Der Ghostwriter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von The Ghost Writer)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Der Ghostwriter
Originaltitel The Ghost Writer
Produktionsland Frankreich,
Deutschland,
Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2010
Länge 128 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Roman Polański
Drehbuch Roman Polański,
Robert Harris
Romanvorlage: Robert Harris
Produktion Roman Polański,
Alain Sarde,
Robert Benmussa
Musik Alexandre Desplat
Kamera Paweł Edelman
Schnitt Hervé de Luze
Besetzung

Der Ghostwriter (The Ghost Writer) ist ein Politthriller von Regisseur Roman Polański, der auf dem Roman Ghost von Robert Harris basiert. Der Film feierte 2010 seine Welturaufführung auf der Berlinale 2010, wo er um einen Goldenen Bären konkurrierte. Im selben Jahr wurde die Produktion mit dem Europäischen Filmpreis prämiert.

Handlung[Bearbeiten]

Plakat aus dem Film, Charlottenstraße in Berlin, ein Drehort des Films
Setfoto: Die Filmcrew bei den Dreharbeiten auf Rømø. Hier wird Ewan McGregors Fluchtszene auf die Filmfähre geprobt.
Setfoto: Der US-Streifenwagen aus der Einleitungsszene
Setfoto: Die Fluchtszene am Fährhafen von Havneby
Setfoto: Die Sylt-Express Fähre der Rømø-Sylt-Linie fährt im Film unter US-Flagge, das Gateway titelt „Bay Line Ferry“
Setfoto: Das dänische Havneby wurde im Film zu einem US-Hafen. Das Gebäude stellt im Film das Motel dar, in das sich Ewan McGregor vor den Verfolgern flüchtet.

Der Film beginnt mit einer Szene auf einer Fähre an der Ostküste der USA: Alle Autos fahren von Bord, bis auf eines. Dann wird die angespülte Leiche von Mike McAra gezeigt, dem Ghostwriter von Adam Lang, dem ehemaligen britischen Premierminister. Es wird ein Selbstmord durch einen Sprung von der Fähre vermutet, da in seinem Blut eine hohe Konzentration Alkohol nachgewiesen wird. Daraufhin erklärt sich ein erfolgreicher britischer Ghostwriter, „der Ghost“, bereit, die Memoiren Adam Langs zu vollenden. Als Honorar werden ihm 250.000 US-Dollar zugesagt. In London wird er von maskierten Männern überfallen, und man raubt ihm ein Manuskript.

Der „Ghost“ fliegt nach Massachusetts, USA, um dort mit Lang, der wegen seiner Rolle im Irakkrieg unter Druck geraten ist, an seinen Memoiren zu arbeiten. Lang wird vom früheren britischen Außenminister und UN-Beauftragten Richard Rycart beschuldigt, Terrorverdächtige entführt und den USA ausgeliefert zu haben, die diese dann folterten. Lang hat sich auf die Insel Martha’s Vineyard zurückgezogen. Zusammen mit einer kleinen Gefolgschaft, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, fühlt er sich im bunkerartigen Ferienhaus eines Mäzens vor einer Auslieferung sicher, da die Vereinigten Staaten von Amerika zusammen mit wenigen anderen Staaten den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen. Die Gefolgschaft lebt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Der „Ghost“ lebt zunächst in einem Hotel auf der Insel, muss aber bald auf das Anwesen des Mäzens ziehen, weil bekannt wird, dass Lang auf der Insel ist, und das Hotel mit Journalisten überfüllt ist. Lang fliegt dann nach Washington D.C., um seine Unschuld zu beweisen.

