Thomas Sattelberger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Thomas Sattelberger (2014)

Thomas Sattelberger (* 5. Juni 1949 in Munderkingen) ist ein deutscher Manager und Politiker (FDP). Von 2007 bis 2012 war er im Vorstand der Deutschen Telekom tätig. Seit Oktober 2017 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Sattelberger ist der Sohn eines hohen Beamten in der Verwaltung des Landtags von Baden-Württemberg und einer Hauswirtschaftslehrerin.[1] Ab 1966 war er im einjährigen Schüleraustauschprogramm vom American Field Service in Springfield, Oregon. Gegrägt wurde er dort durch Debattierwettbewerbe zu politischen Themen. Als Gymnasiast wurde er Mitglied der Unabhängigen Schülergemeinschaft Stuttgart, [2] die sich als Teil der Außerparlamentarische Opposition (APO) verstand. Unter anderem engagierte er sich gegen die Verhütungspolitik der römisch-katholischen Kirche, gegen die NPD und für maoistische Ideen. Nach dem Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart[3] leistete er seinen Zivildienst in Reutlingen ab. Kurzzeitig studierte er Soziologie, dann nahm er ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg auf. Er gehörte zu den Gründern der Revolutionären Jugend Deutschlands, Ortsgruppe Stuttgart, einem der Vorläufer des Kommunistischen Arbeiterbunds Deutschlands (KABD), wurde allerdings 1971 ausgeschlossen, weil Sattelberger Kontakte zu Joschka Fischer unterhielt, der in dieser K-Gruppe als kleinbürgerlicher Autonomer galt.[4] Nach dem Parteiausschluss begann er eine duale Ausbildung bei Daimler-Benz.[1] Seinen Wechsel von der APO zu Daimler kommentierte er rückblickend: „Daimler widerlegte alle Vorstellungen, die ich als APO-Aktivist vom Kapitalismus gehabt hatte“.[1]

Berufliche Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sattelberger ist Diplom-Betriebswirt (Duale Hochschule). Ab 1975 war er in der Direktion Zentrale Bildung von Daimler-Benz in Stuttgart tätig. 1982 wechselte er zur Konzerntochter MTU, wo er unter anderem für die Führungskräfte-Entwicklung zuständig war, bis er 1988 zur Muttergesellschaft zurückkehrte, um dann 1989 Leiter Education & Management Development der damaligen Daimler-Benz Aerospace AG (DASA) zu werden. 1994 wechselte er als Leiter Konzern-Führungskräfte und Personalentwicklung zur Deutschen Lufthansa in Frankfurt am Main und gründete dort mit der Lufthansa School of Business die erste Corporate University in Deutschland. Mit seiner Berufung in den Vorstand des Passagiergeschäfts im Jahr 1999 nahm Sattelberger erstmals eine Linienverantwortung wahr. 2003 ging er als Personalvorstand und Arbeitsdirektor zu Continental nach Hannover und 2007 in gleicher Funktion zur Deutschen Telekom in Bonn, dort blieb er bis 2012.[5]

Sattelberger hat sich als Verfechter des Diversity Managements profiliert und gilt als Initiator der 30-%-Frauenquote im Telekomvorstand.[6][7] Er kritisiert geschlossene Systeme in Konzernen und Gesellschaft und die damit verbundene Chancenungleichheit und Talentausgrenzung.[8] Darüber hinaus gilt er als Kritiker der MBA-Ausbildung nach amerikanischem Vorbild.[9]

Mandate und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 ist Sattelberger ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der BDA-/BDI-Initiative MINT Zukunft schaffen.[10]

Er war bis 2012 langjähriger Vizepräsident der European Foundation for Management Development (EFMD)[11] und ist Fellow der International Academy of Management (IAOM).[12]

Von Mai 2012 bis April 2017 war er bei der der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) Themenbotschafter für Personalführung und Sprecher der Themenbotschafter.[13]

Von August 2012 bis Frühjahr war er 2014 Vorstandsvorsitzender der ZU-Stiftung, der Trägerin der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.[14]

Von September 2012 bis Ende 2015 war er Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochter des französischen Automobilzulieferers Faurecia Automotive.[15][16]

2015 war er Hauptinitiator der Zukunftsallianz Arbeit & Gesellschaft ZAAG und wurde deren Vorsitzender.[17]

Seit 2011 ist er Vorsitzender des Beirats des Deutschlandstipendiums und Beiratsmitglied der Accenture-Stiftung und seit 2014 Beiratsmitglied der Heraeus Bildungsstiftung.[18]

Bundestagsabgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2015 ist Sattelberger Mitglied der FDP.[19] Am 1. September 2016 wurde er von seiner Partei als Direktkandidat zur Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis München–Süd aufgestellt[20], erhielt dort 9,1 % der Stimmen und zog über den Landeslistenplatz fünf der FDP Bayern in den 19. Deutschen Bundestag ein.[21][22]

Ämter und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Fraktion sitzt er im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und im Ausschuss für Arbeit und Soziales.[23]

Er gehört zu den Gründern des Förderkreises der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.[24]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Fachzeitschrift Personalmagazin wurde er bis 2011 fünfmal in ihre Liste der „40 führenden Köpfe im Personalwesen“ aufgenommen[25] und anschließend in die "Hall of Fame".

