Faurecia

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Faurecia
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Rechtsform S.A.
Gründung Mai 1999
Sitz Nanterre, Département Hauts-de-Seine, FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Yann Delabrière (CEO und Chairman)
Mitarbeiter 99.500 (31. Dezember 2014)[1]
Umsatz 18,83 Mrd. Euro (2014)[2]
Branche Automobilzulieferer
Website www.faurecia.de
Stand: 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

Faurecia?/i [fɔːR'sia] ist ein international tätiger Automobilzulieferer mit Hauptsitz in Nanterre bei Paris. Das französische Unternehmen beschäftigte Ende 2014 weltweit 99.500 Mitarbeiter an 330 Standorten, die sich auf 34 Länder verteilen.[1] Der Jahresumsatz von Faurecia betrug im Jahr 2014 insgesamt 18,83 Milliarden Euro[2], nach 18,03 Milliarden in 2013.[3] Weltweit zählt Faurecia, neben den deutschen Firmen Bosch und Continental, zu den zehn größten Automobilzulieferern.[4]

Faurecia besitzt vier Geschäftsbereiche: Autositze, Abgassysteme, Innenraumausstattung und Kunststoffaußenteile.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wurzeln der Faurecia-Gruppe reichen bis in das Jahr 1810 zurück. Seinen heutigen Namen erhielt Faurecia 1999, als sich die Unternehmen Bertrand Faure und Ecia zusammenschlossen. Ecia aus der Gruppe PSA Peugeot Citroën stockte in diesem Jahr seine direkten und indirekten Anteile an Bertrand Faure auf 99 Prozent auf.

Ecia[Bearbeiten]

1810 eröffneten die Brüder Jean-Pierre und Fréderic Peugeot zusammen mit Jacques Maillard-Salins eine Stahlgießerei zur Herstellung von Sägeblättern in Hérimoncourt, einem Dorf in Ostfrankreich. Nur einige Jahre später wurden sie im Bereich der Werkzeugherstellung aktiv und eröffneten Fabriken im Gebiet von Montbéliard. Ab 1850 kamen weitere Geschäftszweige hinzu, wobei der Peugeot-Löwe 1858 erstmals auf Werkzeugen auftauchte. Nachdem Peugeot im Jahr 1880 das Dreirad erfunden hatte, begann das Unternehmen nur ein Jahr später mit der modernen Automobilproduktion. Infolgedessen meldete Peugeot die ersten Stahlrohe zum Patent an.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg das Unternehmen in den Markt der Herstellung von Automobilzulieferteilen ein, zu denen unter anderem Sitze, Abgassysteme und Lenksäulen zählten. Im Jahr 1987 fusionierten die Peugeot-Töchter AOP (Aciers & Outillages Peugeot – Peugeot Stahl und Werkzeuge) sowie Cycles Peugeot schließlich und bildeten das neue Unternehmen Ecia (Equipements et Composants pour l’Industrie Automobile – Ausrüstungen und Komponenten für die Automobilindustrie). Im folgenden Jahrzehnt übernahm Ecia verschiedene größere Firmen und wurde zum europäischen Marktführer für Abgassysteme, Sitze, Bestandteile der Fahrzeug-Innenausstattung und Frontteile, bevor sich das Unternehmen mit Bertrand Faure zu Faurecia zusammenschloss.

Bertrand Faure[Bearbeiten]

Bertrand Faure eröffnete 1914 seine erste Werkstatt, die sich auf die Herstellung von Sitzen für Straßenbahnen und die Pariser Métro in Levallois-Perret spezialisiert hatte. Fünfzehn Jahre später erwarb das Unternehmen die Lizenz für ein neuartiges Verfahren mit dem es ihm gelang, Sprungfedermatratzen herzustellen und die Sitze für die Automobilindustrie zu perfektionieren. Die Geschäftszweige der Sitzherstellung für Straßenbahnen und für Autos entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg schnell. Bertrand Faure konnte sich international etablieren und erlangte 1991[6] durch die Übernahme der deutschen Rentrop-Gruppe die europäische Marktführerschaft im Bereich der Fahrzeugtechnik. Später fokussierte sich die Bertrand-Faure-Gruppe ausschließlich auf die Herstellung von Fahrzeugsitzen.

