Mellrichstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Mellrichstadt
Mellrichstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Mellrichstadt hervorgehoben
Koordinaten: 50° 26′ N, 10° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Rhön-Grabfeld
Verwaltungs­gemeinschaft: Mellrichstadt
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 55,78 km²
Einwohner: 5560 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97638
Vorwahl: 09776
Kfz-Kennzeichen: NES, KÖN, MET
Gemeindeschlüssel: 09 6 73 142
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstr. 4
97638 Mellrichstadt
Webpräsenz: www.mellrichstadt.de
Bürgermeister: Eberhard Streit
Lage der Stadt Mellrichstadt im Landkreis Rhön-Grabfeld
Fladungen Hausen (Rhön) Bundorfer Forst Burgwallbacher Forst Forst Schmalwasser-Nord Forst Schmalwasser-Süd Mellrichstadter Forst Steinacher Forst rechts der Saale Sulzfelder Forst Weigler Willmars Nordheim vor der Rhön Sondheim vor der Rhön Stockheim (Unterfranken) Mellrichstadt Mellrichstadt Ostheim vor der Rhön Oberelsbach Bischofsheim an der Rhön Bischofsheim an der Rhön Sandberg Schönau an der Brend Hohenroth Niederlauer Burglauer Strahlungen Salz (Unterfranken) Bastheim Oberstreu Unsleben Wollbach (Unterfranken) Bad Neustadt an der Saale Heustreu Hendungen Hollstadt Rödelmaier Wülfershausen an der Saale Höchheim Saal an der Saale Aubstadt Herbstadt Trappstadt Großeibstadt Großbardorf Sulzfeld (im Grabfeld) Bad Königshofen im Grabfeld Bad Königshofen im Grabfeld Sulzdorf an der Lederhecke Thüringen Landkreis Haßberge Landkreis Schweinfurt Hessen Landkreis Bad KissingenKarte
Über dieses Bild

Mellrichstadt ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mellrichstadt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mellrichstadt liegt in der Region Main-Rhön an der Streu und am Fuße der Rhön.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mellrichstadt gliedert sich in neun Stadtteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der karolingische Königshof Madalrichestat war Mittelpunkt des fränkischen Westergaues. Bereits im 13. Jh. war Mellrichstadt Besitz des Hochstiftes Würzburg und blieb es - obschon mehrmals verpfändet und wieder eingelöst - durch die Jahrhunderte.[3] Nach dem Erlöschen der burggräflichen Linie der Grafen von Henneberg um 1219 versuchte der Bischof von Würzburg, die mit dem Burggrafenamt verbundenen Lehen des Hochstifts einzuziehen. Es kam zu einer verbitterten Auseinandersetzung, die mit dem Verzicht des Grafen Poppo von Henneberg auf Mellrichstadt und Meiningen endete.[4]

1232/1233 erfolgte die Erhebung zur Stadt, die im Mittelalter Sitz einer bedeutenden Lateinschule war. Ab 1356 ist in Mellrichstadt ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als Siechen- oder Leprosenhaus bezeichnet wurde. [5] Das ehemalige Oberamt Mellrichstadt des Hochstiftes Würzburg wurde nach der Säkularisation 1803 zugunsten Bayerns 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien in der Stadt ansässig. In dieser Zeit (1869) wurde der Jüdische Friedhof des Ortes angelegt. Die an der Hauptstraße 60 errichtete Synagoge wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern schwer beschädigt und anschließend abgerissen. An dem an gleicher Stelle errichteten Geschäftshaus erinnert seit 1988 eine mit schwarzer Schrift auf schwarzem Hintergrund ausgeführte Gedenktafel[6], die an der von der Hauptverkehrsstraße kaum sichtbaren Seite des Gebäudes angebracht ist, an dieses Geschehen.

Bis zum 30. Juni 1972 war Mellrichstadt die Kreisstadt des Landkreises Mellrichstadt. Seitdem ist Mellrichstadt nach Bad Neustadt und Bad Königshofen die drittgrößte Stadt im Landkreis Rhön-Grabfeld.

Im Kalten Krieg lag Mellrichstadt unmittelbar am Eisernen Vorhang. 1962 wurde die Hainberg-Kaserne der Bundeswehr fertiggestellt. Bis zur Aufgabe am 30. September 2006 waren dort das Panzergrenadierbataillon 352 mit zirka 1000 Soldaten und weitere Einheiten stationiert.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Roßrieth eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Frickenhausen hinzu.[7] Bahra folgte am 1. April 1973. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Eußenhausen am 1. Januar 1978 sowie von Mühlfeld und Sondheim am 1. Mai 1978 abgeschlossen.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungszahlen[9]
Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 2011
Einwohner 3.259 3.641 3.989 5.814 5.908 6.841 5.968 5.648

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 16. März 2014 führte zu folgender Zusammensetzung des Stadtrats:[10]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CSU 25,8 % 5
SPD 9,7 % 2
Grüne 2,7 % 1
Freie Wählergemeinschaft e.V. 39,6 % 8
Bürgerliste Eußenhausen 8,7 % 2
Bürgerliste Mühlfeld 6,3 % 1
Bürgerliste Frickenhausen 7,3 % 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1. September 2006 ist Eberhard Streit Bürgermeister. Streit wurde über eine unabhängige Liste, unterstützt von Freien Wählern und SPD, zum Stadtoberhaupt gewählt. Im Jahr 2012 wurde er mit 98,2 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.

Gemeindefinanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 6.304.000 Euro, davon waren 3.120.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Ämter und Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mellrichstadt befand sich bis zum 1. Februar 2013[11] eine Zweigstelle des Amtsgerichts Bad Neustadt. Des Weiteren eine der drei KFZ-Zulassungsstellen des Landkreises Rhön-Grabfeld. Weiterhin ist Mellrichstadt einer von sechs Standorten bundesdeutscher Beschussämter.

