Wetterau-Main-Tauber-Stellung

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strategische Lage der Wetterau-Main-Tauber- und der Neckar-Enz-Stellung

Die Wetterau-Main-Tauber-Stellung (WMTS), später von den Westalliierten auch Kleine Siegfried-Linie (englisch Little Siegfried Line[1]) genannt, war ein zwischen 1936 und 1937 erbauter militärischer Bunkergürtel zwischen Büdingen und Klingenberg in den heutigen Bundesländern Hessen und Bayern.[2] Die Verteidigungslinie sollte ursprünglich von Laubach in der Wetterau über die Mainlinie bis Röttingen an der Tauber führen.

Bunker 224 in Aschaffenburg-Nilkheim

Zusammen mit der Neckar-Enz-Stellung und der Bayerisch-Tschechischen Grenzstellung sollte sie das Deutsche Reich vor einem schnellen Angriff von Ost und West schützen, der zur Abspaltung der südlichen Hälfte Deutschlands hätte führen können.[1] Im Anhalt an die Regelungen des Versailler Vertrages bot ihre letztlich gewählte Lage die westlichst gelegene, taktisch-technisch sinnvolle Möglichkeit, den Vormarsch eines Angreifers zu verzögern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alliierte Rheinlandbesetzung

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Deutschland militärisch stark eingeschränkt. Viele Landesteile und alle Kolonien gingen verloren. Mit Abschluss und Anerkennung des Versailler Vertrages 1919 war es dem Deutschen Reich laut Artikel 42 untersagt, Befestigungen, sowohl auf dem linken Ufer des Rheins, wie auch auf dem rechten Ufer, bis zu einer 50 km östlich und parallel des Flusses gezogenen Linie zu errichten. Außerdem durften in dieser angegebenen Zone keine Truppenbewegungen stattfinden. Die Missachtung dieser Regelungen hätten Frankreich sofortiges Einmarschrecht erteilt. Nachdem sich alle deutschen Truppen von der Westfront hinter den Rhein zurückzuziehen mussten und das Rheinland französisch besetzt wurde, kam ab 1925 der Gedanke, im Westen Verteidigungsanlagen gegen einen übermächtigen Angreifer zu errichten. Das deutsche Militär stellte erste Überlegungen für eine Strategie zum Schutz des Deutschen Reichs an. Die Heeresabteilung plante Widerstandszonen entlang der 50-km-Linie.[1]

Das Pariser Abkommen vom 31. Januar 1927 als Zusatzvereinbarung zum Versailler Vertrag, gestattete Deutschland erstmals den Bau leichter Grenzbefestigungen. Mit dem Austritt des Deutschen Reiches aus dem Völkerbund im Jahr 1933 wollte Adolf Hitler die militärische Gleichstellung im Alleingang erreichen. Das Zweite Rüstungsprogramm wurde beschlossen und Reichswehrminister Werner von Blomberg genehmigte ein Planungskonzept zur Vorbereitung von Sperrmaßnahmen in der entmilitarisierten Zone. Um den Feind nicht zu provozieren, blieb es vorerst nur bei Planungen. Hitler wollte keinen Konflikt mit den Westmächten durch einen Bruch des Versailler Vertrages. Er respektierte nach wie vor die 50-km-Linie. Man ging davon aus, dass Frankreich versuchen würde, Brückenköpfe am rechten Rheinufer zu gewinnen. Für diesen Vorstoß kamen nur das Rhein-Main-Becken und das Gebiet zwischen Odenwald und Hohenloher Ebene infrage. Die Verteidigungsplanungen sollten darauf abzielen, einen feindlichen Vormarsch weitestgehend abzubremsen. Die Errichtung der Wetterau-Main-Tauber-Stellung wie auch der Neckar-Enz-Stellung war beschlossen.[1]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1934 wurde die Baugruppe Gießen gegründet, die vom 2.–4. November die geplante Wetterau-Main-Tauber-Linie am Rande der entmilitarisierten Zone von Laubach bis Miltenberg erkundete.[1] Die Aufgabe der zukünftigen Verteidigungslinie sollte es sein, einen französischen Durchbruch von der Mainlinie nach Thüringen und in das Zentrum des Deutschen Reiches zu verhindern.[3] Der Angreifer sollte sich an dieser Verteidigungslinie festlaufen. Man ging davon aus, dass die bewaldeten Mittelgebirge von Hahnenkamm und Spessart von Natur aus dem Feind den Vormarsch erschwere und sich ein Panzerangriff in dem Gelände kaum entwickeln könne. Deshalb war geplant, vor allem die Bereiche südlich von Gelnhausen und um Aschaffenburg stark zu befestigen. Zum 1. Juli 1935 ist die Festungsbaugruppe Aschaffenburg aktiv geworden. Es wurde eine Detailerkundung sowie die Planung für den Bereich Stadtprozelten bis Röttingen an der Tauber angeordnet.[1]

