Griechische Botschaft in Berlin

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Griechische Botschaft in Berlin
Gebäude der Griechischen Botschaft in der Hildebrandstraße,November 2015

Gebäude der Griechischen Botschaft in der Hildebrandstraße,
November 2015

Daten
Ort Berlin-Mitte
Baujahr 1912, 1920 umgestaltet; 2011–2012 Neuaufbau (bis 2015 unvollendet)
Koordinaten 52° 30′ 51″ N, 13° 23′ 38″ OKoordinaten: 52° 30′ 51″ N, 13° 23′ 38″ O

Die Griechische Botschaft in Berlin ist der Hauptsitz der diplomatischen Vertretung Griechenlands in Deutschland. Sie befindet sich in Berlin-Mitte im Ortsteil Tiergarten an der Hiroshimastraße 11. Bis zur Fertigstellung des neuen Botschaftsgebäudes am historischen Standort werden die Geschäfte der Botschaft von einem gemieteten Gebäude an der Jägerstraße 54–55 in Berlin-Mitte aus betrieben. Ab 2012 gab es einen totalen Baustillstand, der 2015 noch anhält; ein Fertigstellungstermin ist ungewiss.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahr 1834 richtete der gerade neu gegründete griechische Staat eine diplomatische Vertretung in der Hauptstadt des Königreichs Preußen ein, die in den ersten Jahrzehnten keine offizielle Kanzlei betrieb. In den Berliner Adressbüchern vom Ende des 19. Jahrhunderts sind dagegen stets Gesandte und ein Botschaftssekretär mit ihren jeweiligen Wohnadressen genannt. Über alle geschichtlichen Veränderungen hinweg blieb die Botschaft in Deutschland bestehen.[2] Nach der Teilung Deutschlands unterhielt die griechische Republik eine Botschaft in Bonn (siehe Eintrag in Botschaftsliste) und seit 1973 in der DDR mit Sitz in Berlin (Otto-Grotewohl-Straße 3a; seit 1993 Wilhelmstraße 66).[3]

Botschaftsgebäude in Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das spätere Botschaftsgebäude war 1912 nach Plänen des Architekten Robert Leibnitz als Wohnhaus für den Fabrikbesitzer Sigmund Bergmann errichtet worden und Teil einer Villenkolonie. Es befindet sich auf einem langgestreckten Grundstück im Karree Hildebrandstraße 4 / Reichpietschufer/ Hiroshimastraße 11–13 / Tiergartenstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Italienischen Botschaft und zum Großen Tiergarten.

Der im Stil des Neoklassizismus gestaltete Bau besaß zwei geschmückte Fassaden zu den östlich und westlich des Gebäudes verlaufenden Straßen. Ein großzügiger Grundriss ermöglichte eine klare Nutzungsaufteilung – zu einer Straßenseite hin entstanden Gesellschaftsräume, zur damaligen Hohenzollernstraße (später Graf-Spee-Straße, heute Hiroshimastraße) befanden sich die Wohn- und Schlafräume der Fabrikantenfamilie, die Gebäudetrakte verbunden durch einen galerieartigen Speisesaal. Als sich in der Reichshauptstadt nach dem Ende des Kaiserreichs weitere Botschaften niederließen, mietete der griechische Staat das Grundstück samt Villa und verlegte ab 1920 seine diplomatische Vertretung hierher. 1940, mit Ausbruch des Krieges zwischen Griechenland und Italien wurde der Botschaftsbetrieb von deutscher Seite beendet und die Botschaft geschlossen. Durch die 1945 erfolgte Aufteilung Berlins in vier Sektoren fiel das Gelände der Botschaft schließlich in die britische Verwaltung. 1948 schenkten die damaligen Besitzer des Gebäudes (Paikos und Bostantzoglou, zwei griechische Geschäftsmänner) die Villa offiziell dem griechischen Staat.

Das Königreich Griechenland richtete in den 1950er Jahren am Dienstort Bonn (An der Marienkapelle 10–12) jedoch eine neue diplomatische Vertretung ein. Die Nähe des Berliner Botschaftsgebäudes zur 1961 gebauten Mauer führte schließlich zum Leerstand des Hauses, das Gebäude verfiel und musste 1983 durch die Bauaufsicht gesperrt werden. Es wurde aber von Hausbesetzern illegal genutzt und erlitt durch einen Dachstuhlbrand einen Totalschaden.

