfasst ein vierjochiges Langhaus und einen merklich eingezogenen, zweijochigen Chor mit dreiseitigem Schluss. Die Gestaltung des Außenbaus ist einheitlich mit gelben Lisenen und weiß getünchten Wandrücklagen ausgeführt. Neben den hohen, rundbogig abgeschlossenen Fenstern sind zusätzlich in jedem Joch kreisrunde Oberlichter vorhanden. Im südlichen Winkel zwischen Chor und Langhaus ist die zweigeschossige Sakristei angebaut, auf der Westseite der sechsgeschossige Turm. Dieser wird, wie die übrigen Gebäudeteile, von Lisenen gegliedert. Auf dem viergeschossigen Unterbau über quadratischem Grundriss befindet sich ein achteckiger Aufsatz, der Glocken und Turmuhren enthält. Den oberen Abschluss bildet eine stark eingeschnürte Zwiebelhaube mit Kugel und Kreuz.

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Erdgeschoss des Turmes gelangt man in den dezent stuckierten Innenraum, der so nahezu italienisch-barock anmutet. Das Tonnengewölbe mit Stichkappen ruht auf flachen Wandvorlagen, die außerdem ein stark profiliertes, umlaufendes Gesims tragen. Die Ausstattung ist nur noch teilweise barock. Zum Beispiel stammen die Seitenaltäre und die Kanzel noch aus der Entstehungszeit der Kirche, während der Hochaltar erst später hinzukam.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1898 erbaute Willibald Siemann für die Oberglaimer Pfarrkirche eine Orgel mit neun Registern. Dieses Instrument wurde 1986 durch einen Neubau von Ekkehard Simon aus Landshut ersetzt.[1]

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vom Dorffriedhof umgebene Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt liegt auf einer Anhöhe oberhalb des im Feldbachtal gelegenen Dorfes Oberglaim. Daher ist sie weithin sichtbar, zum Beispiel auf der Straße von Landshut kommend.

Frammelsbergerkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich des Gotteshauses, aber noch innerhalb der Friedhofsmauern, befindet sich die Frammelsbergerkapelle, die früher als Leichenhaus genutzt wurde. Sie enthält zwei Bronzetafeln, die an den ehemaligen Oberglaimer Pfarrer Max Frammelsberger (1880–1944) erinnern. Dieser war ab 1927 in Oberglaim tätig und zugleich Funktionär der Bayerischen Volkspartei, was im Dritten Reich als Verbrechen galt. Deshalb wurde er bereits von den Nationalsozialisten im KZ Dachau in „Schutzhaft“ genommen. Nach seiner Entlassung wurde er von der Gestapo bespitzelt und im Januar 1938 erneut inhaftiert. Aufgrund der allgemeinen Amnestie vom 30. April 1938 wurde das Verfahren gegen ihn jedoch eingestellt. Im November 1943 wurde er allerdings erneut verhaftet und ins Untersuchungsgefängnist Berlin-Moabit verbracht, wo er menschenunwürdigen Verhören unterzogen wurde und katastrophalen Haftbedingungen ausgesetzt war. Am 16. Januar 1944 verstarb er aufgrund völliger Erschöpfung. Später wurde Frammelsberger von Papst Johannes Paul II. in die Liste der Märtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mariä Himmelfahrt (Oberglaim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Vorbeck: Die Orgelbauer Martin Binder und Willibald Siemann. Siebenquart Verlag Dr. Roland Eberlein, Köln 2013. ISBN 978-3-941224-02-5.
  2. Frammelsbergerkapelle. Online auf www.pfarrei-oberglaim.de; abgerufen am 24. Juni 2017.

Koordinaten: 48° 36′ 35″ N, 12° 6′ 58″ O