Wald (Solingen)

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Stadtbezirk Wald
Stadt Solingen
Wappen von Stadtbezirk Wald
Koordinaten: 51° 11′ 2″ N, 7° 2′ 28″ O
Höhe: 150–200 m ü. NHN
Fläche: 7,86 km²
Einwohner: 24.440 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte: 3.109 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1929
Postleitzahlen: 42719, 42655
Vorwahl: 0212
Karte
Lage von Stadtbezirk Wald in Solingen
Evangelische Kirche in Solingen-Wald am Walder Rundling
Evangelische Kirche in Solingen-Wald am Walder Rundling

Wald ist der älteste und flächenmäßig kleinste Solinger Stadtteil.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Wald, der zugleich auch Stadtbezirk ist, liegt im Nordwesten Solingens und grenzt im Norden an die Nachbarstadt Haan und den Solinger Stadtbezirk Gräfrath. Die Bebelallee bildet heute im Süden von Wald die Stadtteilgrenze zu den Solinger Stadtteilen Ohligs und Merscheid. Das Walder Stadtzentrum (Wald-Mitte) liegt auf einem Höhenrücken zwischen dem Ittertal und dem Lochbachtal.

Geschichte (seit 1019)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung einer christlichen Gemeinde in Wald findet sich in einer auf den 3. Mai 1019 n. Chr. datierten Urkunde des Kölner Erzbischofs Heribert von Köln, in der er den Besitz von „Fronhof und Kirche namens Wald“ (curtim et ecclesiam que Walda vocatur) bestätigt.[1] Auch ein Kirchenbau, vermutlich eine Holzkirche, muss zu diesem Zeitpunkt bereits existiert haben.[2] Der Name rührt wahrscheinlich von der sehr stark bewaldeten Region des Bergischen Landes her.

Das heute zu Wald gehörende Gebiet war aufgrund seiner dichten Wälder und des unwegsamen Geländes, vermutlich bis in das 11. Jahrhundert überwiegend unbesiedelt. Wie in der gesamten Region des Bergischen Landes war zunächst die sogenannte Einzelhofbesiedlung mit sehr wenigen Bewohnern üblich. Die Walder Urbevölkerung, mehrheitlich einfache Landwirte und Handwerker, haben sich zu 100 % selbstversorgt. Durch Rodungen wurde der damit einhergehende Urbanisierungseffekt verstärkt und Wald entwickelte sich von einer kleinen Rodungssiedlung, zu einem mittelalterlichen Dorf. Um 1150 erfolgte ein Neubau der Walder Kirche aus Stein; der dabei entstandene Romanische Westturm ist heute noch erhalten und begehbar. Dieser Kirchturm ist heute das älteste Gebäude Solingens.

Bronzeplastik: Schleifer an der Pließtscheibe
Schleifer an der Pließtscheibe, Henryk Dywan, 1984, Bronzeplastik

Im Jahre 1185 wird das nahe Gräfrath aus dem Kirchspiel Wald herausgenommen, da es inzwischen durch das Kloster im Ort zu eigenem Einfluss gekommen war. 1218 entstanden im Bergischen Land Gerichtsbezirke, Wald wurde ein selbstständiger Gerichtsbezirk. 1314 wird am Deutzer Hof in Wald ein Gericht erwähnt. Zum 1363 erstmals erwähnten Amt Solingen gehörte auch das Kirchspiel Wald. Im Jahre 1590 wurde Wald, das zur Freiheit Gräfrath gehörte, zusammen mit letzterer reformiert und die Walder Kirche evangelisch.[2] Jahrhundertelang prägte die Walder Wirtschaft die Fertigung von Klingen in den Schleifkotten an den zahlreichen Bächen im Stadtgebiet. Die Bevölkerung lebte überwiegend zerstreut in sich wenig verändernden einzelnen Höfen und Hofschaften. Große Veränderungen kamen erst mit der Industriellen Revolution über Wald. Der historische Ortskern Walds ist als Denkmalbereich in der Denkmalliste der Stadt Solingen ausgewiesen.[3] Am 13. Oktober 1807 wurde Wald zur Bürgermeisterei erhoben.[4] Sie bestand im Wesentlichen aus den drei Honschaften Itter, Scheid und Limminghofen. Vereinzelte Höfe kamen darüber hinaus aus weiteren Honschaften zu Wald hinzu, etwa Bavert, Vogelsang oder Gönrath. 1818 erfolgte der Neubau des Saalbaus der Walder Kirche, da der vorherige abgerissen werden musste.