Faurecia[Bearbeiten]

Yann Delabrière, CEO und Chairman von Faurecia.

Am 11. Dezember 1997 unterbreitete Ecia dem Unternehmen Bertrand Faure ein Übernahmeangebot, indem es seine direkten und indirekten Anteile an der Firma auf 99 Prozent aufstocken wollte. Die Fusion und Gründung der Faurecia-Gruppe erfolgte zwei Jahre später und resultierte in einer Geschäftstätigkeit mit 32.000 Mitarbeitern, einem Umsatz von mehr als 4 Milliarden Euro und einer internationalen Präsenz, die besonders in Deutschland starke Verbindungen zu namhaften Automobilherstellern aufwies. 1999 erwarb Faurecia das amerikanische Unternehmen AP Automotive Systems und konnte dadurch seinen Geschäftsbereich für Abgassysteme auf dem nordamerikanischen Markt ausbauen. Eine weitere Übernahme folgte mit Sommer Allibert, ein Unternehmen, das auf Fahrzeug-Innenausstattung spezialisiert war, ein Jahr später. Aufgrund der Etablierung des Sommer Allibert-Geschäftszweigs in Deutschland und Spanien verfügte Faurecia in Europa über bedeutende Marktanteile insbesondere im Bereich Türpaneele, Instrumententafeln und Akustikpakete. Finanziert wurde die Übernahme durch den Faurecia-Mutterkonzern PSA Peugeot Citroën, der seine Anteile an Faurecia auf 71,5 Prozent aufstockte. Am 8. Februar 2010 erweiterte Faurecia seinen Geschäftsbereich Technologien zur Emissionskontrolle mit der Übernahme von EMCON Technologies. Damit wurde Faurecia nach eigenen Angaben zum weltweit führenden Anbieter für Emissionskontrolltechnologien.[6]

Nach Zustimmung der europäischen Kartellbehörden und dem Abschluss der Vertragsvereinbarungen hat Faurecia am 31. März 2010 den Automobilzulieferer für Kunststofftaußenteile Plastal Deutschland übernommen und offiziell in den Geschäftsbereich Faurecia Automotive Exteriors integriert. Mit diesem Geschäftsbereich ist Faurecia neuer europäischer Marktführer. Faurecia übernimmt alle sechs deutschen Plastal-Standorte mit rund 2.000 Mitarbeitern.[7][6] Es wurden 33 Millionen Euro als Kaufpreis gezahlt. Zudem hat Faurecia zum 1. Oktober 2010 die spanische Tochtergesellschaft der Plastal GmbH – Plastal Spain SA, Barcelona – erworben. Der französische Automobilzulieferer übernimmt alle vier spanischen Standorte mit insgesamt 700 Mitarbeitern.[8]

Im Oktober 2010 hat Faurecia außerdem die Hoerbiger Automotive Komfortsysteme GmbH (HAKS) in Schongau übernommen und die Technologie im Bereich Komplettsitze ausgebaut. Die HAKS war einer der führenden Anbieter für automotive Komfortsysteme und führend im Bereich pneumatische Sitzkomfortsysteme.[9] Am 23. November 2010 hat Faurecia eine Vereinbarung zum Kauf der Angell-Demmel unterzeichnet – einem Unternehmen, das auf die Produktion von Innenverkleidungsteilen aus Echtmetall spezialisiert ist.[10] Nach Abschluss des Kaufs wurde Angell-Demmel in den Faurecia-Geschäftsbereich Innenraumsysteme integriert.[11] Am 18. Januar 2011 hat Faurecia bekannt gegeben, dass sich der Konzern mit 21,2 Prozent an dem dänischen Unternehmen Amminex A/S beteiligt. Amminex ist ein Konzern mit Expertise in der Behandlung von Stickstoffoxiden und ist der Erfinder des „Ammonia Storage and Delivery System“ (ASDS). Die Transaktion hatte einen Wert von 19,5 Millionen Euro.[12] Zudem kooperiert Faurecia seit November 2009 mit dem Spezialchemieunternehmen Rhodia. Im Februar 2011 bekräftigten die beiden Unternehmen diese Zusammenarbeit mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung über gemeinsame Entwicklung.Faurecia und Rhodia wollen künftig Bauteile für Leichtbausitze entwickeln.[13]