Die USA sehen in McAras Manuskript eine Bedrohung der nationalen Sicherheit; das Manuskript darf daher das Haus nicht verlassen. Der „Ghost“ fragt sich, warum Lang, der ein völlig unpolitisches Leben führte, in die Labour Party eingetreten ist und als Politiker Karriere gemacht hat. Er stößt bald auf Geheimnisse in Langs Leben, als er McAras Zimmer ausräumen möchte. Er findet in einem Briefumschlag, der auf die Unterseite einer Schublade geklebt wurde, mehrere Fotos aus Langs Zeit an der Cambridge University, die nicht zu McAras Manuskript passen. Während eines Ausflugs mit dem Fahrrad erfährt der „Ghost“, dass der Fundort der Leiche nicht mit dem Strömungsverhältnissen übereinstimmt und dort zuvor Taschenlampenlicht gesehen wurde. Eine Augenzeugin liegt nach einem Sturz über die Treppe im Koma. Langs Frau Ruth ist im Anwesen geblieben. Ihr erzählt er von den Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der offiziellen Version des Selbstmordes. Der „Ghost“ unterhält sich mit Ruth und erfährt, dass sie darunter leidet, nicht selbst Karriere gemacht zu haben. Außerdem fürchtet Ruth, dass sich ihr Mann in Washington zu sehr als Erfüllungsgehilfe der USA präsentieren werde. Ruth drängt sich dem „Ghost“ auf, und die beiden schlafen miteinander. Der Ghost zieht am nächsten Morgen nun wieder in das Hotel zurück und fährt das für Gäste Langs vorgesehene Auto, mit dem McAra zu Beginn des Films auf der Fähre gestanden hatte. Im Navigationssystem ist noch eine Zieladresse eingespeichert. Der „Ghost“ folgt dem Navigationssystem und gelangt zu Paul Emmett, dem Mann, den McAra vor seinem Tod besuchen wollte. Der Literaturprofessor und Pulitzerpreisträger Emmett ist auf den Fotos aus Langs Studienzeit zu sehen, und der Ghost befragt ihn zu diesen Fotos. Emmett reagiert relativ höflich, aber nervös, gibt nur wenige Informationen und bittet den „Ghost“ zu gehen. Vor seiner Verabschiedung macht Emmett Andeutungen, die der „Ghost“ als Bedrohung empfindet. Als der „Ghost“ vom Besuch bei Paul Emmett zurückfährt, wird er von einem schwarzen Auto verfolgt und kann es nur durch eine List abhängen. Als er jedoch mit der Fähre auf die Insel zurückkehren will, taucht das Auto wieder auf, und die beiden Insassen beginnen nach dem „Ghost“ zu suchen. Der „Ghost“ springt im letzten Moment von der Fähre und mietet sich auf dem Festland in einem Motel ein. In seinem Hotelzimmer ruft er Rycart an, der sich mit ihm treffen will.

Der „Ghost“ beginnt über Emmett im Internet zu recherchieren. Er erfährt, dass dieser mit der CIA in Verbindung gebracht wird. Emmett ist Mitglied im Vorstand des Arcadia Trusts, einer Organisation, die eng mit hohen Militärs und Geheimdienstgrößen verbunden ist. Eines der Mitglieder ist der Vorstandsvorsitzende von Hatherton, einem Rüstungskonzern, der vom Irakkrieg profitiert hat und der in die Affäre um amerikanische Entführungen und Folterflüge verwickelt war. Er tauscht sich mit dem Ankläger Richard Rycart aus, zu dem McAra bereits Kontakt hergestellt hatte. Rycart gesteht dem Ghost, dass es McAra war, der ihm belastendes Material hinsichtlich der Kriegsverbrechen Langs zugespielt hatte, nachdem er nach und nach erfahren hatte, für welche Verbrechen Lang verantwortlich war. Rycart weist den Ghost darauf hin, dass Lang während seiner Amtszeit niemals gegen die Interessen der USA gehandelt habe. Lang habe alle umstrittenen Entscheidungen der USA hinsichtlich der Nahostpolitik, des Angriffskrieges gegen den Irak, der Durchführung von Folteraktionen etc. mitgetragen. Lang habe auch jeden Minister entlassen, der Kritik an den USA geübt hatte. Während sich Rycart und der Ghost unterhalten, ruft Lang an, der ihn mit dem Flugzeug auf die Insel bringen möchte. Der Ghost konfrontiert Lang während des Fluges mit seinen Vermutungen, er, Lang, habe Verbindungen zur CIA. Lang streitet alles ab und rechtfertigt seine Politik. Als sie das Flugzeug verlassen, wird Lang von einem ehemaligen britischen Soldaten, dessen Sohn im Irak-Krieg getötet wurde, erschossen. Sicherheitskräfte erschießen daraufhin den Soldaten. Lang wird in Großbritannien mit einem Staatsbegräbnis geehrt.

