Umspannanlage Brauweiler

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Umspannwerk Brauweiler
Einfahrtsbereich der Umspannanlage Brauweiler

Einfahrtsbereich der Umspannanlage Brauweiler

Daten
Ort Pulheim-Brauweiler
Bauherr Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk
Baujahr 1928
Koordinaten 50° 58′ 0″ N, 6° 48′ 23″ OKoordinaten: 50° 58′ 0″ N, 6° 48′ 23″ O
Umspannwerk Brauweiler (Nordrhein-Westfalen)
Umspannwerk Brauweiler

Die Umspannanlage Brauweiler (auch Umspannwerk oder Umspannstation Brauweiler genannt) ist ein Umspannwerk des Übertragungsnetzbetreibers Amprion (vormals RWE Transportnetz Strom) nahe dem Pulheimer Ortsteil Brauweiler. Die Anlage ist eine der größten ihrer Art in Deutschland und hat eine zentrale Rolle in der Lastverteilung in Deutschland und Nordeuropa.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freileitungen verlassen das Umspannwerk in Richtung Süden

Die Anlage entstand in den 1920er Jahren im Zuge des Baus der Nord-Süd-Leitung, der weltweit ersten Verbundleitung, die den Energieaustausch zwischen den Kohlekraftwerken im Rheinland und den Wasserkraftwerken der von der RWE übernommenen Unternehmen im Schwarzwald und im Vorarlberg bewerkstelligen sollte. Zweck der Anlage war die Lastverteilung der in den umliegenden Braunkohlekraftwerken erzeugten elektrischen Energie auf der 110- und 220-kV-Ebene.

In Betrieb genommen wurde das Umspannwerk am 28. Oktober 1928, gleichzeitig zog auch die zentrale Netzleitstelle des RWE-Hochspannungsnetzes vom südlicher gelegenen Kraftwerk Goldenberg auf das Gelände in Brauweiler um und firmierte unter Hauptschaltleitung Brauweiler. Dies machte die Umspannanlage europaweit bekannt. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme war sie mit einer Leistung von 3,5 Millionen kVA die größte Umspannanlage der Welt.

Gleichzeitig wurde sie in ein System an 220-kV-Ringleitungen einbezogen, das mit den Kraftwerken Niederrhein bei Wesel, Ibbenbüren (Nike) und dem Koepchenwerk bei Herdecke verbunden war. Auch die Kraftwerke Fortuna und Zukunft bei Weisweiler wurden mit der Anlage gekuppelt. Über diese konnte auch die Energie des Wasserkraftwerkes Heimbach eingespeist werden.[1]

Über eine 1944 fertiggestellte 220-kV-Verbindung konnte während des Zweiten Weltkrieges ein Stromaustausch mit den damals besetzten Niederlanden und Belgien bewerkstelligt werden. Die Leitung führte von Brauweiler über das Kraftwerk Zukunft in die Niederlande, wo sie sich zum niederländischen Umspannwerk Lutterade und weiter zum belgischen Umspannwerk Jupille verzweigte.[2] Nachdem die Leitung 1987 an der deutsch-niederländischen Grenze demontiert wurde, existieren heute in allen drei Ländern noch einzelne Fragmente.

Obwohl zwei 380-kV-Leitungen über das Werksgelände geführt werden, hat das Umspannwerk keine 380-kV-Schaltanlage. Diese befindet sich in der nordöstlich gelegenen Umspannanlage Rommerskirchen.

Die Hauptschaltleitung Brauweiler trägt heute den Namen Systemführung Netze und dient nach wie vor der Überwachung und Steuerung des Übertragungsnetzes.

Technische Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Areal der Umspannanlage Brauweiler befindet sich die Systemführung Netze der Amprion. Von ihr werden große Teile des deutschen Höchstspannungsnetzes fernüberwacht und ferngeschaltet sowie der Verbundbetrieb der Stromversorgung, also die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Übertragungsnetzbetreibern, für ganz Deutschland und den nördlichen Teil des europäischen Stromübertragungsnetzes auf den Spannungsebenen 380 kV und 220 kV koordiniert und bilanziert (siehe UCTE). Hierzu gehören die Stromnetze der Länder Belgien, Bulgarien, Deutschland, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn.

Um dies zu bewerkstelligen setzen Amprion und RWE auch Richtfunkverbindungen ein. Deshalb befindet sich auf dem Areal der Umspannanlage Brauweiler (wie bei allen großen Umspannanlagen) ein als freistehende Stahlfachwerkkonstruktion ausgeführter Richtfunkturm.

Auch das RWE-Logistikzentrum ist auf dem Areal angesiedelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. Kirchhoff: Unternehmungsform und Verkaufspolitik der Stromversorgung. Verlag von Julius Springer, Berlin 1933, S. 9
  2. Technische Universiteit Eindhoven: Electrifying Europe, S. 118. Abgerufen am 11. März 2017.