Hordeolum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
H00.0 Hordeolum und sonstige tiefe Entzündung des Augenlides
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Gerstenkorn nach ca. 2 Tagen
Gerstenkorn nach 5 Tagen
Geplatztes Gerstenkorn

Ein Hordeolum (von lat. hordeumGerste“) oder deutsch Gerstenkorn (mittelbairisch, österreichisch: Gerschtl, schweizerdeutsch: Ürseli, Gritli, "Werle", österreichisch: Wern) ist eine meist eitrige Entzündung der Drüsen der Augenlider in Form eines Abszesses mit Durchbruch nach innen oder außen.

Bei einem Hordeolum externum erfolgt der Eiterdurchbruch nach außen und die Moll-Drüsen (Schweißdrüsen) oder Zeis-Drüsen (Talgdrüsen) sind betroffen. Bei einem Hordeolum internum erfolgt der Eiterdurchbruch nach innen, hier sind die Meibom-Drüsen (Talgdrüsen am Lidrand) infiziert. Von dem Hordeolum abzugrenzen ist das schmerzlose Chalazion (Hagelkorn), bei dem es sich um eine chronische granulomatöse Entzündung der Meibom-Drüsen handelt.[1]

Ursache[Bearbeiten]

Das Gerstenkorn wird meist durch eine Staphylokokken- (Staphylococcus aureus in 90 bis 95 Prozent aller Fälle), selten durch eine Streptokokken-Infektion, hervorgerufen. An sich ist es eine harmlose Infektion. Treten diese Entzündungen jedoch gehäuft auf, spricht das entweder für ein geschwächtes Immunsystem – verursacht zum Beispiel durch Diabetes mellitus – oder für eine ständige Wiederinfektion, zum Beispiel durch Reiben der Augen mit infizierten Händen. Risikofaktoren sind mangelnde Hygiene, das Tragen von Kontaktlinsen oder Make-up.

Symptome[Bearbeiten]

Eine schnell auftretende Entzündung, schmerzhafte und eitrige Schwellung und lokale Rötung sind die Symptome des Gerstenkorns. Auch die Bindehaut kann mitbetroffen sein und geschwollen und gerötet erscheinen. Bei den tiefliegenden Infektionen (Hordeolum internum) kann es auch zu einer Vorwölbung des Lidrandes kommen. Auch können die Patienten Fieber haben. Als seltene Komplikationen treten Lidabszesse, Orbitalphlegmone (Ausdehnung der Entzündung auf das ganze Auge) oder Thrombosen auf.

Therapie[Bearbeiten]

Ein Gerstenkorn ist zumeist harmlos, kann aber unbehandelt bzw. durch eine verspätet erfolgte Inzision zu einer Lidphlegmone führen. Ein chronischer, rezidivierender Verlauf (Hordeolosis) kann Hinweis auf einen bisher unentdecktes Diabetes mellitus sein.[1][2]

Desinfizierende und antibiotische Salben bei Nacht und Augentropfen (z. B. Gyrasehemmer, Bibrocathol) am Tag können helfen, die Schwellung zu verringern und die Infektion zu beseitigen. Gängige Wirkstoffe sind unter anderem Neomycin oder Gentamicin.[3] Trockene Wärme, z. B. Rotlicht, ist ebenfalls hilfreich. Weniger sinnvoll ist feuchte Wärme, wie sie bei Verbänden und heißen Umschlägen entsteht; sie führt zu einer Aufweichung der Haut. Dies kann eine Verschleppung der Keime, welche die Infektion hervorgerufen haben, zur Folge haben. Obwohl häufig empfohlen, sollte man daher auf feuchte Umschläge beim Gerstenkorn verzichten.

Bricht das Gerstenkorn nach einiger Zeit nicht selbständig auf und kommt es zu starken Schwellungen, Fluktuationen oder einer starken Schmerzzunahme, sollte ein Augenarzt durch einen Einstich (Inzision) das Gerstenkorn öffnen. Das Gerstenkorn darf aber nicht selbst ausgedrückt werden, weil die Entzündungserreger sonst über die ableitenden Venen abgeschwemmt werden können.

Da die Erreger übertragbar sind, sollte Berührung vermieden und die Hände gegebenenfalls desinfiziert werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Th. Axenfeld (Begr.), H. Pau (Hrsg.): Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., S. 155 ff., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, ISBN 3-437-00255-4
  2. Hans-Ulrich Comberg und Hans-Dieter Klimm: Essentials Allgemeinmedizin. Intensivkurs zur Weiterbildung. Thieme, Stuttgart 2004, S.347, hier online auf Googlebooks
  3. PharmaWiki, Schweiz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stye – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!