Haus vor der endgültigen Demontage 2010

Abriss und Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der griechische Staat beschloss 1998 aufgrund des Umzugs der deutschen Regierung nach Berlin (Berlin/Bonn-Gesetz), ebenfalls in die deutsche Hauptstadt zurück zu wechseln. Das ursprüngliche Gebäude samt Grundbesitz am Tiergarten war inzwischen ausgebrannt und verfallen. Allerdings stand das historische Gebäude da bereits unter Denkmalschutz.[4] Der Gebäudekomplex ist griechisches Eigentum geblieben, weshalb nach dem Regierungsumzug nach Berlin zunächst ein Wiederaufbau in Erwägung gezogen wurde, ein Baugutachten empfahl jedoch den Abriss der Ruine. Zuvor wurde die Sandsteinfassade vermessen, nummeriert, demontiert, gesäubert und zur Wiederverwendung eingelagert. Im April 2010 erfolgte der Abriss des desolaten Gebäudes. Nun konnte ein Neubau (und Anbau) an dieser Stelle beginnen, für den ein knappes Budget von 13 Mio. Euro zur Verfügung stand. Der Sandsteinfassade stehen der weitestgehende Verzicht auf kostspielige historisierende Elemente wie aufwendige Holzfenster gegenüber. Die Architekten hatten die Vorgabe, unter energetischen Aspekten eine Energieeinsparung von 40 Prozent gegenüber einem konventionellen zeitgemäßen Bürogebäude zu planen.

Der Bau ging zunächst zügig voran, so dass im August 2011 die restaurierte Fassade eingefügt werden konnte. Anfang 2013 sollten das rekonstruierte historische Botschaftsgebäude und der danebenstehende Neubau bezugsfertig sein.[5] Der gesamte Komplex soll letztendlich eine Dreifachnutzung – als Botschaftskanzlei, als Residenz des Botschafters und als Konsulat – ermöglichen.

Zeitweilige Griechische Botschaft im ehemaligen Bankhaus Ebeling an der Jägerstraße 54–55 in Berlin-Mitte

Im Jahr 2012 wurden alle Bauarbeiten eingestellt, selbst Baumaterialien wurden nicht mehr bewegt. Da die beteiligten Baufirmen dem nachfragenden Fernsehsender keinerlei Auskünfte gaben, vermuten Insider, dass etliche Rechnungen offengeblieben sind.[1] Diese Situation steht sicherlich auch in einem Zusammenhang mit der Finanzkrise in Griechenland insgesamt. Wann die Arbeiten weitergehen oder eine Einweihung vorgesehen ist, steht derzeit (Juli 2016) nicht fest.

Interimsnutzung Jägerstraße 54–55[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Abschluss der Bauarbeiten nutzt der Botschafter mit seinem Stab ein vom griechischen Staat angemietetes, saniertes ehemaliges Bankgebäude in der Jägerstraße 54/55 in Berlin-Mitte.[6] Unmittelbar daneben befinden sich die Belgische Botschaft, gegenüber die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Botschafter gibt es folgende Arbeitsbereiche: Botschaftskanzlei, Presse- und Informationsbüro, Militärabteilung, Schulwesen, Wirtschaft und Handel, sowie die Konsularabteilung.

Zusätzlich zur Botschaft unterhält Griechenland in vier großen deutschen Städten Generalkonsulate (Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart).

Die offizielle Bezeichnung der diplomatischen Vertretung lautet Botschaft der HELLENISCHEN REPUBLIK in Deutschland.[7]

Griechischer Botschafter seit 2015 ist Theodoros Daskarolis; er wurde am 28. September 2015 beim Bundespräsidenten akkreditiert.[8] Sein Vorgänger seit Januar 2015 war Panagiotis Kalogeropoulos.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Archivmaterialien zur Griechischen Botschaft in Bonn: Bundesarchiv Signatur BArch, Ko, B119/4689
  • Jörg Niendorf: Fast wie vor 60 Jahren. In: Berliner Zeitung, 3. Februar 2005. „Kriegsfolgen – Am 3. Februar 1945 zerstörten amerikanische Bomben große Teile der Stadt. Einige Häuser erinnern noch daran“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Griechische Botschaft in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bau der Griechischen Botschaft ruht weiter (Memento vom 1. August 2015 im Internet Archive), rbb-Abendschau in der ARD-Mediathek, 28. Juli 2015.
  2. Information der Botschaftskanzlei. (Memento vom 10. Juni 2012 im Internet Archive) abgerufen am 24. März 2010
  3. Berlin. Buchplan. VEB Tourist Verlag, Berlin/Leipzig 1980, ISBN 3-350-00155-6, S. 53.
  4. Baudenkmal Griechische Botschaft, Hiroshimastr. 11
  5. Griechische Residenz in Tiergarten – Der Botschaft neue Kleider. auf qiez.de
  6. Baudenkmal Jägerstraße 54-55, Bankhaus Ebeling, 1914-15
  7. Kopf der Botschafts-Homepage. abgerufen am 28. Dezember 2012
  8. Meldung über Botschafterakkreditierung auf der Seite des Bundespräsidialamtes (Memento vom 11. Januar 2015 im Webarchiv archive.is), abgerufen am 8. Januar 2015