Am 7. März 1936 missachtete Hitler mit der Invasion durch die deutsche Wehrmacht in die entmilitarisierten Zone die Regelungen des Versailler Vertrages. Das Oberkommando des Heeres (OKH) bereitete unter diesen neuen Voraussetzungen die Errichtung einer Westbefestigung jenseits des Rheins, dem späteren Westwall, als Gegenstück zur französischen Maginot-Linie vor. Viele Festungsbauer der Wetterau-Main-Tauber-Stellung bekamen am 12. März des Jahres Marschbefehle zur Westgrenze. Das OKH ordnete an, dass sich die deutschen Truppen erst, wenn die Widerstandslinie westlich des Rheins nicht mehr zu halten wäre, hinter den Fluss zurückziehen. Obwohl sich das neue Verteidigungskonzept nun mehr über die Rheinlinie konzentrierte, wurde vom OKH am 18. April 1936 der endgültige Baubefehl für die Wetterau-Main-Tauber-Stellung erteilt.[1]

Bau der Anlage 224 in Aschaffenburg

Am 3. Juni 1936 begannen die Bauarbeiten der ersten Bunker. Sie wurden teils von ortsansässigen Bauunternehmen ausgeführt. Allerdings waren die Wandstärken der Bunker schwächer als die, welche an der westlichen Reichsgrenze am Westwall zur Ausführung kamen. Die Planungen waren ursprünglich viel umfangreicher: Neben Stellungen für Geschützbatterien bis zum Kaliber 28 cm waren am Schülerberg bei Ranstadt und am Bischberg bei Aschaffenburg auch Minenwerfer-Kasematten vorgesehen. Auf dem Kapellenberg bei Mainaschaff war ein Hohlgangsystem geplant. Besonders tief gestaffelt sollten die Stellungen im Pfaffenwald und auf dem Dohlberg um Büdingen sowie um Kleinwallstadt ausgebaut werden. Geplant waren um die 1000 Anlagen.[1]

Da Rohstoffe und Fachpersonal vorwiegend für den Bau des Westwalls benötigt wurden, hat man viele Anlagen der Wetterau-Main-Tauber-Stellung nie verwirklicht. Der Bunkerbau von Laubach bis Büdingen, sowie von Klingenberg bis Röttingen gingen nie bis über die Planungsphase hinaus. Diese Abschnitte galten als Mobilmachungsstellungen innerhalb der Wetterau-Main-Tauber-Stellung. Man baute schließlich nur insgesamt 329 Bunker und es wurden noch keine Panzersperren aus Beton errichtet. Stattdessen wurden etwa an der Kinzigmühle bei Lieblos oder an der Herrnmühle bei Michelbach Holzpfähle in den Boden gerammt und Panzergräben ausgehoben.[1]

Die Wetterau-Main-Tauber-Stellung hatte nur in den bedrohtesten Teilen einen einfachen Ausbau erhalten. 1937 waren die Bauarbeiten bereits zum Ende gelangt und sollte nur auf besonderen Befehl des OKH wieder aufgenommen werden. Außer kleinerer Ergänzungen wurden die früheren Planungen nicht mehr durchgeführt. Die Gesamtkosten betrugen 8.834.055 Reichsmark. 1939 wurden erste Ausrüstungsgegenstände der Verteidigungslinie an den Westwall abgegeben. Die Wetterau-Main-Tauber-Stellung blieb ein unvollständiges Gerippe.[1]

Letztendlich kam die Wetterau-Main-Tauber-Stellung bis dato nie zum Einsatz. Mit der erfolgreichen Beendigung des Westfeldzuges wurde sie endgültig bedeutungslos, sodass am 1. November 1940 mit der Desarmierung zugunsten des Westwalls und des geplanten Atlantikwalls verfügt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Überwachungseinheiten zur täglichen Kontrolle der Anlagen an der Wetterau-Main-Tauber-Stellung abgestellt.[1]