In dem Film Alphabet (2013) wurde er als Telekom-Personalvorstand von Erwin Wagenhofer interviewt.

Im Juni 2016 wurde Thomas Sattelberger die Ehrendoktorwürde (Dr. rer. pol. h. c.) der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht der Universität Siegen verliehen.[26]

Sattelberger war zwischen 2007 und 2014 Mitherausgeber des Gesellschaftsmagazins Revue – Magazine for the Next Society[27], ist mehrfacher Buchautor, und seit 2013 Kolumnist beim Manager Magazin.[28]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sattelberger lebt mit seinem Partner am Starnberger See.[29][24]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Achtung, harte Hunde! Thomas Sattelberger, Frankfurt am Main. Campus Verlag, 2017
  • Vielfalt statt Einfalt, Thomas Sattelberger, Göttingen, Wallstein Verlag, 2016
  • Das demokratische Unternehmen, Thomas Sattelberger, München, Haufe Lexware, 2015
  • Human-ressource-Management, Thomas Sattelberger, München, TCW-Verl., 2000
  • Ich halte nicht die Klappe. Mein Leben als Überzeugungstäter in der Chefetage. Murmann, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86774-420-1.
  • Thomas Sattelberger: Wir hier oben. Gastbeitrag. In: Die Zeit. Nr. 24/2016. Zeitverlag Gerd Bucerius, 2. Juni 2016, ISSN 0044-2070 (online [abgerufen am 18. Juni 2016]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Harald Willenbrock: Der getaktete Mensch. In: brand eins. Februar 2014, (Abruf am 11. März 2018).
  2. Über mich. thomas-sattelberger.de (Abruf am 11. März 2018).
  3. Interview mit Thomas Sattelberger über Ausbildungsfragen in einem Magazin der Deutschen Telekom (2010), Abruf am 25. März 2014.
  4. Zum Vater sowie zu Schule, Zivildienst, Studium, APO und KABD siehe Michael Isenberg: Telekom-Vorstand war Apo-Aktivist@1@2Vorlage:Toter Link/content.stuttgarter-nachrichten.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: Stuttgarter Nachrichten. 25. August 2007 (Abruf am 25. März 2014).
  5. Lebenslauf von Thomas Sattelberger (Memento des Originals vom 15. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.inqa.de, Initiative Neue Qualität der Arbeit.
  6. Frauen in der Spitze machen Unternehmen erfolgreicher, Bertelsmann Stiftung, 20. Februar 2012.
  7. Karrieren werden beim Pinkeln gemacht. In: KarriereSpiegel. 6. Juni 2011.
  8. Wie man Schumpeter überlistet (Memento vom 7. September 2012 im Internet Archive), Financial Times Deutschland, 5. Juli 2012.
  9. Die großen Business Schools sind lebendige Leichen. In: KarriereSpiegel. 9. Februar 2012.
  10. „Vorstand der MINT-Initiative“. Abgerufen am 15. November 2012.
  11. Board der EFMD. Abgerufen am 12. Juli 2012.
  12. Fellows, Europe Sattelberger, Thomas. theiaom.org (abgerufen am 12. März 2018)
  13. Ex-Telekom-Vorstand Sattelberger wechselt in die Politik. In: Der Spiegel. 20. Mai 2012.
  14. ZU|Stiftung, Die Organe der Stiftung, Zeppelin Universität.
  15. Ex-Telekom-Personalvorstand übernimmt Aufsichtsratsvorsitz bei Faurecia. Haufe-Lexware, 19. September 2012.
  16. Hagen Wiesner neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Faurecia Automotive GmbH. faurecia.de Pressemitteilung vom 26. November 2015
  17. Zukunftsallianz Arbeit & Gesellschaft ZAAG offiziell gegründet. gfwm.de (abgerufen am11. März 2018)
  18. Der Beirat stellt sich vor. deutschlandstipendium.de (Zugriff am 11. März 2018)
  19. Über mich. thomas-sattelberger.de (Abruf am 11. März 2018).
  20. Pressemitteilung der FDP München-Süd vom 2. September 2016. Zitiert auf Thomas Sattelbergers Webseite. Abgerufen am 17. Oktober 2016
  21. TOP 12 der FDP-Landesliste zur Bundestagswahl | FDP Bayern. In: FDP Bayern. (fdp-bayern.de [abgerufen am 19. August 2017]).
  22. Der Bundeswahlleiter: Gewählte auf Landeslisten der Parteien in Bayern - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 12. Oktober 2017.
  23. Mitgliedschaften und Ämter im Bundestag von Thomas Sattelberger. bundestag.de (Zugriff am 11. März 2018)
  24. a b Queer.de: Coming-out beim Charity-Dinner
  25. Personalmagazin benennt die 40 führenden Köpfe im Personalwesen (Memento des Originals vom 31. Juli 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.haufe.de. Haufe-Lexware. 23. August 2011.
  26. Universität Siegen verleiht Ehrendoktorwürde | Universität Siegen. In: www.uni-siegen.de. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  27. Revue – Magazine for the Next Society. archive.is (Zugriff 11. März 2018).
  28. Kompetenz statt Stallgeruch. In: Manager Magazin. 21. Juni 2013.
  29. Ein Wirtschaftsinsider packt aus. Der Quotenmann. tagesspiegel.de vom 1. März 2015