Gabor Steingart

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Gabor Steingart (2018)

Gabor Steingart (* 14. Juni 1962 in West-Berlin) ist ein deutscher Journalist und Autor. Von 2001 bis Ende Juni 2007 leitete er das Hauptstadtbüro des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in Berlin, anschließend war er für das Büro in Washington tätig. Von April 2010 bis Dezember 2012 war Steingart Chefredakteur des Handelsblatts. Von Januar 2013 bis Februar 2018 war er Mitglied der vierköpfigen Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steingart wuchs in der osthessischen Bergbaugemeinde Neuhof (bei Fulda) auf. Sein Vater ist der ungarische Chemiker und Leiter einer K+S-Fabrik Imre Steingart. 1984 veröffentlichte er sein erstes Buch (Widerspruch unerwünscht. Beobachtungen aus 111 Jahren Fuldaer Zeitung), das er als Abiturarbeit angefertigt hatte.[1]

Nach dem Abitur an der reformpädagogischen Hermann-Lietz-Schule Bieberstein in der Rhön studierte er Politikwissenschaft sowie Volkswirtschaft (im Nebenfach) und Germanistik an der Universität Marburg und der Freien Universität Berlin. Auf lokaler Ebene war Steingart für die Grünen als Finanzpolitiker tätig. Er saß in der Marburger Stadtverordnetenversammlung. Anschließend absolvierte er die Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. 1989 wurde er als Reporter für die konzerneigene Wirtschaftswoche eingestellt. Seit 1990 arbeitete er in Leipzig, Bonn und Berlin als Redakteur für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. 1995 wurde Steingart vom neuen Chefredakteur Stefan Aust zum Ressortleiter Wirtschaft in Hamburg befördert. 2001 übernahm er die Leitung des Hauptstadtbüros in Berlin.

Ab Juli 2007 arbeitete Steingart als Autor im Spiegel-Büro in Washington und löste dort 2009 den bisherigen US-Korrespondenten Georg Mascolo ab. Er war Gast in zahlreichen Fernsehsendungen wie dem ARD-Presseclub, Sabine Christiansen, Maybrit Illner[2] u. v. a. mehr.

Steingart wurde zeitweise als möglicher Nachfolger von Stefan Aust als Chefredakteur des Spiegel gehandelt.[3] 2007 erhielt Steingart den Helmut-Schmidt-Journalistenpreis der Direktbank ING-DiBa für die Titelstory Weltkrieg um Wohlstand[4] im Spiegel Nr. 37 (2006) als ein „herausragendes Beispiel für kritischen Wirtschafts- und Verbraucherjournalismus“.

Von April 2010 bis Dezember 2012 war Steingart Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Handelsblatt. Im Oktober 2012 wurde er in die Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt (seit 2018 als Handelsblatt Media Group firmierend) berufen. Den Posten trat er offiziell zum 1. Januar 2013 an. Der Verleger Dieter von Holtzbrinck schenkte Steingart 3 % der Anteile an der Handelsblatt Media Group.[5]

Steingart ist ferner als Buchautor tätig und veröffentlicht regelmäßig bei der Achse des Guten.[6]

Kontroverse um Entlassung beim Handelsblatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Februar 2018 wurde er vom Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck entlassen. In einem Artikel vom 7. Februar hatte Steingart den seinerzeitigen Machtkampf an der SPD-Spitze als „perfekten Mord“ geschildert, den der Parteivorsitzende Martin Schulz an Außenminister Sigmar Gabriel begehe.[7] Holtzbrinck erklärte, er und Steingart hätten „Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen“ und eine „im Einzelfall – unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards“.

In einem Brief an Dieter von Holtzbrinck, aus dem Der Spiegel zitierte[8], stellten sich einige Führungskräfte hinter Steingart, unter anderem die von ihm zur Wirtschaftswoche berufenen Miriam Meckel (Herausgeberin) und Beat Balzli (Chefredakteur) und der Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe. Sie seien „schockiert und fassungslos“. Steingarts Abgang mit Blick auf seinen Text durchzusetzen, sei „ein verheerendes Signal an die Redaktionen und das gesamte Haus: die Bestrafung für eine – wenngleich unbequeme – Meinung ist die sofortige Entlassung.“ Dies sende „massive Schockwellen in die Handelsblatt Media Group, über die wir uns große Sorgen machen.“[9]

Der Medienredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Michael Hanfeld vermutete, dass nicht allein der Meinungstext über Schulz Grund für das Zerwürfnis mit von Holtzbrinck sei, denn „Steingart schreibt stets mit dem Vorschlaghammer, er übertreibt maßlos, überzieht gezielt und ohne Gnade, macht keine Gefangenen und kein Hehl daraus, dass er sich für sehr wichtig hält.“[10] Christian Meier von der Welt kommentierte, dass sich von Holtzbrinck mit der Entschuldigung bei Schulz und der Trennung von Steingart angreifbar gemacht habe. Zudem habe die Entscheidung gewaltige Konsequenzen, da Steingart das Verlagshaus stark umgestaltet und modernisiert habe. „Steingarts Abberufung wird die Verlagsgruppe Handelsblatt zwar nicht zum Einsturz, aber dennoch zum Erzittern bringen.“[11]