Seit der Aufstockung auf über 71 % des Aktienkapitals im Jahre 2000 hat PSA diesen bis zum Jahr 2012 auf 57,4 Prozent reduziert. Es war immer wieder darüber spekuliert worden, dass Peugeot sein Tochterunternehmen verkaufen könnte, um angesichts der katastrophalen Finanzlage seine Kassen zu füllen. In einem Interview erklärte Yann Delabrière, dass Faurecia auf einen Verkauf durch PSA Peugeot Citroën vorbereitet sei.[14] PSA-Finanzchef Jean-Baptist de Chatillon bekräftigte jedoch, dass der Automobilzulieferer „nicht zu verkaufen“ sei.[15]

Kunden[Bearbeiten]

Faurecia beliefert alle großen Automobilhersteller weltweit.

Nach Kunden verteilen sich die Umsätze des Unternehmens 2014 wie folgt:[2]

Umsatz 2014 nach Kunden
Kunde Umsatz
Volkswagen-Gruppe 24,6 %
Ford-Gruppe 14,6 %
PSA Peugeot-Citroën 13,7 %
Renault-Nissan 11,1 %
General Motors 8,1 %
Daimler 7,3 %
BMW 6,0 %
Chrysler 4,3 %
Hyundai 1,6 %
Andere 8,7 %

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Autositze[Bearbeiten]

Der französische Automobilzulieferer designt und produziert alle Komponenten eines Sitzes: Rahmen, Verstellmechanismen, Schienen, Schaumstoffe und Sitzbezüge. Die Autositze bieten Lösungen für Sicherheit wie den Schutz vor Schleudertraumata, Komfort, Qualität, Modularität und Gewichtsreduzierung, die unter anderem durch die Verwendung von Natur- bzw. Recyclingmaterialien erzielt werden. [16]

Abgastechnik[Bearbeiten]

Im Bereich der Technologien zur Emissionskontrolle entwickelt und produziert Faurecia Abgasanlagen, von Katalysatoren über Krümmer bis zu Schalldämpfern und Dieselpartikelfiltern. Seit der Übernahme von EMCON Technologies im Februar 2010 ist Faurecia weltweit marktführend in diesem Bereich. [17]

Innenraumsysteme[Bearbeiten]

Im Bereich der Innenraumsysteme entwirft der Automobilzulieferer Armaturenbretter, Mittelkonsolen, Türverkleidungen und -module sowie Akustikmodule. Im Rahmen von SAS, dem Joint Venture mit Continental, beliefert Faurecia Automobilhersteller mit schlüsselfertigen Innenraumsystemen aus seinen Just-in-time-Werken.[18]

Kunststoffaußenteile[Bearbeiten]

Faurecia produziert drei Außenmodule: Frontends (inklusive Motoren-Kühlsysteme), Außensysteme (Stoßstangen, Designelemente) und Stoßfängersysteme. Die Produktion von Stoßstangen und Frontend-Modulen beträgt 4,5 Millionen Stück pro Jahr.[19]

Forschung & Entwicklung[Bearbeiten]

In seinen Forschungseinrichtungen konzentriert sich der Konzern auf sechs Bereiche: Qualität sowie Komfort, Sicherheit, Umweltschutz, Kostenreduzierung und Integrationsfähigkeit. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 6.000 Ingenieure und Techniker in 30 Forschungs- und Entwicklungszentren.[2]

Faurecia in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland, wo Faurecia ebenfalls in allen Geschäftsbereichen fertigt, beschäftigt das Unternehmen rund 12.000 Mitarbeiter und verfügt über zehn Forschungs- und Entwicklungszentren. Seinen deutschen Hauptsitz hat Faurecia in Stadthagen bei Hannover. Der größte deutsche Standort mit 1.500 Mitarbeitern befindet sich in Augsburg.