Wiederarmierung und Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Rückzug aus Frankreich und dem Durchbruch amerikanischer Truppen auf deutsches Gebiet 1944, plante man eine Wiederarmierung mehrerer Stellungen im Westen des Reiches, die daraufhin auf ihren Ausbauzustand geprüft wurden. An der Sieg-Stellung sowie der Vogelsberg-Sinn-Main-Stellung hatte vor dem Krieg kein Ausbau stattgefunden. Nach einer Besichtigung der Wetterau-Main-Tauber-Stellung stellte man fest, dass die Verteidigungslinie durch die Art ihres Ausbaus nur beschränkten Kampfwert besitzt und wesentlich verstärkt werden müsste. Aufgrund dessen, dass der Westwall durchbrochen wurde und der Feind immer weiter vorrückte, wurde am 23. Oktober 1944 die sofortige Rearmierung der Wetterau-Main-Tauber-Stellung und der Neckar-Enz-Stellung beschlossen.[1]

Bis Januar 1945 sollte die Stellung in einen bedingten Verteidigungszustand versetzt werden. Den Armierungsarbeiten gingen Inventarisierungen voraus.[1] Dabei zeigte sich, dass die Bunker kaum verteidigungsfähig waren und für den Einsatz der weiterentwickelten Waffentechnik faktisch wirkungslos wurden.[2] Da die Anlagen vor dem Krieg nicht geprüft und gewartet wurden, standen viele Bunker unter Wasser. Bei den Stellungen von Bernbach bis Kleinostheim ging der Oberstleutnant vor Ort davon aus, dass sie keinen taktischen Nutzen mehr hatten. Außerdem wurden alle Anlagen vor dem Krieg ihrer gesamten Inneneinrichtung beraubt. Dennoch hielt man am Versuch der Wiederarmierung fest. Die Beschaffung vor Ersatzteilen erwies sich als katastrophal, die meisten Bunker wurden nicht bezogen.[1]

Da Aschaffenburg zur Festung erklärt wurde, sollten im Bereich der Stadt 106 Bunker der Wetterau-Main-Tauber-Stellung reaktiviert werden. Allerdings konnten nur wenige Stellungen mit Maschinengewehren bestückt werden, da das dafür vorgesehene Material nicht eintraf. Währenddessen wurden von den Deutschen fast alle Rheinbrücken gesprengt. Die US-Armee fand am 22. März 1945 dennoch bei Oppenheim einen Übergang. In der am 25. März folgenden Schlacht um Aschaffenburg dürfte die Wetterau-Main-Tauber-Stellung keine große Rolle gespielt haben. Die Bunker wurden teils zweckentfremdet und aufgrund zunehmender Bombenangriffe als Lager für Archivgüter genutzt. Die Anlagen hatten kaum Nutzen für die Verteidigung von Aschaffenburg. Ein amerikanischer Kriegsberichtschreiber nannte die Stellung Little Siegfried Line.[1]

Gesprengter Bunker Nr. 146 der Wetterau-Main-Tauber-Stellung bei Michelbach

Die oberste Nazi-Führung versuchte mit allen Mitteln den Feind an der Wetterau-Main-Tauber-Stellung am weiteren Vormarsch zu hindern. Laut Berichten wurden zum Beispiel die Bunker im Kahltal bei Michelbach von deutschen Truppen besetzt. Als am 2. April 1945 amerikanische Panzer die Bunker unter Beschuss nahmen, besaßen die verschanzten Verteidiger keinerlei panzerbrechende Waffen und zogen sich bald aus diesem Abschnitt der Verteidigungslinie zurück. Bei diesem Angriff wurde auch das markante steinerne Weinberghäuschen schwer beschädigt, da die einmarschierenden Angreifer es wohl für einen weiteren Betonbunker hielten.[4] Auch bei Hörstein und Wasserlos bezog die deutsche Infanterie die dortigen Anlagen. Eine amerikanische Artilleriestellung in der Hörsteiner Ortsmitte nahm die Bunker um die Dörfer unter Beschuss. Im Raum Büdingen standen die US-Streitkräfte vor völlig unbesetzten Stellungen. Inwieweit das US-Militär von der Wetterau-Main-Tauber-Stellung in Kenntnis war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.[1] Nach dem Durchbrechen der Wetterau-Main-Tauber-Stellung konnten die Amerikaner im Rücken der Neckar-Enz-Stellung weiter nach Süden vorrücken.[2]

Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 wurde im Dezember des Jahres die systematische Zerstörung militärischer Anlagen im deutschen Reichsgebiet durch die Besatzungsmächte angeordnet. Noch im gleichen Monat begannen die Sprengungen der bis dahin unbeschädigten Bunkeranlagen. Bis Dezember 1947 waren bis auf wenige Ausnahmen alle Stellungen unbrauchbar gemacht worden. Auch heute noch kann man die Bunkerruinen der ehemaligen Wetterau-Main-Tauber-Stellung in der Landschaft erkennen.[1]

Die Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Anlagen an der Wetterau-Main-Tauber-Stellung

Die ursprünglich geplante Wetterau-Main-Tauber-Linie hatte eine Länge von rund 200 km. Errichtet wurde davon weniger als die Hälfte. Die meisten Anlagen wurden nach dem Krieg gesprengt, viele in den nachfolgenden Jahrzehnten mit Erde zugeschüttet. Die Linie unterteilte sich in die Abschnitte: Ranstadt (nie errichtet), Büdingen, Gelnhausen, Hahnenkamm, Aschaffenburg, Obernburg und Miltenberg. Wie der Bereich Ranstadt wurden auch die Abschnitte Wertheim, Tauberbischofsheim, Lauda, Bad Mergentheim und Röttingen nie verwirklicht. Anfänglich wurden die geplanten Anlagen mit dem Kürzel der Abschnittsbezeichnung und Zahlen oder Buchstaben durchnummeriert. Da viele dieser Stellungen nie errichtet wurden, hat man später eine neue laufende Nummer über die Abschnitte hinaus vergeben. So bekamen beispielsweise der Bunker Bü 59 die neue Nummer 1 oder Mi 47 a wurde zur 329. In folgenden Orten standen Anlagen der Wetterau-Main-Tauber-Stellung:[1]

Büdingen: (Nr.: 1–37)

Gelnhausen: (Nr.: 38–133)

Hahnenkamm: (Nr.: 134–161)

Aschaffenburg: (Nr.: 162–260)

Obernburg: (Nr.: 261–325)

Miltenberg: (Nr.: 326–329)

Stellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wassergefüllte Panzergraben zwischen Hailer und Lieblos
Plan eines Regelbau 1 nach Zeichnung 170B9.
Zu sehen sind Kampfraum / Bereitschaftsraum (rot), Gasschleuse (gelb), Panzertür (unten), Notausgang (rechts) und Panzerplatte mit Maschinengewehr (oben).

Die Verteidigungslinie bestand vorwiegend aus Regelbauten 1 (MG-Schartenstand) und 2a (MG-Schartenstand mit Einheitsgruppe) sowie der Gruppenunterstand 117 B8 II. Außerdem existierten Scheinstände. Man errichtete für die Artilleriebeobachtunghochstände und MG-Hochstände lediglich die Fundamentplatten. Das Material für die 13 t schweren und 8 m hohen Türme wurde in unmittelbarer Nähe in Schuppen eingelagert, sodass diese im Kriegsfall aufgebaut werden konnten. Auch Infanteriehindernisse wie Stacheldraht wurden vorerst noch nicht aufgebaut. Die Artillerie sollte in Feldstellungen hinter der eigentlichen Linie in Stellung gehen, und von den vorgeschobenen Beobachtungsständen geführt werden. Als aktive Panzerabwehr waren 3,7 cm PAK-Geschütze in Feldstellungen vorgesehen. An mehreren Stellen der Verteidigungslinie wurden bis zu 3,5 m lange Holzpfähle mit von Dieselmotoren betriebenen Rammen in den Boden getrieben und Wassergräben ausgehoben.[1]

Folgende Tabelle enthält eine Auflistung aller in der Wetterau-Main-Tauber-Stellung errichteten Anlagentypen. Die Spalte „Regelbau“ gibt die seit dem 14. November 1936 vergebene Regelbaunummer an. Diese gab es teilweise noch in der Bauweise (BW) „a“. Zuvor existierten nur Zeichnungsnummern (ZN). In der Spalte „Anzahl“ wird angezeigt, wie oft die jeweilige Anlage in der Wetterau-Main-Tauber-Stellung vorkam:[1]