Laut des Magazins Der Spiegel ging es bei Steingarts Entlassung um unterschiedliche Auffassungen zu den Zukunftsplänen für die Verlagsgruppe Handelsblatt. Steingart habe enorme Investitionen verlangt und offenbar erwartet, dass Holtzbrinck das Geld dafür bereitstelle. Steingart soll angeregt haben, Holtzbrinck könne seine Fachzeitschriften verkaufen. Die Wirtschaftswoche hätte bei den gewünschten Investitionen offenbar deutlich zurückstehen müssen. Auch soll Steingart Kritik am Aufsichtsrat geübt haben – das Gremium sei falsch zusammengestellt und nicht digitalaffin.[12]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Widerspruch unerwünscht. Beobachtungen aus 111 Jahren Fuldaer Zeitung, Petersberg, Zeitdruck-Verlag Möller 1984, 173 S., Ill.
  • Das Konzept der „wissenschaftlich-technischen Revolution“ und die Problematik individuellen Leistungsverhaltens in der DDR-Wirtschaft, Berlin, Freie Universität Berlin, Diplomarbeit, 1987
  • Deutschland – Der Abstieg eines Superstars, München, Piper 2004, 279 S., Ill., ISBN 3-492-04615-0.
  • Die stumme Prinzessin. Ein Leben in Deutschland, München, Piper 2005, ISBN 3-492-24481-5.
  • Weltkrieg um Wohlstand. Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden, München, Piper 2006, ISBN 3-492-04761-0.
  • The War for Wealth – The True Story of Globalization, or Why the Flat World is Broken, McGraw Hill, 2008, ISBN 978-0-07-154596-9.
  • Die Machtfrage. Ansichten eines Nichtwählers, München, Piper 2009, ISBN 978-3-492-05151-4.
  • Das Ende der Normalität: Nachruf auf unser Leben, wie es bisher war, München, Piper 2011, ISBN 978-3-492-05459-1.
  • Unser Wohlstand und seine Feinde, Hamburg, Knaus 2013, 272 S., ISBN 978-3-8135-0518-4.
  • Weltbeben: Leben im Zeitalter der Überforderung, Hamburg, Knaus 2016, 240 S., ISBN 978-3813505191.
  • Kopf hoch, Deutschland!, Hamburg, Knaus 2017, 200 S., ISBN 978-3813508000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge über Steingart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leute (Memento vom 8. Februar 2007 im Internet Archive), rhoen-vogelsberg.de
  2. „Arbeitsplätze auf der Flucht“ (Memento des Originals vom 14. Januar 2006 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zdf.de, ZDF, Berlin Mitte, 15. April 2004
  3. Peter Heinlein: „Streit um die Spiegel-Mitarbeiter KG“, Hamburger Abendblatt vom 20. Dezember 2006
  4. Gabor Steingart: Globalisierung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. In: Spiegel Online. 11. September 2006 (spiegel.de [abgerufen am 10. Februar 2018]).
  5. Kai Hinrich Renner: „Handelsblatt“ – Gabor Steingarts Abgang wirft Fragen auf. In: NRZ. 10. Februar 2018 (nrz.de [abgerufen am 22. Februar 2018]).
  6. Liste der Beiträge von und über Gabor Steingart bei der Achse des Guten.
  7. Markus Brauck, Isabell Hülsen, Veit Medick, Martin U. Müller: Umstrittener Martin-Schulz-Text: Gabor Steingart vor Ablösung beim "Handelsblatt". In: Spiegel Online. 8. Februar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 20. Februar 2018]).
  8. Markus Brauck, Isabell Hülsen, Martin U. Müller: Rauswurf beim Handelsblatt: Chefredakteure stellen sich hinter Steingart. In: Spiegel Online. 9. Februar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 20. Februar 2018]).
  9. Michael Hanfeld: Gabor Steingarts Abstieg: Am Boden aufgeschlagen. In: FAZ.NET. 9. Februar 2018, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. Februar 2018]).
  10. Michael Hanfeld: Gabor Steingarts Abstieg: Am Boden aufgeschlagen. In: FAZ.NET. 9. Februar 2018, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. Februar 2018]).
  11. Die Welt, Der spektakuläre Fall des „Handelsblatt“-Verlegers, 09.02.2018
  12. Markus Brauck, Klaus Brinkbäumer, Dinah Deckstein, Isabell Hülsen, Martin U. Müller: Im Kampfe. In: Der Spiegel. Nr. 8, 2018, S. 76–77 (online).