Die Biographie wird vollendet und veröffentlicht. Bei der Buchpräsentation, zu der der Ghost als Begleitung von Amelia geht, ist Emmett, der behauptete, keine Beziehung zu den Langs zu haben, zugegen. Dort entdeckt der Ghost, dass McAra im Manuskript eine verschlüsselte Botschaft versteckt hat, nach der zwar nicht Lang, aber dessen Frau Ruth eine CIA-Agentin ist und von Emmett seinerzeit für die CIA angeworben wurde. Nach Ruths für die Memoiren getätigter Aussage hat sie ihren Mann stets beraten. Lang handelte als Politiker im Sinne der USA, da er von seiner Frau entsprechend beeinflusst worden war, und stieg durch Zutun der CIA auch politisch entsprechend auf, wie Rycart bereits vermutet hatte. Der Ghost notiert die Botschaft und lässt sie Ruth auf einem Zettel zukommen, welche, als sie sie liest, erstarrt. Daraufhin verlässt er mit dem Manuskript in der Hand die Veranstaltung und will sich ein Taxi rufen. Als er die Straße jedoch betreten hat, beschleunigt ein auf ihn zufahrendes Auto und ein Aufprallgeräusch ist zu hören. Jedoch sieht man nicht wirklich, was passiert, da es außerhalb des Kamerawinkels ist. Danach wehen die Blätter des Manuskripts über die Straße.

Produktion[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Regisseur Roman Polański sprach schon im Jahr 2007 mit Robert Harris über eine Verfilmung von dessen Roman Pompeji. Der Film, den ursprünglich Summit Entertainment produzieren sollte, wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2007 mit 100 Mio. Dollar als bis dahin potenziell teuerster europäischer Film vorgestellt. Polański zog sich aber 2008 aus dem Projekt zurück, da die angekündigten Autorenstreiks bei ihm zu Terminschwierigkeiten geführt hätten.

Polański widmete sich dann Ghost, dem aktuelleren Roman von Harris. Die beiden begannen mit dem Drehbuch, die Dreharbeiten sollten ursprünglich schon Anfang 2008 beginnen. Als Hauptfigur „The Ghost“ war zuerst Nicolas Cage vorgesehen, der schließlich durch Ewan McGregor ersetzt wurde.

Dreharbeiten[Bearbeiten]

Der Ghostwriter wurde von Februar bis Mai 2009[2] in den Babelsberger Studios (Potsdam), auf dem Flugplatz Strausberg bei Berlin, auf der Ostsee-Insel Usedom und auf den Nordsee-Inseln Rømø und Sylt gedreht; die Inseln dienten als Ersatz für die US-Insel Martha’s Vineyard.[3] Als Verlagsgebäude von Rhinehart Inc. diente die Charlottenstraße 47 in Berlin-Mitte, zwischen Gendarmenmarkt und Unter den Linden. Die Aufnahmen für die Zufahrt und Umgebung von Emmetts Haus entstanden auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.[4]

Problematik während der Postproduktion[Bearbeiten]

Am 26. September 2009 wurde Regisseur Polański bei der Einreise in die Schweiz am Flughafen Zürich wegen eines internationalen Haftbefehls von 2005 verhaftet. Da der Film sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Postproduktionsphase befand, mussten die Mitwirkenden ohne ihren Regisseur auskommen. Polańskis Haft wurde ab dem 4. Dezember 2009 durch elektronisch überwachten Hausarrest ersetzt; der Regisseur arbeitete nun von seinem Haus aus an der Postproduktion von Der Ghostwriter mit, indem ihm DVDs mit Ausschnitten der jeweiligen Versionen des Films geschickt wurden.

Produktions- und Verleihfirmen[Bearbeiten]

Der Film wurde von RP Films, France 2 Cinéma und Elfte Babelsberg Film produziert. Summit Entertainment ist der amerikanische, Kinowelt der deutsche Filmverleih.[5]

Unterstützt mit Geldern der Filmförderung Mecklenburg Vorpommern, machte der Film Schlagzeilen im Schwarzbuch 2012 des Bundes der Steuerzahler e.V., denn trotz geschätzter 73 Millionen US-Dollar Bruttoeinnahmen wurde die Förderung bislang nicht zurückgezahlt.[6]

Budget[Bearbeiten]

Der Ghostwriter kostete ca. 45 Millionen US-Dollar.[7]

Bezüge zur Politik[Bearbeiten]