Regelbau BW Funktion ZN Anzahl
Regelbau 1 MG-Schartenstand 102
505 B01 5
a 2
Regelbau 2 MG-Schartenstand mit Einheitsgruppe 17
506 B01 1
a 57
Regelbau 4 MG-Schartenstand mit Kleinstglocke & Einheitsgruppe 174 B9 2
Regelbau 5 a Doppel-MG-Schartenstand 108 B2 1
Regelbau 6 Doppel-MG-Schartenstand mit Einheitsgruppe 109 B8 5
Regelbau 9 MG-Schartenstand mit Scharten- & Deckenplatte 115 B8 18
Regelbau 10 a MG-Schartenstand mit Einheitsgruppe 1
Regelbau 18 PAK-Unterstellraum mit Bereitschaftsraum 111 B8 2
Regelbau 22 Kompanieführerstand mit MG-Schartenanlage 194 B9 2
Regelbau 23 MG-Schartenstand mit Zwei- oder Dreischartenkuppel 195 B9 6
Regelbau 24 MG-Schartenstand mit Zwei- oder Dreischartenkuppel & Einheitsgruppe 196 B9 6
Regelbau 27 Batallionsgefechtsstand 120 B8 1
Regelbau 28 Artilleriebeobachtungsstand 807 B2 2
a Artilleriebeobachtungsstand mit MG-Schartenanlage 808 B2 1
Gruppenunterstand mit Kleinstglocke 117 B8 I 2
Gruppenunterstand 117 B8 II 30
- Unterstand für Artilleriebeobachter 123 B8 3
- Hochstand für MG 14
- Hochstand für Artilleriebeobachter 8
- Scheinanlagen 29
- Sonderkonstruktionen 12

Bunker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bunker 205 / Staustufe Mainaschaff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Karte der Staustufe Mainaschaff um 1940

In die 1914–1919 errichtete und heute nicht mehr bestehende Staustufe Mainaschaff wurde der Bunker mit der Nummer 205 (zuvor Nr.: A 95) (Lage) in den Pfeiler integriert und so getarnt. Der Bunker wurde als Sonderkonstruktion und nicht als standardisierter Regelbau errichtet. Er diente bei den Kämpfen um Mainaschaff als Gefechtsstand und wurde wie die Staustufe im Jahr 1972 abgerissen.[1] Am oberen Ende der Schleusenfloßgasse befand sich der Bunker 206 (A 102), ein Regelbau 2a.[5]

Bunker 224[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Bunker der Wetterau-Main-Tauber-Stellung in Aschaffenburg
Bunker mit der Nummerierung 224

Der unter Denkmalschutz stehende Bunker mit der laufenden Nummer 224 (zuvor Nr.: A h)[1] (Lage) befindet sich im Aschaffenburger Stadtteil Nilkheim, zwischen Park Schönbusch und altem Bahnhof, direkt am früheren Gleis der Bachgaubahn. Mit der Ausbaustufe „C“ ist er der einzige erhaltene Bunker der Wetterau-Main-Tauber-Linie am Untermain, bei dem alle Panzerteile im Original und komplett erhalten sind. Die meisten anderen Bunker wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1945–1946 von den Amerikanern gesprengt. Dadurch, dass der als Laderampe für den naheliegenden Bahnhof getarnte Bunker von der Bundesbahn verschweißt und die Rampe weiter genutzt wurde, entging er der Zerstörung und Plünderung.[6]

Der Bunker 224 wurde als Regelbau 1, also als MG-Schartenstand, der schwächeren Baustärke „C“, nach dem Schema 505 B01[1] für eine fünf Mann Besatzung errichtet. Er sollte die Nilkheimer Mainbrücke gegen einen aus Richtung Großostheim eindringenden Feind sichern. Die Task Force sollte genau diesen Weg nutzen, um über die Brücke nach Schweinheim vorzudringen.[6]

Die Bundesbahn verkaufte im Jahr 2002 die Anlage 224, die dann in Privatbesitz überging. Um das Denkmal weiter zu erhalten, begann im November 2011 eine private Interessengemeinschaft damit, den Bunker zu restaurieren und anhand altem Bildmaterial wieder in den Zustand von 1936 zu versetzen. Bis Mai 2013 wurden etwa 1300 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet und hohe finanzielle Mittel investiert, um den Originalzustand wieder herzustellen. Der Bunker 224 wurde 1945 bei Luftangriffen beim Kampf um Aschaffenburg von der Bevölkerung genutzt. Auf 9 m² fanden bis zu 30 Personen Schutz.[6]

