Mexikanische Botschaft in Berlin

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MexikoMexiko Mexikanische Botschaft in Deutschland
Embajada de México en Alemania
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Staatliche Ebene bilateral
Stellung der Behörde
Botschaft
Bestehen seit vor 1880
Hauptsitz DeutschlandDeutschland Berlin

Botschaftsrat

Alejandro Rivera Becerra
Website embamex.sre.gob.mx
Botschaftsgebäude in Berlin-Tiergarten

Die Mexikanische Botschaft im Berliner Ortsteil Tiergarten ist die diplomatische Vertretung Mexikos in Deutschland. Erste Austausche von Botschaftern fanden bereits im 19. Jahrhundert zwischen Mexiko und dem Deutschen Kaiserreich statt. Die Beziehungen wurden nach den Kriegen und mehrfachen gesellschaftlichen Veränderungen fortgeführt. Der Hauptsitz der Mexikanischen Botschaft befindet sich seit dem Jahr 2000 im Berliner Tiergartenviertel, Klingelhöferstraße 3. Botschafter seit April 2017 ist Rogelio Granguillhome Morfin, er löste Patricia Espinosa Cantellano im Amt ab.[1]

Geschichte der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Abschluss gegenseitiger diplomatischer Verträge um 1869 hatten die mexikanischen Diplomaten ihren Arbeitsplatz zunächst an ihrem Wohnsitz in der Reichshauptstadt Berlin. Um 1889 konnte der Generalkonsul Samelson mit seinem Vizekonsul ein Botschaftsgebäude in Berlin in der Straße Unter den Linden 33 beziehen.[2] Der deutsche Gesandte in der Stadt Mexiko war A. de Chapeaurouge (1880) und später Freiherr von Zedtwitz (1890).[3] Insgesamt hatte Deutschland bis zu 20 Konsule für die Konsulate in den dortigen Großstädten berufen. Die Gesandtschaftskanzlei Mexikos befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg in der Landgrafenstraße 13 (Berlin-Tiergarten W 62),[4] südlich des Landwehrkanals und nicht weit vom heutigen Standort entfernt. An der gesamten Landgrafenstraße gibt es keinen einzigen erhaltenen Altbau.

Im Dezember 1941 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern abgebrochen, im Jahr 1942 trat Mexiko sogar in den Krieg gegen Deutschland ein.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Bildung zweier deutscher Staaten wurden wieder Auslandsvertretungen in Deutschland unterhalten, ab 1952 zunächst mit der alten Bundesrepublik mit Sitz in Bonn, zuletzt an der Adenauerallee 100.

Seit der weltweiten diplomatischen Anerkennung der DDR in den 1970er Jahren bestand auch in Ost-Berlin eine diplomatische Mission Mexikos, die bis zu ihrer Schließung im Jahr 1990 ihren Sitz in der Homeyerstraße 40 in Berlin-Niederschönhausen hatte.[5]

Der Umzug der deutschen Regierung nach Berlin veranlasste auch die Vertreter Mexikos, ihre Botschaft in der deutschen Hauptstadt neu zu errichten. Sie erwarben mit Unterstützung des Berliner Senats ein Gelände im Klingelhöfer-Dreieck an der südwestlichen Ecke von Klingelhöferstraße und Rauchstraße, gegenüber dem Gebäudekomplex Nordische Botschaften. Der Haupteingang der Mexikanischen Botschaft befindet sich in der Klingelhöferstraße 3, die offizielle Bezeichnung ist Embajada de México en Alemania. Die Berliner Diplomaten sind verantwortlich für das deutsche Bundesgebiet, die Länder Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Der Generalkonsul mit Sitz in Frankfurt am Main ist Ansprechpartner für die Länder Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. In Bremen, Düsseldorf, Hamburg und Hannover arbeiten Honorarkonsule.[6]

Das Berliner Botschaftsgebäude wurde von den mexikanischen Architekten Francisco Serrano und Teodoro González de León entworfen, und 1999/2000 errichtet. Es ist für seine ungewöhnliche Fassadengestaltung mit vertikal gefächerten Betonstreben bekannt.

Lage, Bau und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In südlicher Richtung von der Mexikanische Botschaft befinden sich in der Klingelhöferstraße die Gebäude des Verbandes der Privaten Bausparkassen e. V. (Nr. 4), der Botschaft Malaysias (Nr. 6) und die Botschaften von Malta, Monaco und Luxemburg (gemeinsam in der Nr. 7). Das südlichste Nachbargebäude der Botschaften ist die Parteizentrale der CDU.

Auf dem Eckgrundstück Klingelhöferstraße/Rauchstraße hatte sich in der Vorkriegszeit die Tschechoslowakische Gesandtschaft befunden. Das mexikanische Außenministerium führte die Ausschreibung für den Entwurf des Neubaus für Botschaft und mexikanisches Kulturinstitut in einem beschränkten Wettbewerbsverfahren durch, zu dem acht Architekturbüros eingeladen waren. Die internationale Jury entschied sich für den Entwurf von Teodoro González de León und Francisco Serrano.[7][8]