Seit dem 30. September 1954 ist das THW mit einem Ortsverband in Mellrichstadt vertreten.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Vielzahl von produzierenden Gewerken im industriellen Bereich geben vielen Städtern und Bürgern aus dem Umland Arbeit. Die günstige Lage zur neuen A71 verstärkt diesen Trend. Weiterhin bietet das unter Einheimischen „Mellerscht“ genannte Städtchen eine große Auswahl von inhabergeführten, kleinen Fachgeschäfte für alle Bereiche des Lebens. Große Ketten aus dem Bereich der Lebensmittelläden siedelten sich am Randbereich der Stadt an.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 2013 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 12, im produzierenden Gewerbe 20818 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 475 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 761 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1976. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun Betriebe, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Im Jahr 2010 bestanden zudem 94 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 4106 Hektar, davon waren 3600 Hektar Ackerfläche und 500 Hektar Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastrukturell liegt Mellrichstadt nahe an der A 71 und ist über die Anschlussstelle Mellrichstadt in drei Kilometer Entfernung zu erreichen. Durch Mellrichstadt führt die Staatsstraße 2445 (vormals B19) (Meiningen–Mellrichstadt–Bad NeustadtMünnerstadt). Weiterhin ist Mellrichstadt Ausgangspunkt der B 285, die von hier über Ostheim, Fladungen, Kaltennordheim und Dermbach nach Bad Salzungen führt.

Die Stadt ist mit der Station Mellrichstadt Bahnhof an das Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Züge verkehren stündlich zwischen 5:00 und 23:00 Uhr in Richtung Würzburg und Erfurt.

Neben diversen Regionalbuslinien der Omnibusverkehr Franken (OVF) (DB Bahn Frankenbus) wird auch eine Stadtlinie an Werktagen im 60/90-Minutentakt angeboten. Betrieben wird die Linie im Rahmen einer Kooperation OVF (DB Bahn Frankenbus)/Omnibusservice Mellrichstadt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen:

  • 333 Kindergartenplätze mit 250 Kindern (Stand: 2014)
  • Malbach-Grundschule Mellrichstadt mit 16 Lehrkräften
  • Mittelschule mit knapp 400 Schülern in 20 Klassen
  • Ignaz-Reder-Realschule mit 28 Lehrern und 504 Schülern (Stand 2009)
  • Martin-Pollich-Gymnasium, mathematisch-naturwissenschaftlicher und musischer Zweig mit 56 Lehrern und 777 Schülern
  • Eine Außenstelle der Jakob-Preh-Schule, staatliche Berufsschule Bad Neustadt an der Saale, mit 1343 Schülern[13]
  • Volkshochschule Rhön-Grabfeld
  • Stadtbücherei

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpfarrkirche St. Kilian
  • Heimatmuseum Salzhaus
  • Kreisgalerie mit Cafe ART
  • Grenzmuseum und „Skulpturenpark“
  • Schloss Wolzogen – Mühlfeld
  • Wasserschloss Roßrieth
  • Stadtpfarrkirche St. Kilian
  • historische Stadtmauer (Mellrichstadt)
  • alte Mühlen (zum Teil noch in Betrieb)
  • Suhlesturm, Bürgerturm, Galgenturm (Mellrichstadt)
  • Welt-Dia-Vision (Anfang November)
  • Erlebnisnacht (Ende Oktober)
  • Hallenbadenacht (Anfang November)
  • Historischer Weihnachtsmarkt (am Wochenende zum 3. Advent)
  • Stadtfest (im Sommer)
  • Kulturimpulse (AM und VHS)
  • Bikeweekend am 1. Aprilwochenende (Start d. Motorradsaison)
  • Baustelle Mellrichstadt (über die nächsten zwei Jahre (2010/2011) verteilt finden Feiern an der Baustelle statt, so dass jedermann die Baustelle hautnah miterleben kann)

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frickenhäuser See

Freizeitmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mellrichstadt und das umliegende Streutal bieten eine Vielzahl an Wander- und Radwegen, darunter befindet sich der Main-Werra-Radweg. Unweit der Innenstadt befindet sich die Naherholungsanlage Kirschgarten mit weiten Rasenflächen und einem Kneipp-Becken. Das städtische Hallen- und Wellenfreibad ist ganzjährig geöffnet, eine weitere Bademöglichkeit besteht am Frickenhäuser See. Weitere Sport- und Freizeitstätten sind vorhanden. Mellrichstadt bietet weiter Vereine wie den TSV mit zirka zehn Sparten, einen Tennisclub mit vier Freiplätzen und zwei Hallenplätzen, sowie Tischtennis, Badminton, Ju-Jutsu, Schützenverein, Obst- und Gartenbauverein, Angelclub, Wasserwacht usw.

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Mellrichstadt vom Scheinberg aus 280° Winkel

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mellrichstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Mellrichstadt – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111120/230302&attr=OBJ&val=1601
  3. Mellrichstadt im Rhönlexikon
  4. Geschichte der Linien der Grafschaft Henneberg, S. 103 f.
  5. siehe Mittelalterliche Leprosorien im heutigen Bayern, Daten der Gesellschaft für Leprakunde
  6. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 165
  7.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 520.
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 740 und 741.
  9. Statistik kommunal 2014
  10. Bayerisches Landesamt für Statistik
  11. http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/schliessung-amtsgericht-mellrichstadt-100.html
  12. http://www.thw-mellrichstadt.de/wuu_sub_det.php?oesid=OMEL&lfd=190&subn=10
  13. Ihre Berufsschüler beteiligten sich am Bau von mehreren Objekten im Nationaldenkmal Skulpturenpark Deutsche Einheit