Waldemar Herdt

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Waldemar Herdt (* 28. November 1962 in Sabelowka, Kasachische SSR) ist ein deutscher Bauunternehmer und Politiker (AfD). Er ist Abgeordneter seiner Partei im 19. Bundestag.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldemar Herdt wuchs als Angehöriger der russlanddeutschen Minderheit in der damaligen Sowjetrepublik Kasachstan auf und leitete dort als Agraringenieur eine LPG. 1993 wanderte er mit seiner Familie nach Deutschland aus. Er war drei Jahre Futtermeister in einem Schweinemastbetrieb in Neuenkirchen-Vörden. Mittlerweile ist Herdt in der Baubranche tätig.

Herdt trat in die Partei Bibeltreuer Christen ein und engagierte sich in deren Bundesvorstand und wechselte in die Alternative für Deutschland (AfD). Er wurde bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2016 in den Gemeinderat Neuenkirchen-Vördens gewählt[1][2] und kandidierte als Direktkandidat im Bundestag-Wahlkreis 38 (Osnabrück-Land) 2017 für einen Sitz im Bundestag. Er zog über die Landesliste der AfD Niedersachsen in den Bundestag ein.[3] Laut Neue Osnabrücker Zeitung ist Herdt sehr gläubig und engagiert sich in einer evangelikalen Gemeinde.[3]

Herdt ist Mitglied im „Koordinationszentrum der Russlanddeutschen in der AfD“[4] und bevollmächtigter Sprecher des „Internationalen Konventes der Russlanddeutschen“. Er ist außerdem innerhalb des Bundestages Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, Mitglied des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, stellv. Mitglied des Haushaltsausschusses, stellv. Landesgruppensprecher der AfD-Landesgruppe Niedersachsen, Gründungsmitglied der Gruppe „Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten“ innerhalb der AfD-Fraktion, stellv. Sprecher des AK Religionspolitik in der AfD-Fraktion, Mitglied der deutschen Delegation in der IPU (Interparlamentarische Union), Mitglied der deutschen Delegation in der Ostsee-Parlamentarier-Konferenz und er gehört als Beisitzer dem AfD-Kreisvorstand Cloppenburg-Vechta an. Innerhalb des Vereines „Christen in der AfD e.V.“ ist er einer der beiden Sprecher der Region Nord (umfasst die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen)

Im März 2018 berichteten u. a. Kai Biermann und Astrid Geisler über Recherchen, wonach 18 Bundestagsabgeordnete der AfD rechtsextreme Mitarbeiter für ihre Mandatsaufgaben und parlamentarische Arbeit beschäftigen.[5] Nach Recherchen des Magazins Focus stellte Herdt den „putintreuen Aktivist[6] Heinrich Groth ein, der „im Visier der Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz“ stände. Groth hatte beispielsweise im Januar 2016 auf sich aufmerksam gemacht, als er zum Fall Lisa wegen einer frei erfundenen Vergewaltigung eines Mädchens durch Flüchtlinge eine Demonstration mehrerer Hundert Russlanddeutscher und Rechtsextremisten vor dem Kanzleramt in Berlin anmeldete.[7][8]

Bei der Europawahl 2019 tritt Herdt für die christlich-konservative, europaskeptische Centra Partija in Lettland an.[9]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2017 brachte Herdt gemeinsam mit Roman Reusch und Norbert Kleinwächter einen Antrag zur Förderung der Rückkehr syrischer Flüchtlinge im Bundestag ein. Im Antrag behaupteten die Abgeordneten: „Die Sicherheitslage in großen Teilen Syriens hat sich in den vergangenen Monaten substantiell verbessert.“ Sie beriefen sich dabei auf die International Organization for Migration (IOM), wonach „allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017 insgesamt über 600.000 Syrer“ in ihre Heimat zurückgekehrt wären und forderten, die Bundesregierung solle ein Abkommen mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad schließen, damit Flüchtlinge von nun an wieder „sicher und kostenfrei“ in das Bürgerkriegsland ziehen könnten.[10] Die IOM hatte zwar eine Meldung unter einer derartigen Überschrift veröffentlicht, doch an Stelle einer besseren Sicherheitslage beschrieb dieser das Gegenteil: 93 % dieser 600.000 Menschen hatten laut IOM Syrien gar nicht erst verlassen, sie waren innerhalb des Landes geflüchtet. Im selben Zeitraum seien zudem mehr als 800.000 Syrer vertrieben worden. 10 % der Rückkehrer hätten ein zweites Mal fliehen müssen. Der Bericht schloss, eine Heimkehr sei „nicht unbedingt freiwillig, sicher oder nachhaltig“ (englisch: „not necessarily voluntary, safe or sustainable“).[11] Laut neuesten IOM-Zahlen mussten zwischen Januar und Oktober sogar fast 1,5 Millionen Menschen innerhalb Syriens fliehen. Die Abgeordneten der übrigen Fraktionen reagierten mit Kopfschütteln,[12] sie warfen der AfD „Zynismus“ und „Taschenspielertricks“ vor.[13] Die Süddeutsche rezipierte die Vorstellung des Antrags unter dem Titel „Alternative Fakten für Deutschland“,[14] der BR nahm eine veränderte Debattenkultur wahr, auch der MDR berichtete von einer neuen Streitkultur, zu der „laute und schrille Töne sowie Provokationen“ zählen würden.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Normann Berg: Neun Bewerber für den Kreistag. In: Oldenburgische Volkszeitung. 21. Juli 2016.
  2. Marcus Alwes: Grundsteuern A und B steigen ab Januar 2018 in Vörden. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 28. Oktober 2017.
  3. a b Marcus Alwes: Waldemar Herdt: „Mit 76 D-Mark in bar“ angefangen. In: Osnabrücker Zeitung. 19. August 2017, abgerufen am 16. Oktober 2017.
  4. Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski, Tilman Steffen: AfD-Fraktion – Rechts bis extrem im Bundestag. In: zeit.de. 26. September 2017, abgerufen am 16. Oktober 2017.
  5. Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke, Tilman Steffen: AfD-Abgeordnete beschäftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde. In: Die Zeit. 21. März 2018.
  6. Christian Neef: Putins Propagandist in Deutschland. In: Spiegel Online. 6. Februar 2016.
  7. Henriette Jedicke: Strippenzieher mit Verbindung zur extremen Rechten: Das sind die radikalen AfD-Hintermänner. In: Focus. 22. März 2018.
  8. Alexej Hock: Radikale Einflüsterer. In: Die Welt. 21. März 2018.
  9. https://www.focus.de/politik/ausland/europawahl/europawahl-2019-afd-mann-will-bei-eu-wahl-fuer-lettische-partei-antreten-aber-es-gibt-ein-problem_id_10479715.html
  10. Sechs-Punkte-Plan – Abkommen zur Förderung der Rückkehr syrischer Flüchtlinge. In: Deutscher Bundestag (Drucksache 19/48). 13. November 2017.
  11. Over 600.000 Displaced Syrians Returned Home in First 7 Months of 2017. In: IOM. 11. August 2017.
  12. Birgit Schmeitzner: AfD verändert Debattenkultur. In: Bayerischer Rundfunk. 22. November 2017.
  13. Jörg Köpke, RND: Union plant Rückführungen für syrische Flüchtlinge. In: Göttinger Tageblatt. 28. November 2017.
  14. Michael Bauchmüller, Kristiana Ludwig: Alternative Fakten für Deutschland . In: Süddeutsche Zeitung. 26. November 2017.
  15. Cecilia Reible: Inszenierte Abgrenzung rechtsaußen. (Memento des Originals vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdr.de In: MDR. 24. November 2017.