Wald erhielt das Stadtrecht nach preußischer Städteordnung im Jahre 1856. Im Jahre 1890 erhielt Wald sein Stadtwappen.

Wirtschaftlich von höchster Bedeutung war für das industrialisierte Wald vor allem die Fertigung von Schirmen. Mit der Stadt Wald besonders verbunden war zu diesen Zeiten die Firma Kortenbach und Rauh, die mit ihrem bekanntesten Produkt, dem Kobold, den Weltmarkt eroberte. In Spitzenzeiten fanden mehr als 1.000 Menschen am Standort Wald Arbeit.[5] Im Jahre 1887 wurde die Eisenbahnstrecke Solingen–Wald–Vohwinkel, die aufgrund ihres kurvenreichen Verlaufes sogenannte Korkenzieherbahn, in Betrieb genommen. Wald war dadurch mit dem Walder Bahnhof an das Schienennetz angeschlossen. 1892 erhielt Wald ein Rathaus am Standort der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Der imposante Backsteinbau präsentiert auch heute noch seine prachtvolle Fassade im Stil der Nordischen Renaissance. 1928 wurde mit dem Bau der Jahnkampfbahn, des Walder Stadions, eine lange, sporthistorische Tradition begründet.

Im Jahre 1929 wurde Wald mit der damaligen Stadt Solingen sowie den Städten Gräfrath, Höhscheid und Ohligs zur Großstadt Solingen zusammengeschlossen. Zum Zeitpunkt der Städtevereinigung lag die Einwohnerzahl Walds bei rund 27.000.

Die Schäden, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, fielen in Wald weit geringer aus als etwa in der Solinger Innenstadt, die beinahe völlig zerstört wurde. Als Reaktion auf die Flüchtlingsströme in den ersten Nachkriegsjahren entstanden auch in Wald rasch ganze Siedlungen, um der vorherrschenden Wohnungsnot beizukommen. Beispiele sind die Spar- und Bauvereinssiedlung am Wasserturm und die Siedlung Stettiner Straße/Gleiwitzer Straße, deren Straßennamen an ehemalige deutsche Oststädte erinnern, die Herkunftsorte der Flüchtlinge.

Mehrfach wurde der Walder Ortskern in der Nachkriegszeit baulichen Veränderungen unterzogen. Dem zunehmenden Straßenverkehr Rechnung tragend, begann man im Jahre 1956 mit dem Bau einer westlichen Umgehungsstraße zur Entlastung der unteren Friedrich-Ebert-Straße, der heutigen Stresemannstraße. 1961 war das Projekt, dem einige historische Bauwerke zum Opfer fielen, fertiggestellt. Zu einer wesentlichen Entspannung trug dies jedoch nicht bei, der enge Rundling im Bereich um die Kirche blieb für den schnellen Durchgangsverkehr ein Hindernis. So wurde Ende der 1980er Jahre mit dem Bau der Südumgehung begonnen und das Straßenstück zwischen dem Deutzerhof und der Kreuzung Schwindstraße/Wiedenhofer Straße entstand. Der Durchgangsverkehr wurde um den Ortskern umgeleitet, der in der Folgezeit der Fertigstellung des Umbaus im Jahre 1991 zur Fußgängerzone wurde.