Der Autor der Romanvorlage, Robert Harris, war mit dem ehemaligen Premierminister Tony Blair um 1997 befreundet. Obwohl die Figuren im Film Adam Lang und Richard Rycart heißen, sind die Bezüge zu Blair und seinem ehemaligen und 2005 plötzlich verstorbenen Außenminister Robin Cook unverkennbar. Harris selbst bezeichnet den Roman als politische Satire.[8][9]

Kritiken[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films nennt den Film ein „virtuos zwischen Polit-Thriller und griechischer Tragödie angesiedeltes Krimi-Vexierspiel um die Mechanismen der Macht und den korrumpierenden Einfluss, den sie auf Menschen ausübt. Glänzend gespielt, überzeugend in der Spannungsdramaturgie, pointiert im Einsatz von Humor und Handlungsdetails.“[10]

Critic.de schreibt, dass „alles ist, wie es sein sollte.“ Die Besetzung von Pierce Brosnan als Ex-Premierminister sei „allein schon ein deutlicher Fingerzeig, zynischer als durch den vorletzten, großspurig-machohaften James Bond“ könne man Großbritannien nur sehr schwer repräsentieren. Brosnan brilliere hier. Ewan McGregors Darstellung eines namenlosen Ghostwriters werde jedoch „zunehmend steifer“. Dennoch sei der Film „Entertainment auf höchstem Niveau“, düster und sogar ein wenig humorvoll.[11]

In der Süddeutschen Zeitung ist zu lesen, dass die „Adam-Lang-Geschichte, die sich Harris in seiner Enttäuschung über Blair ausgedacht hat“, für Amerika kein Kompliment sei.[12]

Trotz der eindeutigen Parallelen zur Person Tony Blairs tat der Autor der Vorlage, Robert Harris, in den Augen von DIE WELT gut daran, diesen Hintergrund im Vorfeld des Kinostarts etwas zu marginalisieren, „denn Polanski und er haben keine Politbiographie gedreht, sondern einen Thriller, und einen erstklassigen dazu“.[13]

Der Spiegel schreibt, dass der Film „also als Kommentar in eigener Sache“ verstanden werden könne.[14]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, dass das Beste die Schauplätze seien. Das Strandhaus biete zwar Aussicht auf menschenleere Strände und auf das graue Meer, versprühe aber den „Charme eines Hochsicherheittrakts“. Die Art, wie Polański erzähle, biete jedoch keinerlei Spannung.[15]

In der NZZ urteilt man: „The Ghost Writer ist Polanskis bester Film seit langem. In der schnörkellosen Inszenierung zeigt er sein ganzes handwerkliches Können und erweist dem Grossmeister des Suspense, Alfred Hitchcock, seine Reverenz.“[16]

Die Zeit schreibt, dass Adam Lang „paranoid und feindselig“ sei, zudem „in seiner kalten Einsamkeit vom Wunsch zerfressen, vor der Geschichte und den Toten doch noch Recht zu bekommen.“ Hier gelängen Regisseur Polański die besten Szenen. Der Rest des Films erfülle die „Gesetze des Thrillers“.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 80 kB) der FSK, abgerufen am 17. Jänner 2012
  2. Angabe zur Drehzeit auf imdb.de
  3. Angaben zu den Drehorten auf imdb.de
  4. Polanski drehte in Stahnsdorf, Kulisse eines Landhauses auf dem Südwestkirchhof aufgebaut in Märkische Allgemeine vom 20. März 2009
  5. Angaben zu den Firmen auf imdb.de
  6. Imagepflege durch Filmförderung, Bundes der Steuerzahler e.V.
  7. Angabe des Budgets auf imdb.de
  8. Interview mit Robert Harris auf welt.de
  9. Interview mit Pierce Brosnan auf fr-online.de
  10. Der Ghostwriter im Lexikon des Internationalen Films
  11. Filmkritik auf critic.de
  12. Filmkritik auf sueddeutsche.de
  13. Filmkritik auf welt.de
  14. Filmkritik auf spiegel.de
  15. Filmkritik auf faz.net
  16. Filmkritik auf nzz.ch
  17. Filmkritik auf zeit.de
  18. Polański konnte wegen seines Hausarrests den Preis nicht entgegennehmen, dies wurde durch die Produzenten Alain Sarde und Robert Benmussa getan.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Der Ghostwriter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien