Indische Botschaft in Berlin

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IndienIndien Indische Botschaft in Deutschland
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Staatliche Ebene bilateral
Stellung der Behörde
Botschaft
Aufsichts­behörde(n) Außenministerium
Bestehen seit 1952
Hauptsitz DeutschlandDeutschland Berlin
Botschafter Gurjit Singh
seit Januar 2016
Website www.indianembassy.de
Botschaftsgebäude von der Tiergartenstraße aus gesehen

Die Indische Botschaft ist die diplomatische Vertretung der Republik Indien in der Bundesrepublik Deutschland. Erste Botschafter zwischen der alten Bundesrepublik und Indien wurden bereits 1952 ausgetauscht, nachdem Indien 1949 als eines der ersten Länder die neue Bundesrepublik anerkannt hatte. Im Jahr 1951 schlossen beide Staaten den entsprechenden Vertrag. Zwischen 1971 und 1990 bestand auch eine diplomatische Mission Indiens in der DDR.

Geschichte der beiderseitigen Diplomatie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum beschlossenen Regierungsumzug von Bonn nach Berlin hatte die Auslandsvertretung Indiens ihren Sitz in Bonn.

Auch mit der DDR bestanden diplomatische Beziehungen, die Indische Botschaft befand sich in der Clara-Zetkin-Straße 89 (seit 1995 wieder Dorotheenstraße).[1] Das Haus Nummer 89 wurde zusammen mit den Nachbarhäusern 85, 87 und 91 vom Architekten Roland Korn entworfen und 1973/1974 errichtet.

Zwischen 1999 und 2001 wurde im Botschaftsviertel des Berliner Ortsteils Tiergarten der neue Hauptsitz der Botschaft in Deutschland errichtet. Die Baupläne stammen vom Berliner Architekturbüro Léon-Wohlhage-Wernik. Das fertige Gebäude wird durch seine farblich ungewöhnliche Gestaltung geprägt – die Fassade besteht aus indischem roten Sandstein.

Im Januar 2016 wurde Gurjit Singh zum neuen Botschafter in Deutschland berufen, der schon einige Jahre Erfahrungen im diplomatischen Dienst seines Landes besitzt. Er löste Vijai Vokata ab, der zwischen 2013 und 2016 amtierte.[2][3]

Lage, Bau und Architektur des Botschaftsgebäudes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indische Botschaft mit Nachbargebäuden

Die Botschaft befindet sich in der Tiergartenstraße 16/17 am südlichen Rand des Tiergartens zwischen Hildebrandstraße und Stauffenbergstraße. In diesem Block befinden sich derzeit vier Gebäude. Direkte Nachbarn der Indischen Botschaft sind westlich – von der Tiergartenstraße aus gesehen rechts – die Südafrikanische Botschaft (Nr. 18) und östlich – von der Tiergartenstraße aus gesehen links – die Baden-Württembergische Landesvertretung (Nr. 15). An die Landesvertretung schließt sich an der Ecke zur Stauffenbergstraße als viertes Gebäude die Österreichische Botschaft an. Das etwa 3500  große Grundstück der Indischen Botschaft ist an der Straßenfront knapp 40 Meter breit, gut 80 Meter tief und zur Straße leicht schief ausgerichtet.[4] Vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs befand sich auf dem Grundstück unter der Hausnummer 16 das Büro des Reichsverbands der deutschen Presse und unter der Hausnummer 17 das Britische Konsulat mit den Militärattaché-Abteilungen der drei Waffengattungen.[5]

In Bonn befand sich die Indische Botschaft an der Adenauerallee 262–264 (siehe: Botschaft der Republik Indien in Bonn). Nach dem Hauptstadtbeschluss von 1991 und dem Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 stand fest, dass die wesentlichen deutschen Ansprechpartner der höchsten diplomatischen Vertreter eines Landes – Bundeskanzleramt, Bundestag, Außenministerium und Wirtschaftsministerium ihren Sitz ab 1999 (spätestens 2000) in Berlin haben würden. Dementsprechend fasste das indische Außenministerium den Entschluss, die Indische Botschaft ebenfalls nach Berlin zu verlagern. Die Berliner Botschaft Indiens befand sich vorerst in Pankow im Gebäude der ehemaligen Indischen Botschaft bei der DDR. Da Pankow nicht zentral genug war, und das Gebäude nicht den Repräsentationsansprüchen Indiens entsprach, erwarb der indische Staat 1996 das Grundstück in der Tiergartenstraße 16/17,[6] und führte einen beschränkten Wettbewerb durch, bei dem das Berliner Büro Leon Wohlhage Wernik im März 1998 den 1. Preis gewann.[4] Indien war damit einer der wenigen Staaten, die den Entwurf ihrer Botschaftsneubauten in Berlin nicht an Architekten des eigenen Landes vergaben. So stammen die Entwürfe für die Botschaftsgebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft alle von Architekten der Herkunftsländer: mma architects aus Kapstadt für Südafrika, Hans Hollein für Österreich und Samir Rabie aus Kairo für Ägypten. Indien entschied sich hingegen bewusst für eine „architektursprachliche Übersetzung“ der indischen Architekturtradition durch ein deutsches Architekturbüro.[7]

Leon Wohlhage Wernik bestand[8] aus den Berliner Architekten Hilde Léon, Konrad Wohlhage und Siegfried Wernik, die auch die nahegelegene Landesvertretung von Bremen in der Hiroshimastraße 24 entwarfen, die ebenfalls eine rote Fassade besitzt, allerdings aus gestrichenem Putz. Die Berliner Architekturgalerie Aedes stellte beide Gebäude 2001 im Vergleich vor.[9] Am 9. September 1998 fand die Grundsteinlegung statt,[4] am 17. Januar 2001 wurde die Indische Botschaft in Anwesenheit der damaligen Außenminister von Deutschland und Indien – Joschka Fischer und Jaswant Singh – feierlich eröffnet. Erster indischer Botschafter, der den Neubau beziehen konnte, war Ronen Seng.[10] Die Baukosten betrugen 26 Millionen Mark[11] (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 17 Millionen Euro) bei einer Brutto-Grundfläche (BGF) von 18.200 m².[12]

Blick auf den Eingang zum Atrium (links das Staatswappen)

In die Nachbarschaft der Vertretungen von Südafrika und Baden-Württemberg reiht sich die Indische Botschaft mit einer geschlossenen Fassade ein, die vom zylindrischen Atrium angeschnitten wird, das so wie durch eine schmale Blende sichtbar wird.[13] Nach außen ist das Gebäude als Quader gestaltet, der die Fläche des Grundstücks fast komplett einnimmt. Im Innern ist das Gebäude hingegen deutlich in drei Abschnitte gegliedert: der erste Abschnitt von der Straßenfront aus gesehen ist ein fünfgeschossiger Baukörper mit quadratischem Grundriss, der von innen durch das Atrium erschlossen wird. Der zweite Abschnitt ist ein Garten mit fast quadratischem Grundriss, auf zwei Ebenen gelegen. Die höhere Ebene des Gartens befindet sich auf einem zweigeschossigen Sockelbau, der seitlich versetzt einen Turm mit kreisförmigen Grundriss trägt. Der Turm hat die gleiche Höhe wie die Traufhöhe des ersten Abschnitts und enthält die Arbeitsräume des Botschafters. Turm und Atrium haben den gleichen Durchmesser und die gleiche Höhe; somit wirkt der Turm in der Draufsicht wie aus dem Quader des ersten Abschnitts ausgestanzt.[14]

Auf der Ostseite des zweiten Abschnitts führt eine breite Freitreppe über die Tiefe des Gartens zum Dachgarten auf dem ersten Abschnitt. Gestaltung und Steigungswinkel der einläufigen Treppe soll an die historische Freiluftsternwarte Jantar Mantar erinnern.[7] Die tiefere Ebene des Gartens liegt auf Höhe des Bodenniveaus. Den dritten Abschnitt bildet ein fünfgeschossiger Riegel, der Wohnungen für Botschaftsangestellte enthält. Der Botschafter mit seiner Familie wohnt allerdings in einer Residenz an der Podbielskiallee in Dahlem.[15] Die Außenfassade des Baus ist mit einem roten Sandstein, dem Ruby Red der Region Barauli in Rajasthan verkleidet, dessen Oberfläche durch die bruchraue Spaltfläche des Steins und die unregelmäßige Verfugung der Quader lebendig gestaltet ist.[16] Aus Sandstein dieser Herkunftsregion wurde auch das Rote Fort in Agra erbaut.[17] Weitere beim Bau der Botschaft verwendete Natursteine sind grünlicher Kota-Kalkstein, schwarzer Naturstein aus Jhansi und schwarzer Kalkstein aus Kadapa.[18] Unter dem indischen Staatswappen am Eingang ist die dazugehörige Inschrift „Allein die Wahrheit siegt“ in Sanskrit eingemeißelt.