Im Juni 2013 eröffnete Faurecia die Ideenwerkstatt „dWorks“ für die Erforschung und Entwicklung von Autositzen in München. Von hier aus sollen zukünftig die europäischen Automobilhersteller bei der Entwicklung neuer Konzepte bis zur Marktreife unterstützt werden.[20] 2015 wurde der niedersächsische Faurecia Standort in Peine im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs von der Fachzeitschrift Produktion und der Unternehmensberatung A.T. Kearney als "Fabrik des Jahres" in der Kategorie "Hervorragende Großserienfertigung" ausgezeichnet[21].

Kritik[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 war Faurecia in eine Bestechungsaffäre verwickelt. Laut Staatsanwaltschaft wurden dabei jahrelang Zahlungen an Angestellte von Autoherstellern geleistet, um Aufträge für das Unternehmen zu sichern. Der damalige Chef des französischen Autozulieferers, Pierre Lévi, war in diese Affäre verwickelt und trat deshalb am 2. August 2006 zurück. Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass er innerhalb von fünf Jahren Schmiergeldzahlungen in Höhe von 1,25 Millionen Euro gebilligt hatte und verurteilte ihn zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 300.000 Euro.[22][23] Zum neuen Chairman und CEO von Faurecia wurde am 20. Februar 2007 Yann Delabrière ernannt, der das Unternehmen bis heute leitet. Unter seiner Mitwirkung führte Faurecia 2007 als Konsequenz aus der Bestechungsaffäre eine Ethik-Charta ein. Sie legt die Verhaltensgrundsätze bei Faurecia sowohl für den firmeninternen Umgang als auch für externe Beziehungen fest.[24][25]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Faurecia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Faurecia Activity Report 2014
  2. a b c d Faurecia.de: Jahresergebnisse 2014
  3. Faurecia.de: Jahresergebnisse 2013
  4. Automobil-Produktion.de: Die zehn größten Autozulieferer weltweit. Stand Geschäftsjahre 2009/2010.
  5. Faurecia.de: Unternehmensstrategie.
  6. a b c faurecia.de: Historie. abgerufen am 2. Oktober 2013
  7. Caterina Schroeder: Faurecia übernimmt Plastal. Meldung bei ATZonline, abgerufen am 14. Februar 2013.
  8. Plastal: Faurecia übernimmt auch spanische Tochter des Automobilzulieferers. Plasticker-News vom 4. Oktober 2010.
  9. Faurecia Newsroom [1] Meldung vom 26. Oktober 2010.
  10. Angell-Demmel Website Abgerufen: 23. Oktober 2011
  11. Katrin Pudenz: Faurecia plant Übernahme von Angell-Demmel Europe. Meldung bei ATZonline.de, abgerufen am 14. Februar 2013.
  12. Katrin Prudenz: Faurecia: Strategische Beteiligung an Amminex. Meldung in ATZonline.de vom 19. Januar 2011.
  13. Katrin Pudenz: Faurecia und Rhodia entwickeln Bauteile für Leichtbausitze. Meldung bei ATZonline.de, abgerufen am 14. Februar 2013.
  14. http://www.zeit.de/news/2013-02/12/frankreich-peugeot-tochter-faurecia-bereit-fuer-moeglichen-verkauf-12124212
  15. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/minus-5-milliarden-euro-peugeot-macht-rekordverlust-12061255.html
  16. Faurecia.com: Automotive Seating.
  17. http://www.autohaus.de/faurecia-wird-marktfuehrer-bei-abgaskontrolle-899374.html
  18. http://www.sas-automotive.com/
  19. Faurecia.de: Automotive Exteriors.
  20. Automotive Technology: Zulieferer Faurecia eröffnet Think Tank zur Entwicklung von Sitzsystemen. Meldung bei automotive-technology.de vom 27. Juni 2013.
  21. Faurecia.de: Awards
  22. RP online: Ex-Faurecia-Chef Levi wegen Bestechung verurteilt.
  23. Süddeutsche: Bestechungsskandal – Faurecia-Chef Levi tritt zurück
  24. http://www.produktion.de/news/yann-delabriere-zum-chairman-und-ceo-von-faurecia-ernannt/
  25. Faurecia Ethik Charta. (PDF; 579 kB)