Die Eisenbahnstrecke und der Bahnhof in Wald wurden schrittweise ab den 1980er Jahren stillgelegt, heute führt über den ehemaligen Bahndamm ein beliebter Radwanderweg, die Korkenziehertrasse.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In einem dreieckigen silbernen (weißen) Schild ist eine blühende Eiche auf grüner Weide zu sehen. Am Stamm der Eiche lehnt ein schräg nach links gestellter kleiner Dreiecksschild in Schwarz und Silber (Weiß) besetzter Bordüre; auf goldenem (gelbem) Grund ein silberner (weißer) Merkurstab senkrecht über gekreuztem schwarzen Hammer und Schlägel. Im Oberwappen sieht man eine zinnengekrönte Stadtmauer mit geschlossenem Tor und drei Türmen.[6]

Wohnplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche traditionelle Hofschaften befinden sich heute noch in Wald, häufig mit einem großen Bestand an Jahrhunderte alten Bergischen Fachwerkhäusern. Dazu zählen vor allem (ohne Namenszusätze wie Unten- oder Oben-)

Bavert, Bech, Demmeltrath, Eigen, Eschbach, Felder Hof, Itter, Krausen, Lochbach, Mummenscheid, Rolsberg, Sonnenschein, Scheid, Vogelsang

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhäuser im Ortskern von Wald

Bekannt ist Wald vor allem für die Walder Theatertage, die jährlich im Juni stattfinden. Es handelt sich dabei um einen Schauspielwettbewerb, an dem einige lokale amateurhafte und semiprofessionelle Schauspielgruppen auftreten. Die Theatertage werden von der Friedrich-Albert-Lange-Schule organisiert. Der Ortskern von Wald wird im Wesentlichen durch den Walder Rundling, Walder Schlauch oder Walder Dorp genannten Straßenzug um die bereichsprägende Walder Kirche gebildet. Aufgrund der baulichen Veränderungen in der Nachkriegszeit wurden einige bergische Fachwerkhäuser abgebrochen. Doch besonders die Straßen und Gassen hinter der Kirche blieben von der neueren Verkehrsplanung nahezu völlig verschont und weisen so heute eine Durchmischung altbergischer Fachwerkhäuser und pittoresker Wohnhäuser der Gründerzeit auf. Der gesamte Ortskern ist daher als Denkmalbereich geschützt. Im ehemaligen Walder Kotten befindet sich seit 2003 das privat betriebene Laurel & Hardy Museum. Es zeigt Exponate und Filme des Komiker-Duos Stan Laurel und Oliver Hardy, die in Deutschland als Dick und Doof bekannt wurden.

Erwähnenswert ist zudem das Freizeitzentrum Ittertal, das im Tal der Itter an der Grenze zur Nachbarstadt Haan liegt. Es besteht zum einen aus einer Freizeitanlage mit Sportflächen und einem Freibad im Sommer und einer Eislaufbahn im Winter.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wald geboren, wanderte Carl Ruß in die Schweiz aus und stieg in den Schokoladenproduzenten Suchard ein, der bereits zuvor die größte Schweizer Schokoladenfabrik war und unter seiner Führung weiter expandierte. Am 12. Februar 1908 wurde Ruß in Wald für seine Verdienste die Ehrenbürgerwürde verliehen.[7] Auch Reichskanzler Otto von Bismarck wurde im Jahre 1895 zum Walder Ehrenbürger ernannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wald (Solingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urkunde abgedruckt in Erich Wisplinghoff: Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, Band 1: Aachen–Deutz, Peter Hanstein-Verlag, Bonn 1972, Nr. 131, S. 190–195; Digitalisat bei Universitäts- und Landesbibliothek Bonn. Nach heutigem Erkenntnisstand handelt es sich bei der nur in späteren Abschriften überlieferten Urkunde allerdings um eine Fälschung aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.
  2. a b http://www.solingen-internet.de/si-hgw/gesch_zahlen.htm Geschichte Solingens auf solingen-internet.de, abgerufen am 13. Februar 2015
  3. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.solingen.de Denkmalbereiche auf solingen.de, abgerufen am 13. Februar 2015
  4. http://www.zeitspurensuche.de/02/sgowal1.htm#Notizen Geschichte des Stadtteils auf zeitspurensuche.de, Internetseite mit Sekundärquellen, abgerufen am 13. Februar 2015
  5. http://www.solingen-internet.de/si-hgw/100jahre-kortenbach&rauh.htm Überblick über die Firma auf solingen-internet.de, abgerufen am 22. Februar 2015
  6. http://www.zeitspurensuche.de/02/sgowal1.htm
  7. Solinger Tageblatt aus der Reihe Spurensuche/Straßennamen