Nordkoreanische Botschaft in Berlin

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Nordkoreanische Botschaft in Berlin (2011)
Nordkoreanische Botschaft um 1987 (heute als Hostel genutzt)

Die Nordkoreanische Botschaft in Berlin ist der Hauptsitz der diplomatischen Vertretung von Nordkorea in Deutschland. Sie befindet sich in der Glinkastraße 5–7 in Berlin-Mitte.

Lage, Gebäude und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Botschaftsgebäude liegt im ehemaligen Botschaftsviertel von Ost-Berlin im Bezirk Mitte. Das hier bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vorhandene Hotel Kaiserhof wurde Ende der 1940er Jahre enttrümmert und die Fläche eingeebnet. Zwischen 1969 und 1975 ließ die Demokratische Volksrepublik Korea ihre Botschaft an dieser Stelle bauen. Vor dem ehemaligen Kanzleiflügel zur Glinkastraße schließt das Botschaftsgelände ein Stück des ehemaligen Standortes der ebenfalls im Krieg zerstörten Dreifaltigkeitskirche ein, deren Grundriss, soweit außerhalb des Botschaftsgrundstücks gelegen, im Pflaster davor durch farbige Steine angedeutet ist. Außerdem umfasst das Botschaftsgelände ein Stück der Trasse der Mauerstraße, deren Verlauf hier unterbrochen ist.

In dem Gebäude war neben der Botschaft auch die Handelsvertretung untergebracht. Ursprünglich arbeiteten dort mehr als 100 Mitarbeiter, nach der Wende 1989 reduzierte sich die Zahl auf ungefähr 10.[1]

Mit der Deutschen Einheit wurde die Botschaft geschlossen und in ein „Büro für den Schutz der Interessen der Demokratischen Volksrepublik Korea“ umgewandelt; als Schutzmacht agierte die Volksrepublik China. Zugleich wurde die bisherige Botschaft der DDR in Pjöngjang in eine Interessenvertretung der Bundesrepublik Deutschland umgewandelt; als Schutzmacht agierte das Königreich Schweden. Am 1. März 2001 haben Deutschland und Nordkorea reguläre diplomatische Beziehungen aufgenommen, allerdings haben bislang keine Besuche von deutschen Regierungsdelegationen auf Ministerebene in Nordkorea stattgefunden. Es existieren keine Abkommen über eine finanzielle, wirtschaftliche, wissenschaftliche oder technologische Zusammenarbeit; im Oktober 2002 wurde ein Luftverkehrsabkommen und ein Investitionsförderungs- und Schutzvertrag paraphiert, deren Unterzeichnung ausgesetzt ist.[2] Am 26. Januar 2006 wurde Hong Chang-il als Botschafter der Demokratischen Volksrepublik Korea in Berlin akkreditiert.[3] Ihm folgte vom 2. September 2011 bis zum 24. April 2017 Hong Ri-si.[4] Am 24. April 2017 wurde Nam Jong Pak als Botschafter in Berlin akkreditiert.[5]

Das Gebäude selbst ist ein typischer Plattenbau mit mehreren Stockwerken. Ein Nebengebäude entlang der Mohrenstraße dient heute als eigentliche Botschaft, während der Kanzleiflügel von der Botschaft an verschiedene Einrichtungen verpachtet wird. Es beherbergt unter anderem ein Hostel.

Steuerhinterziehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das seit mindestens 2004 von Nordkorea verpachtete Hostel generierte zuletzt monatliche Mieteinnahmen von 40.000 Euro; das Kongresszentrum nicht eingerechnet. Aufgrund verschärfter Sanktionen der Vereinten Nationen als Reaktion auf das nordkoreanische Kernwaffenprogramm soll es von der Bundesregierung geschlossen werden, um Nordkorea keine finanziellen Einnahmen auf diesem Wege zu ermöglichen.[6] Steuern zahlte die Botschaft nicht und schuldet nun dem Fiskus um die 10 Millionen Euro. Eine Ratenzahlung in Höhe von 7000 Euro im Monat wurde vereinbart. Dies geschah erst, nachdem die Regierung mit einem Strafverfahren gedroht hatte.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dilek Güngör: Nordkorea nutzt wieder die alte Botschaft. In: Berliner Zeitung vom 8. März 2001, abgerufen am 4. April 2010
  2. Mitteilung »Beziehungen zwischen Nordkorea und Deutschland« (März 2011) auf der Homepage des Auswärtigen Amtes, aufgerufen am 20. August 2011
  3. News in Politikszene Nr. 81, S. 6 (Memento vom 18. August 2012 im Internet Archive) (PDF; 598 kB). Auf: politik-kommunikation.de
  4. business-and-diplomacy.de: New Ambassadors (Memento vom 16. April 2013 im Internet Archive)
  5. bundespraesident.de: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Termine/DE/Frank-Walter-Steinmeier/2017/04/170424-Botschafter-Akkreditierungen.html?nn=9042548 (Memento vom 26. April 2017 im Internet Archive)
  6. http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-mitte-bundesregierung-will-city-hostel-in-nordkoreas-botschaft-schliessen/19779534.html
  7. Georg Mascolo, Nicolas Richter: Nordkorea schuldet dem deutschen Fiskus Millionen. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 17. Mai 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nordkoreanische Botschaft in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 30′ 41″ N, 13° 23′ 10″ O