Volvo Serie 900

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Volvo 940)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Volvo
Volvo 940 (1990–1994)

Volvo 940 (1990–1994)

940/960/S90/V90
Produktionszeitraum: 1990–1998
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
2,0–3,0 Liter
(82–150 kW)
Dieselmotoren: 2,4 Liter (60–90 kW)
Länge: 4840–4871 mm
Breite: 1750 mm
Höhe: 1410 mm
Radstand: 2770 mm
Leergewicht: 1370–1600 kg
Vorgängermodell Volvo 740/760
Nachfolgemodell Volvo S80

Die Volvo Serie 900 bezeichnet eine Reihe von PKW-Modellen des schwedischen Automobilherstellers Volvo, die der oberen Mittelklasse angehören und von Sommer 1990 bis Frühjahr 1998 hergestellt wurden.

Typenbezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 900er-Serie umfasste zunächst die Fahrzeugtypen 940 und 960.

Die Bezeichnungen stehen in der Regel für die Anzahl der Zylinder des Motors (940: Vierzylinder; 960: Sechszylinder).

Ende 1996 veränderte Volvo die Verkaufsbezeichnungen seiner Modelle: Die Kombis wurden fortan als „V“ (für Versatility = engl. für Vielseitigkeit), die Limousinen als „S“ (für Sedan = engl. für Limousine) bezeichnet. Die jeweils nachfolgende zweistellige Zahl steht für die Baureihe (z. B. S40, V70). Aus der 960 Limousine wurde so der S90, aus dem 960 Kombi der V90. Allerdings gibt es auch Fahrzeuge, die während des Modelljahres 1997 gebaut wurden, aber dennoch die Typenbezeichnung 960 tragen.

Unterscheiden lässt sich der S90/V90 vom 964/965 anhand von Kleinigkeiten z. B. durch die Anordnung der Sitzheizungsschalter. Diese sind nicht mehr hintereinander in Fahrtrichtung angeordnet, sondern befinden sich links und rechts vor dem Automatikwahlhebel.

Der 940 war von der Änderung der Typenbezeichnungen nicht betroffen. Er wurde bis zum Ende der Produktion unter der bisherigen Bezeichnung verkauft.

Modellgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 900er-Serie wurde im Herbst 1990 als Weiterentwicklung der 700er-Serie eingeführt und löste diese im Spätsommer 1992 vollständig ab.

Die 960er waren mit den 940er-Modellen weitgehend baugleich, hatten jedoch eine umfangreichere Ausstattung und wurden stets mit den stärksten für den jeweiligen Markt vorgesehenen Motoren ausgerüstet (2.3 Turbo-Benziner und 2.4 Turbo-Diesel nicht in Deutschland erhältlich). Zudem waren die 960-Limousinen mit einer aufwendigen Mehrlenker-Hinterachse, Bezeichnung: Multilink I, ausgerüstet. Diese Achse war auch schon in den Limousinen des Volvo 760 verwendet worden. Die 940 Limousine sowie alle Kombis waren mit einer hinteren Starrachse ausgerüstet, die weniger wartungsaufwendig ist und durch ihre Spur- und Sturzkonstanz ein gutmütiges Fahrverhalten zeigt.

Im Sommer 1994 wurde eine stärkere optische Differenzierung zwischen den Baureihen 940 und 960 vorgenommen. Die Änderungen waren so umfangreich (u. a. vollständig geänderte, strömungsgünstigere Frontpartie), dass die betreffenden 960er auch als "960 II" bezeichnet werden.

Zu diesem Zeitpunkt erhielt die Baureihe 960 auch eine völlig neu konstruierte Mehrlenker-Hinterachse "Multilink II" mit querliegender Blattfeder aus glasfaserverstärktem Kunststoff, Zusatzfedern sowie Stoßdämpfern mit automatischer Niveauregulierung. Diese Hinterachse wurde sowohl in der Limousine als auch im Kombi verwendet.

Während die 940 Limousine bereits vor der Produktionseinstellung vom deutschen Markt genommen wurde, war der Kombi bis zum Ende der Bauzeit der Baureihe erhältlich.

Mit der Einstellung der Produktion der 900er-Serie im Frühjahr 1998 endete bei Volvo zugleich das Zeitalter des Hinterradantriebs.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenso wie bei der Serie 700 hatte auch die Serie 900 einen Radstand von 2770 mm. Die Außenlänge variiert je nach Ausführung zwischen 4844 mm und 4871 mm. Zudem gab es die Ausführungen 960 Executive bzw. S90 Executive. Dabei handelt es sich um Limousinen mit verlängertem Radstand und einer Gesamtlänge von über 5 Metern. Ebenso existieren Sonderfahrzeuge auf Basis der 900er Serie, z.B. Krankenwagen und Bestattungsfahrzeuge. Das Leergewicht liegt zwischen 1327 kg und 1710 kg. Die zulässige gebremste Anhängelast beträgt maximal 2,0 Tonnen. Durch das charakteristische Steilheck bietet das Platzangebot der Kombiversionen mit einem Ladevolumen bis zu 2200 Litern Werte, die von den meisten Wettbewerbern bis heute nicht erreicht werden. Aufgrund der Verwendung zahlreicher verzinkter Bleche für die Karosserie, der sehr guten Verarbeitung der Karosserie, umfangreicher Anwendung von Hohlraumkonservierung und Unterbodenschutz und zahlreichen Alukomponenten (u. a. Motorhaube beim 960 und Heckklappe bei 945 und 965) sind die Fahrzeuge gut gegen Rost geschützt.