Bunker 280 / Staustufe Wallstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bunker 280 in der Staustufe Wallstadt mit der südlichen MG-Scharte

Sehenswert ist die Staustufe Wallstadt, die als Sperrwehr verstärkt und zum Schutz vor feindlicher Inbesitznahme mit dem auch heute noch sichtbaren Bunker mit der Nummer 280 (zuvor Nr.: Ob 41) (Lage) armiert wurde. Sie wurde zeitgleich mit der Wetterau-Main-Tauber-Stellung errichtet und sollte zum Aufstauen des Mains als Hindernis dienen. Außerdem wollte man dadurch das flussaufwärts liegende Ostufer versumpfen lassen. Auf der östlichen Kleinwallstädter Mainseite errichtete man am Turbinenhaus ein Doppel-MG-Schartenstand der Baustärke „C“ als Sonderkonstruktion. Der Bunker hatte wie die meisten C-Bauten keine Luftschleuse. Er war anfangs für eine Besatzung von fünf Mann vorgesehen und wurde später auf die doppelte Anzahl erhöht. Der Bunker wurde damals nicht zerstört und besteht noch heute.[1]

Bunker 301[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der mit Sandsteinen verblendete Bunker 301 am Rande des Forstwaldes bei Elsenfeld

Der Bunker mit der Nummer 301 (zuvor Nr.: Ob 97) (Lage) befindet sich im gemeindefreien Gebiet Forstwald zwischen Elsenfeld und Rück am südlichen Ufer der Elsava. Er war Teil einer zweiten Stellungslinie entlang des Waldrandes und sollte zusammen mit fünf weiteren Kampfständen und einer Scheinanlage das unteren Elsavatal sperren. Die Hauptlinie wurde am rechten Mainufer errichtet.[7]

Zwischen Herbst 1936 und Frühsommer 1937 baute man den Bunker 301 als Regelbau 1 in den Bahndamm der heute nicht mehr bestehenden Spessartbahn und verblendet die Außenwände mit Sandsteinen. Er war für eine Besatzung von fünf Soldaten vorgesehen und wurde mit einem MG 08 bewaffnet. Als Sonderausführung erhielt der Bunker einen zusätzlichen Eingangsstollen. Im Zuge der Entmilitarisierung wurde er nach dem Kriegsende von den Amerikanern gesprengt. Der Innenraum wurde dabei vollständig zerstört. Danach hat man die Panzerteile ausgebaut und verschrottet.[7][3]

Im Juni 1989 kamen vom Forstamt Kleinwallstadt und dem Markt Elsenfeld Pläne auf, den im Vergleich nur leicht beschädigten Bunker 301 zu einem Fledermausquartier umzugestalten. Durch private Initiative hatte man den Bunker Anfang der 1990er Jahre von außen saniert und anhand der noch vorhandenen Bauunterlagen originalgetreu rekonstruiert. Bei den Panzerteilen handelt es sich um einfache Nachbildungen. Im Jahr 1996 wurde der Wohnraum für Fledermäuse eingerichtet.[7][3]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wetterau-Main-Tauber-Stellung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x Matthias Schneider: Little Siegfried-line. Die Geschichte der Wetterau-Main-Tauber-Stellung. S. Roderer Verlag, Regensburg 1997, ISBN 3-89073-169-4 (Theorie und Forschung, Geschichte 7).
  2. a b c Till Kiener: Die Neckar-Enz-Stellung. Einführung in die Geschichte und Technik. Eigenverlag, Nürtingen 2000 (Begleitheft für den Besuch des Museumsbunkers Ro 1 Bissingen).
  3. a b c Main-Echo vom 21. August 2014: Im Bunker hausen jetzt die Fledermäuse (kostenpflichtig)
  4. Main-Echo vom 26. April 2008: Weinwächter-Sitz mit Blick übers Land (kostenpflichtig)
  5. Informationstafel: Aschaffverlegung und Floßgasse
  6. a b c Informationstafel am Bunker 224
  7. a b c Informationstafel am Bunker 301