Seitliche Sicht auf die Fassade mit den geneigten Betonstelen

Die Grundgestalt des Gebäudes wird durch einen fünfgeschossigen Quader mit einer Grundkantenlänge von ungefähr 45 Meter × 30 Meter gebildet. Die schmalere Seite des Gebäudes weist in Nord-Süd-Richtung zur Rauchstraße bzw. zum Nachbargebäude der Bausparkassen, die längere Seite weist zur Klingelhöferstraße bzw. nach hinten zum Nachbargebäude in der Rauchstraße. Da die Rauchstraße nicht rechtwinklig in die Klingelhöferstraße einmündet, ist auch der Gebäudegrundriss nicht rechteckig: die nordöstliche Ecke des Kubus ist zurückgesetzt, wodurch sich die Fassadenbreite zur Klingelhöferstraße auf rund 41 Meter verkürzt, die Fassadenbreite zur Rauchstraße auf rund 23 Meter. Die 18 Meter hohe Hauptfassade zur Klingelhöfer- und zur Rauchstraße besteht in der äußeren Schicht aus 40 senkrechten bzw. leicht schräg angestellten Betonstelen, die wie ein Lamellenvorhang wirken. Keine Betonstele gleicht der anderen, der Querschnitt der Fassadenelemente verändert sich stetig von Stele zu Stele. Der Beton enthält Zumischungen von Marmorsteinen und gemahlenem Marmor, und leuchtet dadurch weiß. Die Oberfläche des Betons an den Stelen und im Inneren des Gebäudes wurde in Handarbeit mit Spitzeisen und Drucklufthämmern bearbeitet, um eine kontrastreiche Oberfläche zu erzielen. Hinter dem Lamellenvorhang ist das Gebäude komplett verglast.

Die innere Gliederung des Gebäudes wird durch ein haushohes Atrium mit kreisförmigem Grundriss bestimmt, das der Besucher direkt hinter dem Haupteingang betritt. Im Erdgeschoss sind das Foyer und Mitarbeiterräume angeordnet, im ersten Obergeschoss die Konsularabteilung. Der Botschafter und seine direkten Mitarbeiter residieren in den beiden obersten Etagen. Auf dem Gebäude befindet sich ein treppenförmig angelegter Dachgarten, der durch Pflanzenwahl und Gartenanlage an die mittelamerikanische Flora erinnert. Die Eingangshalle ist mit Kleinplastiken und Skulpturen aus Bronze von Juan Soriano ausgestattet.[9] Das neue Botschaftsgebäude Mexikos wurde im November 2000 eingeweiht, der Baupreis lag bei 20 Millionen Mark.[10]

Die Formensprache des Gebäudes steht mit klaren geometrischen Formen in der Tradition von Le Corbusier, und nutzt Sonne und Schatten als Gestaltungsmittel. So entsteht das Idealbild einer für Mexiko typischen Moderne, die ohne Folklore auskommt.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dominic Giesel: Eine mexikanische Dachlandschaft – Der Neubau der mexikanischen Botschaft in Berlin. In: Stadt+Grün. April 2002, ISSN 0948-9770, S. 40–42 (PDF-Datei; 5,1 MB – Anmeldung zum Download erforderlich).
  • Vera Hertlein: Garten-Botschaften – Umzäunte Kultursignale. In: Architektenkammer Berlin (Hrsg.): Architektur in Berlin – Jahrbuch 2001. Junius Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-88506-510-X.
  • Falk Jaeger: Mexikanische Botschaft (Teodoro González de León, Francisco Serrano). In: Baumeister – Zeitschrift für Architektur, Heft III/2001, März 2001, ISSN 0005-674X, S. 66f.
  • Mexikanische Botschaft in Berlin. In: Detail – Zeitschrift für Architektur und Konzept, Heft 1/2001, S. 43, ISSN 0011-9571.
  • Sabine Quenot: Marmor für das Mexiko-Feeling. In: Das Parlament, Nr. 45/2005, 7. November 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mexikanische Botschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bundespraesident.de: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Termine/DE/Frank-Walter-Steinmeier/2017/04/170424-Botschafter-Akkreditierungen.html?nn=9042548 (Memento vom 26. April 2017 im Internet Archive)
  2. Auswärtige Generalkonsulate. In: Berliner Adreßbuch, 1890, IV, S. 18.
  3. Kaiserliche Gesandtschaften > Mexiko. In: Berliner Adreßbuch, 1890, IV, S. 11.
  4. Behördenverzeichnis. In: Berliner Adreßbuch, 1938, III, S. 11.
  5. Diplomatische und andere Vertretungen. In: Fernsprechbuch für die Hauptstadt der DDR, 1989, S. 100.
  6. Informationen des dt. Auswärtigen Amtes zur Mexikanischen Botschaft, abgerufen am 9. Oktober 2016.
  7. Botschaften – neue und restaurierte Bauten: Mexiko (Memento vom 11. Juli 2008 im Internet Archive) bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Senat von Berlin. Abgerufen am 5. November 2009.
  8. Teodoro Gonzales De Leon im InterviewTagesspiegel, 21. November 2000.
  9. Michael Nungesser: Der Traum von Mexiko. In: Der Tagesspiegel, 22. Dezember 2002.
  10. Christian van Lessen: Mexikos neue Botschaft: Weiße Säulen dienen als Blickfang. In: Der Tagesspiegel, 21. November 2000, ZDB-ID 125917-9.
  11. Dirk Meyhöfer: Sonne im Bauwerk – Botschaften des Südens. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. August 2001.

Koordinaten: 52° 30′ 29,2″ N, 13° 21′ 4,1″ O