Vom Atrium aus sind alle öffentlich zugänglichen Räume erreichbar. Das Konsulat ist auch separat von der Westseite erschlossen. An das Atrium schließt sich eine doppelgeschossige Halle an, von der aus der Besucher im Erdgeschoss den großen Veranstaltungssaal erreicht, der sich zum Garten im Innenhof öffnet. Zum öffentlichen Bereich gehören außerdem eine Ausstellungshalle mit Bibliothek und ein Business-Center. Die äußere und innere Formgebung des Gebäudes ist kompromisslos modern, nimmt aber in Farb- und Materialwahl Bezüge zur Bautradition und Handwerkskunst Indiens auf. So werden als Trennwände filigran gearbeitete Jalis aus Stein verwendet, die in Indien gefertigt wurden.[15][19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nils Ballhausen: Ein Stück Indien – Botschaft der Republik Indien mit Konsulats- und Wohngebäude. In: Bauwelt, Nr. 14/2001, S. 18–23.
  • Lucas Elmenhorst: Kann man national bauen? Die Architektur der Botschaften Indiens, der Schweiz und Großbritanniens in Berlin. Gebr. Mann, Berlin 2010, ISBN 978-3-7861-2623-2. (Zugleich Dissertation an der Humboldt-Universität 2009).
  • Kerstin Englert, Jürgen Tietz (Hrsg.): Botschaften in Berlin, 2. überarb. Auflage. Gebrüder Mann, Berlin 2004, ISBN 3-7861-2494-9.
  • Katharina Fleischmann: Botschaften mit Botschaften? Staatsrepräsentation per Architektur am Beispiel der indischen Botschaft Berlin. In: Wolkenkuckucksheim, Internationale Zeitschrift für Theorie und Wissenschaft der Architektur, Technische Universität Cottbus, ZDB-ID 1424039-7, Nr. 12/2007. (Beitrag zu Himmel und Erde – Festschrift für Karsten Harries.)
  • Katharina Fleischmann: Botschaften mit Botschaften – von Raumbildern und einer neuen Länderkunde. BIS-Verlag, Oldenburg 2008, ISBN 978-3-8142-2108-3, urn:nbn:de:gbv:715-oops-9533. (Band 24 der Reihe Wahrnehmungsgeographische Studien, zugleich Dissertationsschrift an der FU Berlin 2005. Fokus sind die Südafrikanische und die Indische Botschaft in Berlin.)
  • Sabine Quenot: Von Rajasthan ins Diplomatenviertel (Memento vom 13. Juni 2007 im Internet Archive). In: Das Parlament, Nr. 48/2005 vom 28. November 2005.
  • Bernhard Schulz: Just arrived, Indien und Bremen in Berlin / Léon Wohlhage Wernik. Aedes, Berlin 2001. (Ausstellungskatalog)
  • Wolfgang Toepfer: Moderne Interpretation traditioneller indischer Kunst und Handwerk. Die Indische Botschaft in Berlin. In: Stein, Keramik & Sanitär, Nr.6/2002, ZDB-ID 1306914-7, S. 8–11.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Embassy of India in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berlin. Buchplan, VEB Tourist Verlag Berlin, 1988, S. 53.
  2. Biografie von Gurjit Singh auf Indianembassy.de; abgerufen am 8, Oktober 2016.
  3. Übersicht aller bisherigen Botschafter Indiens in Deutschland seit 1952, abgerufen am 8. Oktober 2016
  4. a b c Indischer Sandstein in Berlin – Grundsteinlegung bei der indischen Botschaft. Meldung auf BauNetz, 9. September 1998.
  5. Tiergartenstraße. In: Berliner Adreßbuch, 1936, Teil 4, S. 866.
  6. Botschaften: Republik Indien In: BauNetz Magazin. Abgerufen am 17. Januar 2010
  7. a b Katharina Fleischmann: Botschaften mit Botschaften? (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.is). In: Wolkenkuckucksheim, Nr. 12/2007.
  8. Konrad Wohlhage verstarb 2007 im Alter von 53 Jahren.
  9. just arrived: Indien und Bremen in Berlin – Léon Wohlhage Wernik Architekten, Berlin. Ausstellung in der Galerie „Aedes West“ in Charlottenburg vom 28. Mai bis 1. Juli 2001.
  10. Elisabeth Binder: Neue indische Botschaft: Klassischer Ausdruckstanz und ein Dach mit Aussicht. In: Der Tagesspiegel, 18. Januar 2001.
  11. Indische Botschaft in Berlin zur Ausschreibung bei der Architektenkammer Berlin.
  12. Angabe zu BGF bei Leon Wohlhage Wernik (abgerufen am 19. Januar 2010).
  13. Embassy of India Berlin (Memento vom 15. September 2007 im Internet Archive)
  14. Die gleiche Formensprache von rundem Turmaufsatz und zylindrischem Atrium als komplementärer Negativkörper findet sich in dem 1996 öffentlich präsentierten Entwurf, mit dem Moore Ruble Yudell den Wettbewerb für den Neubau der Amerikanischen Botschaft in Berlin gewonnen hatten; Foto. (PDF) In: Newsweek, 2008
  15. a b Dilek Güngör: Sechs Lichter für die Botschaft von Indien. In: Berliner Zeitung, 19. Januar 2001.
  16. Friedrich Müller: INSK kompakt. Ebner Verlag, Ulm, Blatt 90.21
  17. Die Herkunft des an der Botschaftsfassade verwendeten roten Sandsteins wird in einigen Publikationen falsch mit Uttar Pradesh angegeben, weil es in diesem Bundesstaat unweit von Agra einen weiteren Ort mit gleichen Namen gibt.
  18. Wolfgang Toepfer: Moderne Interpretation traditioneller indischer Kunst und Handwerk. In: Stein, Keramik & Sanitär, Nr. 6 / 2002, S. 8–11. (jedoch mit falscher Ortsbezeichnung)
  19. Details zum Botschaftsgebäude auf www.embassy.de, abgerufen am 8. Oktober 2016.

Koordinaten: 52° 30′ 34″ N, 13° 21′ 43,6″ O