Ungarische Botschaft in Berlin

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Koordinaten: 52° 31′ 0,4″ N, 13° 22′ 51,5″ O

Neubau der Ungarischen Botschaft in Berlin-Mitte, 2010
Ehemaliges ungarisches Botschaftsgebäude, 1966

Die Ungarische Botschaft in Berlin ist der Hauptsitz der diplomatischen Vertretung von Ungarn in Deutschland. Sie befindet sich am Boulevard Unter den Linden 76 im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1918 war Ungarn Teil der k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn, dessen diplomatische Vertretung beim Deutschen Reich sich ab 1890 am Kronprinzenufer 14 (heute Bettina-von-Arnim-Ufer) im Alsenviertel befand.[1] Aus dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs ging ein selbständiges Ungarn hervor. Die neugebildete ungarische Gesandtschaftskanzlei bezog zunächst das Haus Corneliusstraße 8[2] und später ein Palais in der Drakestraße 2 in Berlin-Tiergarten.[3] Heute ist das Grundstück Teil des Erweiterungsgeländes des Zoologischen Gartens, nur das Nachbargrundstück mit der ehemaligen Dänischen Gesandtschaft ist noch bebaut.

Ungarischer Gesandter in Berlin war von 1935 bis 1944 Döme Sztójay, der dort schon von 1925 bis 1933 als Militärattaché tätig war. Sztójay gehörte zum inneren Zirkel von Reichsverweser Miklós Horthy und hatte „unerschütterliches Vertrauen“ in den Sieg des nationalsozialistischen Deutschlands, mit dem Ungarn verbündet war. Sztójay wurde nach seiner Abberufung aus Berlin ungarischer Ministerpräsident und 1946 in Ungarn hingerichtet.[4]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gesandtschaftsgebäude zerstört. Zugleich hatte Deutschland infolge der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte im Mai 1945 seine staatliche Souveränität verloren und unterhielt daher nicht länger Auslandsbeziehungen. Die alliierten Siegermächte übten die Regierungsgewalt in Deutschland durch Militärregierungen aus, wobei Vertretungen der mit ihnen verbündeten Staaten als Militärmissionen beim Alliierten Kontrollrat akkreditiert waren. Ungarn, das zu den besiegten Achsenmächten gehörte, gewann im Februar 1947 seine Souveränität mit den Pariser Friedensverträgen wieder, war aber in Berlin zunächst nicht vertreten.

Erst nach der Anerkennung der DDR durch die Ungarische Volksrepublik am 18. Oktober 1949 gab es eine diplomatische Mission Ungarns in Ost-Berlin, die 1953 zur Botschaft erhoben wurde. Sie befand sich in der Puschkinallee 49 in Berlin-Treptow.[5] Im Oktober 1966 verlegte sie ihren Sitz in die Straße Unter den Linden Ecke Otto-Grotewohl-Straße in einen Neubau. In West-Berlin unterhielt die Volksrepublik ein Konsulat im Reifträgerweg 27–29 in Nikolassee. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin schloss Ungarn 1999 die Botschaft in Bonn, während der Standort Unter den Linden erhalten blieb. Dort entstand von 1999 bis 2001 ein Neubau anstelle des bisherigen Gebäudes.

Botschafter in Berlin war von Sommer 2000 bis Ende 2002 Gergely Prőhle, danach bis 2010 Sándor Peisch, der im Dezember 2010 von József Czukor abgelöst wurde.[6] Seit November 2015 ist der ungarische Botschafter in Berlin Péter Györkös.

Gebäude Unter den Linden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1966 verlegte die Ungarische Botschaft ihren Sitz in die Straße Unter den Linden 74–76 Ecke Otto-Grotewohl-Straße in einen anstelle einer Kriegsruine errichteten Neubau mit damals freiem Blick zum Brandenburger Tor.

Die ungarische Regierung entschied sich – trotz Denkmalschutz[7] – für einen Neubau nach einem Entwurf des Architekten Ádám Sylvester. Er entstand von 1999 bis 2001 anstelle des bisherigen Gebäudes.[8] Die Eröffnung fand am 11. September 2001 statt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ungarische Botschaft in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Behörden. In: Berliner Adreßbuch, 1913, Teil 2, S. 15.
  2. Behörden. In: Berliner Adreßbuch, 1924, Teil 3, S. 7.
  3. Matthias Donath: Architektur in Berlin 1933–1945. Ein Stadtführer. Lukas Verlag, Berlin 2004, S. 99
  4. Eric Roman: Austria-Hungary & the Successor States. Infobase, New York 2003, ISBN 0-8160-4537-2, S. 564.
  5. Botschaften. In: Fernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR, 1963, S. 37.
  6. Neuer ungarische Botschafter in Berlin: Prof. Dr. József Czukor.@1@2Vorlage:Toter Link/www.europaeische-bewegung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Abgerufen am 14. Dezember 2010.
  7. Landesdenkmalrat protestiert gegen Abriß der Ungarischen Botschaft. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 27. Oktober 1998; abgerufen 7. Oktober 2013
  8. Ulrich Paul: Roland Ernst errichtet Botschaft Ungarns. In: Berliner Zeitung, 18. September 1998.