Șura Mare

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Șura Mare
Großscheuern
Nagycsűr
Șura Mare führt kein Wappen
Șura Mare (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Siebenbürgen
Kreis: Sibiu
Koordinaten: 45° 51′ N, 24° 9′ O45.85111111111124.145450Koordinaten: 45° 51′ 4″ N, 24° 8′ 42″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Höhe: 450 m
Fläche: 74,85 km²
Einwohner: 3.769 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km²
Postleitzahl: 557265
Telefonvorwahl: (+40) 02 69
Kfz-Kennzeichen: SB
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Gemeinde
Gliederung: Șura Mare, Hamba
Bürgermeister: Nicolae Avram (USL)
Postanschrift: Str. Principală, nr. 252
loc. Șura Mare, jud. Sibiu, RO–557265
Webpräsenz:
Alter Gemeindesaal
Weltkriegsdenkmal auf dem Friedhof in Großscheuern
Deutscher Friedhof in Großscheuern, vom Kirchturm aus gesehen
Evangelische Kirche

Șura Mare (deutsch Großscheuern, sächsisch Griußscheiern, lateinisch Magnum Horreum, ungarisch Nagycsűr) ist eine Ortschaft in Siebenbürgen (Rumänien).

Lage[Bearbeiten]

Șura Mare liegt im Kreis Sibiu, sieben Kilometer nordöstlich der Kreishauptstadt Sibiu (Hermannstadt) an der Nationalstraße DN 14, die nach Mediaș führt.

Geschichte und Gegenwart[Bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten]

Großscheuern wurde 1337 als Magnum Horreum erstmals in einer päpstlichen Steuerliste erwähnt und gehört damit zu den ältesten Gemeinden um Hermannstadt. Die ungarische Bezeichnung Nagycsür ist seit 1445 nachweisbar; 1468 wurde erstmals die deutsche Benennung Großschewren verwendet, die später leicht abgewandelt wurde, um in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die heutige Form Großscheuern zu erhalten. In einer Urkunde von 1854 wird erstmals der rumänische Name Șura Mare erwähnt.

Die Ortschaft wurde mehrmals zerstört und geplündert: 1529 von Truppen aus der Moldau, 1600 von Mihai Viteazul und Anfang des 18. Jahrhunderts mehrmals von den Kuruzen.

Dennoch hatten sich die Dorfbewohner bereits im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts von den Kriegswirren erholt, so dass sie die größten Steuerträger des Hermannstädter Stuhls bildeten.

Schulkinder wurden bereits 1512 in Großscheuern erwähnt. 1724 und 1748 wurden Reparaturkosten für das Schulgebäude vermerkt. Da im alten Schulgebäude die wachsende Kinderzahl nicht mehr untergebracht werden konnte, wurde 1863 eine neue Schule für 8400 Gulden gebaut.

1905 wurde ein großer und moderner Gemeindesaal seiner Bestimmung übergeben; 1907 wurde die Gemeinde an das elektrische Stromnetz angeschlossen.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges fanden im Oktober 1916 kleinere Kämpfe zwischen österreichischen und rumänischen Einheiten auf dem Gemeindegebiet statt. Die Mehrheit der Einwohner floh. Der Krieg forderte 48 Todesopfer unter den Dorfbewohnern.

Im Zweiten Weltkrieg zogen im Herbst 1944 sowjetische Truppen durch die Gemeinde. Deutsche Kampfflugzeuge bombardierten daraufhin das Dorf. Dabei entstand großer Schaden. Die Bewohner sahen sich abermals gezwungen zu fliehen und kehrten erst einige Wochen später in ihre ausgeplünderten Häuser zurück.

Bis zum Ende des Krieges waren im Ort verschiedene sowjetische Militäreinheiten und ein Pferdefeldspital untergebracht. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt, ging jedoch in die Tausende: auf jedem sächsischen Hof waren an die hundert Mann einquartiert. Die abgemagerten und verwahrlosten Soldaten vernichteten große Teile des Pfarr-, Schul- und Notenarchivs sowie der Schulbücherei, indem sie wertvolle Unterlagen zum Einheizen verwendeten.

Am 13. Januar 1945 und den folgenden Tagen wurden 223 Männer und Frauen in die Sowjetunion deportiert, von denen 21 Männer und ein Mädchen in der Verschleppung starben. Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Siebenbürger Sachsen in Großscheuern 105 Kriegsopfer zu beklagen.

Durch das Bodenreformgesetz vom 23. März 1945 wurde die deutsche Bevölkerung nahezu komplett enteignet.

Bevölkerungsstatistik[Bearbeiten]

1880 1930 1939
Deutsche 981 1492 1718
Rumänen 573 703 843
Roma 111 138 ---
Ungarn 3 10 ---
Sonstige 22 --- ---
Gesamt 1690 2343 2561

Die deutsche Bevölkerung in Șura Mare betrug

  • 1945: 1200
  • 1964: 1537
  • 1989: 700
  • 1990: 180

Laut der Volkszählung aus dem Jahr 2002 lebten in der Gemeinde Șura Mare, die außerdem noch das Dorf Hamba umfasst, 3309 Menschen. 3102 waren Rumänen, 141 waren Roma, 50 waren Siebenbürger Sachsen, 14 Ungarn und je einer bezeichnete sich als Grieche und einer als Lipowaner.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Evangelische Kirche, 1238 als dreischiffige, romanische Basilika mit Westturm erbaut, Zerstörung in den Türkenkriegen, Umbauten zur Wehrkirche im gotischen Stil um 1500, Barockaltar (1744), Renovierung 1980–1982.

Karitatives[Bearbeiten]

Seit dem 1. Mai 2009 gibt es in der Grundschule von Șura Mare ein Tageszentrum für bedürftige Kinder. In diesem bekommen 15 Kinder der ethnischen Minderheit der Roma und 17 rumänische Kinder eine warme Mahlzeit und pädagogische Betreuung. Außerdem werden sie auch psychologisch betreut, da viele von ihnen schwere psychosoziale Traumen aufweisen. Initiator sind die Asociația Speranță și Sâmbet und der Verein Kinderhilfe für Siebenbürgen. Seit 2011 ist das Tageszentrum für 35 Kinder mit dem Namen „Pippi Langstrumpf“ in einem angemieteten Haus in Sibiu untergebracht.[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Goblinus (14. Jahrhundert), katholischer Bischof von Karlsburg (1376–1386)[4]
  • Hieronymus Ostermayer (* ~1500–1561), Gelehrter und Organist[5]
  • Johann Haupt (17. Jahrhundert), war von 1670 bis 1675 Stuhlrichter in Hermannstadt, von 1678 bis 1685 Bürgermeister sowie von 1685 bis 1686 Königsrichter

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Șura Mare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien bei citypopulation.de
  2. Daten zu den Volksgruppen 2002 (ungarisch)
  3. webdarstellung der Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V.
  4. Angaben zu Goblinus bei siebenbuerger.de
  5. George Michael Gottlieb von Herrmann: Das alte Kronstadt. Eine siebenbürgische Stadt- und Landesgeschichte bis 1800 (= Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens. Bd. 32). Herausgegeben von Bernhard Heigl und Thomas Șindilariu. Böhlau, Köln u. a. 2010, ISBN 978-3-412-20439-6, S. 393.