Innenraum des 960 ab Modelljahr 1995

Die Motoren wurden größtenteils aus der 200er- und 700er-Serie übernommen und für die Serie 900 überarbeitet. Speziell für den 960 entwickelt wurde der Sechszylinder-Reihenmotor (Benzin). Dieser löste den Euro-V6 PRV-Motor ab, der mit dem Volvo 264 vorgestellt worden war. Mit der Entwicklung des Motors war das Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach beauftragt. Er bildete den Grundstein für ein Baukasten-System, aus dem auch die Fünfzylinder-Reihenmotoren (Benzin) der Volvo 850, S/V70 und S80 hervorgingen. Als Besonderheiten verfügen jene Motoren über Einzelzündspulen, trockene Zylinderlaufbuchsen aus einer Aluminium-Speziallegierung, luftspaltisolierte Hosenrohre und eine 6-in-2-in-1-Abgasanlage. Den 3.0i-Motor (150 kW/204 PS) gab es nur in Kombination mit einem 4-Stufen-Automatikgetriebe, die 132-kW-Version und den 2.5i-Motor auch mit manuellem Fünfganggetriebe.

Ab Modelljahr 1993 wurde zur Verbesserung der Sicherheit bei seitlichen Kollisionen zusätzlich zu den bereits vorhandenen Aufprallschutzrohren in allen vier Türen in sämtlichen Fahrzeugen der Serie 900 das sogenannte SIPS-System eingeführt. Dieses besteht aus speziellen Verstärkungen des Daches, der Bodengruppe, der B-Säulen und Querstreben in den Vordersitzen. Durch spezielle Polster in den Türen wird die Aufprallenergie an die Streben in den Sitzen geleitet, um so den Überlebensraum im Fahrzeug zu erhalten. In späteren Modelljahren wurden weitere Verstärkungen der B-Säule vorgenommen und zusätzlich Seitenairbags in den Sitzen eingeführt.

Volvo 940:

Vierzylinder-Reihenmotor (Benziner) (Alu-Kopf; Grauguss-Block; eine obenliegende Nockenwelle über Zahnriemen; 2 bzw. 4 Ventile pro Zylinder; alle mit geregeltem 3-Wege-Kat)

  • 2.0i (82 kW/112 PS); Bezeichnung: B200F
  • 2.0i Turbo (114 kW/155 PS); Bezeichnung: B200FT (in Deutschland nicht offiziell angeboten)
  • 2.3i (85kW/116 PS); Bezeichnung: B230F (in Deutschland nicht offiziell angeboten)
  • 2.3i (96 kW/131 PS); Bezeichnung: B230FB
  • 2.3i Niederdruck-Turbo (99 kW/135 PS); Bezeichnung: B230FK
  • 2.3i DOHC 16v (114 kW/155 PS); Bezeichnung: B234F
  • 2.3i Turbo bzw. Turbo-Intercooler* (121 kW/165 PS); Bezeichnung: B230FT

Sechszylinder-Reihenmotor (Diesel) (von VW; Alu-Kopf; Grauguss-Block; eine obenliegende Nockenwelle über Zahnriemen; 2 Ventile pro Zylinder; später mit Oxi-Kat)

  • 2.4 Diesel (60 kW/82 PS)
  • 2.4 Turbo-Diesel (80 kW/109 PS)
  • 2.4 Turbo-Diesel Intercooler* (85 kW/115 PS) bis 1993
  • 2.4 Turbo-Diesel Intercooler* (90 kW/122 PS) ab 1992

* mit Ladeluftkühlung

Volvo 960 I (August 1990 bis Juli 1994)

Vierzylinder-Reihenmotor (Benziner) (Alu-Kopf; Grauguss-Block; eine obenliegende Nockenwelle über Zahnriemen; zwei bzw. 4 Ventile pro Zylinder; alle mit geregeltem Drei-Wege-Kat)

  • 2.0i Turbo DOHC 16v (140 kW/190 PS)
  • 2.3i Turbo (115 kW/156 PS)

Sechszylinder-Reihenmotor (Benzin) (Alu-Kopf; Alu-Block: zwei obenliegende Nockenwellen über Zahnriemen; 4 Ventile pro Zylinder; geregelter 3-Wege-Kat)

  • 3.0i (150 kW/204 PS)

Sechszylinder-Reihenmotor (Diesel) (von VW; Alu-Kopf; Grauguss-Block; eine obenliegende Nockenwelle über Zahnriemen; 2 Ventile pro Zylinder; später mit Oxi-Kat)

  • 2.4 Turbo-Diesel Intercooler* (90 kW/122 PS)

* mit Ladeluftkühlung

Volvo 960 II (Juli 1994 bis November 1996) für Deutschland

Sechszylinder-Reihenmotor (Benzin) (Alu-Kopf; Alu-Block: zwei obenliegende Nockenwellen über Zahnriemen; 4 Ventile pro Zylinder; geregelter 3-Wege-Kat)

  • 2.5i (121 kW/170 PS)
  • 3.0i (150 kW/204 PS)

Volvo S90/V90 (November 1996 bis April 1998) für Deutschland

Sechszylinder-Reihenmotor (Benzin) (Alu-Kopf; Alu-Block: zwei obenliegende Nockenwellen über Zahnriemen; 4 Ventile pro Zylinder; geregelter 3-Wege-Kat)

  • 3.0i (132 kW/180 PS)
  • 3.0i (150 kW/204 PS)

Insgesamt wurden rund 670.000 Fahrzeuge der 900er-Reihe gebaut, davon etwa 390.000 Limousinen und knapp 280.000 Kombis.

In geringer Stückzahl wurde von Volvo ergänzend der 960 Pullman/S90 Pullman als Repräsentationsfahrzeug produziert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volvo Serie 900 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Volvo S90 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Volvo V90 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien