Werra-Gäuplatten

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Landschaften Thüringens mit den Werra-Gäuplatten nebst Langen Bergen und Mellrichstädter Gäu im südwestlichen Grenzgebiet zu Bayern

Die Werra-Gäuplatten, auch Werra-Gäuflächen[1] und Meininger Kalkplatten (s. u.) genannt, sind eine naturräumliche Haupteinheit im Süden Thüringens und im Norden Bayerns. Sie stellen die nördlichste Landschaft der Haupteinheitengruppe Mainfränkische Platten sowie der übergeordneten Großlandschaft (Großregion 2. Ordnung) Südwestdeutsches Stufenland dar.

Wie in allen als Gäue bezeichneten Landschaften steht in erster Linie Muschelkalk an.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werra-Gäuplatten erstrecken sich auf einer Fläche von etwa 700 km²[1][2] beiderseits des Flusses Werra von der Region um die Stadt Meiningen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen, TH) im Norden über Hildburghausen (Landkreis Hildburghausen, TH) bis zu den Langen Bergen nördlich von Coburg (Landkreis Coburg, Oberfranken, BY) sowie nach Südwesten bis zum Mellrichstädter Gäu bei Mellrichstadt und Ostheim vor der Rhön im nördlichen Landkreis Rhön-Grabfeld (Unterfranken, BY). Ihre Südgrenze zum Keuper-Hügelland Grabfeld fällt weitgehend mit der südlichen Wasserscheide der Werra zu Fränkischer Saale und Itz zusammen, auf der auch der Kleine Gleichberg liegt. Jedoch entwässert der Mellrichstädter Gäu überwiegend zur Streu und damit zur Fränkischen Saale.

Geographie und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werra-Gäuplatten sind ein Muschelkalkgebiet, deren Hochebenen und leicht gewellte Berge eine Höhe zwischen 460 und 520 m über NN erreichen. Die Landschaft ist von zahlreichen tief eingeschnittenen Tälern bis zu 180 m Tiefe durchzogen. Höchste Erhebung ist der solitär stehende erloschene Vulkan Dolmar mit einer Höhe von 739,6 m über NN am nordöstlichen Rand des Naturraums. Ähnlich singulär überragen die Gleichberge (641 und 679 m) an der Südgrenze ihr Umland, werden jedoch bereits zur Haupteinheit Grabfeld gerechnet.

Ein bedeutendes Naturdenkmal ist die vor rund 20.000 Jahren entstandene touristisch erschlossene Kluft- und Spaltenhöhle Goetz-Höhle.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wurden die Werra-Gäuplatten ursprünglich mit dem geologisch andersartigen (Keuper) Grabfeld zu Haupteinheit 138 zusammengefasst.[3] Dieses war vor allem der Tatsache geschuldet, dass das dekadische System nur zehn Haupteinheiten (dreistellig) pro Gruppe (zweistellig) zuließ.

In den Arbeiten zu den Einzelblättern 1:200.000 wurde davon jedoch wieder Abstand genommen und per tiefergestellter Nachziffer wurde das Grabfeld zu Haupteinheit 1381, die Gäuplatten zu 1382.

Keine naturräumliche Feingliederung erfolgte, von kleinen westlichen Randanteilen auf Blatt Fulda abgesehen, nördlich des Breitengrades 50°30'. Dieses hängt damit zusammen, dass, aufgrund des inzwischen erfolgten Mauerbaus, nach einigen Jahren Bedenkzeit dann doch in den Jahren bis 1968/9 beschlossen wurde, auf die Erstellung von Kartenblättern auf dem Gebiet der damaligen DDR, insbesondere auf Blatt Gotha, zu verzichten.

Folgende Unter-Naturräume sind ausgewiesen:[4]

Einordnung nach TLUG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im rein innerthüringischen System Die Naturräume Thüringens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) werden die Werra-Gäuplatten – bzw. ihr thüringischer Anteil – in fast unveränderten Grenzen als Meininger Kalkplatten ausgewiesen. Einzige Abweichung ist der östlich der Bibra befindliche Südostteil des Bibraer Sattels, der insofern das Östliche Rhönvorland fortsetzt, als auf ihm in nicht geringen Anteilen Buntsandstein ansteht.[5][6] Dieser wurde der Einheit Lengsfeld-Zillbach-Bauerbacher Buntsandstein-Waldland zugerechnet.[7]

Benachbarte Naturräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werra-Gäuplatten stoßen nach Norden an die Haupteinheit Salzunger Werrabergland (359), nach Nordosten und Osten an das Südliche Vorland des Thüringer Waldes (390), nach Süden ans Grabfeld (1381), nach Südwesten an die Südrhön (140) und nach Nordwesten an die Kuppenrhön (353).[3][4]

Besiedlung und Bodennutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größte Stadt und einzige Mittelstadt im Naturraum Werra-Gäuplatten ist Meiningen. Weitere Städte sind Hildburghausen, Mellrichstadt und Ostheim vor der Rhön sowie das in Grenzlage befindliche Themar. Die Bergkuppen sind mit Laub- und Mischwäldern bedeckt, die Südhänge bestehen aus Trockenwäldern und Trockenrasen. Die Hochebenen und flache Hänge sind Acker- und Weideland, die Talsohlen Grünland. Ausgeprägter urbaner Siedlungsraum mit Industrie und Gewerbe bestehen lediglich in den beiden Kreisstädten Meiningen und Hildburghausen und in der unterfränkischen Stadt Mellrichstadt. Durch den Naturraum führen weiter die Eisenbahnstrecken Meiningen–Schweinfurt (Teilstück Meiningen−Mellrichstadt) und Werrabahn (Teilstück Meiningen–Hildburghausen), die Bundesautobahn 71 (Teilstück Meiningen-Nord–Mellrichstadt), die Bundesstraße 19 (Teilstück Walldorf–Meiningen–A 71) und die Bundesstraße 89 (Teilstück Meiningen–Hildburghausen).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Landschaftssteckbrief des Bundesamt für Naturschutz|BfN
  2. Der referenzierte Steckbrief (676 km²) umfasst ein etwas kleineres Gebiet als die Haupteinheit, da in ihm die Werraaue zwischen Meiningen und Walldorf nicht mitgerechnet ist!
  3. a b E. Meynen und J. J. Schmithüsen (herausgeber): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands Band 2 – Bundesanstalt für Landeskunde, zweite Lieferung Remagen 1955, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960
  4. a b Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000 – Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1991 → Online-Karten;
    mit einem Stern (*) gekennzeichnete Blätter sind bislang nicht in die Aufstellung eingeflossen.
    • Blatt 126: Fulda (W. Röll 1969)*
    • Blatt 140: Schweinfurt (B. Schwenzer 1968)
    • Blatt 141: Coburg (H. Späth 1987)
  5. Geologische Karte Thüringens 1942/1969, Westteil und Ostteil/Legende – JPG, 5 + 4 MB
  6. Hydrogeologische Karte Thüringens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (PDF; 4,37 MB) (Landkreisweise sind noch feinere Karten erhältlich.)
  7. Walter Hiekel, Frank Fritzlar, Andreas Nöllert und Werner Westhus: Die Naturräume Thüringens. Hrsg.: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. 2004, ISSN 0863-2448.
    Naturraumkarte Thüringens (TLUG) – PDF; 260 kB
    Landkreisweise Karten (TLUG)